Typische Dinge der 70er Jahre

Die 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, es gab einiges, was hat überlebt und was gibt es nicht mehr.
Denjenigen unter den Lesern, welche schon dabei waren, wird allein bei dem Begriff ein wohliger Schauer der Nostalgie über den Rücken laufen. Allen zu spät Geborenen gilt mein Mitleid, Sie haben etwas Großartiges verpasst.
Wie liefen wir damals herum? Der modisch bewusste Mann trug seine Haare lang Bart und Koteletten. Bei vielen war der Parka Pflicht. Im Gegensatz zur männlichen Frisur bevorzugte die Damenwelt kurze Röcke und Hotpants, teils so minimalistisch, dass man schnell abgelenkt werden konnte. Waren die Hosen lang, hatten sie in der 70er-Mode einen Schlag, wie wir ihn heute nur noch von der Zimmermannstracht her kennen. Und unten so breit dass man öfters nicht wusste ob der Träger der Schlaghosen überhaupt Schuhe anhatte.

Die Kinder fuhren auf Bonanzarädern, vorne ein hoher Lenker, hinten an der Sitzbank ein aufragendes Rohrgestänge wie die Sissy-Bars der Harleys, dazwischen eine coole 3-Gang-Schaltung auf der Mittelstange. Bei Steigung wurde abgestiegen, da die Kraft mit dem komischen Lenker nicht ausreichte. Übrigens spielte der Nachwuchs damals überwiegend draußen, auch wenn das Wetter nicht ganz so sonnig war. Es haben allerdings, meiner Kenntnis nach, die meisten überlebt.
In den Wohnungen standen die Möbel der 70er, auf dem Boden lagen Flokatiteppiche, und es  glühten Räucherstäbchen oder dampften Räuchermännchen aus „der Zone", die man im Tausch von Kaffee, Netzstrümpfen und Schokolade erhielt, die hippen Lavalampen spendeten Licht. In der Küche war die Eckbank Pflicht und von der Wohnzimmertapete bekam man Augenweh.

Auf den Mattscheiben, die heute unvorstellbar klobigen, Umzugskarton gleichen Geräten präsentierte Dieter Thomas Heck für die Älteren seine Hitparade, und Ilja Richter sein „DISCO" für den jüngeren Musikfan. Neben immer noch bekannten Künstlern wie Karel Gott und Reinhard Mey, traten auch Udo Jürgens und Vicky Leandros auf. Letztere wollten unbedingt Sahne auf den Kuchen oder luden zu einer Fahrt mit Theo nach Lodz ein.
Die Jüngeren der Gesellschaft tendierten zu Interpreten wie Status Quo, Sweet, Black Sabbath und Led Zeppelin. Dabei sang Ozzy vom paranoid sein, die anderen wollten die Himmelsleiter hoch.

In den Kinos boxte sich, der bis dahin noch ungeliftete Sylvester Stallone als Rocky über die Leinwand. Jack Nicholson flog über das Kuckucksnest und Marlon Brando machte als Pate ein Angebot, welches besser nicht abgelehnt werden sollte. Ein weißer Hai trieb erstmals sein Unwesen.
An den überwiegend schwarz/weiß Empfangsgeräten daheim saßen am Samstagabend alle zusammen, ja wirklich, unglaublich! Es wurde sich generationsübergreifend „Am laufenden Band“ mit Rudi Carrell, Dalli Dalli oder  „Der große Preis“ mit Wim Thölke angeschaut. So manches Kind musste nach Wums Auftritt ins Bett, denn es war schon spät.
Tagsüber frönten die lieben Kleinen nur selten dem TV Konsum, es gab noch keine 24 Stunden Dauerverblödung mit 98 Sendern, sondern lediglich 3, oder 4 sofern man das Glück hatte „die Schweiz" zu empfangen. Michel aus Lönneberga, Barbapapa, Sesamstraße und „Die Muppetshow“ hießen die Favoriten der jungen Generation. Die Älteren schauten am liebsten Krimis wie „Tatort" oder der „Der Kommissar". Schlief man dabei ein, wurde man irgendwann nach 0.00 Uhr von einem Pipston und einem schicken Standbild mit der Aufschrift „Sendeschluss" geweckt.

Auf den Straßen tauchte plötzlich ein neues Fahrzeug aus Wolfsburg auf, wonach fortan eine ganze Fahrzeugklasse benannt werden sollte. Einem bis dahin treuen Insekt musste langsam Adieu gesagt werden. Als der VW Golf im Jahre 1976 um den GTI erweitert wurde, war er vollends angekommen. Aber ehrlich, wer cool war fuhr Opel GT, Opel Manta oder Ford Capri. Sowieso war man in den 70ern noch der König auf den Straßen, Autos gab es nicht mal die Hälfte als heute, Radarfallen Fehlanzeige, und die Promillegrenze gab es zwar, aber wirklich interessiert hat sie keinen.
Was die zeitgeistliche Moral betraf, man wurde lockerer. Es wurde nicht mehr nur getuschelt, sondern offen darüber gesprochen, wie das nun mit den Bienchen und Blümchen funktioniert.
Für viele damals der Untergang des westlichen Abendlandes, aber letztlich eine Befreiung von althergebrachten Vorstellungen.
Auch weltgeschichtlich passierte einiges in diesem Jahrzehnt. Gleich zu Beginn fiel Willy Brandt in Warschau auf die Knie und setzte damit ein deutliches Zeichen. Jahre später musste er aufgrund der Guillaume-Affäre zurücktreten. In Vietnam kehrte endlich Frieden ein, dafür wurde bei der Geiselnahme in München während der Olympischen Sommerspiele viel Blut vergossen.

In den Gaststätten wurde geraucht was das Zeug hielt. Nichtraucher hatten keine Lobby. Es gab auch keinen Grund als 14-Jähriger nicht in die verrauchte Kneipe zu gehen, um zu flippern, Billard oder Tischkicker zu spielen. Das Taschengeld schob man in die Musikbox und ließ sein Lieblingssong mindesten 5x hintereinander Laufen. Und gönnte man sich mal einen Jägermeister oder verzockte man einen Heiermann am Geldspielautomaten,  so wurde man sicherlich nicht nach dem Alter gefragt.
Ich möchte diese Zeit nicht missen, sie aber auch nicht verherrlichen. In fünfzig Jahren wird mit Sicherheit genauso verträumt auf die jetzige Gegenwart geblickt. Also lasst sie uns genießen!





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