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Das Sportjahr 1928 – Frauen erstmals bei der Sommerolympiade

Olympische Winterspiele in St. Moritz

Im schweizerischen St. Moritz wurden vom 11. bis zum 19. Februar 1928 die II. Olympischen Winterspiele statt, erstmals getrennt von den Sommerspielen. Die Winterspiele von 1924 waren im Nachhinein vom Internationalen Olympischen Komitee zu den ersten erklärt. Die Winterspiele waren in jenem Jahr 1928 von ungewöhnlich warmem Wetter beeinträchtigt, so dass nach dem 15. Februar gar keine Wettkämpfe mehr stattfinden konnten. Der Zeitplan geriet durcheinander. Besonders betroffen davon war der Eisschnelllauf über 10.000 Meter. Nachdem er zunächst abgebrochen worden war, musste er dann ganz ausfallen.
Die deutschen Sportler, die auch hier zum ersten Mal nach dem Ersten Weltkrieg wieder dabei waren, hatten eine Bronzemedaille im Fünferbob gewonnen, eine magere Ausbeute, aber sie waren wenigstens nach dem Boykott wieder dabei. Den Medaillenspiegel führten die Norweger souverän an, gefolgt von den USA. Herausragend war die Leistung der Eiskunstläuferin Sonja Henie (1912-1969) aus Norwegen. Sie gehörte als 15-jährige zu den Stars der Winterspiele und holte ihre erste olympische Goldmedaille.

Olympische Sommerspiele in Amsterdam

Im Amsterdamer Stadtteil Stadionbuurt begannen am 17. Mai 1928 die IX. Olympischen Sommerspiele, die Zeremonie wurde am 28. Juli durchgeführt und am 12. August endeten die Spiele. Erstmals wurde das olympische Feuer entzündet und zum ersten Mal flogen Tauben gen Himmel. Deutschland war nach dem Ersten Weltkrieg erstmals wieder bei den Olympischen Spielen dabei. Die Frauen hatten im Sport einen großen Durchbruch erzielt und kämpften in Leichtathletik-Wettkämpfen um olympische Medaillen. Der Initiator der Neuzeit-Spiele, Pierre de Coubertin (1863-1937), hatte das so nicht gewollt. Für ihn war die Olympiade eine Sportveranstaltung ausschließlich für Männer. Aber da ging die moderne Zeit über ihn hinweg.
Eröffnet wurden die Spiele durch Prinz Heinrich, dem Ehemann der niederländischen Königin Wilhelmine. Aus 46 Nationen waren insgesamt 3014 Sportler angereist. Immerhin 290 Frauen waren darunter. Aus Deutschland nahmen 245 aktive Sportler teil. Ihre Teilnahme war ein Teil der sportlichen Wiedereingliederung in die internationale Gemeinschaft. Innerhalb des Deutschen Reiches war die Begeisterung für die Olympischen Spiele enorm, wenngleich die Berichterstattung aber auch schon wieder chauvinistische Töne hören ließ.
Zu den herausragenden Sportlern gehörten wieder der Schwimmer Johnny Weissmüller (1904-1984), der zwei Goldmedaillen holte und der finnische Läufer Paavo Nurmi (1897-1973), der drei olympischen Medaillen holte. Herausragend waren aber auch die Frauen, die auch mit Weltrekorden aufwarten konnten. Die Goldmedaillengewinnerin im Diskuswerfen, Halina Konopacka (1900-1989) aus Polen, erreichte eine Weite von 39,62 Metern. Im 100-m-Lauf erzielte die US-Amerikanerin Elizabeth Robinson (1911-1999) eine Zeit von 12,2 sec und die Kanadierin Ethel Catherwood (1908-1987) erreichte im Hochsprung 1,59 Meter. Über die Distanz von 800 Metern lief die deutsche Leichtathletin Lina Radke-Batschauer (1903-1983). Die erfolgreichste Nation waren die USA. Sie hatten 22 Mal Gold gewonnen, 18 Mal Silber und 16 Mal Bronze. Die Deutsche Nation folgte auf dem zweiten Platz mit 10 Mal Gold, 7 Mal Silber und 13 Mal Bronze. Das drittbeste Land war Finnland.

Wintersport

Im österreichischen St. Anton wurde mit dem ersten Skirennen auf dem Arlberg – dem Kandahar-Rennen – die Geburtsstunde des klassischen alpinen Skisports eingeläutet. Der aus St. Anton stammende österreichische Skimeister Hannes Schneider (1890-1955) und der SC Kandahar, den britische Wintersportler im Berner Oberland, in Mürren, gegründet hatten, waren die Initiatoren dieses Rennens gewesen. In Mürren hatte am 6. Januar 1921 der erste Skislalom stattgefunden, den der Bergsteiger und Skipionier Arnold Lunn (1888-1974) ausgerichtet hatte. Beim Kandahar-Rennen konnten die Österreicher sämtliche Siege einheimsen, nur bei den Frauen wurde eine Britin Siegerin, Doreen Elliott.

Fußball

Erster Europapokal der Fußball-Nationalmannschaften
Der österreichische Sportfunktionär Hugo Meisl (1881-1937), eine herausragende Persönlichkeit der Fußballgeschichte Österreichs, hatte den Europapokal der Fußball-Nationalmannschaften initiiert. Er fand von September 1927 bis zum Mai 1930 statt. Bei dieser ersten Austragung waren fünf Nationen beteiligt – Italien, Österreich, die Schweiz, Ungarn und die Tschechoslowakei. Nach acht Spielrunden stand fest, dass Italien den Pokal gewonnen hatte. Vize-Pokalsieger wurde Österreich.

Radsport

Die 16. Austragung des Giro d’Italia hatte vom 12. Mai bis zum 3. Juni 1928 stattgefunden. Auf einer Gesamtlänge von 3.044 Kilometern wurden 12 Etappen bewältigt. Es waren 298 Teilnehmer an den Start gegangen, von den 126 das Ziel erreichten. Gesamtsieger des Giro d’Italia wurde der Italiener Alfredo Binda (1902-1986), der den Giro bereits 1925 und 1927 gewonnen hatte. Es sollte nicht sein letzter Sieg sein, denn auch 1929 konnte er den Gesamtsieg erreichen. Gleich nach Binda folgte auf dem zweiten Platz sein Landsmann Giuseppe Pancera (1901-1977). Ebenfalls ein Fahrer aus Italien erreichte den dritten Platz, Bartolomeo Aymo (1889-1970). Erst der vierte Platz konnte von einem französischen Fahrer besetzt werden. Es war Victor Fontan (1892-1982). Alle anderen Plätze wurden bis zur Nummer 10 von italienischen Radsportlern belegt.

Tour de France

Über 22 Etappen mussten bei der Tour de France 1928 eine 5.377 Kilometer lange Strecke bewältigt werden. Vom 17. Juni bis zum 15. Juli 1928 fand die Tour de France statt und insgesamt 162 Fahrer waren an den Start gegangen. Von ihnen wurden am Ende der Rundfahrt 41 klassifiziert. Im Gegensatz zu den vielen Fahrern, die nicht bis zum Ende durchhalten konnten, erreichte der Luxemburger Radrennfahrer Nicolas Frantz (1899-1985) einen sensationellen Start-Ziel-Sieg und fuhr die Tour de France mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27,886 km/h. Er hatte nach der ersten Etappe das gelbe Trikot des führenden Fahrers errungen und damit fuhr er bis nach Paris ins Ziel. Damit hatte Nicolas Frantz seinen Vorjahressieg wiederholen können. Und das, obwohl ihm auf der 19. Etappe etwa 100 Kilometer vor dem Ziel der Fahrradrahmen gebrochen war. Sein Rad war damit unbrauchbar geworden, aber das Rad einer Zuschauerin, das für Frantz zwar zu klein gewesen war, half ihm dennoch den Sieg zu erringen. Insgesamt hatte er nur 28 Minuten verloren und hielt die Führung. Den zweiten Platz der Tour de France belegte der französische Radrennfahrer André Leducq (1904-1980), der insgesamt vier Etappensiege geschafft hatte. Auf den dritten Platz kam der Belgier Maurice De Waele (1896-1952). Alle drei Fahrer der Podiumsplätze gehörten dem Team Alcyon-Dunlop an.

Dauerschwimmen

Es war in den 1920er Jahren eine beliebte Sportart, das Dauerschwimmen. Im Jahr 1928 gelang es einer britischen Stenotypistin deutscher Abstammung, Mercedes Gleitze (1900-1981), als erster Sportlerin die Straße von Gibraltar zu durchschwimmen. Sie war von Spanien aus gestartet und erreichte nach 12:50 h das Festland von Afrika. An der engsten Stelle ist die Straße von Gibraltar 14 Kilometer breit, doch Mercedes Gleitze musste wegen der Strömung einen Umweg schwimmen und legte dabei mehr als 20 Kilometer mehr zurück. Dieser erfolgreiche Versuch war nicht ihr erster gewesen. Sie hatte es mehrmals versucht, zumeist von der afrikanischen Seite aus. Diese Fehlschläge, die sie wegen Entkräftung hatte abbrechen müssen, hatten sie jedoch nicht entmutigt. Im Gegenteil. Ihr Durchhaltevermögen schien stetig gewachsen zu sein. Umso mehr zählte der Erfolg von 1928.
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