Juli 1920 - Deutsche Reparationslieferungen und Entwaffnung

Kalender Juli 1920
Im belgischen Spa begann am 5. Juli eine internationale Konferenz zur Ausführung des Versailler Friedensvertrages. Dabei ging es hauptsächlich um die deutschen Reparationslieferungen und die Entwaffnung im Deutschen Reich. Der Großindustrielle Hugo Stinnes war Sachverständiger der Kommission. Für die Reichsregierung nahmen der Reichskanzler, der Außen-. Finanz-, Wirtschafts- und Ernährungsminister teil. Für Militärfragen waren der Wehrminister und General von Seeckt zuständig. In Kopenhagen schlossen am selben tag Österreich und Sowjetrussland ein Abkommen über die gegenseitige Rückführung von Kriegs- und Zivilgefangenen. eist38zx2
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Wichtige Ereignisse im Juli 1920

1. Juli
In Berlin übergab der neu ernannte französische Botschafter dem
Reichspräsidenten sein Beglaubigungsschreiben.
1. Juli
Das deutsch-französische Abkommen über die Rechtsangelegenheiten in Elsass-Lothringen wurde vom Reichstag gebilligt.
1. Juli
Gotha erhielt eine bürgerliche Regierung.
1. Juli
Ein Schweizer Professor aus Bern wurde erster Präsident des Internationalen Gerichtshofes, der vom Völkerbund im Saargebiet eingesetzt wurde.
1. Juli
Auf der Konferenz in San Remo wurde beschlossen, die britische Militärverwaltung in Palästina in eine Zivilverwaltung umzuwandeln. Oberkommissar wurde Herbert Louis Samuel.
1. Juli
Clara Zetkin von der KPD hielt als erste kommunistische Abgeordnete eine Rede im deutschen Reichstag in Berlin. Sie bekannte sich dabei zur internationalen Solidarität der Arbeiterklasse und zur Sowjetunion. Sie forderte zum Kampf gegen Imperialismus und Militarismus auf. Auch Paul Levi von der KPD ist im Reichstag vertreten.
1. Juli
Im Braunkohlerevier in Mitteldeutschland streikten die Bergarbeiter gegen einen gesetzlichen Steuerabzug und für Schichtzulagen. Die Streiks endeten am 20. Juli mit teilweisen Erfolgen.
1. Juli
Auf zahlreichen Versammlungen und Demonstrationen im Deutschen Reich wurde gegen die Wohnungsnot protestiert.
1. Juli
Das Kölner Verlagshaus Bachem verkaufte die „Kölnische Volkszeitung“, die Joseph Bachem 1860 unter dem Titel „Kölner Blätter“ gegründet hatte. Die Zeitung wird von einer neu gegründeten Kapitalgesellschaft (GmbH) übernommen. Der katholische, Zentrums-orientierte Kurz wird im Wesentlichen beibehalten. Die Publizisten Carl und Franz Xaver Bachem hatten in der „Kölnischen Zeitung“ im Weltkrieg eine nationalistische Linie vertreten.
1. Juli
Die Arbeiterbildungsausschüsse und die Jungsozialisten gaben eine Monatszeitschrift, „Die Arbeiter-Bildung“ heraus.
2. Juli
Die USPD reichte ein Misstrauensvotum gegen die Regierung ein, das vom Reichstag abgelehnt wurde.
2. Juli
Der neu ernannte Botschafter von Großbritannien Lord D’abernon wurde vom Reichspräsident empfangen und überreichte diesem sein Beglaubigungsschreiben.
2. Juli
Der dritte Reichsbürgertag wurde in Leipzig eröffnet.
2. Juli
Die Reichsvertretung und Vertreter der Einzelstaaten und der Freien Städte kamen in Berlin zusammen, um die Konferenz von Spa zu besprechen. In den deutschen Zielen wurde eine inhaltliche Übereinstimmung erreicht.
3. Juli
Der Notetat wird in dritter Lesung gegen die Stimmen der USPD vom Reichstag angenommen.
3. Juli
Estland und Lettland trafen ein Abkommen über den Grenzverlauf zwischen den beiden Staaten. Vorher hatte eine Kommission unter britischer Leitung die Grenzlinie festgelegt, wobei Valga, das Estland zugesprochen wurde, ziemlich umstritten war.
4. Juli
Verschiedene deutsche Handelskammern hielten in Leipzig eine Verkehrstagung ab. Unter den Teilnehmern waren unter anderem Vertreter der Handelskammern von Leipzig, Frankfurt am Main, Breslau (heute Wroclaw), Erfurt und München und Repräsentanten der Reichsbahn. Es ging um die Einrichtung einer West-Ost Verbindung mit Anschluss an den internationalen Verkehr. Dadurch sollten die Süd-mittel-deutschen Wirtschaftsgebiete in das internationale Streckennetz eingebunden werden.
4. Juli
Bei den offenen englischen Tennismeisterschafte in Wimbledon gewann der US-Amerikaner William T. Tilden (Big Bill) mit 2:6, 6:3, 6:2, 6:4 gegen den australischen Titelverteidiger Gerald Patterson. Bei den Damen gewann die Französin Suzanne Lenglen.
5. Juli
In Großjena starb der deutsche Maler, Radierer und Bildhauer Max Klinger im Alter von 63 Jahren.
6. Juli
In Basel
in der Schweiz fand die achte Delegiertenversammlung der internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz zusammen. Auf der zweitägigen Versammlung wurde unter anderem über die Weiterentwicklung des internationalen Arbeiterschutzes und über neue Aufgaben der Vereinigung diskutiert.
7. Juli
General Hans von Seeckt, der Chef der deutschen Heeresleitung, präsentierte auf der Konferenz von Spa einen Plan zur Abrüstung des deutschen Heeres.
7. Juli
In Wien bildete der christlich soziale Politiker Michael Mayr eine Allparteienregierung aus christlich sozialen, Sozialdemokraten und Deutschnationalen. Das Proporzverfahren entschied über die Verteilung der Ministerämter.
7. Juli
Der bisherige kanadische Premierminister Robert Laird Bordon trat aus gesundheitlichen Gründen zurück. Sein Nachfolger wurde der bisherige Innenminister Arthur Meighen. Generalgouverneur in dem britischen Dominion ist Victor Cavendish, Herzog von Devonshire.
7. Juli
In Portugal trat das Kabinett von Ministerpräsident Antonio Maria da Silva nach nur zwei Wochen zurück. Nachfolger wurde der Führer der Liberalen, Antonio Granjo. Es war bereits der fünfte Kabinettswechsel in Portugal im laufenden Jahr.
7. Juli
Von der Betriebsräte-Zentrale von Groß-Berlin wurden fünf besoldete Sekretäre, unter anderen Richard Müller und Paul Neumann gewählt. Diese hatten im November 1918 zu den Revolutionären Obleuten und zum Berliner Vollzugsrat gehört.
8. Juli
Die Reichspost nahm den Flugpostdienst wieder auf. Zunächst wird die Strecke Hamburg-Westerland (Sylt) bedient. Für den Flugpostdienst sind Postkarten, Briefe, Drucksachen, Päckchen, Zeitungen und dringende Pakete zugelassen.
8. Juli
Der Film „Der Bucklige und die Tänzerin“ von Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau wurde im Marmorhaus uraufgeführt.
8. Juli
Das Ensemble Gustaf Bergmann gastierte im Berliner Schauspielhaus mit der Operette „Die Strohwitwe“ von Neidhardt mit Musik von Leo Blech.
9. Juli
Vertreter des Deutschen Reiches und der Alliierten unterzeichneten in Spa ein Entwaffnungsabkommen.
9. Juli
In Bremen übernahm ein bürgerlicher Senat mit je 7 Mitgliedern der DDP und DVP die Regierung. Die USPD wollte sich nicht an der Regierung beteiligen und die SPD lehnte die Zusammenarbeit mit der DVP ab. Die SPD wollte jedoch den Minderheitssenat tolerieren.
9. Juli
Walter Gropius verteidigte das Bauhaus gegen politische Angriffe vor dem thüringischen Landtag.
9. Juli
Am Kurfürstendamm in Berlin wurde der Film „Niemand weiß war“ von Lupu Bick (Buch, Regie und Darsteller) uraufgeführt.
10. Juli
Polen bat wegen des Krieges mit Sowjetrussland um die Hilfe der Alliierten. Diese entsandten eine französisch-britische Militärkommission, die von General Maxime Weygand geleitet wurde. Am 4. Juli hatte die Rote Armee unter General Michail N. Tuchatschewski mit einer Offensive begonnen.
10. Juli
Zur symbolischen Wiedervereinigung des nordschleswigischen Abstimmungsgebietes mit Dänemark, ritt König Christian X bei Frederikshoj über die alte Grenze. Am 5. Mai hatten dänische Truppen das Gebiet besetzt. Zur Wiedervereinigung fanden große Feierlichkeiten statt.
11. Juli
Bei einer Volksabstimmung in West- und Ostpreußen entschieden sich 97,8 bzw. 93,4 Prozent der Bevölkerung für den Verbleib im Deutschen Reich.
11. Juli
Der britische Außenminister George Curzon richtete im Namen des Obersten Rates der Alliierten einen ultimativen Vorschlag für einen Waffenstillstand an die Sowjetregierung. Er forderte den Rückzug der Roten Armee hinter die Linie Grodno-Brest-Przemysl (Curzon-Linie).
11. Juli
Eugenie, die ehemalige französische Kaiserin, starb in Madrid.
11. Juli
In Hannover wurde der 13. Verbandstag des Verbandes der Fabrikarbeiter Deutschlands, der bis zum 17. Juli dauern sollte, eröffnet.
11. Juli
Auf der Galopprennbahn in Berlin-Grunewald gewann Herold vom Gestüt Graditz unter Jockei Julius Rastenberger, der bereits das Deutsche Derby gewonnen hatte, den mit 130.000 Mark dotierten Großen Preis von Berlin.
12. Juli
Sowjetrussland und Litauen schlossen einen Friedensvertrag. Die Sowjetregierung erkannte das Gebiet um Wilna (Vilnius) als Teil Litauens an.
12. Juli
Der Staatspräsident von Bolivien, Jose N. Gutierrez Guerra, der seit 1917 im Amt war, wurde durch einen Staatsstreich gestürzt. Sein Nachfolger wurde Bautista Saavedra. Gutierrez Guerra wurde gefangengenommen und am 14. Juli aus dem Land aufgewiesen.
12. Juli
In London fand die siebte Tagung des Völkerbundsrats statt, um über die umstrittenen Aland-Inseln zwischen Finnland und Schweden zu vermitteln. Der Rat setzte eine internationale Juristenkommission ein.
13. Juli
Der Verleger Diedrich Baedeker wurde 70 Jahre alt. Er war der Seniorchef einer der ältesten Essener Firmen (seit 1738) und verfasste eine Biografie über Alfred Krupp.
13. Juli
Auf einem außerordentlichen Gewerkschaftskongress in London wurde die irische Home-Rule-Frage diskutiert. Die britische Regierung wurde für die Auseinandersetzungen in Irland verantwortlich gemacht und der Rückzug der britischen Truppen wurde gefordert.
13. Juli
Das Getreidebewirtschaftungsgesetz wurde von der österreichischen Nationalversammlung in Wien mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien verabschiedet. Landwirte konnten danach nach Ablieferung geringer Kontingente über ihre Getreidevorräte frei verfügen. Die Sozialdemokraten stimmten aufgrund der Lebensmittelknappheit gegen das Gesetz.
14. Juli
Die erste Ausgabe des „Kickers" wird veröffentlicht.
14. Juli
Anlässlich des französischen Nationalfeiertages fand vor der französischen Botschaft in Berlin eine Demonstration statt. Dabei wurde die französische Flagge heruntergeholt. Die deutsche Regierung entschuldigte sich bei der Regierung in Paris, ersetzte die Flagge und musste auf Verlangen der Franzosen eine Reichswehrkompanie zur Ehrenbezeugung antreten lassen.
14. Juli
Der großsyrische König Faisal I. erhielt ein Ultimatum von Frankreich, das ihn aufforderte, das französische Mandat über Syrien anzuerkennen. Nach Ablauf des Ultimatums besetzten französische Truppen Aleppo und Damaskus.
14. Juli
Der Maler Albert von Keller, der ein bekannter Porträt- und Gesellschaftsmaler war, starb in München im Alter von 76 Jahren.
15. Juli
Deutschland und Lettland unterzeichneten ein Abkommen über die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen.
15. Juli
Angesichts der immer bedrohlicheren Lage im polnisch-russischen Krieg erließ die polnische Regierung ein Agrarreform-Gesetz. Das Gesetz sollte innenpolitische Gegensätze bereinigen und die Interessen der Großgrundbesitzer stark beschneiden.
15. Juli
Auf der Wasserkuppe fanden bis zum 31. August die ersten Rhön-Wettbewerbe für Segelflug statt. Initiator war der Herausgeber der Zeitschrift „Flugsport“, Oskar Ursinius. Am 6. August gelang dem deutschen Flieger Bruno Poelke ein Segelflug von acht Sekunden Dauer. Mit dem Vorläufer des Segelfluges, dem sogenannten Gleitflug, war bereits 1911 ein Flug von knapp zehn Minuten Dauer erreicht worden.
15. Juli
Wie vereinbart übernahm die amerikanische Schifffahrt die früheren Schifffahrtslinien des Norddeutschen Lloyd.
15. Juli
Der Roheisenverband sollte bis zum Ende des Jahres 1923 bestehen bleiben.
16. Juli
In einen Kohlenabkommen, welches auf der Konferenz von Spa geschlossen wurde, werden zwischen dem Deutschen Reich und den Alliierten die Kohlelieferungen, die als Reparationsleistungen fällig waren, festgeschrieben.
16. Juli
Die französische Regierung ernannte einen eigenen Gesandten für Bayern.
16. Juli
Der bayerische Landtag wählte Gustav von Kahr wieder zum Ministerpräsidenten. Dieser bildete eine Koalitionsregierung aus BVP, DDP und Bauernbund.
16. Juli
Österreich und die Alliierten tauschten in Paris Ratifikationsurkunden über den Frieden von Saint-Germain-en-Laye aus, wodurch der Friedensvertrag zwischen Österreich und den Siegermächten in Kraft trat.
17. Juli
Der jüngste Sohn des Kaisers, Prinz Joachim erschoss sich bei Potsdam. Er wurde nur 30 Jahre alt. Der Prinz litt an einer psychischen Krankheit.
17. Juni
In Moskau begann der 2. Weltkongress der Kommunistischen Internationale, an dem als Vertreter der USPD Crispien, Dittmann und Däumig teilnahmen.
17. Juni
Bei Reichsinnenministerium in Berlin wurde eine Historische Kommission für das Reichsarchiv in Potsdam eingerichtet. Zu ihren Mitgliedern, die jeweils für fünf Jahre berufen wurden, zählte unter anderen der Freiburger Historiker Veit Valentin.
18. Juli
Der sowjetische Volkskommissar des Äußeren, Georgi W. Tschitscherin, lehnte den Vermittlungsvorschlag Großbritanniens im polnisch-russischen Krieg ab. Großbritannien hatte einen sofortigen Waffenstillstand und eine Konferenz der osteuropäischen Staaten vorgeschlagen. Russland forderte direkte Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen mit Polen.
18. Juli
In Wannsee bei Berlin wurde der am 15. Juli verstorbene Nobelpreisträger für Chemie (1902), Emil Fischer beerdigt. In Berlin wurde zu seinem Gedächtnis die Emil-Fischer-Gesellschaft zur Förderung der chemischen Forschung gegründet. Zur gleichen Zeit entstand die Adolf-Baeyer-Gesellschaft zur Förderung der chemischen Literatur, die nach Adolf Ritter von Baeyer, dem Nobelpreisträger von 1905 benannt wurde.
19. Juli
In Mailand wurde von italienischen und deutschen Wirtschaftskreisen eine deutsche Handelsbank gegründet.
19. Juli
In Petrograd (Leningrad) begann der zweite Kongress der Kommunistischen Internationalen (Komintern), der bis zum 7. August dauern sollte. Wichtigstes Ergebnis waren die „21 Bedingungen“ für die Aufnahme in die Komintern.
19. Juli
In Ungarn löste Pal Graf Teleki den seit vier Monaten amtierenden Ministerpräsidenten Alexander Simonyi-Semedan ab. Teleki bildete die erste ungarische Regierung, die nicht als Provisorium diente. Stark antisemitische Tendenzen kennzeichneten die Politik Telekis.
19. Juli
Das britische Unterhaus in London nahm in dritter Lesung ein Gesetz zur Arbeitslosenversicherung an. Das Gesetz wurde von sozialistischen Abgeordneten kritisiert, weil die Unterstützung zu gering wäre.
19. Juli
In Christiania (heute Oslo) billigte das norwegische Parlament (Storthing) ein Gesetz über die Errichtung von Arbeiterausschüssen in Industriebetrieben.
20. Juli
Die deutsch Regierung erklärte formell ihre Neutralität im polnisch-russischen Krieg. Am 25. Juli ordnete sie an, dass an die beiden kriegsführenden Staaten keine Waffen, Munition und Sprengstoffe geliefert werden dürften.
20. Juli
In Weimar trat der erste gewählte Landtag von Thüringen zusammen, dem nur drei Fraktionen angehörten, nämlich die vereinigte Rechte mit 23, die DDP mit 4 und die vereinigte sozialistische Fraktion mit 26 Abgeordneten.
20. Juli
Im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen wurde auf Vorschlag von Ministerpräsident Milenko Vesnic ein neues Wahlgesetz beschlossen. Es beschränkte das Wahlrecht auf die männliche Bevölkerung über 21 Jahren und sah ein Verhältniswahlrecht vor. Auf rund 30.000 Wahlberechtigte entfiel ein Abgeordneter. Es gab insgesamt 419 Mandate.
21. Juli
Rund 15.000 Menschen forderten auf einer Kundgebung vor der Berliner Gewerkschaftskommission und der am 1. Juni gebildeten Zentrale der Betriebsräte, dass sofort ein Kongress sämtlicher Betriebsräte im Deutschen Reich einberufen werden sollte.
21. Juli
In Genf fand der internationale Sozialistenkongress mit 120 Delegierten aus 17 Ländern statt. Die Vertreter der deutschen SPD betonten, dass eine Sozialisierung in Deutschland als Vorbedingung des wirtschaftlichen Wiederaufbaues dringend notwendig sei.
22. Juli
Polen richtete im polnisch-russischen Krieg ein Gesuch um Waffenstillstand an die sowjetische Regierung. Am 23. Juli wurde in Polen die nationaldemokratische Regierung von einem Allparteienkabinett unter Ministerpräsident Wincenty Witos abgelöst.
22. Juli
In Göttingen fand bis zum 27. Juli der zweite Deutsche Studententag mit 72 Studentenschaften, die insgesamt 135.000 Studenten vertraten, statt. Auf der Tagung kam es zu Auseinandersetzungen zwischen völkisch-nationalen und liberalen Studentengruppen.
22. Juli
Der Reichswirtschaftsrat beriet die Ergebnisse der Konferenz von Spa.
22. Juli
Die Tragödie „Der Wächter unter dem Galgen“ von Leo Weismantel wurde unter der Inszenierung von Saladin Schmitt am Stadttheater in Bochum uraufgeführt.
23. Juli
Laut eines britischen Regierungs-Erlasses wurde im Tanganjika-Gebiet (heute Tansania) ein britisches Protektorat errichtet. Das Gebiet war ehemals das deutsche Kolonialgebiet Deutsch-Ostafrika. Auch Belgien erhielt Teile von Deutsch-Ostafrika. Nach dem Weltkrieg wurden die ehemaligen deutschen Kolonialgebiete als Mandatsgebiete des Völkerbundes behandelt. Faktisch wurden sie jedoch dem Kolonialbesitz der jeweiligen Mandatsmächte angegliedert.
23. Juli
Der bayerische Heimatdichter Ludwig Ganghofer (*1855 Kaufbeuren) starb in Tegernsee.
24. Juli
Im deutsch-belgischen Grenz- und Abstimmungsgebiet Eupen-Malmedy entschied sich in einer öffentlichen Konsultation über 99 Prozent der vorwiegend deutschsprachigen Bevölkerung für einen Anschluss an Belgien. Sie standen allerdings unter starkem Druck der belgischen Besatzungsmacht.
24. Juli
Im chinesischen Bürgerkrieg wurde ein Waffenstillstand vereinbar.
25. Juli
Die Denkschrift „Zur Verantwortung am Weltkrieg“ wurde vom SPD-Vorstand für den internationalen Kongress in Genf veröffentlicht. Die Mitschuld der SPD am Ausbruch des Krieges wird bekannt, weil sie nicht rechtzeitig und energisch gegen die deutsch Regierungspolitik gekämpft habe.
25. Juli
Die osttürkische Stadt Adrianopel (heute Edirne) wurde von griechischen Truppen erobert. Am 1. August hielten die Griechen ganz Thrakien besetzt. Die Stadt Adrianopel blieb bis 1922/23 im Besitz Griechenlands.
25. Juli
Der belgische Radrennfahrer Philippe Thys gewann zum dritten Mal die Tour de France.
25. Juli
Der großsyrische König Faisal I. wurde von den französischen Kolonialtruppen aus seinem Amt vertrieben.
26. Juli
In Leuna an der Saale streikten bis zum 10. August 10.000 Arbeiter der Leuna-Werke für eine 30prozentige Lohnerhöhung und eine Verlängerung des Urlaubs. Sie erreichten eine Stundenlohnerhöhung.
26. Juli
In Ohlstadt (Murnau) starb der Porträtmaler Friedrich-August von Kaulbach (*1850 München). Er war seit 1886 Direktor der Münchener Akademie.
27. Juli
In Essen fand eine drei Tage dauernde Reichskonferenz der Arbeitsinvaliden statt. Der Zentralverband der Invaliden und Witwen Deutschlands mit 60000 Mitgliedern wurde gegründet.
28. Juli
Über die Ergebnisse der Konferenz von Spa wurde mehrere Tage lang im Reichstag debattiert. Danach wurden die Ergebnisse mit den Stimmen der Regierungsparteien und der MSPD gebilligt. Die Abstimmung stellte ein Vertrauensvotum für die neue Regierung dar.
28. Juli
Der mexikanische Rebellenführer Francisco „Pancho“ Villa erklärte seinen Rückzug vom politischen Kampf. Er zählte zu den bekanntesten Freiheitskämpfern des frühen 20. Jahrhunderts.
28. Juli
Das sogenannte Teschener Schlesien wurde auf einer alliierten Botschafterkonferenz zwischen der Tschechoslowakei und Polen aufgeteilt. Die Grenzlinie verlief entlang des Flüsschens Olsa. Die Stadt Teschen wurde geteilt. Die Kohlevorkommen von Karwin fielen an die Tschechoslowakei. Um das Gebiet hatte es zwischen den beiden Staaten 1918/19 eine bewaffnete Auseinandersetzung gegeben. Auch in Zukunft blieb die Teschener Frage ein Streitpunkt.
29. Juli
Reichswehrangehörigen sollte künftig nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst für zwei weitere Monate ihr Sold weitergezahlt werden, sofern sie keine Arbeit fanden.
30. Juli
Der Reichstag nahm das Gesetz über die Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit gegen die Stimmen der Rechtsparteien DVP und DNVP an.
30. Juli
In San Sebastian begann die achte Tagung des Völkerbundsrats. Besprochen werden sollten die Blockade als Waffe des Völkerbunds und die Vorbereitung einer internationalen Verkehrskonferenz. Außerdem wurde die Schaffung eines internationalen Amts für Hygiene gebilligt.
30. Juli
In Moskau begann die erste internationale Konferenz kommunistischer Frauen, die bis zum 3. August dauern sollte. Die Teilnehmerinnen beschlossen die Einrichtung eines internationalen Frauensekretariats.
30. Juli
Der Film „Kurfürstendamm“ von Richard Oswald mit Hans May am Klavier wurde in den Richard-Oswald-Lichtspielen in Berlin uraufgeführt. Die Hauptrollen spielten Asta Nielsen in einer Doppelrolle, Conrad Veidt und Rosa Valetti.
31. Juli
Der neue italienische Botschafter trat sein Amt in Berlin an.
31. Juli
In Thüringen scheiterte die erste Regierungsbildung, da weder eine sozialistische noch eine bürgerlich sozialdemokratische Regierung eine Mehrheit fand.
31. Juli
In Genf fand bis zum 5. August der Kongress der sozialistischen Zweiten Internationale mit 120 Delegierten aus 17 Ländern statt. Die Delegierten beschäftigten sich mit der Abgrenzung gegenüber den kommunistischen Parteien. Deutsche Vertreter waren unter anderen die MSPD-Politiker Hermann Müller, Philipp Scheidemann und Eduard Bernstein.
31. Juli
Paul Zech veröffentlichte „Golgatha, eine Beschwörung zwischen zwei Feuern“. Neue Novellen erschienen im Herbst unter dem Titel „Das Ereignis“.
31. Juli
Stefan Zweig gab Essays über „Drei Meister“ (Balzac, Dickens und Dostojewski) heraus.

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Juli 1920 in den Nachrichten
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Am 14. Juli 1920 erschien die erste Ausgabe des kicker. 100 Jahre kicker-Geschichte werden im Jahr 2020 groß gefeiert. "Die Torjägerkanone für ...
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