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Das Sportjahr 1929 – Eine Frau umrundete die Erde im Auto


Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft
Für die Damen und für die Paarkonkurrenz fand die Eiskunstlauf-WM am 2. und 3. Februar 1929 in der ungarischen Hauptstadt Budapest statt. Die Herren liefen um den WM-Titel am 4. und 5. März in London. Nach ihrem Olympiasieg von 1928 und ihrem WM-Silber von 1926 und dem WM-Gold des Vorjahres war die norwegische Läuferin Sonja Henie (1912-1969) die klare Favoritin der WM. Und erwartungsgemäß holte die 16-jährige Läuferin auch 1929 den Titel der Weltmeisterschaft.
Bis zum Jahr 1936 holte Sonja Henie jeden weiteren EM- und WM-Titel. Sie hatte bei der WM 1929 alle Schwierigkeiten gezeigt, die zu jener Zeit möglich waren, Achsel-, Salchow- und Dreiersprünge, sowie Pirouetten aus dem Stand, in tiefer Kniebeuge mit langsamer und mit schneller Drehung und mit Fußwechsel. Den zweiten Platz belegte die Österreicherin Fritzi Burger (1910-1999) vom Wiener Eislaufverein, die mit einer neuartigen beidfüssigen Spitzenpirouette zu beeindrucken wusste. Sie konnte die Norwegerin jedoch nicht besiegen, dafür verwies sie ihre Vereinskollegin Melitta Brunner (1907-2003) ganz knapp auf den dritten Platz. Bei den Herren konnte der dreifache Olympiadesieger aus Schweden, Gillis Grafström (1893-1938), der schon 1922 und 1924 den Weltmeistertitel geholt hatte, die Goldmedaille und seinen dritten WM-Titel erringen. Grafström gilt noch immer als einer der besten Pflichtläufer, die es je gegeben hatte. Sein Laufstil war äußerst elegant und von großem Musikgefühl geprägt. Den Vize-Weltmeistertitel errang der Österreicher Karl Schäfer (1909-1976), der im selben den EM-Titel geholt hatte. Den dritten Platz der Weltmeisterschaft konnte Ludwig Wrede (1894-1965) holen, der ebenfalls aus Österreich kam.

Radsport

Giro d’Italia
In Rom startete der Giro d’Italia 1929 am 19. Mai. Er dauerte bis zum 9. Juni und hatte eine Gesamtstreckenlänge von 2.920 Kilometern, die in 14 Etappen gefahren wurden. Es waren 166 Radrennfahrer an den Start gegangen, von denen 99 Teilnehmer das Ziel erreichten. Und wieder errang der Italiener Alfredo Binda (1902-1986) den Gesamtsieg, den er bereits 1925, 1927 und 1928 geholt hatte, ein Rekord, den er mit Fausto Coppi (1919-1960) und Eddy Merckx (geb. 1945) teilt. Im Jahr 1929 konnte er acht aufeinander folgende Tageserfolge feiern. Binda war so gut, dass die Veranstalter im Folgejahr 1930 befürchteten, dass ein nochmaliger Sieg das Zuschauerinteresse erlahmen lassen könnte und so drangen sie darauf, dass Binda 1930 nicht antrat. Dennoch wurde ihm für diesen Verzicht die volle Siegprämie des Giro ausgezahlt. Der zweite Platz des Giro ging an Bindas Landsmann Domenico Piemontesi (1903-1987). Der Italiener Leonida Frascarelli (1906-1991) belegte den dritten Platz.

Tour de France
Die Tour de France fand im Jahr 1929 bereits zum 23. Mal statt. Sie führte vom 30. Juni bis zum 28. Juli über 22 Etappen, wobei eine Gesamtstrecke von 5.256 Kilometer zurückgelegt werden mussten. Es gingen 155 Fahrer an den Start. Von denen kamen 60 Fahrer in die Klassifikation. Die Sieger von 1926 – Lucien Buysse (1892-1980) aus Belgien – und der Sieger von 1927 und 1928, der Franzose Nicolas Frantz (1899-1985) starten beide mit Hoffnungen auf einen erneuten Sieg. Doch es kam anders. Der Sieger der Tour de France 1929 hieß Maurice De Waele (1896-1952). Der Belgier hatte 1927 den zweiten Platz geschafft und im Vorjahr den dritten Platz belegt. Den zweiten der Tour de France in jenem Jahr 1929 belegte der Italiener Giuseppe Pancera (1901-1977) und durch eine Strafe von 25 Minuten wegen eines verbotenes Getränkes fiel der Belgier Jef Demuysere (1907-1969) auf den dritten Platz zurück. Der Franzose Nicolas Frantz, der auf einen weiteren Sieg gehofft hatte, war auf dem fünften Platz ins Ziel gefahren.

Flugsport

Powder Puff Derby
Frauen, die einen Flugschein als Pilotinnen hatte und mindestens 100 Stunden Flugerfahrungen nachweisen konnten, hatten damit die Teilnahmebedingungen für das Cleveland Women’s Air Derby erreicht. Es wurde als Powder Puff Derby bekannt, war das erste Luftderby für ausschließlich weibliche Piloten weltweit und fand vom 13. bis 20. August 1929 in Santa Monica im US-Bundesstaat Kalifornien statt. Die Flugzeuge der Frauen mussten eine „für Frauen angemessene Motorisierung“ haben. Weil ihr Flugzeug angeblich „zu schnell für eine Frau“ gewesen war, wurde die US-amerikanische Pilotin Opal Kunz (1894-1967) disqualifiziert. Sie flog mit einer schwächeren Maschine dennoch mit. Die Siegerin des Luft-Rennens wurde Louise Thaden (1905-1979) aus den USA. Die Rennen wurden 1977 aufgegeben.

Motorsport

Kein Rennen, aber eine sensationelle Leistung war es dennoch, als Clärenore Stinnes (1901-1990), die deutsche Rennfahrerin und Tochter des Großindustriellen Hugo Stinnes (1870-1924), mit einem Adler-Standard 6 (40 PS) und einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h die Erde umrundet hatte. Gestartet war sie im Jahr 1927 in Berlin. Der schwedische Fotograf und Kameramann Carl-Axel Söderström (1893-1976) war neben zwei Werkzeugmechanikern ihr Begleiter gewesen und hatte die Reise dokumentiert. Clärenore Stinnes war die erste Frau, die im Auto die Erde umrundete. Sie hatte bei ihrer Erdumrundung 49.244 Kilometer zurückgelegt und war durch 23 Länder gekommen. Mit einem Betrag von 100.000 Reichsmark hatte die deutsche Automobilindustrie das werbewirksame Abenteuer unterstützt. Söderström veröffentlichte unter dem Titel „ 50.000 Meilen im Auto – zwei Jahre am Lenkrad auf einer Fahrt um die Erde“ ein Buch-Dokumentation über diese Erdumrundung. In Deutschland erschien sie 1981 als „Söderströms Photo-Tagebuch. Die erste Autofahrt einer Frau um die Welt“. Söderström und Clärenore Stinnes heirateten nach der Reise im Dezember 1930.
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