Was war wann >> Filmgeschichte >> 2010-2019 >> Filme 2018


Das Filmjahr 2018 -

Das Jahr 2018 war für den Schauspieler Kevin Spacey eine Abfolge an Misserfolgen, die kaum zu übertreffen waren. Als Ende 2017 von verschiedenen jungen Männern Belästigungs- und Missbrauchsvorwürfe gegen Spacey erhoben wurden, begann ein schleichender Prozess der Ablehnung und Distanzierung, der bis zum völligen Verschwinden des beliebten Schauspielers von der Bildfläche der Hollywoodwelt führte. Nach dem Skandal um Weinstein ein Jahr zuvor war die Branche wohl allmählich empfindlich geworden. Die Vorwürfe gegen Spacey waren zwar wesentlich fragwürdiger, jedoch folgeschwerer gerade auch darum, weil Spacey in naiver Weise die Chance nutzte, sich als homosexuell zu outen.
Der Schauspieler, der zuvor noch berauschende Erfolge mit der Serie „House of Cards“ feierte, eine politisch ausgerichtete Produktion, in der er es in seiner Rolle als korrupter und intriganter Abgeordneter bis zum
Präsidenten der Vereinigten Staaten schaffte und im echten Leben den „Golden Globe“ erhielt, musste bald darauf miterleben, wie die Serie nach den Sexskandalen ganz einfach abgesetzt wurde, wie er gleich darauf auch von Ridley Scott aus dem Thriller „Alles Geld der Welt“ herausgeschnitten und durch Christopher Plummer ersetzt und wie sein neuer Kinofilm „Billionaire Boys Club“ zunächst vom Publikum gemieden und dann von der Presse verrissen wurde. Plummer dagegen wurde 2018 für seine Rolle im Scott-Film für den „Golden Globe“ nominiert.
Ganz anders sah es 2018 für Gary Oldman aus, der solche Phasen, wenn auch nicht in gleichem Ausmaß, ebenfalls kannte, war seine Karriere
Anfang 2000 immerhin kurzzeitig dadurch gefährdet, dass er aufgrund der politischen Ansichten im Filmprojekt „Rufmord – Jenseits der Moral“ auf der „Schwarzen Liste“ von Hollywood landete und damit nur noch in weniger erfolgreichen Filmen spielen durfte.
Für seine Rolle als
Winston Churchill in dem Drama „Die dunkelste Stunde“ erhielt er 2018 als bester Hauptdarsteller nicht nur den „Golden Globe Award“, sondern auch den heißbegehrten „Oscar“. Das Drama ist historisch angelegt und befasst sich mit den ersten Wochen des Politikers im Amt als britischer Premierminister und den vielen Herausforderungen, denen sich Churchill in der Anfangszeit des Zweiten Weltkriegs stellen musste.
Ein weiterer „Oscar“ ging an Guillermo del Toro für die Regie des Films „Das Flüstern des Wassers“ und an Frances Mc Dormand für ihre beeindruckende Hauptrolle in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, in der sie mit drastischen Mitteln Gerechtigkeit für den Mord an ihrer Tochter einfordert. „Das Flüstern des Wassers“ wiederum ist ein Fantasy-Spektakel voller Farben, prächtiger Bilder und Humanität, das von einer liebenswerten, stummen Putzfrau, gespielt von Sally Hawkins, handelt, die sich in einem amerikanischen Geheimlabor in eine dort gefangenengehaltene Amphibie, verkörpert von Doug Jones, verliebt.
Die
Filmmusik stammte von dem bekannten französischen Komponisten Alexandre Desplat, der versuchte, der stummen Hauptdarstellerin eine melodische Stimme zu verleihen, um die gesamte Gefühlswelt aufbrechen zu lassen. Der Film vermittelt vor allen Dingen, dass die wahren Monster unter den korrupten Menschen zu finden sind, nicht unter den Außenseitern, ist gleichzeitig ein Aufruf gegen Rassismus und Intoleranz.
Auch
Meryl Streep war 2018 in den deutschen Kinos auf der Leinwand zu sehen und spielte nicht nur im zweiten Teil des angesagten Musicals „Mamma Mia: Here We Go Again“ ihre bekannte Rolle, sondern auch die Hauptrolle in Steven Spielbergs „Die Verlegerin“. Dort verkörperte sie die Herausgeberin der „Washington Post“, die gemeinsam mit Tom Hanks als engagierter Reporter die Desinformationen der US-Regierung über den Vietnamkrieg aufdeckt, die u. a. als die „Pentagon-Papiere“ bekannt wurden.
Der Film nimmt Bezug auf die echten Verhältnisse der schwierigen Kriegszeiten, die zunächst durch die Täuschung der Öffentlichkeit geduldet wurden, dann aber durch die Übertragung der schrecklichen Verletzten- und Todesszenen in den Medien schließlich zu der Empörung und geistigen Veränderung der Amerikaner führte, die mit dem Slogan „Love and Peace“ gegen den sinnlosen Krieg demonstrierten und damit einen ganz eigenen Zeitgeist schufen. Die enthüllten Auszüge aus den „Pentagon-Papieren“ bewiesen, dass Präsident Johnsons Behauptung, nur in Vietnam intervenieren zu wollen, eine glatte Lüge war und schon vorher Kriegsvorbereitungen getroffen worden waren.
Der Regisseur
Wim Wenders brachte 2018 den Film „Grenzenlos“ heraus und drehte in diesem Jahr auch die interessante Doku über Papst Franziskus zu Ende. „Grenzenlos“ ist eine Liebesgeschichte zwischen Meer und Wüste, befasst sich mit zwei gegensätzlichen Welten und Charakteren, die den Abstand durch Liebe überbrücken wollen.
In einem abgelegenen Hotel in der Normandie bereiten sich eine Frau und ein Mann auf verschiedene Missionen vor. Danielle, gespielt von
Alicia Vikander, ist Bio-Mathematikerin und will die Tiefen des Ozeans erforschen, und James, von James McAvoy gespielt, will nach Somalia, da er sich als Agent des britischen „Secret Service“ unter die Dschihadisten mischen soll. Das Drehbuch richtete sich dabei nach den Erzählungen aus Afrika von J. M. Ledgard. Wenders gab dem Film, wie gewohnt, seinen ganz eigenen filmisch anspruchsvollen Touch. Der Regisseur schwärmte danach noch lange von der vollkommenen Schönheit der Normandie, einem der Drehorte, an dem die Liebensgeschichte ihren Anfang nimmt.
Verne Troyer spielte als Kleinwüchsiger einige bekannte Rollen, darunter den „Mini Me“ in den „Austin Powers“-Filmen oder den Kobold in den „Harry Potter“-Produktionen. Hollywood bedient sich gerne außergewöhnlicher und einzigartiger Menschen. Mit der Größe von nur 81 Zentimeter passte Troyer gut ins Bild, hatte auch Auftritte in „Fear and Lothing in Las Vegas“, in „Der Grinch“ oder in „Men in Black“. 2018 verstarb der sympathische Schauspieler sehr plötzlich, wobei die Todesursache mit „Suizid“ angegeben wurde. Tatsächlich wurde Troyer Ende April mit einer schweren Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert und starb an den Folgen mit nur 49 Jahren.
Ein weiterer trauriger Abschied war der Tod von
Burt Reynolds. Der bekannte Action-Darsteller, der vielschichtiger war, als er manchmal wirkte, starb mit 82 Jahren an einem Herzinfarkt in einem Krankenhaus in Florida. Bekannt wurde Reynolds durch Filmklassiker wie „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ oder „Auf dem Highway ist die Hölle los“, traf auch einige Fehlentscheidungen, darunter die Ablehnung der Hauptrolle in „Einer flog über das Kuckucksnest“, die dann Jack Nicholson übernahm und für die er den „Oscar“ erhielt, der Reynolds verwehrt blieb. Reynolds posierte sogar nackt mit Zigarette und Schnurrbart für die Zeitschrift „Cosmopolitan“ und rekelte sich für das Foto auf einem Bärenfell. Später erklärte er lächelnd, das wäre dumm gewesen und er wüsste nicht, was er damit erreichen wollte. Seinem Image hat das Ganze sicherlich nicht geschadet, immerhin spielte er auch den berüchtigten Porno-Produzenten “Jack Horner" in ″Boogie Nights", eine Rolle, für die er den „Golden Globe Award“ erhielt.
Der schlechteste Film im Jahr 2018 war „Emoji“, ein 3D-Animationsprojekt von Tony Leondis, das weniger durch eine gute Story als durch manipulatives Product-Placement auffiel und mit der „Golden Himbeere“ belohnt wurde. Der gleiche Preis für den schlechtesten Hauptdarsteller ging an
Tom Cruise für seine Rolle in „Die Mumie“. Auch Kim Basinger und Mel Gibson mussten sich diese Auszeichnung für ihre Nebenrollen in „Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe“ und „Daddys Home 2“ gefallen lassen. Erfolgreiche Kinofilme dagegen waren „Avengers: Infinity War“, „Hotel Transsilvanien 3“, „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ und „Black Panther“.
Die erfolgreichsten Filme 2017
Film Zuschauer
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
<< Filmjahr 2017

Filmjahr 2019 >>


 

privacy policy