April 1989 - Demokratie auf dem Vormarsch

Kalender April 1989
Mit der Wiederzulassung der polnischen Gewerkschaft „Solidarność“ wurde in Polen ein großer Schritt in Richtung Demokratie getan. Das hatte auch auf die anderen Ostblockstaaten Auswirkungen, die nach Jahrzehnten strenger Diktatur einen Lichtschimmer am Horizont der Politik sahen. Auch in Kambodscha bewegte sich einiges in dieser Hinsicht. Die DDR jedoch beharrte auf ihrem so genannten realen Sozialismus, als könnte er ewig dauern, während in der Sowjetunion bereits innerhalb des Zentralkomitees für eine altersgerechte Umgestaltung gesorgt wurde. Mit Gorbatschow wehte längst ein anderer, ein erfrischenderer Wind in der sowjetischen Politik. Die NATO feierte ihr 40-jähriges Bestehen und lobte die neue Politik in der UdSSR. Die Fans des Italo-Western hatten Grund zur Trauer; Sergio Leone war in Rom gestorben.
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Was geschah im April 1989

1. April
Die im Juli 1988 beschlossene Änderung der Postgebühren in der Bundesrepublik trat in Kraft. Das Porto für einen Standardbrief wurde von 0,80 DM auf 1 DM erhöht. Ferngespräche wurden billiger.
1. April
In den so genannten kleinen Grenzverkehr mit der DDR wurden Hamburg und Kiel mit einbezogen. Er ermöglichte unter anderem Tagesreisen mit weniger Formalitäten.
1. April
Bei der Adam Opel AG wurde der bisherige Vorstandschef Horst W. Herke (*1931) durch Louis R. Hughes (*1949) ersetzt.
1.April
Die unter Aufsicht der UNO zur Unabhängigkeit führende Übergangsphase in Namibia begann mit schweren Kämpfen zwischen der Unabhängigkeitsbewegung SWAPO und den Sicherheitskräften.
2. April
Als erster Kremlführer traf der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow (*1931) seit mehr als 15 Jahren zu einem drei Tage währenden Staatsbesuch auf Kuba ein.
2. April
Die vorgezogene Präsidentschaftswahl in Tunesien machte den Machtinhaber Zine Al Abidine Ben Ali (*1936), der als einziger Kandidat angetreten war, mit mehr als 99% der Stimmen erneut zum Staatspräsidenten. Die regierende Partei RCD (Konstitutionelle Demokratische Sammlung) gewann alle 141 Parlamentssitze. Die Wahlergebnisse ließen Zweifel and er Redlichkeit von Ben Alis Demokratisierungsversprechen aufkommen. 
2. April
Der Zentralrat der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO wählte in Tunis (Tunesien) den langjährigen PLO-Chef Jassir Arafat (1929-2004) zum Präsidenten des unabhängigen Staates Palästina, der im November 1988 ausgerufen worden war.
2. April
Ranghohe Offiziere, die auf Haiti gegen Staatspräsident General Prosper Avril (*1937) einen Putsch versucht hatten, waren scheiterten. General Avril hatte sich am 17. September 1988 nach einem Militärputsch gegen Staatspräsident General Henri Namphy (*1932) zum neuen Machthaber ausrufen lassen und die Verfassung seines Vorgängers im März 1989 für ungültig erklärt. Er hatte die alte Verfassung von 1987 wieder Kraft gesetzt. Außerdem hatte er Neuwahlen angekündigt.
3. April
Im süditalienischen San Severo war es zu einem Zugunglück gekommen, bei dem acht Menschen ums Leben gekommen waren. Weitere 17 Menschen wurden verletzt.
3. April
Die Gremien des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank billigten auf ihrer zweitägigen Frühjahrstagung grundsätzlich die Vorstellungen von US-Finanzminister Nicholas F. Brady (*1930), der die Schuldenkrise der Entwicklungsländer wahrscheinlich auch durch eine Reduzierung ihrer Auslandsschulden zu lindern versuchen würde.
4. April
Dem Unternehmer Dietrich Fürstenberg wurde vom Landkreis Osnabrück (Niedersachsen) die kommerzielle Vermittlung von Kindern zur Adoption untersagt. Wegen Organhandels liefen bereits Ermittlungen gegen Fürstenberg.
4. April
In München wurde der Journalist Hans Heigert (1925-2007) zum Präsidenten des Goethe-Instituts gewählt. Er trat die Nachfolge von Klaus von Bismarck (1912-1997) an. Heigert war unter anderem beim Bayerischen Rundfunk und bei der „Süddeutschen Zeitung“ tätig gewesen.
4. April
In der chinesischen Hauptstadt Peking endete nach mehr als zweiwöchiger Dauer die 2. Tagung des VII. Nationalen Volkskongresses. Die Diskussion über die schlechte Wirtschaftslage im Land war der Schwerpunkt der Tagung gewesen.
4. April
In Brüssel (Belgien) fand anlässlich des 40-jährigen Gründungsjubiläums des westlichen Militärpaktes ein Festakt im NATO-Hauptquartier statt. Der Nordatlantikpakt war am 4. April 1949 in Washington von zehn westeuropäischen Staaten, den USA und Kanada gegründet worden. In einer Festansprache erklärte NATO-Generalsekretär Manfred Wörner (), dass er die Politik der Sowjetunion unter Michail Gorbatschow (*1931) für eine friedliche Politik halte.
5. April
Nach neunwöchigen Verhandlungen zwischen der Regierung Polens und der Opposition unterzeichneten die beiden Parteien ein Abkommen über politische und wirtschaftliche Reformen.
5. April
Seit August 1988 war die kommunistische Führung im Gespräch mit der seit dem 13. Dezember 1981 im Untergrund agierenden und seit dem 8. Oktober 1982 durch ein neues Gewerkschaftsgesetz endgültig verbotenen Gewerkschaft „Solidarność“. Die Gespräche am Runden Tisch hatten vom 6. Februar bis zum 5. April 1989 in Magdalenka nahe der Hauptstadt Warschau stattgefunden. Die offizielle Legalisierung der Gewerkschaft „Solidarność“ wurde auf den 17. April festgelegt. 
5. April
Um den „Asylmissbrauch“ einzudämmen, hatte das Bundeskabinett in Bonn beschlossen, die Einreisebestimmungen für polnische Staatsbürger zu verschärfen. Außerdem wurde die Visumfreiheit für
Ausländer unter 16 Jahren aufgehoben.
6. April
Von der Hamburger Illustrierten „stern“ wurde ein Bericht über die Beteiligung bundesdeutscher Firmen an der Errichtung eines Raketenzentrums im Irak veröffentlicht. Ermittelt wurde in diesem Zusammenhang wegen des Verdachts illegaler Militärexporte gegen eine Tochterfirma des Konzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohn.
7. April
In Wien wurde eine Mordserie im Krankenhaus Hietzing im 13. Wiener Bezirk aufgedeckt. Vier Beschäftigte wurden unter Mordverdacht festgenommen. Den Ermittlungen zufolge hatten drei Hilfspflegerinnen und eine Krankenschwester als „Todesengel von Lainz“ in sechs Jahren mindestens 49 alte und schwerkranke Patienten getötet haben. 
7. April
Im Nordmeer vor der norwegischen Küste geriet ein sowjetisches Atom-U-Boot in Brand. Es sank, dabei kamen 42 der insgesamt 69 Besatzungsmitglieder ums Leben.
7. April
Auf der Halbinsel Zingst (DDR) begann der planmäßige Startbetrieb von MMR06-M-Raketen zur Erforschung der Hochatmosphäre. Bis zum April 1992 sollen dort insgesamt 63 Raketen gestartet werden.
7. April
Der Staatspräsident Brasiliens, José de Ribamar Sarney (*1930) verkündete ein Programm zur Erhaltung der Regenwälder des Amazonas. Das Programm sah die Schaffung von Naturschutzgebieten vor und die Einrichtung einer Umweltstiftung. In Zukunft solle die Abholzung des Urwalds nicht mehr staatlich unterstützt werden. Außerdem solle die Ausfuhr von unbearbeitetem Holz verboten werden.
8. April
Der Zusammenschluss der IG Druck und Papier und der Gewerkschaft Kunst zur IG Medien wurde auf einem Gewerkschaftstag beschlossen, der in Hamburg begonnen hatte.
8. April
Die Ausstellung „Bilderstreit“ wurde in den Kölner Messehallen eröffnet. Zu sehen waren Werke aus der Zeit von 1960 bis zur Gegenwart.
8. April
Mit einer Abschiedsveranstaltung im schwedischen Sälen beendete der schwedische Skiläufer Ingemar Stenmark (*1956) seine sportliche Karriere.
8. April
Im West-Berliner Schillertheater hatte das Schauspiel „Unbefleckte Empfängnis“ von Rolf Hochhuth (*1931) seine Uraufführung. Mit diesem Stück plädierte Hochhuth für die Leihmutterschaft und richtete sich gegen Kirche, Staat, Ärzte, Feministinnen und Gegner der Gentechnologie.
8. April
In Tiflis, der Hauptstadt der Sowjetrepublik Georgien, kam es zu nationalen Unruhen. Demonstranten forderten die nationale Unabhängigkeit und den Austritt Georgiens aus der UdSSR. Die muslimische autonome Abchasische Sowjetrepublik hatte vordem bereits ihre Ausgliederung aus dem überwiegend christlichen Georgien gefordert. Mindestens zwanzig Menschen waren bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften ums Leben gekommen.
8. April
Der Parlamentarische Staatssekretär im Innerdeutschen Ministerium, Otfried Hennig (1937-1999), wurde zum CDU-Vorsitzenden von Schleswig-Holstein gewählt. Der Vorgänger in diesem Amt, Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenberg (1928-2001) hatte nicht wieder kandidiert.
9.April
Vor dem Parlamentsgebäude in Tiflis (Georgische Sowjetrepublik) war es zu einem Massaker gekommen.
9. April
In der kanadischen Provinz Alberta zog mit einer Kandidatin der 1987 gegründeten rechtsgerichteten Reform Party erstmals seit Jahrzehnten wieder eine neue Partei in das kanadische Bundesparlament in Ottawa bei den Nachwahlen zum Unterhaus ein.
9. April
Bei den Tischtennis-Weltmeisterschaften in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) gab es zwei Überraschungssieger. Jörg Roßkopf (*1969) und Steffen Fetzner (*1968) gewannen den Weltmeistertitel im Herren-Doppel.
10. April
Die Einschleusung ausländischer Frauen zum Zwecke der Heiratsvermittlung wurde vom Bundesgerichtshof für strafbar erklärt.
11. April
Die Staaten des Warschauer Paktes trafen sich in der DDR-Hauptstadt Berlin zu einer zweitägigen Außenministerkonferenz. Die Außenminister verlangten in einem Appell „Für eine Welt ohne Kriege“ verstärkte Anstrengungen für die Erhaltung des Friedens. Sie forderten die NATO zu baldigen Verhandlungen auf, die eine Reduzierung der taktischen Kernwaffen in Europa beinhalten sollte.
11. April
Vom Exekutivkomitee der europäischen Fußballunion (UEFA) wurde beschlossen, die englischen Fußballclubs zu den europäischen Pokalwettbewerben zur Saison 1990/1991 wieder zuzulassen. Nach der Katastrophe im Brüsseler Heysel-Stadion am 29. Mai 1985 war England ausgeschlossen worden. Es waren während des Europacup-Finales zwischen Juventus Turin und FC Liverpool 38 Menschen umgekommen.
12. April
Das Politbüro der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei wurde aufgelöst. Es wurden verstärkt neue Reformen gebildet.
12. April
In Magdeburg (Sachsen-Anhalt, DDR) unterlag die DDR-Fußball-Auswahl der Türkei mit 0:2 vor 23.000 Zuschauern.
12. April
Der Staats- und Parteichef von Rumänien, Nicolae Ceauşescu (1918-1989), gab bekannt, dass sein Land alle Auslandsschulden beglichen habe. In einem Zeitraum von 14 Jahren seien insgesamt 21 Milliarden US-Dollar (ca. 36, 75 Milliarden DM) an den Westen zurückgezahlt worden.
12. April
Bei der atomaren Wiederaufbereitung in La Hague in der Normandie (Frankreich) wurde von dem bundesdeutschen Energiekonzern VEBA eine Zusammenarbeit mit der französischen COGEMA angekündigt. Damit wurde die geplante Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf überflüssig.
13. April
Bundeskanzler Helmut Kohl (*1930) kündigte eine Kabinettsumbildung an, die am 21. April vollzogen wurde. Unter anderem würde Theo Waigel (*1939) von der CSU das Amt des Finanzministers bekleiden, Gerhard Stoltenberg (1928-2001) würde Verteidigungsminister sein und Wolfgang Schäuble (*1942) würde als Innenminister eingesetzt werden.
13. April
Zu einem ersten Besuch eines deutschen Bundeskanzlers traf Helmut Kohl (*1930) in der Schweizer Hauptstadt Bern ein.
13. April
Mit Oberbürgermeister Volker Hauff (*1940) von der SPD an der Spitze hatte sich in Frankfurt am Main eine rot-grüne Koalition konstituiert.
14. April
Das Bundesinnenministerium beschloss, dass Asylbewerber aus dem Ostblock in ihr Heimatland zurückkehren müssen, wenn ihr Asylantrag abgelehnt wurde. Damit waren seitens des Innenministeriums die bisherigen Sonderregelungen aufgehoben.
14. April
Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch (1911-1991) wurde mit dem Heinrich-Heine-Preise der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet.
14. April
Für alle ab dem 1. Oktober 1991 zugelassenen Neuwagen beschlossen die Umweltminister von Bund und Ländern eine Ausrüstungspflicht mit einem geregelten Drei-Wege-Katalysator.
14. April
Der SPD-Vorstand beschloss die endgültige Einstellung des Traditions-Parteiblattes „Vorwärts“ als Wochenzeitung aus finanziellen Gründen. Der „Vorwärts“ wurde mit dem „sozialdemokrat magazin“ zu einer Mitgliederzeitung zusammengelegt.
15. April
Die größte Demonstrationswelle seit zehn Jahren hatte in China der Tod des als liberaler Reformer geltende frühere chinesische Parteichef Hu Yaobang (1915-1989) ausgelöst.
15. April
Die bisher größte Panik in der europäischen Sportgeschichte ereignete sich im Hillsborough-Stadion in Sheffield (England). Unter den Liverpool-Fans war beim FA-Cup-Spiel Nottingham Forest gegen den FC Liverpool eine Panik ausgebrochen. Etwa 4.000 Fans waren zu spät gekommen und drangen in das überfüllte Stadion. Mindestens 94 Menschen kamen ums Leben. Sie waren erdrückt oder zu Tode getreten worden. Mehr als 700 Menschen wurden verletzt.
16. April
In Uruguay stimmte eine knappe Mehrheit bei einer Volksabstimmung für die Beibehaltung Amnestiegesetzes von 1986. Danach sollten Menschenrechtsverstöße von Sicherheitskräften im Kampf gegen den Terrorismus nicht geahndet werden.
16. April
In Rotenburg an der Wümme (Niedersachsen) mussten etwa 1.000 Menschen während der Bergung eines mit hochgiftigen Chemikalien beladenen Güterzuges aus ihren Wohnungen evakuiert werden. Der Zug war am Abend des Vortages entgleist.
17. Aprill
Die polnische Gewerkschaft „Solidarność“, die 1981 verboten worden war, wurde nach sieben Jahren Untergrundarbeit wieder legalisiert.
18. April
In der Schweizer Hauptstadt Bern wurde der saudiarabische Geschäftsmann Adnan Kashoggi (*1935) eines US-amerikanischen Haftbefehls zufolge verhaftet.
18. April
Erstmals hatten Vertreter westlicher Medien Gelegenheit bei einem gemeinsamen Manöver von Truppen der DDR und der UdSSR dabei zu sein und Bericht zu erstatten.
18. April
Das Bundesverfassungsgericht wies eine seit sieben Jahren anhängige Klage der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gegen die hohe Neuverschuldung im Haushaltsgesetz der damaligen SPD/FDP-Regierung ab.
19. April
Nach dem Pokal gewann das Basketballteam der BG Bayreuth (Bayern) auch die deutsche Meisterschaft.
19. April
Auf dem US-Schlachtschiff „USS Iowa“ kamen bei einer Explosion eines Geschützturms 47 Seeleute ums Leben. Das Unglück hatte sich während eines Manövers nordöstlich von Puerto Rico ereignet.
20. April
Der geplante Zusammenschluss der Daimler-Benz AG mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm wurde vom Bundeskartellamt untersagt.
20. April
Die zweitägige 45. Tagung der Nuklearen Planungsgruppe der NATO in Brüssel (Belgien) endete ohne eine Einigung über die von den Vereinigten Staaten geforderte Modernisierung der atomaren Kurzstreckenraketen in Europa. Die BRD wollte nicht vor 1991/1992 eine Entscheidung über eine Modernisierung der US-amerikanischen Kurzstreckenwaffen treffen.
20. April
Zur Neuordnung der Bundespost (Postreform 1) verabschiedete der Deutsche Bundestag ein Gesetz. Die Post wurde in drei öffentliche Unternehmen aufgegliedert.
20. April
Von der Deutschen Bundesbank wurde der Diskont- und Lombardsatz um jeweils 0,5% auf 4,5% bzw. 6,5% erhöht. Die Bundesbank reagierte damit auf die außerplanmäßige Steigerung der Geldmenge.
21. April
Die Handheld-Konsole „Game Boy“ erschien in Japan und entwickelte sich in der Folge zu einem weltweiten Millionenseller.
21. April
In Schloss Philippsruhe in Hanau fand die offizielle Gründungsversammlung des Deutschen Cricket Bundes.
21. April
Im Rahmen einer Regierungsumbildung wurden in Bonn acht neue Bundesminister vereidigt.
21. April
Das Parlament in Portugal billigte eine Verfassungsreform. In ihr wurde den in Portugal ansässigen Ausländern das kommunale Wahlrecht eingeräumt.
21. April
Bei einer Enthaltung und 209 gegen 151 Stimmen nahm der Deutsche Bundestag ein neues Gesetz zur Verschärfung des Demonstrationsrechtes an. Er billigte außerdem die probeweise Einführung der so genannten Kronzeugenregelung.
22. April
Die EG-Landwirtschaftsminister beschlossen nach fünftägigen Verhandlungen die Agrarpreise 1989/1990. Die Garantiepreise auf dem Stand des Vorjahres wurden bei den meisten Produkten eingefroren. Bei einigen Erzeugnissen wie Zucker, Butter oder Hartweizen wurde sie gesenkt.
22. April
In Bern (Schweiz) demonstrierten 6.000 Schweizer für die Stilllegung der fünf Atomkraftwerke des Landes in Beznau (zwei Blöcke), Mühleberg, Gösgen und Leibstadt. In der Schweiz lag der Atomanteil bei 41 Prozent.
23. April
Das Formel-1-Rennen um den Großen Preis von San Marino in Italien gewann auf der 297,26 km langen Strecke von Imola der brasilianische Rennfahrer
Ayrton Senna (1960-1994) auf McLaren. Der österreichische Rennfahrer Gerhard Berger (*1959) hatte bei dem Rennen einen schweren Unfall. Er kam in der Tamburello-Kurve von der Strecke ab und prallte gegen die Begrenzungsmauer. Das Auto fing sofort Feuer. Nach wenigen Sekunden war das Feuer von den Rettungsmannschaften gelöscht. Berger erlitt einen Schlüsselbeinbruch, einen Rippenbruch, eine leichte Gehirnerschütterung sowie schwere Verbrennungen an den Händen. Das Rennen in Monte Carlo (Monaco) ließ er aus, saß dann aber wieder im Cockpit.
23. April
Im zentralafrikanischen Burundi kamen 100 illegale Goldsucher während eines Unwetters beim Einsturz einer Goldmine ums Leben.
24. April
Eine Serie mit dem elektronisch erzeugten Max Headrom wurde vom privaten Fernsehsender SAT1 gestartet.
24. April
Den Bewohnern des umstrittenen Wohnprojekts in der Hamburger Hafenstraße wurde wegen der Krawalle in der Nacht zum 13. April fristlos gekündigt.
24. April
Der künstlerische Leiter der Berliner Philharmoniker auf Lebenszeit, Herbert von Karajan (1908-1989), der diesen Posten seit dem 3. März 1955 innehatte, legte sein Amt nieder. Das Orchester wählte am 8. Oktober 1989 den Italiener Claudio Abbado (*1933) zu ihrem neuen Leiter.
24. April
Nach der Ankündigung drastischer Preiserhöhungen für Waren wie Benzin, Tabak, Alkohol und staatliche Dienstleistungen kam es in Jordanien zu massiven, zum Teil gewalttätigen Demonstrationen. Die Erhöhung der Verbraucherpreise um bis 50 Prozent war ein Teil eines vom Internationalen Währungsfonds als Gegenleistung für neue Kredite ausgehandelten Programms zur Sanierung des Staatshaushalts in Jordanien.
24. April
In Washington (USA) forderten der Außenminister der BRD, Hans-Dietrich Genscher (*1927) und Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg (1928-2001) „baldige Verhandlungen“ mit der sowjetischen Regierung über eine Verringerung der atomaren Kurzsteckenraketen in Europa.
25. April
Das Zentralkomitee der KPdSU verjüngte sich. Es schieden 74 Mitglieder aus Altersgründen aus. Zu ihnen gehörte der ehemalige Staatschef Andrei A. Gromyko (1909-1989). Der amtierende Parteichef Michail Gorbatschow (*1931) begründete das Ausscheiden der älteren Politiker mit den Erfordernissen der Perestroika (Umgestaltung).
25. April
In Japan kündigte der Ministerpräsident des Landes, Noboru Takeshita (1924-2000), seinen Rücktritt, sobald der Haushalt verabschiedet sei. Er zog damit die Konsequenzen aus seiner Verstrickung in die Recruit-Finanzaffäre. Er löste mit seinem Rücktritt eine Regierungskrise aus. Der bisherige Außenminister Sōsuke Uno (1922-1998) wurde am 2. Juni 1989 zu dessen Nachfolger gewählt.
25. April
Als Nachfolger des zum Bundesfinanzminister berufenen Theo Waigel (*1939) wählte die CSU-Landesgruppe im Bundestag Wolfgang Bötsch (*1938).
26. April
Die Fußballnationalmannschaft der UdSSR gewann in Kiew mit 3:0 gegen die Mannschaft der DDR.
26. April
Die Fußball-Mannschaften der Niederlande und der BRD trennten sich mit einem Unentschieden (1:1) in Rotterdam (Niederlande) in einem Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel.
26. April
In Johannesburg (Südafrika) hob der Stadtrat die Rassentrennung in Bussen auf.
27. April
Zu einem dreitägigen Besuch traf der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (*1930) von der CDU in der DDR ein. Bei den Gesprächen Albrechts mit den Vertretern der DDR-Regierung waren u. a. die Errichtung eines Umweltfonds und die Schaffung eines dritten Grenzübergangs zwischen Niedersachsen und der DDR die Hauptthemen.
27. April
In Chile blieb der Innenminister Carlos Cáceres Contreras (*1940) gegen den Willen des Staatspräsidenten Augusto Pinochet Ugarte (1915-2006) im Amt. Pinochet hatte die Regierung umbilden wollen, als Caceres mit der politischen Opposition in Chile verhandelte. Die Regierungsjunta und die rechtsgerichtete Partei für nationale Erneuerung hatte sich hinter Caceres gestellt.
27. April
Mindestens 1.300 Menschen kamen in Bangladesch bei einem schweren Wirbelsturm ums Leben. Etwa 30.000 Menschen verloren ihr Obdach.
27. April
Die Franzosen Didier Auriol (*1958) und Bernard Occelli (*1961) gewannen auf Lancia Delta Integrale die Korsika-Rallye.
28. April
Papst Johannes Paul II. (1913-2005) trat seine fünfte Afrikareise an, die ihn bis zum 6. Mai nach Madagaskar, auf die Insel Réunion, nach Sambia und nach Malawi führte.
28. April
Zu drei Jahren Haft, teilweise mit Bewährung, wurden im Prozess um die Fußballkatastrophe im Brüsseler Heysel-Stadion am 29. Mai 1985 vierzehn britische Rowdies verurteilt. Sie waren für schuldig befunden worden am Tod von 38 Menschen.
29. April
In Le Puy im französischen Zentralmassiv demonstrierten mindestens 7.000 Menschen gegen ein geplantes Staudammprojekt an der Loire.
30. April
Der Filmregisseur Sergio Leone starb in der italienischen Hauptstadt Rom, in der er am 3. Januar 1929 geboren worden war. Der Meister des Italo-Western wurde besonders bekannt durch den epischen Western „Spiel mir das Lied vom Tod“, der zu seinen größten Erfolgen zählte. 
30. April
Zum 21. Mal holte das Team der UdSSR bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Stockholm den Titel. Die Mannschaft der Bundesrepublik errang den siebten Rang durch einen 2:0-Sieg gegen Polen und entging damit dem Abstieg.
30. April
Die Nationalversammlung in Kambodscha beschloss in Phnom Penh die Änderung des Staatstitels von Sozialistische Volksrepublik in Staat Kambodscha. Ebenfalls die Staatsflagge und die Nationalhymne wurden geändert. Der Buddhismus wurde zur Staatsreligion erklärt. Außerdem wurde die Todesstrafe abgeschafft. Ärzten und Rechtsanwälten wurde eine privatwirtschaftliche Betätigung gestattet. Es durften Privatschulen gegründet werden.

Nachrichten April 1989 in der Presse

Altkanzler Kohl steht zu Äußerungen über Türken
Westdeutsche Zeitung
Margaret Thatcher traf sich am 30. April 1989 zu Gesprächen mit Bundeskanzler Helmut Kohl. Foto: Frank Kleefeldt/Archiv. dpa. Die britische Premierministerin Margaret Thatcher traf sich am 30. April 1989 zu Gesprächen mit Bundeskanzler Helmut Kohl.
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