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Das Sportjahr 1927 – Erste Schachweltmeisterschaft der Frauen

Schach

Schachweltmeisterschaft
Die beiden Herren, Alexander Aljechin (1892-1946) aus der UdSSR und José Raúl Capablanca (1888-1942) aus Kuba, waren Meister ihres Fachs im Schach. Die Weltmeisterschaft 1927 trugen sie miteinander aus, Aljechin als Herausforderer und Capablanca war der amtierende Titelverteidiger und dritte Weltmeister. Am 16. September 1927 begann der Wettkampf.
Er dauerte bis zum 29. November und der Herausforderer Aljechin übernahm den Titel und wurde der vierte Weltmeister im Schach. Die zwei Spieler bewältigten mit 34 Partien den zweitlängsten WM-Wettkampf aller Zeiten. Als Besonderheit galt auch die Wahl der Eröffnung der Partien. Alle Spiele wurden mit dem „Abgelehnten Damengambit“ eröffnet, außer der ersten und der dritten Partie. Das „Abgelehnte Damengambit“, das sich aus dem Damengambit entwickelt hatte, zählt zu den Geschlossenen Spielen. Gespielt wurde in Buenos Aires in Argentinien.

Schachweltmeisterschaft der Frauen
Den männlichen Schachspielern standen die Damen in nichts nach, nur waren sie lange nicht wahrgenommen worden. Doch im Jahr 1927 wurde in London ein „Damenturnier“ ausgetragen, das im Nachhinein des hohen Niveaus der Spielerinnen wegen als Weltmeisterschaft anerkannt worden war. Anlässlich des Londoner Kongresses des erst drei Jahre alten Weltschachbundes setzten sich die berufensten weiblichen Anwärter auf den Weltmeistertitel an die Schachbretter. Die in London lebende, tschechisch-britische Schachspielerin Vera Menchik (1906-1944), gewann ungeschlagen das Turnier und wurde die erste Schachweltmeisterin der Geschichte. Diesen Titel behielt sie bis zu ihrem Tod 1944. Mehrfach hatte sie den Titel in Turnieren und Zweikämpfen verteidigen können, das erste Mal der Schachweltmeisterschaft der Frauen 1930.

Radsport

Giro d’Italia
Vom 15. Mai bis zum 6. Juni 1927 wurde der 15. Giro d’Italia ausgetragen. Es musste eine Gesamtlänge von 3.758 Kilometern in 15 Etappen bewältigt werden. Nur 80 Teilnehmer erreichten das Ziel von 266 Startern. Der Italiener Giovanni Brunero (1895-1934), der den Giro im Vorjahr gewonnen hatte, wurde der Zweitplatzierte. Den Sieg errang sein Landsmann Alfredo Binda (1902-1986). Er hatte den Giro auch schon im Jahr 1925 eingefahren. Das Trikot „Maglia Rosa“, das Binda nach der ersten Etappe bekam, gab er bis zum Ende des Giro nicht mehr ab.

Tour de France
Im Jahr 1927fand die 21. Tour de France statt. Sie begann am 19. Juni und endete am 17. Juli 1927. Insgesamt mussten 5.320 Kilometer zurückgelegt werden, die auf 24 Etappen verteilt gewesen waren. Es waren 142 Fahrer an den Start gegangen, von denen 39 klassifiziert wurden. Die Anzahl der Etappen war erhöht worden, doch dafür waren die einzelnen Etappen kürzer. Dadurch stieg die Durchschnittsgeschwindigkeit des Siegers auf 26,836 km/h an. Der luxemburgische Radrennfahrer Nicolas Frantz (1899-1985), der die Tour de France schon 1924 und 1926 gewonnen hatte, wurde auch in jenem Jahr 1927 Sieger.

Der Große Opelpreis von Deutschland
Die Rad-Rundfahrt hatte ihren Namen vom Geldgeber. Das Automobilunternehmen Opel hatte diese Rundfahrt finanziell unterstützt, die ein Vorläufer der heutigen Deutschland Tour wurde. Im Jahr 1927 wurde sie vom 3. April bis zum 9. Oktober ausgetragen. Fünf Jahre zuvor hatte es das letzte Etappenrennen durch Deutschland gegeben. Im Jahr 1927 war es keine Rundfahrt im eigentlichen Sinne, sondern ein Etappenrennen. Es erstreckte sich über die gesamte Straßenradsport-Saison. Insgesamt waren es 15 Rennen mit einer Gesamtlänge von 3.890,1 Kilometern. In Berlin begann das erste Rennen und das letzte des Großen Opelpreises endete in Frankfurt am Main. Sieger dieses Radrennens wurde der Berliner Rudolf Wolke (1906-1979). Er gehörte zu jener Zeit zu den stärksten deutschen Straßen-Rennfahrer. Wolke wurde im selben Jahr Vize-Weltmeister der Amateure bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften auf dem Nürburgring und auch das niederländische Straßenrennen „Olympia’s Tour“, das ebenfalls ein Etappenrennen war.

Motorsport

Eröffnung des Nürburgrings
Am 27. Juni 1927 war es soweit. Der zu jener Zeit anspruchsvollste Automobil-Rundkurs der Welt – der Nürburgring – wurde eingeweiht. Mit 28,29 Kilometern setzte diese Strecke neue Maßstäbe. Eine Straßenbreite von acht bis 20 m stand den Fahrern zur Verfügung. Auf der Strecke selbst gab es 85 Rechtskurven und 89 Linkskurven. Steigungen bis zu 27 Prozent und Abfahrten bis zu 11 Prozent mussten von den Fahrern bewältigt werden. Die Südschleife mit einer Länge von 7,74 Kilometern sollte hauptsächlich für Motorradrennen genutzt werden. Die zwei ersten Rennen fanden bereits am 19. Juni 1927 statt. Es waren ein Motorrad- und ein Sportwagenrennen. In der Sportwagenklasse bis 5.000 ccm wurde der deutsche Fahrer Rudolf Caracciola (1901-1959). Caracciola, der im Vorjahr den Großen Preis von Deutschland auf der Berliner AVUS gewonnen hatte, gehörte in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zu den erfolgreichsten Fahrern. Das erste Autorennen auf dem Nürburgring bezeichnete er als „bärig schwer“. Die berühmte Kurve auf der Nordschleife wurde anlässlich seines 100. Geburtstages in Caracciola-Karussell umbenannt. Im Jahr 2008 wurde Rudolf Carraciola in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.
Bis 1976 blieb der Nürburgring der Austragungsort für den Großen Preis von Deutschland, bis er dann nach Unfällen gesperrt wurde. Die neue Rennstrecke, die seit 1984 befahren wird, hat eine Länge von 4.542 Kilometern.

Motorrad-Europameisterschaft
Der Nürburgring war auch im Rahmen des III. Großen Preises von Deutschland Austragungsort für den Titel um die Motorrad-Europameisterschaft, die am 2. und 3. Juli 1927 veranstaltet wurde. Zum ersten Mal wurde Titel in den Klassen bis 750 und bis 1.000 ccm vergeben. In der Klasse bis 175 ccm landeten drei deutsche Fahrer auf den ersten Plätzen. Das waren auf Platz eins Willi Henkelmann (1899-1928), Arthur Geiss (1903-1982) auf dem zweiten Platz und den dritten Platz belegte Arthur Müller (1904-1983). In der Klasse bis 750 ccm erreichten nur zwei Fahrer das Ziel und auch die kamen aus Deutschland. Als Erster erreichte Josef Stelzer (1894-1942) das Ziel. Der zweite Fahrer, der ins Ziel fuhr war Paul Köppen. Drei deutsche Fahrer konnten auch die Podestplätze in der Klasse bis 1.000 ccm belegen – Josef Giggenbach (1906-1980), Werner Huth und Heinz Kürten.

Eiskunstlauf

Europameisterschaft
Bei der Europameisterschaft im Eiskunstlauf 1927, die vom 19. bis 23. Janaur 1927 in Wien ausgetragen wurde, brillierten die Läufer aus Österreich eindeutig. Mit Willy Böckl (1893-1975), der Europameister wurde, mit Hugo Distler auf dem zweiten Platz und mit Karl Schäfer (1909-1976) auf Platz drei hatte Österreich alles geschafft, um die Podestplätze zu belegen. Der Drittplatzierte hatte die besondere Aufmerksamkeit des Publikums, denn seinen Bronze-Platz konnte er auf Anhieb gewinnen. Selbst den vierten Platz errang ein Österreicher – Ernst Oppacher. Der deutsche Eiskunstläufer Paul Franke (1888-1950) konnte den fünften Platz erreichen. Er war im selben Jahr Deutscher Meister geworden. Die ersten drei Plätze erreichten bei den Eiskunstlaufpaaren wurden ebenfalls von Österreichern belegt.

Weltmeisterschaft
Die Herrenkonkurrenz der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft 1927 fand am 5. und 6. Februar in Davos (Schweiz) statt. Die Damenkonkurrenz wurde in Oslo (Norwegen) ausgetragen und zwar am 19. und 20. Februar 1927. Die Paare liefen am 22. und 23. Februar 1927 in Wien um den Titel.
Bei den Damen war die Norwegerin Sonja Henie (1912-1969) siegreich. Sie holte ihren ersten von zehn Weltmeistertiteln in Folge.
Die ersten drei Medaillenplätze bei den Herren wurden wie bei der Europameisterschaft von drei Österreichern gewonnen. Den Weltmeistertitel holte Willy Böckl (1893-1975). Mit Herma Szabó (1902-1986) und Ludwig Wrede (94-65) ging der Weltmeistertitel im Paarlauf ebenfalls an Österreich.
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