Heute vor 50 Jahren - Zwei Welten und ihre Ereignisse

Selbst Menschen, die sich vermeintlich nicht für Politik interessierten, wurden 1961 hellhörig, als ein weitreichendes Ereignis West- und Ostdeutschland gleichermaßen erschütterte, ein Ereignis, das weltweit Aufmerksamkeit erregte: Am 13. August wurde in Berlin das ohnehin schon geteilte Deutschland zusätzlich durch den Bau einer Mauer zerrissen. Von einer Wiedervereinigung waren diese beiden Staaten nun noch weiter entfernt als je
zuvor. Wer sich zum falschen Zeitpunkt im Westen Berlins aufhielt, konnte nicht zurückkehren. Die Mauer durchquerte Straßenzüge, Nachbarn von gegenüber gehörten plötzlich zu einer anderen Welt, wurden zu sogenannten „Klassenfeinden“. In Ostberlin, wo die Bauarbeiter sich hauptsächlich dem Wohnungsbau widmeten – so hatte es jedenfalls noch kurz zuvor der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht formuliert – begannen sie über Nacht eine Begrenzung zu erbauen, die von Stund’ an das Verlassen des Ostteils der Stadt in den Westteil zu einer strafbaren Handlung erhob, die gegebenenfalls sogar mit dem Tode geahndet wurde. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Auch dieses Zitat stammt von Walter Ulbricht, der sich derart gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ geäußert hatte. Die Situation war für die Menschen ein Schock, wenngleich die Berliner ihren Humor bald wiederfanden, der in diesem Fall sarkastisch klang: „Berlin ist einzige Stadt, die in allen Himmelrichtungen Osten hat.“
Zum schwarzen Humor kamen schwarze Zeiten. Während die
DDR glaubte, ihr diktatorisches System durch Zwang und Freiheitsberaubung zu festigen, gedieh im Westen der Stadt das Wirtschaftswunder. Und weil das Wunder nicht von allein gedeihen konnte, schloss die Bundesrepublik ein sogenanntes Anwerbeabkommen mit der Türkei ab, durch das Gastarbeiter ins Land kamen und bei der Wunder-Gestaltung helfen sollten. Es war nicht das erste Abkommen dieser Art. Bereits ein Jahr zuvor, waren spanische und griechische Gastarbeiter gekommen. Bis zum Jahr 1968 ging es jährlich so weiter. Marokkaner, Portugiesen, Tunesier und Jugoslawen wurden im Arbeitsalltag zur Selbstverständlichkeit. Die Italiener waren längst in Deutschland angekommen, denn auf Drängen Italiens, das ein großes Arbeitslosen-Problem zu bewältigen hatte, entstand bereits 1955 das erste Anwerbeabkommen. Auch die DDR holte sich Helfer, natürlich aus dem befreundeten Ausland, für die es dann eine Ehre zu sein hatte, dort zu arbeiten. Allerdings dauerte es bis zum Jahre 1980, ehe der erste Gastarbeiter aus Vietnam in die DDR kommen durfte.
Ein Ereignis, das die Welt in einer anderen Weise bewegte, war im selben Jahr die Wahl John F. Kennedys zum 35. Präsidenten der USA. Bis dato hatte noch nie ein Katholik dieses Amt inne gehabt. Außerdem war John F. Kennedy der jüngste Präsident, den die Amerikaner je zu ihrem Staatsoberhaupt erwählt hatten. Doch seine Präsidentschaft währte nur kurze Zeit. Er, der u. a. gegen die Rassentrennung vorging, wurde am 22. November 1963 ermordet. Seine Amtszeit war keine Glanzzeit und er hatte keine Gelegenheit mehr, das zu ändern. Und immer noch tobte der Krieg der USA gegen Vietnam, dem man mit einer Erwähnung allein nicht gerecht wird. Die außenpolitischen Ereignisse Amerikas warfen kein gutes Licht auf die Anfangsjahre des sechziger Jahrzehnts. Daran änderte auch die Ankündigung nichts, dass Amerika bis 1970 auf dem Mond landen würde. Doch Kennedys Solidarität mit den „eingemauerten“ Deutschen in Westberlin, die er am 26. Juni 1963 zum 15. Jahrestag der Berliner Luftbrücke zum Ausdruck brachte, wurde zur Legende. Sein Satz „Ich bin ein Berliner“ ist heute noch in aller Munde, wenn auch mitunter ohne Kenntnis der Zusammenhänge. Denkt man an John F. Kennedy, drängt sich auch die Erinnerung an Marilyn Monroe auf. Nicht nur, dass ihr Ständchen „Happy Birthday, Mr. President“ zu dessen Geburtstag am 29. Mai 1962 Schlagzeilen machte, es war zudem ihr letzter öffentlicher Auftritt. Wenig später, am 5. August, starb Marilyn Monroe. Vergessen ist sie jedoch nicht. Noch Generationen nach ihr huldigen dieser faszinierenden, schönen Frau, die eine der begehrtesten Filmschauspielerinnen war und als Sexsymbol des letzten Jahrhunderts gilt. Unvergessen ihr Film, der 1961 in die Kinos kam: „Misfits – Nicht gesellschaftsfähig“.
Ereignisreich war das
1961 auch auf dem Gebiet der Technik. So wie der Osten politisch gegen den Westen arbeitete – und umgekehrt – fochten die Sowjetunion und die USA einen harten Kampf bei der Eroberung des Weltalls aus. Die Tatsache, dass bereits im März bei einem Raumflug des „Sputnik 10“ der Hund „Swedotschka“ ins All geschickt worden war, verblasste angesichts des kurz darauf gestarteten Raumschiffes „Wostok 1“. Darin saß der erste Mensch, der in den Weltraum flog. Juri Gagarin hatte sich damit am 17. April 1961 in den Geschichtsbüchern verewigt. Wenige Tage später setzten die Amerikaner nach. Alan Shepard war für sie am 5. Mai der Mann im All. Die sowjetische Raumfahrtbehörde schickte bereits am 6. August erneut ein Raumschiff, die „Wostok 2“ mit German Titow, in den Weltraum. Wiederum ein Erfolg. Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das 4 Jahre später dazu führte, dass die Menschheit ein neues Wort wie selbstverständlich in ihren Sprachgebrauch aufnehmen konnte: Mondlandung. Es war klar, dass es sich in die „100 Wörter des 20. Jahrhunderts“ würdig einreihte, denn am 21. Juli 1969 betrat ein Amerikaner tatsächlich den Mond. Es war Neil Armstrong, der der Besatzung von „Apollo 11“ angehörte. Seine Worte „Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Schritt für die Menschheit“ wurden zum berühmtesten Zitat weltweit. Dass er sich versprochen und den Satz ein wenig verdreht hatte, ist eine unbedeutende Sache, die im geschichtlichen Nebel zu Recht untergegangen ist.
Die
sechziger Jahre waren in vielerlei Hinsicht spektakulär und aufregend. Der Kalte Krieg, die Auseinandersetzung des Ostblocks unter sowjetischer Führung und der des Westens mit den USA an der Spitze, trieb die Menschen in den politisch unterschiedlich geführten Ländern oftmals in arge Notsituationen, denn mit Freiheit hatte die Ostblock-Politik nichts im Sinn. Während die sozialistischen Länder mit aller Kraft und auch mit Gewalt ihre Bürger zu sogenannter Linientreue zwangen, wurde deren Drang nach Freiheit umso größer. Die österreichische Hauptstadt Wien wurde damals zur ersten Bühne der Entspannungs-Bemühungen. Hier trafen sich John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow, um dem Rüstungswettlauf entgegenzutreten. Die Gespräche verliefen erfolglos, jedoch nicht ohne Ergebnis. Das sowjetische Staatsoberhaupt nahm den Amerikaner seiner Jugend und Unerfahrenheit wegen nicht ernst. Also gab er damals den „Startschuss“ für den Mauerbau in Berlin. Die kleine DDR war dem „großen Bruder“ hörig und tat, was der entschieden hatte, um die Abwanderung unzähliger Fachkräfte zu stoppen. Auch ein Jahr später wirkte sich dieses Gipfeltreffen der Großmächte noch aus: Sowjetische Atomraketen wurden 1962 auf Kuba stationiert. Als hatte die Welt nicht schon genug Elend erleben müssen, rüsteten Amerika und die UdSSR weiter um die Position des Stärkeren.
Das Regime in der UdSSR sah genauso diktatorisch aus wie das in der DDR und in den anderen sozialistischen Ländern. Als beispielsweise das Leningrader Kirow-Ballett – neben dem Bolschoi-Ballett die renommierteste Kompanie der Sowjetunion – in
Frankreich zu einem Gastspiel weilte, entschloss sich Rudolf Nurejew, nicht mehr zurückzukehren. Als Solist des Ensembles hatte er Privilegien genossen, die auch eine Gastspiel-Reise nach Wien ermöglichten. Aber das zog auch weniger attraktive Tourneen nach sich, die er nicht ablehnen konnte. Er musste „gehorchen“. Etliche dieser Auftritte im eigenen Land und in der DDR waren für den inzwischen im ganzen Land berühmten Tänzer wegen ihrer miserablen Gegebenheiten eine Zumutung. Als Nurejew im Sommer 1961 erstmals mit dem Kirow-Ensemble in Frankreich gastierte und am Ende dieser Tournee anstatt mit den Kollegen nach London weiterzureisen, von der Parteiführung in die Sowjetunion zurück beordert wurde, bat er in Frankreich um Asyl. Diese Flucht Nurejews ins westliche Ausland ging bereits am nächsten Tag durch die Nachrichten. An der Popularität des Tänzers änderte sich nichts. Im Gegenteil. Im Jahre 1964 ging er an das Wiener Staatsopernballett, wo er bis 1988 als Tänzer und Choreograf sehr erfolgreich war.
Ein herausragendes Ereignis des Jahres 1961 waren auch die Bayreuther Festspiele, die zum 50. Male stattfanden. Unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch eröffnete das Haus auf dem Grünen Hügel seine Festivalzeit mit „Tannhäuser“. Was für eine Besetzung! Wolfgang Windgassen brillierte in der Titelpartie. Ihm standen u. a. Dietrich Fischer-Dieskau und aus der DDR der renommierte Tenor Peter Schreier zur Seite. Die Sensation war aber die Darstellerin der Venus: Grace Bumbry, die erste schwarzhäutige Sängerin, die in Bayreuth auftrat. Ihr Erfolg bei diesen Festspielen war triumphal. Wohl denen, die dabei sein durften und zudem die richtige Garderobe hatten. Die sah nämlich in den sechziger Jahren ein wenig unscheinbar aus. Zwar trug die elegante Dame zu einem schmalen Tageskleid unbedingt einen Hut und auch Handschuhe, aber die nach unten versetzte Taille erinnerte eher an die Charleston-Zeit der
zwanziger Jahre als an einen besonderen Opernabend. Was die Herren tagsüber trugen, war auch nicht gerade für einen festlichen Anlass geeignet. Die Anzüge waren von geradem Schnitt. Dabei waren vorwiegend gedeckte Farben gefragt. Die Hosen wurden nach unten hin schmal. Da musste der Schuh modisch sein, denn er war der eigentliche Blickfang. Auch das war schon einmal modern gewesen. Für den Abend hatten es die Herren leichter als die Damen. Sie nahmen einen Smoking oder einen Nadelstreifenanzug aus dem Schrank und waren fertig. Ihre Kleidungsstücke hatten sich in den Jahren zuvor kaum verändert. Die Damen konnten derweil mit ihren Hüten auftrumpfen, die stets ein wenig kokett wirkten, denn meistens war sie asymmetrisch aufgekrempelt. Ein Hut für den Abend war mit Tüll oder Seide aufgeputzt.
Bei den jungen Leuten rief derweil eine Erfindung der Pharmaindustrie Begeisterung hervor. Am 1. Juni 1961 wurde erstmals die Antibabypille auf den deutschen Markt gebracht, die ein Jahr zuvor bereits Amerika erobert hatte. Dieses kleine Medikament verhalf den Jugendlichen zu einer neuen sexuellen Freiheit, noch bevor die eigentliche Sexuelle Revolution im Zuge der Studentenbewegung 1968 begann. In den Jahren 1961/62 sorgte ein weiteres Arzneimittel für enorme Aufmerksamkeit. Von Begeisterung konnte jedoch in dem Fall keine Rede sein. Seit 1957 war dieses Medikament im Umlauf. Es sollte gegen die morgendliche Schwangerschaftsübelkeit helfen. Nun war „Contergan“ Gegenstand eines spektakulären Arzneimittelskandals. Es war eine Schreckensbotschaft, als die ersten Bilder von missgebildeten Neugeborenen veröffentlicht wurden. Ein Zeitungsartikel der „Welt am Sonntag“ veranlasste schließlich die Vertreiber-Firma Grünenthal, das Mittel aus dem Verkehr zu ziehen. Das geschah am
27. November 1961. Doch bis dahin hatte „Contergan“ einen weltweiten, nicht wieder gutzumachenden Schaden angerichtet. Erst 1967, nach eingehenden Untersuchungen, kam es zu einer Anklage gegen den führenden Gesellschafter der Firma und gegen mehrere leitende Mitarbeiter. Zu Zahlungen war die Firma bereit, ein Urteil wurde nicht gefällt. Und das, obwohl eine Woche vor der Rücknahme des unseligen Mittels der Herstellerfirma fast 2000 Warnungen vorgelegt worden waren, über die die Vertriebsfirma informiert war. In der DDR hatte man den Vertrieb des Medikaments abgelehnt, da man es als unzureichend geprüft einstufte. Die Zahl der Missgeburten konnte dadurch auf nicht einmal zehn dokumentierte Fälle minimiert werden. Hier hatte das staatliche Misstrauen Schlimmeres verhindert.
Die Zeit von 1958 bis 1960 war für diejenigen, die das Glück hatten, ihm persönlich zu begegnen, etwas ganz Besonderes. Bodenständig, freundlich und umgänglich, großzügig und heiter – mit diesen Worten wurde Elvis Presley beschrieben, der sich in jener Zeit in Deutschland aufhielt. Als Angehöriger der amerikanischen Armee weilte er zu Manöverzwecken u. a. im bayerischen Grafenwöhr. Wenn sich zur selben Zeit einer seiner Hits aus dem Radio ergoss, schmolzen die jungen Leute dahin. Ihr einstiger King of Rock’n’Roll war sanfter geworden, doch mit „It’s Now Or Never“ hatte er keines seiner Fan-Herzen verloren. Bis heute nicht.
Unerwartet verließ am
13. Mai 1961 einer der beliebtesten US-Schauspieler die Bühne des Lebens: Gary Cooper. Gerade einmal fünfzig Jahre alt war er geworden. Er war ein enger Freund des Schriftstellers Ernest Hemingway, den die Welt wenige Tage später betrauerte. Er starb am 2. Juli desselben Jahres. Gary Cooper lebt in seinen Filmen weiter, vor allem in „High Noon“, dem unnachahmlichen, klassischen Western. Ernest Hemingway bleibt den Menschen in Erinnerung u.a. durch seine Novelle „Der alte Mann und das Meer“, für die er bereits 1954 den Literaturnobelpreis erhalten hatte und die heute noch jeder halbwegs belesene Mensch mit seinem Namen in Verbindung bringt.
Und schaut man auf die Kinoleinwand, dann hatte sich Deutschland mit einem Highlight hervorgetan. „Es muss nicht immer Kaviar“ – so hieß der Film, der nach dem gleichnamigen Roman von
Johannes Mario Simmel entstanden war. Der smarte O. W. Fischer eroberte drehbuchgemäß die Frauenherzen und auch die der Zuschauerinnen. Kein Vergleich allerdings mit einem James-Bond-Film, von denen die ersten Streifen in den sechziger Jahren in die Kinos kamen. Dieser Kult-Agent 007 ist auch heute noch ein Garant für volle Kassen. Meistens.
Wer nicht ins
Kino gehen wollte und schon im Besitz eines Fernsehgerätes war, sich zudem für Sport interessierte, ohne ihn selbst auszuüben, dem wurde am 4. Juli eine große Freude zuteil. Die ARD strahlte die erste „Sportschau“ aus. Wenngleich in den folgenden Wochen noch nicht über Fußball berichtet wurde, waren die Zuschauer dennoch sehr interessiert. Die Sendung wurde mit der Einführung der Fußball-Bundesliga auf das Wochenende verlegt. Damit wurde sie für die Männer zum Straßenfeger. Die Entscheidung des Deutschen Fußball-Bundes am 28. Juli 1962, die höchste Spielklasse im Fußball als Bundesliga zu bezeichnen, stieß allseits auf Zustimmung. Das erste Spiel wurde dann am 1. August 1963 ausgetragen. Aufmerksame Fans werden den Namen Gert Müller gewiss mit 365 Toren in Verbindung bringen. Sein Status als Torschützenkönig ist bis heute ein Grund für nachhaltige Bewunderung. Für diejenigen, die Musik dem Sport vorzogen, gab es ab dem 22. August in der ARD „Musik aus Studio B“. Diese Sendung mit Chris Howland dauerte eine Dreiviertelstunde und wer sich an die Anfangsjahre erinnert, hört heute noch gern und mit Wehmut Interpreten wie Manuela, Lolita, Rex Gildo oder Bill Ramsey. Schlager, die eine heile Welt besangen, die die Schauermeldungen der Nachrichten vergessen machten, erfreuten sich großer Beliebtheit.
In aller Stille geschahen allerdings noch andere Dinge in der Welt, weil es Menschen gab, deren Horizont über den Tellerrand der Alltäglichkeiten hinausging. Dazu gehörte beispielsweise am 11. September 1961 die Gründung des World Wide Fund for Nature in der Schweiz. Der WWF hat heute noch Bestand und ist inzwischen nur eine von vielen Organisationen, die sich mit der Erhaltung der Natur im weitesten Sinne befasst.
Ein halbes Jahr zuvor, am
28. Mai wurde die Menschrechtsorganisation „Amnesty International“ in London gegründet. Nicht nur die Natur war in Gefahr. Menschen wurden ebenso immer wieder auf unwürdigste Weise behandelt. Weltweit. Einigen konnte diese bis heute aktive Organisation helfen. Viele blieben auf der Strecke.
Im Zuge des deutschen Wirtschaftswunders stand den Menschen elf Jahre nach Kriegsende der Sinn vor allem nach privatem Glück. Die Generation, die in den 68ern rebellierte, war noch im Wachsen.
Derweil fuhren Kinder und Eltern in die benachbarten Länder, um sich zu erholen. Österreich und Italien waren angesagt. Auch die Schweiz hatte ihre Stammgäste. Doch viele fühlten sich im eigenen Lande am wohlsten. Die Nordseeküste und die Alpen hielten damals einen Besucherrekord. An eine Fernreise, wie sie heute ganz selbstverständlich in die Urlaubs-Überlegungen einbezogen wird, dachten nur wenige Menschen. Um Asien, Australien, Neuseeland oder Amerika zu bereisen, fehlte den meisten das Geld. Billigflüge gab es, doch längst nicht in der Vielzahl wie heutzutage. Mit preiswerten Flügen konnte man die Menschen aber immerhin nach Mallorca locken. Auch wenn viele diese Insel nicht einmal richtig auszusprechen in der Lage waren, hatte sie doch genug Anziehungskraft, so dass viele sie besuchten und sei es, um mit einer bunten Postkarte Freunden und Bekannten oder gar den Verwandten in der DDR einen neidvollen Seufzer zu entlocken.
Die Uhren gingen in den sechziger Jahren schon schneller als in den zurückliegenden 50ern. Die Bescheidenheit hatte einen Pakt mit dem Konsum-Teufel geschlossen und die Menschen achteten sehr genau darauf, dass sie nicht weniger vorweisen konnten, als es dem Nachbarn möglich war. In der DDR wurde derweil nach dem Beispiel der UdSSR die Wirtschaft in Zwei- und Fünfjahrespläne eingeteilt. Die Zeitungen bejubelten die Erfolge, das reale Leben strafte die Presse Lügen. Die Doppelmoral trug bereits in den Schulen erste Blüten. Die Konsequenz zweier deutscher Staaten zermürbte die Menschen, auch wenn sich viele dem vermeintlich humanen System der Diktatur des Proletariats unterordneten. Gewonnen hatte Deutschland erst 1989, an dem Tag, als die Mauer fiel. Doch vorerst lauschte man auf beiden Seiten u.a. Nana Mouskouri und ihren „Weißen Rosen aus Athen“. Die griechische Hauptstadt sollte für die einen bald zu einem neuen Urlaubsziel werden. Für die anderen rückte die Welt in immer unerreichbarere Ferne.
Das 60er Jahrzehnt war unruhig und obwohl der Frieden nicht sicher war, der Kalte Krieg tobte, bleiben doch Kleinigkeiten in guter Erinnerung. Immerhin war die Zeit mancher Leute Jugend. Und nach ihr sehnt man sich gern zurück.
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