November 1989 - Der Eiserne Vorhang fiel

Kalender November 1989
War es zu Beginn des Monats November noch eine bundesdeutsche Schlagzeile, dass Otto Schily aus der Grünen-Partei austrat, so wurden die Nachrichten schon wenige Tage später von einem ganz anderen Ereignis ausgefüllt. In der DDR bewegte sich viel und Vieles ging auch durcheinander. Der „Versprecher“ des SED-Politikers Schabowki machte einen Traum vieler Deutschen wahr: Die Mauer wurde geöffnet. Der 9. November, der schon wegen der Reichskristall 1938 ein historisches Datum gewesen war, ging nun noch einmal in die Geschichte ein. Während viele DDR-Bürger hofften, ihr Land eigenständig gestalten zu können, verkündete der Bundeskanzler Kohl bereits ein Zehn-Punkte-Programm, weil er hartnäckig die Vision der Wiedervereinigung verfolgte. Doch vorerst war der gesamte Ostblock auf freiheitliche Demokratie aus, dem sich nur die rumänische Regierung verschloss. Doch das Rad der Geschichte ließ sich nun nicht mehr aufhalten…
<< Oktober 1988

Dezember 1989 >>

Was geschah im November 1989

1. November
Allerheiligen
1. November
Der Journalist Ilja Weis wurde von der hessischen Landesregierung zum ersten Tierschutzbeauftragten eines Bundeslandes berufen.
1. November
Entsprechend einem Beschlusses der Innenministerkonferenz setzte der West-Berliner Innensenator Erich Pätzold (*1930) einen Erlass in Kraft, der beinhaltete, dass abgelehnte Asylbewerber aus Ostblockstaaten die Stadt verlassen müssten, wenn sie nach dem 1. Mai 1989 eingereist waren.
1. November
Den vor 19 Monaten einseitig erklärten Waffenstillstand mit den Contra-Rebellen kündigte der Präsident von Nicaragua, Daniel Ortega (*1945), auf. Zuvor hatten sich Guerilla und Armee-Einheiten wiederholte Male Gefechte geliefert. Die bilateralen Verhandlungen darüber in den USA wurden am 21. November abgebrochen, ohne ein Ergebnis erzielt zu haben.
2. November
Der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Otto Schily (*1932), trat aus seiner Partei aus.
2. November
Der zweitgrößte Automobilhersteller der Welt, das US-amerikanische Unternehmen Ford Motor Co., übernahm den traditionsreichen Autobauer Jaguar aus Großbritannien.
2. November
Die bekannteste Guerillaorganisation Kolumbiens, die linksgerichtete „M 19“, schloss ein Friedensabkommen mit der Regierung des Landes. Das Abkommen sah die Umwandlung der Gruppierung in eine legale politische Partei vor.
3. November
Nachdem wiederholt mindestens 5.000 Menschen aus der DDR in die bundesdeutsche Botschaft in Prag (ČSSR) gelangt waren, beschloss die Regierung der DDR, diesen Bürgern die direkte Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland ohne Formalitäten zu genehmigen. Es kam daraufhin in den Folgetagen zu einer erneuten Ausreisewelle, da etwa 10.000 Menschen von dieser Möglichkeit Gebrauch machten.
3. November
Für die griechische Hauptstadt Athen verhängte die Regierung ein totales Fahrverbot. Alle Schulen und Kindergärten in der Stadt blieben geschlossen.
3. November
Die Baikal-Amur-Magistrale (ostsibirische Eisenbahnlinie) wurde für den Verkehr freigegeben. Die Strecke zwischen dem europäischen und dem ostasiatischen Teil der Sowjetunion wurde dadurch um 600 Kilometer verkürzt. Somit wurde auch die Transsibirische Eisenbahn entlastet.
3. November
In Kolumbien traten die 25.000 Justizangestellen in einen unbefristeten Streik. Damit drückten sie ihren Protest gegen die Ermordung einer Richterin aus. Außerdem forderten sie wirksamen Schutz vor Attentaten der Kokain-Mafia.
3. November
Von der Regierung Polens wurden die staatlichen Subventionen für Parteien ersatzlos gestrichen. Ab dem 1. Januar 1990 sollten auch alle Steuervorteile für parteieigene Unternehmen abgeschafft werden. Vom Staat würden dann nur noch Wahlkampfkosten erstattet werden.
3. November
Der neue Staats- und Parteichef der DDR, Egon Krenz (*1937) teilte in einer Fernsehansprache die Grundzüge seines Aktionsprogramms mit. Darin waren unter anderem die Errichtung eines Verfassungsgerichtshofes und eines Verwaltungsgerichts, außerdem die Einführung eines zivilen Ersatzdienstes sowie grundsätzliche Reformen in der Bildungs- und Wirtschaftspolitik vorgesehen.
4. November
Annähernd eine Million Menschen waren einem Demonstrationsaufruf der DDR-Künstlerverbände gefolgt und hatten sich dann zu einer Kundgebung auf dem Berliner Alexanderplatz in der Hauptstadt der DDR zusammengefunden. Die Kundgebung, die sich für demokratische Reformen und gegen das Machtmonopol der SED im Land stark machte, wurde direkt und ohne Vorankündigung live vom DDR-Fernsehen übertragen. Zu den Sprechern auf der Kundgebung gehörten u. a. die Schriftsteller Stefan Heym (1913-2001), Christoph Hein (*1944) und Christa Wolf (1929-2011), die Schauspieler Ulrich Mühe (1953-2007), Johanna Schall (**1958), Steffie Spira (1908-1995), Jan Josef Liefers (*1964), der Dramatiker Heiner Müller (1929-1995) und andere, deren Reden mit großem Jubel aufgenommen wurden. Die Rede von Markus Wolf (1923-2006) stieß auf Vorbehalte und die von Günter Schabowski (*1929) wurde immer wieder durch Pfiffe und Unmutsbekundungen unterbrochen. Diese Demonstration war die größte nicht staatlich gelenkte in der Geschichte der DDR.
4. November
Das Parlament Litauens verabschiedete ein Gesetz zur Staatsbürgerschaft. Darin wurde festgelegt, das neu zuziehende Russen fortan zehn Jahre auf ihre Einbürgerung warten müssten. Außerdem wurden Volksabstimmungen über wichtige Fragen der Republik eingeräumt.
5. November
Von der Regierung des Schweizer Kantons Zürich wurde die Legalisierung der sogenannten weichen Drogen beschlossen. Diese Entscheidung musste noch in einer Volksabstimmung bestätigt werden.
5. November
Einer der bedeutendsten Pianisten des 20. Jahrhunderts starb 86-jährig in New York – Vladimir Horowitz. Der Künstler jüdischer Herkunft war am 1. Oktober 1903 in Kiew (Ukraine) geboren worden.
5. November
Keine Partei erreichte bei den Parlamentswahlen in Griechenland die absolute Mehrheit. An einer Übergangsregierung, die am 21. November von Xenofon Zolotas (1904-2004) gebildet wurde, waren alle Parteien beteiligt.
6. November
In der DDR-Großstadt Dresden fanden sich rund 70.000 Menschen zu einer Demonstration zusammen, um für Reformen im Land zu einzutreten.
6. November
Die Presse der DDR veröffentlichte den Entwurf eines neuen Reisegesetzes. Maximal dreißig Tage pro Jahr hätte nach diesem Gesetz jeder Bürger der DDR ins Ausland reisen dürfen, sofern er einen Antrag gestellt hat und dieser genehmigt worden wäre. Die Öffentlichkeit nahm diesen Entwurf mit heftiger Kritik zur Kenntnis. Am nächsten Tag wurde die Gesetzesvorlage bereits wieder vom zuständigen Volkskammerausschuss verworfen.
6. November
Hunderttausende DDR-Bürger demonstrierten in Leipzig für eine uneingeschränkte Reisefreiheit, für die Aufgabe des Führungsanspruches der SED und für freie Wahlen.
6. November
Als erstes Privatradio erhielt im Bundesland Hessen „Hit Radio FFH“ eine Sendelizenz.
7. November
In Namibia erhielt die Befreiungsbewegung SWAPO bei den Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung 57 Prozent der Stimmen.
7. November
Die gesamte DDR-Regierung unter Ministerpräsident Willi Stoph (1914-1999) trat zurück.
7. November
Von „MTV Europe“ wurde das erste Live-Programm aus der DDR-Hauptstadt Berlin ausgestrahlt.
7. November
Die Bürger von New York City entschieden sich für David Dinkins (*1927) als ihren künftigen Bürgermeister. Dinkins war in der Millionstadt der erste afroamerikanische Politiker, der das Amt eines Stadtoberhauptes übernahm. In der Geschichte der Vereinigten Staaten war es ebenfalls das erste Mal, dass der Demokrat Douglas Wilder im US-Bundesstaat Virginia als Schwarzer zum Gouverneur gewählt wurde.
7. November
In Bonn hatte die Regierungskoalition beschlossen, bis 1994 für den Bau von Sozialwohnungen acht Milliarden DM auszugeben. Die Summe war doppelt so hoch, wie ursprünglich geplant.
7. November
In der sowjetischen Hauptstadt Moskau wurde der 72. Jahrestag der Oktoberrevolution in kleinem Rahmen mit einer kurzen Militärparade offiziell begangen. Erstmals fanden in Moskau und anderen sowjetischen Städten friedliche Gegendemonstrationen statt.
7. November
In der australischen Hauptstadt Canberra gründeten zwölf Staaten ein Wirtschaftsforum für den asiatisch-pazifischen Raum.
8. November
Nachdem am Tag zuvor auf der 10. Tagung des Zentralkomitees der SED das Politbüro der DDR zurückgetreten war, wurde ein verkleinertes Politbüro gewählt und Egon Krenz (*1937) war als Generalsekretär bestätigt worden.
8. November
In der DDR wurde das „Neue Forum“ (NF) als Vereinigung zugelassen.
8. November
Etwa 16 Kilometer südlich von Helgoland (BRD) kollidierte die England-Fähre „Hamburg“ mit dem Containerfrachter „Nordic Stream“. Dabei kamen drei Passagiere der Fähre ums Leben.
8. November
In Jordanien gewannen bei den ersten Parlamentswahlen seit 1967 die islamischen Gruppierungen 31 Sitze von 80 Parlamentssitzen.
8. November
In Kassel (Hessen) stoppte der hessische Verwaltungsgerichtshof mit einer Eilentscheidung die geplante gentechnische Produktion von Humaninsulin bei Hoechst.
9. November
Auf einer Pressekonferenz, die vom Fernsehen in der DDR direkt übertragen wurde, verlas das SED-Politbüromitglied Günter Schabowski (*1929) um 18:57 Uhr auf eine Anfrage zur neuen Reiseregelung beiläufig einen Beschluss des amtierenden Ministerrates, den er angeblich kurz vor der Pressekonferenz vom Generalsekretär Egon Krenz (*1937) zugesteckt bekommen habe. Darin hieß es: „Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen (Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse) beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt.“ Auf eine weitere Nachfrage erklärte Schabowski, dass diese Regelung „sofort, unverzüglich“ in Kraft trete. Ursprünglich war das Inkrafttreten erst für später geplant gewesen. Die Meldung von Schabowski verbreitete sich wie ein Lauffeuer und wurde umgehend auch in den bundesdeutschen Medien verbreitet. Noch am selben Abend drängten Tausende Ost-Berliner nach West-Berlin. Kurz vor Mitternacht öffneten sich die ersten Schlagbäume an der Mauer. Der Tag ging als offizielle Grenzöffnung zur Bundesrepublik Deutschland und nach West-Berlin in die Geschichte ein.
9. November
Der Deutsche Bundestag verabschiedete die Reformgesetze zur Rentenversicherung und zur Beamtenversorgung. Die Renten wurden an die Entwicklung der Nettolöhne gekoppelt. Schrittweise wurde die Altersgrenze auf 65 Jahre angehoben. Beamte bekamen erst nach 40 Jahren die Höchstversorgung.
9. November
Der chinesische Spitzenpolitiker Deng Xiaoping (1904-1997) trat als Vorsitzender der Militärkommission des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas zurück. Damit gab er sein letztes Parteiamt auf.
9. November
Der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl (*1930) traf zu einem sechstägigen Besuch in der polnischen Hauptstadt Warschau ein.
9. November
Der Waldschadensbericht von 1989 wurde vom deutschen Bundeskabinett genehmigt. Danach waren nur noch 47,1 Prozent der Waldflächen ohne Schäden, 15,9 Prozent wiesen mittlere und starke Schäden auf, 37 Prozent hatten leichte Schäden. In Baden-Württemberg war die Situation besonders problematisch.
10. November
In Bulgarien wurde der Parteichef Todor Schiwkow (1911-1998) als KP-Vorsitzender abgelöst. Das Amt übernahm Petar Mladenow (1936-2000).
10. November
Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze besuchten Millionen von DDR-Bürgern der DDR die grenznahen Städte der Bundesrepublik und West-Berlin. Dabei kam es zu überschwänglichen Freudenbekundungen fremder Menschen untereinander.
10. November
Bundeskanzler Helmut Kohl (*1930) brach seinen sechstägigen Besuch in Warschau (Polen) ab. Er sprach am Abend auf einer Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus in West-Berlin. Der SPD-Politiker und Ehrenvorsitzende der Partei, Willy Brandt (1913-1992), prägte den Satz: „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.“
11. November
Erstmals seit seiner Ausbürgerung im Jahr 1963 trat der Pianist Vladimir Ashkenazy (*1937) wieder in der Sowjetunion auf. Der Erlös, den das Moskauer Konzert erbrachte, war dem Wiederaufbau Armeniens zugedacht.
11. November
Linksgerichtete Rebellen starteten in El Salvador eine Großoffensive, die sich schnell auf fast das ganze Land ausdehnte. Zum ersten Mal in dem zehnjährigen Bürgerkrieg war auch die Hauptstadt San Salvador umkämpft.
11. November
In Berlin herrschte Volksfeststimmung. Am ersten Wochenende nach der Maueröffnung waren die innerdeutschen Grenzübergänge mit DDR-Bürgern überfüllt, ebenso die großen Innenstädte in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen und Bayern. Bei der Auszahlung des Begrüßungsgeldes von 100 DM kam es zu Verzögerungen, da der überwältigende Ansturm unvorbereitet gekommen war.
11. November
Bundeskanzler Helmut Kohl (*1930) und SED-Generalsekretär Egon Krenz (*1937) führten ein Telefongespräch, in dem sie über die Intensivierung der Zusammenarbeit sprachen und sich auf eine baldige persönliche Begegnung einigten.
11. November
In den Hamburger Deichtorhallen wurde von dem schweizerischen Kunsthistoriker und Kurator Harald Szeemann (1933-2005) eine Ausstellung eröffnet, in der er die Großmeister der aktuellen Kunst präsentierte. Unter anderem waren Werke des US-amerikanischen Bildhauers Richard Serra (*1939) zu sehen, von dessen deutschen Kollegen Anselm Kiefer (*1945), von dem US-amerikanischen Konzeptkünstler Bruce Nauman (*1941) und dem deutschen Maler, Fotografen und Bildhauer Gerhard Richter (*1932). Die Ausstellung dauerte bis zum 18. Februar 1990.
12. November
In der DDR fanden in mehreren Städten Kundgebungen und Versammlungen der SED statt, in denen die Basis der Genossen eine „Erneuerung der Partei von unten“ forderte.
12. November
In etwa 150 Städten der Vereinigten Staaten demonstrierten mehr als 1 Millionen Menschen für die Beibehaltung des legalen Schwangerschaftsabbruchs.
13. November
In El Salvador rief die Regierung den Ausnahmezustand aus. Zwei Tage zuvor hatten linksgerichtete Rebellen eine landesweite Großoffensive begonnen.
13. November
In Liechtenstein wurde Fürst Hans-Adam II. (*1945) von und zu Liechtenstein wurde neuer Staatspräsident des Landes. Er übernahm die Nachfolge seines Vaters,
Franz Josef II. (1906-1989), der an diesem Tag in einem Krankenhaus im schweizerischen Grabs nach 51-jähriger Regierungszeit gestorben war.
13. November
In der DDR wurde erstmals in einer Geheim-Abstimmung das Parlament des Landes gewählt. Präsident wurde der Vorsitzende der Demokratischen Bauernpartei Günther Maleuda (*1931). Er trat die Nachfolge von Horst Sindermann (1915-1990) an, der zurückgetreten war. Zudem wurde Hans Modrow (*1928) als Ministerpräsident bestätigt. Er galt als „Reformkommunist“.
13. November
In Sri Lanka wurden die drei Führer der singhalesischen Befreiungsfront von Regierungstruppen getötet.
13. November
In Genf (Schweiz) wurde im Europäischen Labor für Teilchenphysik der weltweit größte Teilchenbeschleuniger LEP eingeweiht.
13. November
Entlang der Berliner Mauer hob die DDR die Sperrzonen der innerdeutschen Grenze und in den Küstengewässern auf.
13. November
Ein bislang geheim gehaltener Bericht über die Verschmutzung der Elbe durch Industriebetriebe und Kommunen in der DDR wurde vom BRD-Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ veröffentlicht.
14. November
Nach heftigen Diskussionen verabschiedete der Oberste Sowjet der UdSSR eine Erklärung zur „vollen politischen Rehabilitierung“ der Russlanddeutschen und anderer in der Stalinzeit deportierter Völker. Den Umgesiedelten wurde die „unbedingte Wiederherstellung ihrer Rechte“ zugesagt.
15. November
Die bundesdeutsche Fußballmannschaft qualifizierte sich in Köln durch einen 2:1-Sieg über Wales für die Weltmeisterschaft 1990 in Italien.
15. November
Erstmals seit 1824 sprach wieder ein Privatmann vor beiden Kammern des US-amerikanischen Parlaments – der polnische Gewerkschaftsführer Lech Walesa (). Er appellierte an die USA „in die Freiheit zu investieren, in die Demokratie und den Frieden.“
16. November
Bundeskanzler Helmut Kohl (*1930) sagte in seiner Regierungserklärung vor dem Deutschen Bundestag der DDR wirtschaftliche Hilfe zu. Er machte diese jedoch von einem grundlegenden Wandel des politischen und wirtschaftlichen Systems abhängig.
16. November
Vom 1. Januar 1990 gelte ein Nachtfahrverbot für österreichische LKW in der Bundesrepublik. Das gab der Bundesverkehrsminister Friedrich Zimmermann () bekannt. Eine entsprechende Regelung gab es seit 1. Dezember in Österreich.
16. November
Der regimekritische Kanzler Ignacio Ellacuría (1930-1989) der Jesuiten-Universität Universidad Centroamericana „José Simeón Cañas“ wurde von der Todesschwadron „Bataillon Atlacatl“ der Armee El Salvadors umgebracht. Sieben weitere Personen, die sich in dem Gebäude befunden hatten, waren ebenfalls getötet worden, um keine Zeugen zu hinterlassen.
16. November
Ungarn stellte als erstes Mitglied des Warschauer Paktes einen Aufnahmeantrag für den Europarat.
17. November
In der bayerischen Landeshauptstadt München wurde Theo Waigel (*1939) mit 946 von 975 Stimmen als Parteivorsitzender auf dem CSU-Parteitag bestätigt.
17. November
In Göttingen (Niedersachsen) wurde eine 24-jährige Studentin nach Schlägereien zwischen Rechts- und Linksradikalen auf einer Hauptverkehrsstraße von einem Auto erfasst und getötet. Die Frau, die den sogenannten Autonomen zugerechnet wurde, wollte vor der eingreifenden Polizei flüchten. Wegen des Todesfalls kam es am 25. November zu einer Protestdemonstration, an der etwa 15.000 Menschen teilnahmen und bei der es zu schweren Krawallen kam.
17. November
Der DDR-Regierungschef Hans Modrow (*1928) präsentierte die 28 Minister seines verkleinerten Kabinetts. Er kündigte in seiner Regierungserklärung einschneidende Reformen des politischen Systems, der Wirtschaft, des Bildungswesens und der Verwaltung an, deren Ziel es sei, eine „neue sozialistische Gesellschaft“ zu schaffen. Er schlug der Bundesregierung vor, die Beziehungen hin zu einer „Vertragsgemeinschaft“ auszudehnen. Allen Spekulationen über eine Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten erteilte Modrow eine klare Absage.
18. November
Von der DDR-Volkskammer wurde ein „Untersuchungsausschuss Amtsmissbrauch“ eingesetzt, der die Privilegien der SED-Funktionäre überprüfen sollte.
18. November
Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wurde durch das „Amt für Nationale Sicherheit“ ersetzt.
18. November
In der französischen Hauptstadt Paris fand auf Einladung des Präsidenten Frankreichs, François Mitterand ein informeller EG-Sondergipfel statt. Er befasste sich mit der Entwicklung in Osteuropa.
18. November
Über den Bau des ersten US-amerikanischen Luxushotels in der Sowjetunion unterzeichneten die Fluggesellschaften Pan American und Aeroflot, der Hotelkonzern Sheraton und der Moskauer Stadtrat einen Vertrag.
18. November
In New York bezwang die deutsche Tennisspielerin Steffi Graf (*1969) im Finale des Masters-Turniers der Tennisprofis die US-amerikanische Spielerin Martina Navratilova (*1956) in drei Sätzen.
18. November
Zum siebenten Mal wurde der 76-jährige Willi Daume in Frankfurt am Main zum Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) gewählt. Daume hatte das Amt seit 1961 inne.
19. November
Zwischen Hitzacker auf bundesdeutscher Seite und Brandstade/Herrenhof auf der Seite der DDR gab es nun wieder eine Fährverbindung über die Elbe, die seit 44 Jahren unterbrochen gewesen war.
19. November
In Saarbrücken sprachen sich die Delegierten auf einem Perspektiven-Bundeskongress der Grünen mit deutlicher Mehrheit für eine Regierungszusammenarbeit mit der SPD aus.
20. November
Von der UNO (Vereinte Nationen) wurde die Kinderrechtskonvention verabschiedet. Sie sollte den Schutz der Kinder vor Hunger, Heimatlosigkeit und Ausbeutung stärken und schrieb außerdem das Recht der Kinder auf Bildung fest. Gegen die Ratifizierung machte die Bundesregierung Vorbehalte geltend.
20. November
Der Staats- und Parteichef von Rumänien, Nicolae Ceauşescu (1918-1989), lehnte bei der Eröffnung des Parteitages der Kommunistischen Partei des Landes jegliche Reformen strikt ab.
20. November
Der Oberste Sowjet Georgiens beschloss eine Verfassungsänderung, die der Sowjetrepublik größere Unabhängigkeit von der Zentralregierung in Moskau gab. Das Parlament konnte nach dieser Änderung nun unter anderem Gesetze der UdSSR für Georgien aufheben. Außerdem behielt sich Georgien das Recht vor, aus der UdSSR (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken) auszutreten.
20. November
Gegen ein Absinken des Lebensstandards beschloss das Parlament in Moskau ein wirtschaftliches Notprogramm. Es schränkte die neu gewonnene wirtschaftliche Selbständigkeit der Betriebe ein und sah zudem Preiskontrollen sowie einen Kaufkraftausgleich für ärmere Bevölkerungsschichten vor.
20. November
In der tschechischen Hauptstadt Prag demonstrierten Hunderttausende gegen das Machtmonopol der Kommunisten. Die Proteste dauerten bis zum 23. November an.
21. November
In Bonn vereinbarten Bundesumweltminister Klaus Töpfer (*1938), seine Kollegen aus den Bundesländern sowie Vertreter chemischen Industrie und IG Chemie, dass bis1991 die Verbrennung von deutschem Giftmüll auf See eingestellt werden solle.
21. November
In Ost-Berlin beriet Kanzleramtsminister Rudolf Seiters (*1937) mit dem DDR-Ministerpräsidenten Hans Modrow (*1928) und dem Staats- und Parteichef Egon Krenz (*1937) über die Möglichkeiten der Wirtschaftshilfe seitens der BRD für die DDR.
22. November
In Beirut (Libanon) fiel der libanesische Präsident René Mouawad (1925-1989), der erst am 5. November gewählt worden war, einem Bombenanschlag zum Opfer. Die Explosion einer 250 Kilogramm schweren Autobombe beim Passieren der Wagenkolonne des Präsidenten hatte weitere 23 Menschen getötet. Die Verantwortlichen blieben im Dunkeln ebenso wie die Hintergründe des Anschlags.
22. November
Die UN-Vollversammlung verurteilte die BRD, weil diese dem Apartheidregime in Südafrika Zugang zu U-Boot-Plänen deutscher Firmen verschafft hatte.
22. November
Das SED-Politbüro bot Gespräche am Runden Tisch an.
23.November
In der DDR-Hafenstadt Rostock wurde die Freie Demokratische Partei (FDP) gegründet. Einen Tag später entstand in der DDR-Hauptstadt Berlin die Grüne Partei in der DDR.
23. November
Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (*1927) unterzeichnete bei einem Besuch in Ungarn ein Kreditabkommen in Höhe von 500 Millionen DM.
23. November
Der Versuch einer Loslösung begann in Süd-Ossetien (Georgien).
23.November
Von der Regierung der DDR wurde Maßnahmen gegen „negative Auswirkungen des Reiseverkehrs“ beschlossen. Zollkontrollen sollten verschärft werden und bestimmte Waren durften nur noch an DDR-Bürger gegen Vorlage des Personalausweises abgegeben werden. Vor allem polnische Bürger hatten in West-Berlin begonnen, einen schwunghaften Handel mit subventionierten DDR-Waren aufzuziehen.
23. November
Der ehemalige ZK-Sekretär der SED für Wirtschaftsfragen der Planwirtschaft der DDR, Günter Mittag (1926-1994), wurde aus der Partei ausgeschlossen. Er galt als der Verantwortliche für die wirtschaftliche Misere in der DDR.
23. November
Die Führung der Tschechoslowakischen Kommunistischen Partei trat zurück. Dem Schritt waren tagelange Massendemonstrationen für Demokratie und freie Wahlen vorausgegangen.
24. November
In Württemberg erließ die Evangelische Landeskirche eine neue Fahrtkostenverordnung. Danach konnten auch Fahrradfahrten abgerechnet werden.
24. November
Seit fast vierzig Jahren gab die südafrikanische Regierung erstmals vier Siedlungsgebiete in Kapstadt, Durban und Johannesburg für alle ethnischen Bevölkerungsgruppen frei.
25. November
In der Südost-Türkei wurden bei einem Überfall kurdischer Separatisten auf ein Dorf 21 Menschen getötet.
25. November
Die nordrhein-westfälische CDU wählte auf einer Landesvertreterversammlung Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (*1935) zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahlen im Mai 1990. Blüm sollte als Herausforderer gegen den amtierenden Ministerpräsidenten Johannes Rau (1931-2006) von der SPD antreten.
26. November
Die Schweizer Bevölkerung lehnte in einer Volksabstimmung die Abschaffung der Milizarmee ab. Dennoch hatten die Militärgegner weit mehr Stimmen erhalten als erwartet worden war.
26. November
Die regierende Kongresspartei von Premierminister Rajiv Gandhi (1944-1991) in Indien musste bei den Wahlen zum Parlament schwere Verluste verzeichnen.
26. November
Bei dem erstmals ausgetragenen Nokia-Masters der Frauen in Essen gewann die 15-jährige Monika Seles (*1973) aus Jugoslawien durch einen Zwei-Satz-Sieg über die Bulgarin Manuela Maleeva (*1967). Das Tennis-Turnier war mit einem Preisgeld von 500.000 US-Dollar dotiert.
26. November
In der DDR traten namhafte Intellektuelle und Reformer dafür ein, mit dem Aufruf „Für unser Land – zur Bewährung der Eigenständigkeit der DDR“, die Eigenständigkeit des Landes zu bewahren und damit eine „sozialistische Alternative zur Bundesrepublik“ zu schaffen.
26. November
In Uruguay siegte mit Luis Alberto Lacalle (*1941) zum ersten Mal seit 19 Jahren der Kandidat der oppositionellen Blanco-Partei bei den Parlamentswahlen. Er trat am 1. März 1990 die Nachfolge von Julio Sanguinetti (*1936) von der Colorado-Partei an.
26. November
In Honduras gingen die Konservativen als Sieger aus den Parlaments- und Präsidentenwahlen hervor. Am 27. Januar 1990 trat Rafael Leonardo Callejas (*1943) daraufhin die Nachfolge von Präsidenten José Azcona Hoyo (1927-2005) an.
26. November
Der Präsident der Komoren (Inselstaat im Indischen Ozean), Ahmed Abdallah (1919-1989) wurde ermordet. Daran beteiligt war Bob Denard (1929-2007).
27. November
Nahe der Hauptstadt Bogota (Kolumbien) explodierte eine kolumbianische Verkehrsmaschine vom Typ Boeing 727 in der Luft. Die Katastrophe die einem anonymen Anruf zufolge durch einen Bombenanschlag der Drogenmafia ausgelöst worden war, fordert das Leben aller 107 Insassen an Bord der Maschine.
27. November
Im Deutschen Bundestag gab der Bundeskanzler Helmut Kohl (*1930) überraschend sein deutschpolitisches 10-Punkte-Programm bekannt, dessen Ziel die deutsche Wiedervereinigung in maximal zehn Jahren war.
27. November
Wegen der Politik des Ministerpräsidenten Ladislav Adamec (1926-2007) brach in der Tschechoslowakei ein Generalstreik aus.
27. November
Der Oberste Sowjet der UdSSR billigte das wirtschaftliche Selbstbestimmungsrecht der Sowjetrepubliken Litauen, Lettland und Estland.
28. November
Die einstige Kunstturnerin aus Rumänien, Nadia Comaneci (*1961) flüchtete aus ihrer Heimat in die USA. Sie hatte insgesamt fünf Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 1976 und 1980 gewonnen. Als erste Turnerin hatte sie die Traumnote 6,0 erhalten.
29. November
Unter dem Vorwurf der Untreue und der Bilanzfälschung wurden in der BRD fünf ehemalige Aufsichtsräte des Handelskonzerns co op verhaftet.
29. November
Die DDR-Staatsanwaltschaft überprüfte Vorwürfe, wonach von DDR-Außenhandelsfirmen Deviseneinnahmen nicht ordnungsgemäß abgeführt worden waren. Dabei ging es insbesondere um den Bereich „Kommerzielle Koordination“ (KoKo) beim SED-Zentralkomitee, den der Staatssekretär Alexander Schalck-Golodkowski (*1932) leitete. Er wurde zu Beginn des Monats Dezember zur Fahndung ausgeschrieben.
30. November
In der DDR stellte die Bezirksbehörde von Neubrandenburg wegen des Verdachts der Untreue Strafantrag gegen den gestürzten DDR-Staat- und Parteichef Erich Honecker (1912-1994).
30. November
In Bad Homburg (Hessen) wurde der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen (1930-1989) durch einen Bombenanschlag der Rote-Armee-Fraktion (RAF) getötet. Über die Täterschaft wurde nichts bekannt.
30. November
Die tschechoslowakische Regierung gab bekannt, dass die Grenzsperren zu Österreich abgebaut werden würden.
30. November
Frankreich und die Bundesrepublik schlossen einen Vertrag über die gemeinsame Entwicklung des Kampfhubschrauber „Tiger“. Die Kosten betrugen voraussichtlich 2,2 Milliarden DM.
30. November
Von dem westlich orientierten Nordjemen und der sozialistisch regierte Südjemen unterzeichneten einen Grundsatzvertrag über eine Vereinigung beider Staaten.
29. November
Der SED-Generalsekretär und DDR-Staatsratsvorsitzender Egon Krenz (*1937) sowie auch der DDR-Ministerpräsident Hans Modrow () schlossen sich dem Aufruf „Für unser Land – zur Bewährung der Eigenständigkeit der DDR“ an.

Nachrichten November 1989 in der Presse

DDR-Historie weckt immer mehr Neugier
Nordwest-Zeitung
November 1989 über die Fahrt einer Trabi-Kolonne über den Grenzübergang Bornholmer Straße nach West-Berlin. Bild: dpa. Berlin Immer mehr Berlin-Besucher entdecken die DDR-Geschichte. Dokumentations- und Erinnerungsorte an die SED-Diktatur wie ....
>>>
 ....
>>>

Werbung 1989 Reklame


<< Das geschah 1988

Das geschah 1990 >>