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Deutschland Politik 1980 – UdSSR marschierte in Afghanistan ein

Bei der Bundestagswahl wurde aus dem alten der neue Bundeskanzler Deutschlands: Helmut Schmidt. Der SPD-Politiker gab in seiner Regierungserklärung das neue Motto bekannt: „Mut zur Zukunft“. Ein Satz, der beim Parlament und auch bei der Bevölkerung auf „offene Ohren“ gestoßen war. Das Motto sollte allerdings auch von dem Rest der Welt wahrgenommen werden – wie z.B. in der Sowjetunion. Diese ließ Ende 1979 bzw. Anfang 1980 eigene Militärgruppen in Afghanistan einmarschieren – im Februar des Jahres 1980 war die Anzahl der sowjetischen Soldaten auf 85.000 angewachsen – und ein Ende war nicht in Sicht. Für den sich langsam entspannenden „Kalten Krieg“ wurde diese Meldung zu einer echten Zerreißprobe. Die USA drohte u.a. mit harten Gegenmaßnahmen. US-Präsident Jimmy Carter hatte damals sogar darüber nachgedacht, den SALT-II-Abrüstungsvertrag deshalb „platzen“ zu lassen. Einer der absoluten Höhepunkte dieser politischen Spannungen war allerdings der Boykott der Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 1980 in Moskau. Trotzdem – die Sowjetunion weigerte sich weiterhin, ihre Truppen aus Afghanistan zurückzuziehen. Das Jahr 1980 war übrigens auch der Gründungszeitraum der Bundespartei „Die Grünen“. Parteigründungsmitglieder waren u. a. Petra Kelly, August Haußleiter und Norbert Mann.
Bei der Bundestagswahl 1980 bekam die neue Partei allerdings nur 1,5 Prozent der Stimmen. „Die Grünen“ warben u. a. mit Schlagworten wie „Ökologisch“, „Basisdemokratisch“, „Sozial“ oder auch „Gewaltfrei“. Ein Lichtblick war allerdings die Wahl in
Baden-Württemberg. Hier schaffte es die Partei auf immerhin 5,3 Prozent (Zweitstimmen). Damit konnte sie erstmals Einzug in den Landtag halten. Die Grünen sahen sich vor allem als „Antiparteien-Partei“. Auch Bundestagswahl 1980 lag im Focus von Politikern und der Bevölkerung. Denn CSU-Chef Franz Josef Strauß forderte den SPD-Politiker Helmut Schmidt politisch heraus. Strauß war am Ende allerdings stimmentechnisch weit abgeschlagen. Gewinner war die sozial-liberale Koalition unter der Führung von Bundeskanzler Schmidt. Während die SPD bei der Stimmenanzahl eher stagnierte (42,9 Prozent), gewann die FDP einige neue Wählerstimmen dazu (10,6 Prozent - damit wurde die Partei klarer Sieger dieser Wahl). Aus ihrem Vorhaben, sich dem Koalitionspartner SPD erneut anzuschließen, machte die FDP auch vor der Bundestagswahl kein Geheimnis. Trotzdem war ein Ende dieser „Parteienfreundschaft“ schon in Sicht (und zwar 1982). Das machte sich bereits 1980 bemerkbar, z. B. bei der Entwicklung des neuen Regierungsprogramms. Hier kam es zwischen den Koalitionspartnern immer wieder zu Differenzen.
In Sachen Wahlplakate fuhren die beiden Haupt-Kontrahenten von CSU/SPD unterschiedliche politische Strategien auf. Während sich Franz Josef Strauß auf den Wahlplakaten als „Kanzler für Frieden und Freiheit“ zeigte, gab sich Helmut Schmidt dagegen nachdenklich und wählte den Plakatspruch „Sicherheit für Deutschland“.
1980 machte eine weitere Änderung Schlagzeilen. Wie die meisten anderen Länder der damaligen Europäischen Gemeinschaft schloss sich die BRD ebenfalls der Einführung einer Sommerzeit an. Das sollte eigentlich schon einige Jahre früher Realität werden, aber da wollte die DDR nicht mitziehen. Und zwei deutsche Staaten mit verschiedenen Zeiten, das ging nun wahrlich nicht. Nun war die DDR ganz plötzlich bereit zur Sommerzeit. Mit dem umweltfreundlichen Hintergrund, das längere Tageslicht so zum Energiesparen nutzen zu können.
Auch im Jahre 1980 gehörte der Außenhandel zu den Punkten, die für das Wirtschaftswachstum
Deutschlands absolut wichtig waren. Damals lag der Exportanteil von Waren und Dienstleistungen bei über 26 Prozent des gesamten Bruttosozialproduktes.
Der 26. September des Jahres 1980 sollte ebenfalls in die politische Geschichte unseres Landes eingehen: und zwar als schwerster Terrorakt im Nachkriegsdeutschland. An diesem Tag explodierte eine Bombe am Haupteingang des Oktoberfestes in München. Damals waren dabei 13 Menschen gestorben, weitere 211 Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Dafür verantwortlich war der 21-jährige Student und Rechtsextremist Gundolf Köhler, der selbst bei dem Anschlag ums Leben kam. Ob es sich bei Köhler wirklich um einen Einzeltäter handelte, ist bis heute umstritten. Das Ereignis selbst war jedenfalls ein Schock.
Ein weiterer wichtiger Punkt im Jahre 1980 war die Fertigstellung des so genannten Nord-Süd-Berichts „Das Überleben sichern“. Dieser war unter dem Vorsitz von Willy Brandt entstanden – dafür wurde zwei Jahre zuvor eine „Unabhängige Kommission für Internationale Entwicklungsfragen“ gegründet. Hier waren Vertreter vieler Staaten dabei – z.B. aus Kuwait, Kolumbien, Chile, den USA, Malaysia, Indien, Indonesien und Japan. Hauptgrund für diese Zusammenkunft war der Wunsch, auf die aktuellen Probleme der Dritten Welt verstärkt aufmerksam zu machen und gleichzeitig Lösungsansätze zu finden bzw. vorzuschlagen. Der Kommissionsbericht (auch „Brandt-Report“ genannt) wurde 1980 in New York an den Generalsekretär der Vereinten Nationen übergeben. Hier ein kleiner Auszug aus dem Vorwort – dieses wurde ebenfalls von Willy Brandt verfasst: „Unser Bericht gründet sich auf das wohl einfachste gemeinsame Interesse: Dass die Menschheit überleben will und - wie man hinzufügen könnte - auch die moralische Pflicht zum Überleben hat. Dies wirft nicht nur die klassischen Fragen nach Krieg und Frieden auf, sondern schließt auch ein, wie man den Hunger in der Welt besiegt, wie man das Massenelend überwindet und die herausfordernden Ungleichheiten in den Lebensbedingungen zwischen Reichen und Armen. Auf einen einfachen Nenner gebracht: Dieser Bericht handelt vom Frieden.“
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