Oktober 1989 - Honecker warf das Handtuch

Kalender Oktober 1989
Die politische Situation überstieg das Fassungsvermögen des DDR-Staatsratsvorsitzenden Honecker – er trat zurück. Egon Krenz wandelte nun in dessen Fußspuren und glaubte, im alten Stil weitermachen zu können. Inzwischen hatten Tausende das Land verlassen und Hunderttausende demonstrierten nicht mehr nur in Leipzig für Reform und für eine neue DDR. Vom gewaltsamen Auflösen von Demonstrationen einmal abgesehen, war innerhalb des Landes noch alles ohne Blutvergießen abgegangen. Oppositionelle Gruppen hatten sich gebildet, der Ruf nach Reise- und Meinungsfreiheit wurde jedoch immer lauter. Die Welt hörte ihn, die DDR-Führung überhörte ihn. Ungarn war derweil einen Schritt weitergegangen. Die einstige Volksrepublik war zu einer Republik Ungarn geworden, die Kommunistische Partei hatte sich gewandelt und ihren Alleinherrschafts-Anspruch aufgegeben. Und die Sowjetunion hatte unmissverständlich ihre Knebel-Hand von der DDR genommen. Das schienen die Politiker allerdings ebenfalls nicht wahrzunehmen. Dabei standen die Zeichen für eine neue, für eine Reformpolitik eindeutig auf Grün.
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Was geschah im Oktober 1989

1. Oktober
Die ersten Sonderzüge mit etwa 6.800 DDR-Flüchtlingen aus der Warschauer und Prager Deutschen Botschaft überquerten das Gebiet der DDR nach Hof in Bayern. Unterwegs versuchten ausreisewillige DDR-Bürger auf die Züge aufzuspringen, um ebenfalls in den Westen zu gelangen.
1. Oktober
Die CDU erzielte bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen ihr schlechtestes Ergebnis seit 1956. In den Ballungsgebieten waren die Republikaner erfolgreich.
1. Oktober
Die Volksrepublik China beging den 40. Jahrestag ihrer Gründung mit Feuerwerk und einem Kulturprogramm. Eine Militärparade gab es nicht.
1. Oktober
An der Freien Universität in West-Berlin übernahm der Mediziner Malte Bühring (*1939) den ersten Lehrstuhl für Naturheilkunde im deutschsprachigen Raum.
1. Oktober
Der brasilianische
Autorennfahrer Ayrton Senna (1960-1994) gewann den Großen Preis von Spanien auf McLaren, der in Jerez de la Frontera ausgetragen worden war.
1. Oktober
In Dänemark konnten homosexuelle Paare erstmals ihre Verbindung staatlich registrieren lassen. Ihnen standen damit ähnliche Rechte zu wie Ehepaaren.
2. Oktober
In Leipzig (DDR) demonstrierten etwa 20.000 Menschen für Reformen im Land. Es war die bisher größte Demonstration für demokratische Veränderungen, die dort stattfand. Sie wurde gewaltsam von DDR-Sicherheitsorganen aufgelöst.
2. Oktober
In der DDR-Hauptstadt Berlin wurde die Oppositionsgruppe „Demokratischer Aufbruch“ (DA) gegründet.
2. Oktober
Der bisherige Außenminister von Peru, Guillermo Larco Cox (1932-2002), wurde als neuer Regierungschef des Landes vereidigt.
2. Oktober
Der Oberste Sowjet von Litauen verabschiedete ein neues Wahlgesetz. Darin war festgelegt, dass bis zur Einführung einer litauischen Staatsbürgerschaft allen Sowjetbürgern, die ständig in Litauen lebten, das Wahlrecht zustand.
2. Oktober
Gegen den Oberbefehlshaber der Streitkräfte Panamas, Manuel Antonio Noriega (*1934), versuchten junge Offiziere einen Militärputsch, der jedoch niedergeschlagen wurde.
2. Oktober
Der Oberste Sowjet in Moskau verhängte auf Antrag der Regierung ein 15-monatiges Streikverbot für die Schlüsselindustrien. Das Streikverbot gehörte zu einer Reihe von Sondermaßnahmen, um die Wirtschaft zu stabilisieren.
2. Oktober
Der dringend wegen Mordverdachts und vermutetem Versicherungsbetruges gesuchte Österreicher Udo Proksch (1934-2001) wurde im Flughafen Wien-Schwechat trotz seines durch eine Gesichtsoperation veränderten Aussehens erkannt und konnte festgenommen werden. Er galt als Drahtzieher im Fall Lucona.
3. Oktober
Die Regierung der DDR gewährte erneut Ausreisewilligen die Ausreise in den Westen. Es hatten sich bereits seit dem 1. Oktober wieder etwa 7.600 Menschen vor der Botschaft in Prag versammelt, obwohl die tschechoslowakische Polizei versucht hatte, das zu verhindern. Wegen dieser Entwicklung hatte die DDR-Regierung den visumfreien Reiseverkehr mit der Tschechoslowakei vorübergehend bis zum 11. Oktober ausgesetzt.
4. Oktober
Die bundesdeutsche Fußballauswahl gewann mit 6:1 gegen die Mannschaft aus Finnland im Dortmunder Westfalenstadion.
4. Oktober
Nach einem Mordanschlag in Brüssel (Belgien) starb der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Belgien, Joseph Wybran (1940-1989). Die pro-iranische Terrorgruppe „Soldaten der Wahrheit“ bekannte sich zu dem Attentat.
4. Oktober
Wieder beförderten Sonderzüge der DDR-Bahn etwa 7.600 Ausreisewillige aus der Prager und Warschauer Botschaft in die Bundesrepublik und querten dabei das Gebiet der DDR. Auf dem Transportweg waren Bahnhöfe und Gleise gesperrt worden, um Trittbrettfahrern das Aufspringen zu verwehren.
4. Oktober
In Dresden gab es schwere Auseinandersetzungen von Demonstranten und Ausreisewilligen mit den Sicherheitskräften. Es waren die schwersten ihrer Art seit dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Am Dresdner Hauptbahnhof hatte die Durchfahrt der Züge mit DDR-Flüchtlingen mindestens 5.000 Demonstranten mobilisiert, gegen die die Volkspolizei vorging.
5. Oktober
Die Leitzinsen in der Bundesrepublik erreichten mit der Anhebung des Diskont- und des Lombardsatzes um jeweils 1 % auf 6,9 bzw. 8,0% den höchsten Stand seit 1982.
5. Oktober
Erstmals wurde in der Bundesrepublik ein Langer Donnerstag praktiziert, an dem die Ladenöffnungszeiten für Geschäfte und Kaufhäuser bis 20:30 Uhr ausgedehnt wurden.
5. Oktober
Mit 17 ehemaligen Mitgliedern gründete der frühere Vorsitzende der Westberliner Republikaner, Bernhard Andres (*1951), eine neue Partei, die „Deutschen Demokraten“.
5. Oktober
Bis zum 9. Oktober wurde an den Grenzübergängen von West-Berlin in den Ostteil der Stadt mehreren tausend Personen die Einreise verweigert. Der Grund dafür waren vermutlich die Vorbereitungen im Zusammenhang mit dem 40. Jahrestag der Gründung der DDR am 7. Oktober.
5. Oktober
Der bekannte Bürgerrechtler aus Südkorea, der 71-jährige Priester Moon Ik-hwan (1918-1994), wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt wegen einer verbotenen Reise nach Nordkorea.
6. Oktober
Mit 81 Jahren starb die US-amerikanische Schauspielerin Bette Davis in Neuilly-sur-Seine bei Paris. Die Oscarpreisträgerin war am 5. April 1908 in Lowell (US-Bundesstaat Massachusetts) geboren worden.
6. Oktober
In der Ostberliner Erlöserkirche billigten etwa 2.500 Menschen auf einer Versammlung eine gemeinsame Erklärung von regimekritischen Gruppen.
6. Oktober
Nach zwei Monaten erklärte das Streikkomitee der aserbaidschanischen Volksfront die Blockade Armeniens für beendet, nachdem in Baku die Legalisierung der Volksfront angekündigt worden war.
7. Oktober
Die Feierlichkeiten zum 40. Gründungstag der DDR wurden mit Aufmärschen und Militärparaden begangen, ungeachtet der gegenwärtigen Situation im Lande. Der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow (*1931) nahm an den offiziellen Festakten teil. Vor der internationalen Presse betonte er die Notwendigkeit von Reformen. Er äußerte den berühmten Satz: „WER ZU SPÄT KOMMT, DEN BESTRAFT DAS LEBEN.“ Parallel zu den Staatsfeierlichkeiten fanden in Berlin und anderen Großstädten der DDR Demonstrationen statt, auf denen Zehntausende für Meinungsfreiheit und Reformen eintraten. Mehr als tausend Menschen wurden bei der brutalen Auflösung der Proteste verhaftet.
7. Oktober
In Schwante, einem Dorf im DDR-Bezirk Brandenburg, wurde die Sozialdemokratische Partei (SDP) in der DDR gegründet.
7. Oktober
In Budapest (Ungarn) beschloss die regierende kommunistische Partei ihre Selbstauflösung und die Umwandlung in die Ungarische Sozialistische Partei.
7. Oktober
In der italienischen Hauptstadt nahmen mehr als 100.000 Menschen an einem Protestmarsch gegen Ausländerfeindlichkeit teil. Der Marsch war von drei Gewerkschaftsverbänden organisiert worden.
8. Oktober
Nachdem Herbert von Karajan am 16. Juli 1989 gestorben war, wählten die Berliner Philharmoniker Claudio Abado (*1933) zu ihrem neuen Chefdirigenten und künstlerischen Leiter.
8. Oktober
Die Fußballnationalmannschaften der DDR und die der UdSSR trennten sich mit einem 2:1 in der DDR-Stadt Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz).
8. Oktober
Das Team der Vereinigten Staaten entschied in der japanischen Hauptstadt Tokio den Federation-Cup die Tennisweltmeisterschaft der Damenmannschaften durch einen 3:0-Sieg über Spanien für sich.
8. Oktober
Der englische Hengst Caroll House mit Michael Kinane (*1959) aus Irland im Sattel gewann in Paris den Prix de Arc de Triomphe.
9. Oktober
Im Zuge der Sondermaßnahmen, die vom Obersten Sowjet in Moskau zur Stabilisierung der Wirtschaft zu Monatsbeginn erlassen worden waren (u. a. Streikverbot für die Schlüsselindustrien), erließ das Parlament nun Bestimmungen, die zum ersten Mal in der Geschichte der Sowjetunion gesetzliche Streikregelungen beinhalteten.
9. Oktober
Mit einer spektakulären Montagsdemonstration in Leipzig, an der mehr als 70.000 Menschen teilnahmen, erlebte die „Wende“ in der DDR ihren Durchbruch. Die Forderung nach demokratischer Erneuerung der DDR wurde mit dem Satz untermauert: „WIR SIND DAS VOLK – keine Gewalt“. Es war die bisher größte Demonstration seit 1953.
9. Oktober
In der Bundesrepublik protestierten Sinti und Roma gegen die größte Vertreibungswelle von Roma aus der BRD, während zeitgleich täglich tausende Übersiedler aus der DDR aufgenommen wurden. Ein von 70 Roma besetzt gehaltenes Gebäude in der Nähe von Hamburg auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme wurde polizeilich geräumt.
9. Oktober
Die erste Sitzung des Sameting (Parlament Norwegens) wurde von König Olav V. (1903-1991) in Karasjok, einer Provinz in der Finnmark, eröffnet, wo sich die parlamentarische Vertretung der Samen befand.
9. Oktober
In der bundesdeutschen Hauptstadt Bonn wurde ein deutsch-polnischer Umschuldungsvertrag unterzeichnet. Polen erhielt einen Zahlungsaufschub bis 1997 für Verpflichtungen in Höhe von 2,5 Milliarden DM.
9. Oktober
Eine für Oktober angekündigte große Wirtschaftsreform in Jugoslawien wurde verschoben, weil sich die acht Teilrepubliken nicht über wichtige Reformgesetze einigen konnten.
9. Oktober
In einem neuen Programm der Volksfront Lettlands trat diese für die völlige Unabhängigkeit des Landes von der Sowjetunion ein.
10. Oktober
Mit dem Schwerpunktthema „Frankreich“ wurde in Frankfurt am Main die 41. Internationale Buchmesse eröffnet.
11. Oktober
Als erste Gewerkschaft innerhalb des Deutsch Gewerkschaftsbundes (DGB) in der BRD beschloss die Gewerkschaft Holz und Kunststoff auf ihrem Kongress in Würzburg (Bayern), Mitglieder der rechtsextremistischen Republikaner-Partei auszuschließen.
11. Oktober
Das Politbüro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) in der DDR kündigte „Vorschläge für einen attraktiven Sozialismus“ an.
11. Oktober
Vom Hessischen Landtag wurde eine Erhöhung der steuerpflichtigen Abgeordneten-Diäten von 7000 auf 10.200 DM monatlich verabschiedet.
11. Oktober
Einem Beschluss des Ältestenrates des Europäischen Parlaments zufolge, durften Abgeordnete rechtsradikaler Parteien keine hohen Parlamentsfunktionen bekleiden.
11. Oktober
In Berchtesgaden (Bayern) fand die erste Konferenz der sieben Alpenländer statt. Die Konferenz beschloss, dass bis zum Jahr 1991 eine völkerrechtlich verbindliche Konvention zum Schutz der Alpenregion erarbeitet werden solle.
12. Oktober
Papst Johannes Paul II. (1920-2005) bereiste während seiner Südasien-Reise auch das von Indonesien annektierte Ost-Timor.
13. Oktober
Der Besuch eines Flottenverbandes der Bundesmarine in Leningrad (Sankt Petersburg) war die erste derartige Visite in einem sowjetischen Hafen. Die Schiffsbesatzungen gedachten der mehr als 1 Million Einwohner, die im Zweiten Weltkrieg bei der zwei Jahre dauernden Belagerung der Stadt durch deutsche Truppen ums Leben gekommen waren.
14. Oktober
Der US-amerikanische Profi-Athlet Mark Allen (*1958) gewann auf Hawaii in der Rekordzeit von 8:09:14 h den Ironman-Triathlon.
15. Oktober
Der tschechische Schriftsteller Václav Havel (1936-2011) wurde mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Da die tschechische Regierung ihm keine Ausreisegenehmigung erteilte, konnte Havel den Preis nicht selbst in Empfang nehmen.
15. Oktober
In Montreal (Kanada) errang das Tanzpaar Bianca Schreiber/Hans-Reinhard Galke aus der BRD den Weltmeistertitel der Amateure in den lateinamerikanischen Tänzen.
15. Oktober
Acht prominente Häftlinge wurden in Südafrika freigelassen. Unter ihnen befand sich der Generalsekretär des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) Walter Sisulu (1912-2003).
15. Oktober
In Polen beschloss das Wirtschaftskomitee des polnischen Ministerrats angesichts der katastrophalen Versorgungslage, dass Lebensmittel, Medikamente, Treibstoff und Kohle aus den Lagerbeständen der Armee freigegeben werden sollen. Außerdem wurden 40 Prozent der Betten in Militärkrankenhäusern für die Zivilbevölkerung zur Verfügung gestellt.
16. Oktober
An den Aktienmärkten der BRD kam es zum massivsten Kurseinbruch der Nachkriegszeit.
16. Oktober
In der bulgarischen Hauptstadt Sofia begann das erste KSZE-Treffen über den Umweltschutz. Ein Schlussdokument am 3. November kam nicht zustande, da Rumänien als einziges Teilnehmerland die Aussagen zur Bürger-Rolle und der Umweltverbände nicht mittragen wollte.
16. Oktober
Erstmals wurde in einem Usenet-Posting „Godwin’s law“ (Godwins Gesetz) formuliert. Dieser Begriff aus der Internetkultur besagt, dass im Verlauf langer Diskussionen die Wahrscheinlichkeit eines Nazi-Vergleichs sich dem Wert Eins annähert.
16. Oktober
Zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Tansania wurde ein Kulturabkommen geschlossen, das am 16. Juni 1992 in Kraft trat.
16. Oktober
Die Leipziger Montagsdemonstration hatte ein noch größeres Ausmaß als die der Vorwoche. Es nahmen rund 120.000 Menschen daran teil. Die Sicherheitskräfte waren präsent, hielten sich mit ihrem Eingreifen jedoch zurück.
17. Oktober
In einem eigens von einem Verlegerkonsortium gegründeten „Artikel 19 Verlag“ erschien die deutsche Übersetzung von „Satanische Verse“ des indisch-britischen Schriftstellers Salman Rushdie (*1947).
17. Oktober
Das schwere Erdbeben, das San Francisco (US-Bundesstaat Kalifornien) erschütterte, ging als Loma-Prieta-Erdbeben in die Geschichte ein. Es hatte die Stärke 7,1 und brachte 62 Menschen den Tod. Die Sachschäden betrugen rund sechs Milliarden US-Dollar.
17. Oktober
Der ägyptische Staatschef Muhammad Husni Mubarak (*1928) und Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi (1942-2011) vereinbarten beim ersten ägyptisch-libyschen Gipfeltreffen seit 17 Jahren ein Programm über eine breite Zusammenarbeit, jedoch noch keine Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen.
17. Oktober
In Lausanne (Schweiz) beschloss die Plenarversammlung der Internationalen Konvention über den Handel mit bedrohten Arten ein weltweites Handelsverbot für Elfenbein. Über dieses Verbot sollte in zwei Jahren noch einmal beraten werden.
17. Oktober
Im US-Bundesstaat Florida startete von Cape Canaveral die Raumfähre „Atlantis“. Sie brachte die Forschungssonde „Galileo“ für einen Flug zu den Planeten Venus und Jupiter ins All. Wegen ihrer Plutoniumbatterien war die Forschungssonde umstritten.
18. Oktober
Sieben Besatzungsmitglieder und 50 Fallschirmspringer kamen ums Leben, als ein sowjetisches Militärflugzeug ins Kaspische Meer stürzte.
18. Oktober
In einer Änderung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes, die das Bundeskabinett beschlossen hatte, war festgelegt worden, dass ab Herbst 1990 Zuschüsse für Studenten wieder teilweise als Darlehen gezahlt werden konnten.
18. Oktober
Den etwa 150.000 Ureinwohnern (Aborigines) Australiens billigte der australische Senat das Recht auf Selbstverwaltung zu.
18. Oktober
In der DDR wurde Egon Krenz (*1937) „einmütig“ vom Zentralkomitee der SED zum neuen Generalsekretär der Partei gewählt. Sein Vorgänger Erich Honecker (1912-1994) hatte aus „gesundheitlichen Gründen“ um seine Entlassung ersucht. Gleichzeitig wurde der Sekretär des ZK für Wirtschaftsfragen, Günter Mittag (1926-1994), seiner Ämter enthoben. Krenz räumte in einer von den Medien übertragenen Rede ein, dass die SED in den letzen Monaten die reale Lage verkannt habe. Nun sie die „Wende eingeleitet“, aber der „Sozialismus auf deutschem Boden“ stehe nicht zur Disposition.
19. Oktober
Großbritannien und Argentinien vereinbarten, ihre Beziehungen auf Konsularebene wieder aufzunehmen, die sie 1982 wegen des Falklandkrieges abgebrochen hatten. Außerdem wollten die beiden Länder die Handelsbeziehungen, Flug- und Schiffsverbindungen wiederherstellen.
19. Oktober
Im spanischen Atomkraftwerk „Vandellos 1“ kam es zu einem Brand. Dieser wurde von der Internationalen Atomenergie-Agentur in Wien (Österreich) als der schwerste seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1985 eingestuft. Offiziellen Angaben zufolge sei aber keine Radioaktivität ausgetreten.
19. Oktober
In Großbritannien hob ein Gericht das Urteil gegen die seit 15 Jahren in Haft sitzenden „Guildford Four“ auf. Die vier Nordiren waren als Terroristen verurteilt worden. Sie hatten 1984 Bombenanschläge gestanden. Diese Aussagen waren jedoch von der Polizei durch Foltermaßnahmen erzwungen worden.
19. Oktober
In Zürich (Schweiz) wurde das Theaterstück „Jonas und sein Veteran“ von Max Frisch (1911-1991) uraufgeführt. Der Dramatiker gab einen Monat vor der schweizerischen Volksabstimmung über die Abschaffung der Armee in seinem Stück eine klare Stellungnahme gegen die Armee ab.
20. Oktober
In zweiter Instanz sprach das Landgericht Frankfurt am Main einen Arzt unter Hinweis auf die Meinungsfreiheit vom Vorwurf der Beleidigung oder Volksverhetzung frei. In einer Diskussion hatte der Angeklagte 1984 alle Soldaten als potentielle Mörder bezeichnet.
20. Oktober
In der sowjetischen Hauptstadt Moskau wurde der Vertrag über die Gründung der ersten westlich-sowjetischen Gemeinschaftsbank unterschrieben.
20. Oktober
In Abwesenheit wurde in Darmstadt der deutsche Schriftsteller Botho Strauß (*1944) mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.
20. Oktober
Der Düsseldorfer Landtag beschloss ein Frauenförderungsgesetz. Es sah vor, durch bevorzugte Einstellungen im öffentlichen Dienst eine Frauenquote von 50 Prozent anzustreben.
21. Oktober
In Graz (Österreich) verabschiedete die SPÖ (Sozialdemokratische Partei Österreichs) zum Abschluss ihres dreitägigen Parteikongresses das neue Leitprogramm „Sozialdemokratie 2000“. Das Programm beinhaltete eine Öffnung hin zur Mitte.
21. Oktober
Bei den Kunstturnweltmeisterschaften in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart gewann der deutsche Turner Andreas Aguilar (*1962) die Goldmedaille an den Ringen.
21. Oktober
Beim Landeanflug auf den Flughafen der Hauptstadt Tegucigalpa (Honduras) prallte eine honduranische Boeing 727 gegen einen Berg. Die Maschine ging in Flammen auf. Bei dem Unglück kamen 132 der 146 Insassen ums Leben.
22. Oktober
In Baden-Württemberg erlitt die CDU bei den Kommunalwahlen teilweise erhebliche Stimmenverluste. Die Freien Wählervereinigungen und die Republikaner gehörten zu den Wahlgewinnern.
22. Oktober
Die Abgeordneten des libanesischen Parlaments stimmten im saudiarabischen Taif einem Friedensplan für ihr Land zu.
22. Oktober
Die Roten Khmer erzielten mit der Eroberung der Provinzstadt Pailin (Kambodscha) ihren größten militärischen Erfolg seit dem Abzug der vietnamesischen Truppen im September 1989.
23. Oktober
Als erstes Land des Ostblocks hatte Ungarn die Bezeichnung Volksrepublik aus dem Staatsnamen gestrichen. Die Menschen bejubelten das Ereignis. Gleichzeitig trat eine neue Verfassung in Kraft.
23. Oktober
Wieder nahm die Zahl der Teilnehmer der Leipziger Montagsdemonstration zu. Es demonstrierten 300.000 Menschen am Abend vor der Wahl von Egon Krenz zum Staatsratsvorsitzenden. Der Protest richtete sich gegen eine „neue Machtkonzentration“.
24.Oktober
Der Oberste Sowjet der UdSSR beschloss, dass in Zukunft alle Abgeordneten auf lokaler und auf regionaler Ebene direkt gewählt werden konnten. Bisher hatten Organisationen über die Vergabe eines Drittels der Mandate entschieden.
24. Oktober
Das Bundekabinett billigte den Verkauf der bundeseigenen Salzgitter AG an den Metall- und Anlagenkonzern Preussag. Der Erlös von rund 2,5 Milliarden DM soll einer noch zu gründenden Umweltstiftung zugutekommen.
24. Oktober
In der DDR wählte die Volkskammer Egon Krenz (*1937) zum Staatsratsvorsitzenden und zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates. Somit waren die höchsten Ämter des Landes wieder in einer Person konzentriert.
25. Oktober
Die Fußballmannschaft von Malta unterlag mit 0:4 der DDR bei einem Spiel in der Hauptstadt Valetta.
25. Oktober
Erstmals wurde von der Sowjetunion der neutrale Status Finnlands anerkannt.
25. Oktober
Der Sprecher des sowjetischen Außenministeriums, Gennadij Gerassimow (1930-2010), teilte offiziell die sogenannte Sinatra-Doktrin („I did it my way“) mit, nach der die kommunistischen Bruderstaaten über ihren politischen Weg selbst und unabhängig von Moskau entscheiden dürften.
26. Oktober
Die brasilianische Indianerstiftung Funai gab die Entdeckung eines bis dato unbekannten Indianerstammes im Westen Brasiliens bekannt.
26. Oktober
Nach einem neuen Spielbankengesetz, das der Niedersächsische Landtag beschlossen hatte, durften Casinos fortan nur noch vom Staat betrieben werden.
26. Oktober
Großbritannien geriet in eine Regierungskrise, nachdem der britische Schatzkanzler Nigel Lawson (*1932) zurückgetreten war.
26. Oktober
Das Parlament in der UdSSR beschloss drei Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, der am stärksten betroffenen Sowjetrepublik Weißrussland umgerechnet 51 Milliarden DM zur Beseitigung der Unglücksfolgen bereitzustellen. Aus den Gebieten sollten etwa 100.000 Menschen umgesiedelt werden.
26. Oktober
Zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Schweden wurde ein Sozialabkommen geschlossen.
26. Oktober
Schauplatz einer Großdemonstration mit etwa 100.000 Menschen war am heutigen Tag auch Dresden.
27. Oktober
Die Oberbürgermeister von Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) und der polnischen Hauptstadt Warschau unterschrieben eine Städte-Partnerschaftsvertrag.
27. Oktober
Der letzte große DDR-Flüchtlings-Transport aus der tschechischen Hauptstadt Prag erreichte die Bundesrepublik. Seit Beginn des Monats waren etwa 14.000 Bürger aus der DDR über die Tschechoslowakei in den Westen Deutschlands gelangt.
27. Oktober
In der polnischen Hauptstadt Warschau betonten die Außenminister der Staaten des Warschauer Paktes zum Abschluss ihrer zweitägigen Konferenz das Recht jedes Volkes auf die „freie Wahl seines gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungsweges“ als Voraussetzung für ein „friedliches und unteilbares Europa“.
27. Oktober
Der Staatsrat der DDR verkündete eine weitgehende Amnestie für Flüchtlinge und inhaftierte Demonstranten an nichtgenehmigten Protestaufmärschen.
28. Oktober
Die DDR-Oppositionsgruppe „Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM), die die älteste bisher bestehende in der DDR war, konstituierte sich landesweit als Organisation.
28. Oktober
In Prag (Tschechoslowakei) wurde eine Demonstration gegen die kommunistische Führung des Landes gewaltsam aufgelöst.
28. Oktober
In der UdSSR wurde eine „interregionale Vereinigung der demokratischen Organisationen“ ins Leben gerufen.
29. Oktober
In Spanien verloren die Sozialisten bei vorgezogenen Parlamentswahlen die absolute Mehrheit.
29. Oktober
In der DDR-Hauptstadt Berlin (Ost) diskutierten hohe Partei-Funktionäre auf einer Massenveranstaltung von etwa 20.000 Menschen mit Demonstranten.
29. Oktober
Der Chef der Kommunistischen Partei Bulgariens, Todor Schiwkow (1911-1998) bezeichnete als erster hochrangiger bulgarischer Politiker den Pluralismus als eine Notwendigkeit für jede zivilisierte Gesellschaft.
30.Oktober
Die regelmäßig am Montagabend ausgestrahlte Sendung des DDR-Fernsehens „Der schwarze Kanal“ von und mit dem SED-Kommentator Karl-Eduard von Schnitzler (1918-2001) wurde eingestellt. Sie war fast 30 Jahre lang im Programm gewesen.
30. Oktober
Der US-Vizepräsident Dan Quayle (*1947) warf dem sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow (*1931) vor, er wolle Europa „finnlandisieren“ und die USA aus Europa verdrängen.
30. Oktober
Erstmals stellte sich das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe (Baden-Württemberg) mit der „Multimediale ‘89“ der Öffentlichkeit vor. Die Ausstellung dauerte bis zum 3. November 1989.
31. Oktober
Die afghanische Regierung teilte mit, dass es der Armee gelungen sei, den Belagerungsring um die Hauptstadt Kabul zu sprengen.
31. Oktober
Für sieben Jahre wurde der Ministerpräsident Turgut Özal (1927-1993) zum Staatspräsidenten der Türkei gewählt.
31. Oktober
DER neue SED-Chef und Staatsratsvorsitzende der DDR, Egon Krenz (*1937), traf zu einem zweitägigen Besuch in der sowjetischen Hauptstadt Moskau ein. Vor der Presse betonte er, es werde keine Parteienvielfalt in der DDR geben und auch keine Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten.
31. Oktober
Aus Gründen des Umweltschutzes beschloss das ungarische Parlament das endgültige Aus für das umstrittene Donaukraftwerk Nagymaros.

Nachrichten Oktober 1989 in der Presse

Am Samstag wäre der Bonner Wissenschaftler 100 Jahre alt geworden
General-Anzeiger
An diesen Tag im Oktober 1989 erinnert sich Doris Walch-Paul noch genau. In ihre Sprechstunde im Germanistischen Seminar hinein rief ihr Mann Wolfgang Paul sie an, um das Unfassbare zu verkünden: Die Jury des Alfred-Nobel-Preises in Stockholm ....
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