1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989

Deutschland Politik 1989 - Die Mauer fiel...

Am 18. Januar fanden in mehreren Städten eine Studentendemonstration gegen die schlechten Studienbedingungen in der BRD statt. Tausende Studenten nahmen an den Demonstrationsveranstaltungen teil. Der Bildungsminister der Bundesrepublik, Jürgen Möllemann, versprach daraufhin die Aufstockung der Finanzmittel. Staatschef der DDR, Erich Honecker versicherte, dass die Mauer auch in 50 Jahren noch bestehen bleiben würde, wenn die Gründe dazu nicht beseitigt werden sollten.
Von Februar bis Mai traten 28 der inhaftierten
Mitglieder der RAF in den Hungerstreik, um zu erzwingen, dass alle RAF-Gefangenen in ein Gefängnis verlegt werden. Der 20-jährige Chris Gueffroy wurde beim Versuch der Republikflucht von Grenzsoldaten der DDR erschossen. Das Bundesinnenministerium verbot im Februar die von Michael Kühnen geleitete „Nationale Sammlung“. In Schleswig-Holstein und anschließend auch in Hamburg wurde ebenfalls im Februar erstmals das kommunale Wahlrecht für Ausländer beschlossen.
Im März wurde von der Volkskammer der DDR das kommunale Wahlrecht für die ständig im Lande lebenden Ausländer eingeführt. Die ehemalige
RAF-Angehörige Angelika Speitel wurde im selben Monat von Bundespräsident Richard von Weizsäcker begnadigt. Im April wurde eine Kabinettsumbildung von Bundeskanzler Kohl angekündigt. Nach dieser sollte Theo Waigel Finanzminister, Gerhard Stoltenberg Verteidigungsminister und Wolfgang Schäuble Innenminister werden.
Im Mai erhielten bei den kommunalen Wahlen in der
DDR die Kandidaten der Einheitslisten, 98,8% der Wählerstimmen. Erstmals wurden Wahlkontrollen von der Opposition durchgeführt und an vielen Orten Fälschungen festgestellt. In der BRD wurde Bundespräsident Weizsäcker mit einer eindeutigen Mehrheit von 86,3% in seinem Amt bestätigt. Im Juni fand in Ost-Berlin eine Demonstration gegen die gefälschten Ergebnisse der kommunalen Wahlen statt. Die Staatssicherheit der DDR löste die Demonstration auf. Vom 12. bis 15. Juni erntete Michail Gorbatschow bei seinem Staatsbesuch in Bonn großen Jubel von der Bevölkerung. Zum Abschluss seines Besuchs ließ er verlauten, dass die Mauer wieder verschwinden könnte, sobald die Voraussetzungen, die sie hervorgebracht haben, entfallen würden.
In der DDR setzte sich die erste Ausreisewelle in Gang (Juli / August)
In Ost-Berlin wurde im August die Ständige Vertretung der BRD wegen Überfüllung geschlossen. Darin hielten sich mehr als 130 Bürger der DDR auf, um eine Ausreise in den Westen zu erzwingen. Die Bonner Botschaft in
Ungarn (Budapest) musste am 13. August ebenfalls wegen Überfüllung geschlossen werden. Dort wollten mehr als 180 Bürger eine Ausreise aus der DDR erzwingen. Auch die Botschaft der BRD in Budapest mussten wegen der Überfüllung von 108 ausreisewilligen DDR-Bürgern dicht gemacht werden. Die Regierung Ungarns gewährte in Budapest eine einmalige humanitäre Hilfe, in dem sie den Bürgern der DDR eine Ausreiseerlaubnis in den Westen erteilte. Am 28. August erklärt der Bundespräsident Richard von Weizsäcker den Verzicht der BRD auf die Gebietsansprüche in Polen. In Bayern begannen die ersten Vorbereitungen von Notaufnahmelagern für Flüchtlinge aus der DDR.
Am 4. September fand in Leipzig die erste Montagsdemonstration statt. Im Rahmen dieser war mehr Reisefreiheit und die Abschaffung des MfS gefordert worden. Weitere Montagsdemonstrationen folgten von nun an wöchentlich. Bei einer Demonstration am 7. September gegen die Wahlfälschungen wurden 80 Demonstranten von Sicherheitskräften der DDR festgenommen. Ohne Absprache mit der Regierung der DDR erteilte Ungarn am 10. und 11. September allen Ausreisewilligen Ostdeutschen eine Ausreiserlaubnis in die BRD. Auf diesem Wege kamen bis Ende des Monats rund 30.000 Menschen in den Westen. Die Grenzöffnung in Ungarn wurde als wesentlicher Beitrag für die „Wende“ bezeichnet. Die DDR protestierte daraufhin gegen die Öffnung der Grenze und bezeichnete die ungarische Aktion als „Menschenhandel“.
Am
19. September 1989 musste nun auch die Botschaft der BRD in Warschau wegen Überfüllung geschlossen werden. In Leipzig kam es am 25. September zu einem Protest für Reformen, an dem rund 5.000 Menschen teilnahmen. Außenminister der BRD, Hans-Dietrich Genscher, verkündete am Abend des 30. September, dass alle Flüchtlinge aus der DDR in der Prager und Warschauer Botschaft in die BRD ausreisen dürfen. Darüber hatten die Außenminister der BRD,
DDR, CSSR, Polen und der UdSSR auf der UN-Volksversammlung verhandelt.
Am 1. Oktober durchquerten die Sonderzüge aus Prag und Warschau das Gebiet der DDR. Weitere ausreisewillige DDR-Bürger versuchten indes auf die Züge aufzuspringen. Vom 1. bis 3. Oktober versammelten sich, trotz des Versuchs der tschechoslowakischen Polizei, dies zu unterbinden, vor der Prager Botschaft der BRD erneut 7.600 DDR-Flüchtlinge. Die Regierung der DDR gewährte den Flüchtlingen am 3. Oktober schließlich die Ausreise. Am 2. Oktober kam es in Leipzig zu einer Demonstration von 20.000 Teilnehmern, die durch die Sicherheitsorgane der DDR gewaltsam aufgelöst wurde.
In Ost-Berlin gründete sich währenddessen die Oppositionsgruppe „Demokratischer Aufbruch“.
Vom 3. Oktober bis zum 11. November stellte die Regierung der DDR den visumfreien Verkehr mit der CSSR ein. Bei der Durchquerung der DDR von weiteren Sonderzügen aus Warschau und Prag wurden Bahnhöfe und Gleise gesperrt, um zu verhindern, dass weitere Flüchtlinge auf die Züge aufspringen konnten. Im Zuge dessen kam es am Hauptbahnhof in Dresden zu den schwersten Auseinandersetzungen zwischen Bevölkerung und Polizei seit dem 17. Juni 1953.
Zum 40. Jahrestag der DDR (7. Oktober) erschien der Staatschef der UdSSR, Michail Gorbatschow und äußert seine berühmten Worte „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Vor der Presse betonte Gorbatschow die Notwendigkeit von Reformen. Währenddessen fanden in vielen Städten der DDR Demonstrationen für Reformen und Meinungsfreiheit statt, an denen sich Zehntausende beteiligen. Diese Demos wurden von Sicherheitsorganen der DDR brutal aufgelöst und mehr als tausend Demonstranten verhaftet.
In Leipzig demonstrierten am 9. Oktober erstmals 70.000 Menschen für die demokratische Erneuerung der DDR. Am 16. Oktober kam es zu der bisher größten Demonstration in der
Geschichte der DDR (seit dem 17. Juni 1953), an der sich mehr als 120.000 Menschen beteiligten. Die Sicherheitsorgane hielten sich erneut zurück.
Am 18. Oktober tritt Erich Honecker „auf eigenen Wunsch“ von all seinen Ämtern zurück. Seine Nachfolge übernahm Egon Krenz, der der Presse gegenüber Fehler der SED-Führung einräumte und von einer eingeleiteten „Wende“ sprach. Der Sozialismus auf deutschem Boden stünde aber trotzdem nicht zur Disposition. Am 23. Oktober fand eine Großdemonstration mit 300.000 Beteiligten statt, die sich gegen die neue Machtkonzentration bei der Neuwahl richtete. Vom
Staatsrat der DDR wurde eine Amnestie für DDR-Flüchtlinge verkündet.
Ab dem 3. November durften DDR-Bürger das Land ohne weitere Formalitäten über das Gebiet der CSSR verlassen. Dies löste in den nächsten Tagen eine erneute Ausreisewelle aus. In Ost-Berlin kam es am 4. November zu einer Großdemonstration für demokratische Reformen von etwa einer halben bis einer Million Menschen. Am 6. November wurde ein neues Reisegesetz erlassen, nach dem jeder Bürger der DDR für 30 Tage im Jahr ins Ausland reisen durfte. Dies führte zu einer Demonstration von 100.000 Bürgern, die eine uneingeschränkte Reisefreiheit und freie Wahlen forderten.
Das Politbüro der SED trat am 8. November zurück. Politbüromitglied Günter Schabowski verlas am 9. November einen (falschen) Beschluss von Egon Krenz, nach dem die vollständige Reisefreiheit gewährt wurde. Noch am selben Abend verließen tausende Ost-Berliner das Land. Die ersten Schlagbäume der Mauer wurden kurz vor Mitternacht geöffnet. Damit war die DDR zu Ende.
Am 13. November wurden die Sperrzonen an der Berliner Mauer, der innerdeutschen Grenzen und in den Küstengewässern von der DDR aufgehoben. Bundeskanzler Kohl legte am 28. November sein „Zehn-Punkte-Programm“ vor, welches letzten Endes zur Wiedervereinigung führen sollte.
Am
1. Dezember wurde der Führungsanspruch der SED aus der Verfassung gestrichen. Das Politbüro des ZK der SED tat am 3. Dezember zurück. Erich Honecker, Willi Stoph, Erich Mielke, Alexander Schalck-Golodkowski und andere Spitzenfunktionäre wurden aus der SED ausgeschlossen. Günter Mittag und Harry Tisch wurden wegen Schädigung des Volkseigentums am selben Tag verhaftet. Egon Krenz trat am 6. Dezember vom Posten des Staatsratsvorsitzenden zurück. Seine Nachfolge übernimmt Manfred Gerlach. Am 7. Dezember fand erstmals ein Treffen der Oppositionsgruppierungen der DDR statt, es wurden die ersten freien Wahlen für den 6. Mai 1990 vorgeschlagen.
Auf dem Gipfel der EG vom 9. Dezember wurd das Recht der Deutschen auf Einheit in einer Grundsatzerklärung der Regierungschefs anerkannt. Am 22. Dezember fand die Wiedereröffnung des
Brandenburger Tores in Berlin statt.
Politiknachrichten 1989 in der Presse
Prager Frühling 1968: Sozialismus ist Illusion
Unzensuriert.at
Der November  1989 war die Leugnung des Jahres, nicht seine Verwirklichung. Das aber hätten die Menschen in Westeuropa nicht .. .....
>>>
<< Politjahr 1988

Politjahr 1990 >>


 

privacy policy