Musikgeschichte der 90er Jahre

Die Musik der 1990er-Jahre kann man als Weiterführung einer Welle von Veränderungen und Umbrüchen sehen. Die Musikbewegungen, die die Musikbranche in den 1980er-Jahren beeinflussten, wurden weitergeführt, weiterentwickelt und auf neue Levels gebracht.
Zudem spalteten sich einige Ausläufer dieser Musikrichtungen ab und wurden eigenständig. Der Rock
sowie auch der Schlager erlebten eine neuerliche Erfolgswelle, wenn auch in veränderter Form. Der erneute Erfolg bereits vorhandener Musikstile aber auch die Vermischung mit neuen Einflüssen lässt sich zum Teil durch die politische und gesellschaftliche Öffnung Osteuropas erklären. Durch die Öffnung der Berliner Mauer und der Beendigung des Kalten Kriegs konnten sich Kulturen und so auch Musikrichtungen und –Geschmäcker austauschen, vermengen und Neues gestalten.
Die bedeutendsten Musikrichtungen der 1990er-Jahre waren unter anderem Drum and Bass, Eurodance, Hip-Hop, House, Rave und Trance. Im Aufschwung begriffen fanden sich zudem Musikrichtungen wie der Indie-Rock und die Alternative-Musik. Der Independent der 1980er-Jahre lebte weiterhin fort, erfuhr aber durch erfolgreiche, massentaugliche Bands wie „
Blur“ und „Oasis“ eine Reinkarnation in Form des Britpops. Als Vater des Britpop wird jedoch Paul Weller angesehen, der mit seinen Alben „Paul Weller“ und „Wild Wood“ Ausgangspunkte für das Schaffen weiterer Britpop-Künstler schuf. Der Britpop kam damit gleichzeitig ins Kalkül der Medien und der Gesellschaft wie der Begriff des Britart. Jene von Großbritannien ausgehende Künstlerwelle, die durch das lose Künstlerkollektiv „Young British Artists“ etabliert wurde.
Aber auch der
Rock- und Metal-Bereich erlangte ungeahnte Größen und Reichweiten. Die nach der Musikrichtung benannte Band „Metallica“ profitierte als eine der erfolgreichsten Bands von dieser Entwicklung. Aber auch die heute bekannten und teils kaum trennbaren Subgenres des Metal.
entwickelten sich im Laufe der 1990er-Jahre. So gingen in dieser Zeit gerade in den Ländern Nordeuropas die Entwicklungen in Richtung Death Metal und Black Metal stark voran. Mit dem Nu-Metal schuf sich das Metal-Genre eines der massentauglichsten Subgenres. Bands wie „Linkin Park“, „Limp Bizkit“, „Korn“ und „Slipknot“ sind seither bekannte und beliebte Bands – auch im Mainstream. Im deutschsprachigen sowie später auch im internationalen Raum erlangte die Band „Rammstein“ große Bekanntheit. Aber auch der Gothic Metal sowie das eigenständige Genre der Gothic-Musik rücken immer weiter in den Bereich der massenwirksamen Musikrichtungen. So wuchs in den 1990er-Jahren die Anhängerschaft der Gothic-Bewegung um ein Vielfaches. Ähnliches war auch in der Punkbewegung zu beobachten, die ihre Anfänge Ende der 1970er-Jahre hatte und unter anderem als Mutter der Gothic-Kultur angesehen wird.
Am Anfang der 1990er-Jahre wurde auch der im vorhergehenden Jahrzehnt in Seattle entstandene Grunge zum Mainstream-Phänomen. „
Pearl Jam“ und „Nirvana“ waren dabei die Vorreiter. Dazu kamen „ in Chains“ sowie „Soundgarden“ als erfolgreichste Bands dieser Richtung, die 1994 durch den Selbstmord Kurt Cobains, dem Sänger „Nirvanas“, einen tragischen Höhepunkt erfuhr. 1996 folgte der Tod Tupac Shakurs, der vermutlich aus Rachemotiven erschossen wurde. Mit ihm und einigen Mitstreitern seiner Musikrichtung entwickelte sich mit dem Fortschreiten der Hip-Hop-Musik die Rap-Musik, die Ende der 1990er-Jahre und Anfang der 2000er-Jahre noch mehr Aufmerksamkeit bekam.
Der Personenkult einzelner Musiker und Bands erreicht einen neuen Höhepunkt mit dem Aufkommen von
Boy Bands und Girl Groups. Diese Bands, die entweder nur aus jungen Männern oder jungen Frauen bestehen, begeisterten eine sehr große und gleichsam sehr junge Zielgruppe auf der ganzen Welt. Meist stehen die Mitglieder einer solchen Band gleichmäßig im Fokus der Aufmerksamkeit, da sie alle singen und keiner „nur“ ein Instrument spielt. Bekannte Boy Bands und Girl Groups der 1990er-Jahre waren „New Kids on the Block“, „Boyzone“, „Destiny’s Child“, „Backstreet Boys“, „Spice Girls“, „*NSYNC“, „All Saints“, „Tic Tac Toe“ und andere. „Tic Tac Toe“ begannen 1995 mit provokanter deutscher Hip-Hop-Musik. Ein ebenfalls deutsches Pendant dazu ist die Band „3. Generation“. Mit den „Fantastischen Vier“ erfand eine deutsche Band den Hip-Hop mit humorösen Elementen neu. Spaßige Elemente oder Nonsens-Musik erlangten durch das Aufkommen der Spaßgesellschaft und der Erweiterung des Marktes gen Osten einen regen Aufschwung, von dem unter anderem Helge Schneider, Guildo Horn und Otto Waalkes profitierten.
Ein weiteres Phänomen, das zwar nicht neu erschien, allerdings eine neue Größe erreichte, waren die
Musikfestivals. Diese Zusammenkünfte von Musikfans und auch Bands, die vor ihnen auftreten, spalteten sich in verschiedene Richtungen und Größen auf. Die bekanntesten und größten Festivals sind jene, auf denen Pop- und Rock- und Hip-Hop-Musik gespielt wird. Zudem gibt es aber auch immer größere Metal- und Punk- sowie Hardcore-Festivals.
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