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Das Sportjahr 1926 – Skandal in Wimbledon und Boxneuling Schmeling

Radsport

Giro d’Italia
Vom 15. Mai bis zum 6. Juni 1926 wurde der 14. Giro d’Italia ausgetragen. Zwölf Etappen mit einer Gesamtlänge von 3.439 Kilometern waren zu bewältigen. Es waren 203 Teilnehmer an diesem Radrennen beteiligt, von denen 40 Fahrer das Ziel erreichten. Den Gesamtsieg holte der Italiener Giovanni Brunero (1895-1934), der den Giro bereits 1921 und 1922 gewonnen hatte.
Diese Siege gehörten zu den größten Erfolgen seiner sportlichen Laufbahn. Den zweiten Platz belegte sein Landsmann Alfredo Binda (1902-1986). Er war der Sieger des Vorjahres. Vielleicht hätte er auch diesen Giro gewonnen, doch Binda hatte durch einen Unfall bei der ersten Etappe viel Zeit verloren, die er nicht mehr einholte. Es war ebenfalls ein Italiener, der den dritten Platz gewann – Arturo Bresciani (1899-1948).
Tour de France
Das härteste Radrennen, die Tour de France, fand vom 20. Juni bis zum 18. Juli 1926 statt. Es war die 20. Austragung der Tour. Sie führte über 17 Etappen, in denen insgesamt 5745 Kilometern zurückgelegt werden mussten. An der Rundfahrt hatten 126 Starter teilgenommen. Am Ende erreichten 41 die Klassifikation. Die Streckenlänge war bis heute die längste in der Geschichte der Tour de France. Gesamtsieger wurde der belgische Rennfahrer Lucien Buysse (1892-1980). Seine Brüder Jules und Michel, die ebenfalls Radrennfahrer waren, hatten ihn unterstützt und so konnte Buysse in den Pyrenäen die Spitze übernehmen trotz eines heftigen Sturms. Der Sieger von 1925, Ottavio Bottecchia (1894-1927) aus Italien, war gezwungen aufzugeben. Als die Fahrer in Paris ankamen, hatte Buysse einen Vorsprung von 1:2:25 h auf den Gewinner des zweiten Platzes, Nicolas Frantz (1899-1985) aus Luxemburg.

Boxen

Weltmeisterschaft im Schwergewicht
Es waren mindestens 120.757 Zuschauer in Philadelphia dabei, als der US-Amerikaner Jack Dempsey (1895-1983) seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht verlor. Der Boxsport hatte eine besondere Anziehungskraft und lockte das Publikum zu Hauf in die Hallen. Und sie bekamen Sensationelles geboten. Dempseys Landsmann, der Herausforderer Gene Tunney (1897-1978) besiegte den seit 1919 amtierenden Champion Dempsey nach Punkten. Obwohl Dempsey im Vorfeld als absoluter Favorit angesehen worden war, hatte er in keiner der Runden eine Chance, diese auch zu gewinnen. Tunney wurde als erster Boxer als wahrer „Techniker“ im Ring bezeichnet. Seinen Boxweltmeistertitel hatte er bis 1928 inne. Als Ursache für die Niederlage von Dempsey wurde die Tatsache angesehen, dass er nach fünf erfolgreichen Titelverteidigungen schon drei Jahre nicht mehr im Ring gestanden hatte. Stattdessen hatte sich ausgiebig allen möglichen Freuden des Lebens hingegeben, die ihm als Boxweltmeister quasi zufielen. Außerdem hatte er in jener Zeit vor allem als Schauspieler im Film und als Weltreisender Schlagzeilen gemacht. Sein Herausforderer Tunney hingegen war aufs Beste vorbereitet. So wurde Tunney der zehnte Boxweltmeister seitdem die Weltmeisterschaftskämpfe offiziell 1882 ausgerichtet wurden. Tunney war zwar erfolgreich, doch der Ruhm, den sein Vorgänger einstreichen konnte, blieb ihm verwehrt. Es wurde im Allgemeinen auf seine blasse Ausstrahlung geschoben. Dennoch gewann er ein Jahr später auch den Rückkampf gegen Dempsey am 22. September 1927 und zwar wieder nach Punkten. Das Ereignis hatten 150.000 Zuschauer vor Ort gesehen.
Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht
Ein Name tauchte im Boxring auf, der in den kommenden Jahren nicht mehr aus dem Gedächtnis der – vor allem deutschen – Zuschauer schwinden sollte – Max Schmeling (1905-2005). Bis zu seinem Weltmeistertitel im Schwergewicht dauerte es noch wenige Jahre, aber 1926 machte er erste Schlagzeilen, als er im Alter von 20 Jahren in Berlin Deutscher Meister im Halbschwergewicht wurde. Der Kampf hatte am 24. August 1926 unter freiem Himmel im Berliner Lunapark stattgefunden.4.000 Zuschauer sahen den Kampf, der aber schon nach 30 Sekunden endete. Schmeling hatte seinen Gegner Max Dieckmann in der ersten Runde durch K. o. besiegt. Nach diesem Kampf sagte die Berliner Presse Schmeling eine ganz große Karriere voraus. Und die konnte Max Schmeling auch verwirklichen.

Tennis

Vom 21. Juni bis zum 2. Juli 1926 wurde die 46. Auflage der Wimbledon Championships ausgetragen. Auf dem Rasen des Geländes des All England Lawn Tennis and Croquet Club an der Church Road fand im wahrsten Sinne des Wortes ein Treffen der Stars statt. Kein Wunder, denn es war das 50-jährige Jubiläum des Turniers, weil die vier Jahre eingerechnet wurden, in denen es wegen des Ersten Weltkriegs ausgefallen war. Sieger von einst und von jener aktuellen Tenniszeit trafen sich im Rahmen einer Zeremonie. Es waren 34 noch lebende, ehemalige Titelträger dabei. Zu ihnen gehörte Frank Hadow (1855-1946), der Sieger von 1878. Außerdem war die erste Damen-Siegerin von 1884, Maud Watson (1864-1946) in Wimbledon dabei. Den ehemaligen Titelträgern wurde von Königin Mary (1867-1953) und König Georg V. (1865-1936) je eine Ehrenmedaille überreicht. In jenem Jahr 1926 wurde Titelverteidigerin, die Französin Suzanne Lenglen (1899-1938) als Siegerin im Einzel abgelöst. Diesen Titel holte sich die britische Tennisspielerin Kitty McKane Godfree (1896-1992), die diesen Titel 1924 schon einmal gewonnen hatte. Die französische Spielerin, die bislang die „Göttliche“ genannt wurde, hatte sich beim Publikum und bei ihren Sportskameraden viele Minuspunkte geholt, als die sechsmalige Gewinnerin von Wimbledon sich unter unschönen Umständen aus dem Turnier zurückzog. Sie war gewöhnt gewesen, dass sie vom Direktor abends im Büro des Oberschiedsrichters über die Ansetzungen für den nächsten Tag informiert wurde. Der Posten des Direktors war 1926 aber neu besetzt und der Nachfolger wusste nichts von diesen Gepflogenheiten. Lenglen weigerte sich das Einzel noch zu spielen, so dass es auf den nächsten Tag verschoben werden musste. Königin Mary saß vergeblich im Zuschauerraum bis 15 Uhr, weil sie eigentlich das Spiel von Suzanne Lenglen sehen wollte, das dann aber gar nicht stattfand. Die Zuschauer quittierten den „Prominentenzirkus“ mit Buhrufen. Suzanne Lenglen hatte nie wieder in Wimbledon gespielt.
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