Was war wann? Länder >> Die Geschichte Kambodschas
Länderinfo Kambodscha Geschichte
Kambodscha war jahrhundertelang des Herz einer der größten Zivilisationen Asiens. Doch mit dem Niedergang des Angkor-Reiches verließ das Glück die Kambodschaner. Nach wechselnden Herrschaften der Thai, Viet und Franzosen wurde das Land schließlich Mitte der 1979er Jahre von den Kambodschanern selbst in die Steinzeit gestürzt. Das Pol Pot-Regime gehört zu den entsetzlichsten Gräueln des 20. Jahrhunderts.

Frühzeit
Die älteste Geschichte Kambodschas ist noch relativ unbekannt, da sich die Forschung bislang damit kaum auseinandergesetzt hat. Im 2. Jh. n. Chr. entstand im Süden des Landes und im Mekongdelta das Reich Fu Nan, das nur aus chinesischen Quellen bekannt ist. Archäologische Funde ergaben auch römische Münzen, ein Indiz für den bedeutenden Handel, den Fu Nan betrieb. Das Fu Nan-Reich erstreckte sich bald bis nach Thailand, Indonesien und Myanmar. Im 6. Jahrhundert jedoch zerbrach es und ein kleiner Vasallenstaat übernahm die Macht: Zhen La. Das Zhen La-Reich schrieb bereits Inschriften in Khmer. Auch dieses Reich zerfiel in zwei Machtbereiche: Zhen La des Landes und Zhen La des Wassers, letzteres wurde von Java beherrscht. Im Jahr 802 startete Jayavarman II von Java aus, um beide Hälften zu vereinen, was ihm auch gelang. Er brach die javanische Vorherrschaft und errichtete seine Hauptstadt Hariharalaya in Angkor, der Region, die dem neuen Reich nun ihren Namen geben sollte.

Angkor
Unter den Khmer-Königen, die in Hariharalaya und Yasovadhapura residierten, wurde ein mächtiges Reich geschaffen. Die Expansion war relativ leicht, da in Kambodscha, Thailand und dem Süden Vietnams keine nennenswerten Gegner existierten. Lediglich im Osten, Zentralvietnam, existierte mit dem Reich Cham Pa ein nennenswerter Gegner, mit dem auch sogleich erste kriegerische Konflikte ausbrachen. Trotz allem scheinen aber die Beziehungen zu Cham Pa auch über längere Zeiten friedlicher Natur gewesen zu sein. Dies änderte sich ab dem 11. Jahrhundert drastisch, denn im Jahr 1010, mit der Gründung des ersten vietnamesischen Reiches, Dai Viet, im Norden expandierten die Vietnamesen nach Süden und eroberten langsam das Cham Pa-Reich. Den Cham blieb lediglich übrig, nach Süden und Westen auszuweichen, was sie in immer größere Konflikte mit den Khmer brachte. Die Khmer dagegen erlebten eine kulturelle Blütezeit. In der Region Angkor war mit Angkor Thom eine Stadt mit mehr als einer Million Einwohner entstanden. Mitte des 12. Jahrhunderts wurde nahe der Hauptstadt mit Angkor Wat der größte Tempelkomplex der Menschheit errichtet. 1177 kam es zwar zu einer kurzfristigen Eroberung durch die Cham, aber diese konnten sich nicht lange halten. Die Khmer hielten ihre Macht bis ins 15. Jahrhundert aufrecht, doch ihre Macht schwand ab dem 13. Jahrhundert beträchtlich. In Thailand hatte sich 1238 die Region um Sukhothai unabhängig erklärt. Auch andere Regionen folgten diesem Beispiel, z.B. Lan Na und Pha Yao. Als Sukhothai in dem neuen thailändischen Staat Ayutthaya aufging, war mit diesem ein gefährlicher Gegner entstanden. 1431 eroberte Ayutthaya das Angkor-Reich.

Neuzeit
Nach der Eroberung durch Ayutthaya flohen die Könige gen Süden und errichteten in der Folgezeit verschiedene Hauptstädte entlang des Mekong. Der Handel mit Spaniern und Portugiesen ergab einen gewissen Wohlstand und ab dem 17. Jahrhundert erreichten auch die Franzosen das Gebiet. 1594 war der letzte Khmer-König von Ayutthaya gefangen genommen worden. Kambodscha war nun zwischen Thailand im Westen und Vietnam im Osten eingeklemmt. Die Vietnamesen eroberten im 17. Jahrhundert den Süden, das Mekongdelta. Thailand eroberte den Norden des alten Reiches. 1807 wurde Kambodscha faktisch vietnamesisches Protektorat. Kambodscha wandte sich an die Franzosen und 1863 stimmte König Norodom der französischen Kontrolle zu, um einer vietnamesischen Vorherrschaft zu entgehen. Vietnam und Laos wurden ebenfalls französische Kolonie und alle drei Länder 1887 als Kolonie Indochina zusammengefasst. Die Franzosen errichteten ihre eigene Verwaltung. Bis zum Zweiten Weltkrieg kontrollierten sie das Gebiet. 1941 drangen die Japaner nach Indochina vor, wurden von den Franzosen sogar toleriert. 1945 erklärte sich Kambodscha auf Betreiben der Japaner für unabhängig. Die Franzosen akzeptierten dies jedoch nicht.

Moderne
1949 wurde Kambodscha in das Protektorat Cochinchina überführt und bekam eine Teilautonomie gestattet. In den Folgejahren musste
Frankreich jedoch erhebliche Zugeständnisse machen. Bereits 1953 erklärte sich Kambodscha wieder unabhängig und wurde 1954 auf der Indochina-Konferenz von den Franzosen aus deren Kontrolle entlassen. Die Unabhängigkeit bescherte dem Land in den nächsten Jahren außen- wie innenpolitische Probleme. Die Unabhängigkeit Vietnams war in den ersten Indochinakrieg ausgeartet, der sich durch die Übernahme des Sozialismus in den 1960er Jahren zum Zweiten (Amerikanischen) Indochinakrieg entwickelte. Auch Kambodscha war von den Kampfhandlungen betroffen. Dies begünstigte den Aufstieg kommunistischer Parteien in Kambodscha. Unter Lon Nol kam es zum ersten Bürgerkrieg und der Ausrufung einer Republik. Diese konnte sich jedoch nicht lange halten. Nach dem Ende des Indochina-Krieges 1976 und der Vereinigung Vietnams, wurde Kambodscha jedoch sich selbst überlassen. Im zweiten Bürgerkrieg konnten die Roten Khmer ihre Macht ausweiten und ein Terrorregime errichten. Über zwei Millionen Kambodschaner fielen dem Regime zum Opfer. Unter Pol Pot sollte ein „Steinzeit-Kommunismus“ errichtet werden. Jeder, der auch nur entfernt intellektuell aussah, wurde in Arbeits- und Konzentrationslager gesteckt. Nachdem die Roten Khmer die Grenze zu Vietnam verletzten, griffen diese im Dritten Indochinakrieg ein. Sie eroberten 1979 Phnom Penh und errichteten eine eigene Regierung. Vietnam wurde völkerrechtlich für diesen Krieg zur Verantwortung gezogen, doch für die Kambodschaner war es eine Erlösung von einem Terrorregime, das das Land in nur wenigen Jahren vollkommen verwüstet hatte. Bis 1989 verwaltete Vietnam das Land. 1993 wurde eine konstitutionelle Monarchie unter dem König Norodom Sihanouk eingeführt. Das Land war und ist jedoch immer noch sehr instabil. Die Roten Khmer kontrollierten bis 1998 den Norden Kambodschas. 1997 starb Pol Pot kurz nach seinem Prozess. Das Land verfiel jedoch in einen erneuten Bürgerkrieg, diesmal zwischen den Ministerpräsidenten Hun Sen und Norodom Ranariddh, den Hun Sen für sich entschied. Auf Betreiben der UNO konnte Ranariddh jedoch zurückkehren. 2004 dankte König Sihanouk ab. Sein Nachfolger wurde nicht Ranariddh, sondern Sihanouks Sohn Sihamoni. Er ist seitdem König, Hun Sen seit 1993 Ministerpräsident.
Von einer Demokratie kann derzeit zwar, trotz Wahlen, nicht wirklich gesprochen werden, das Land ist derzeit immer noch vom Trauma der Roten Khmer betroffen. Die Wirtschaft des Landes liegt brach. Kambodscha gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und auch die juristische Aufarbeitung des Terrorregimes der Roten Khmer steht noch aus. 2009 wurde damit begonnen.


 

Share
Popular Pages