1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979

April 1972 - Gefälschte Auszüge aus Moskauer Vertrag

Kalender April 1972
Bundeskanzler Willy Brandt (SPD), der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU, Rainer Barzel, und andere Oppositionspolitiker trafen sich am 12. April 1972, um über die geplante Ratifizierung der Ostverträge zu sprechen. Barzel übergab Brandt angeblich authentische Auszüge „aus den Protokollen zum Moskauer Vertrag“, die er von anonymer Seite erhalten hatte. Die Bundesregierung bezeichnete diese am 17. April als Bruchstücke und in Einzelfällen gefälscht. Barzel forderte erneut Einsicht in die Protokolle der Verhandlungen über den Vertrag. . 
<< März 1972

Mai 1972 >>


Wichtige Ereignisse im April 1972

1. April
Während eines Besuchs in Moskau von 27. März bis zum 1. April führte eine DDR Regierungsdelegation unter Leitung des Mitglieds des Politbüros und Ersten Stellvertretenden Ministerpräsidenten Horst Sinderman, u. a. Gespräche über die Koordinierung der Wirtschaftsplanung.
2. April
Der Premierminister von Malta, Dominic Mintoff, weilte bis zum 8. April auf einem offiziellen Besuch in der Volksrepublik China. China sicherte Malta politische und wirtschaftliche Unterstützung zu.
3. April
Der sowjetische Ministerpräsident Alexei N. Kossygin empfing den scheidenden Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Helmuth Allardt, überraschend zu einem Abschiedsgespräch. Kossygin wies auf die Konsequenzen einer Nicht Ratifizierung der Ostverträge hin. Das „zwischen Bonn und Moskau geschaffene Vertrauenskapital“ könne dadurch empfindlich geschädigt oder zerstört werden. Allardt schien aus Altersgründen aus. Sein Nachfolger wurde Ulrich Sahm, bisheriger Ministerialdirektor im Bundeskanzleramt.
4. April
Bei ihrer Großoffensive gegen Südvietnam, die am 30. März angefangen hatte, griff die nordvietnamesische Armee Gebiete im Nordwesten der Hauptstadt Saigon an.
4. April
Erzbischof Makarios II., der Präsident von Zypern, erklärte sich bereit, mit Vertretern der rund 140 000 auf Zypern lebenden Türken zu verhandeln. Bisher waren die Verhandlungen an Meinungsverschiedenheiten über die Art und das Ausmaß der von den türkischen Zyprioten geforderten autonomen Befugnisse gescheitert.


5. April
Der südvietnamesische Präsident Nguyen Van Thieu bezeichnete in einer Rundfunk- und Fernsehansprache die schweren Kämpfe seit Beginn der nordvietnamesischen Offensive gegen Südvietnam als entscheidend für die Existenz des Landes. Er habe die USA um ein „Höchstmaß an Feuerunterstützung“ gebeten.
6. April
Der frühere deutsche Bundespräsident  Heinrich Lübke stirbt in Bonn
7. April
Auf Sansibar wurde der erste Vizepräsident von Tansania und Präsident des Revolutionsrats von Sansibar, Scheich Abeid Amani Karume, ermordet. Der Grund für die Ermordung Karumes, der das mit Tansania vereinigte Inselreich Sansibar seit 1964 wie ein absoluter Fürst regierte, liegt vermutlich in einer Affäre aus dem Jahr 1970. Karume und andere Mitglieder des Revolutionsrats zwangen damals indische und pakistanische Mädchen, mit ihnen ohne Einwilligung der Eltern die Ehe einzugehen. Aboud Mwinyi Jume wurde Karumes Nachfolger.
8. April
Weil sie angeblich mit der Polizei kollaboriert hatte, wurde in der nordirischen Hauptstadt Belfast eine schwangere Frau von IRA-Angehörigen geschlagen, geteert und gefedert.
8. April
Aufgrund eines von US-Präsident Nixon unterzeichneten Gesetz, überließen die USA Spanien, Italien, Griechenland, der Türkei und Südkorea leihweise zehn Zerstörer und sechs U-Boote.
9. April
Guyana und die Volksrepublik China schlossen ein Abkommen über einen zinslosen Fünfjahreskredit in Höhe von 26 Millionen US-Dollar (rund 83 Millionen DM) für Guayana. Das Land erhielt seit dem Jahr 1965 ausländische Hilfe in Höhe von 70 Millionen US-Dollar (rund 224 Millionen DM) hauptsächlich von den USA, Großbritannien, Kanada, der Weltbank und UN-Organisationen.
10. April
Ein Erdbeben der Stärke 7,1 fordert im Iran 5054 Menschenleben.
11. April
In Moskau unterzeichneten die USA und die Sowjetunion das achte Abkommen seit 1958. Er sollte für die Jahre 1972 und 1973 gelten und betraf den Austausch auf wissenschaftlichem, technischen, pädagogischen und kulturellem Gebiet. U. a. sollte ein Studentenaustausch stattfinden.
12. April
In Moskau tagten die beiden außenpolitischen Ausschüsse des Obersten Sowjets. Der sowjetische Außenminister Andrei A. Gomyko erläuterte vor ihnen den deutsch-sowjetischen Vertrag vom 12. August 1970. Er brachte ihnen den „Brief zur deutschen Einheit“ zur Kenntnis und erklärte weiterhin, dass bei Nicht Ratifizierung des deutsch-sowjetischen Vertrages auch das Berlin-Abkommen vom 3. September 1972 nicht in Kraft treten werde.
13. April
Die erste Ausgabe des Comicmagazins ZACK erscheint
14. April
Der bisherige Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Martin Hillenbrand, wurde von US-Präsident Richard M. Nixon zum Botschafter der USA in der Bundesrepublik Deutschland ernannt. Er wurde Nachfolger von Kenneth Rush.


15. April
In Frankfurt am Main starb im Alter von 64 Jahren der IG-Metallvorsitzende Otto Brenner. Brenner hatte die IG-Metall seit 1962 geleitet und war eine der bestimmenden Personen in der Nachkriegsgeschichte der bundesdeutschen Gewerkschaften. Sein Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter Eugen Loderer.
15. April
Der DSC Armenia Bielefeld wurde vom DFB im Zusammenhang mit dem Bundesligaskandal zur einer Rückstufung in die Regionalliga-West verurteilt.
16. April
Start der Apollo 16-Mission
16. April
Uraufführung der Oper Noch einen Löffel Gift, Liebling von Siegfried Matthus an der Komischen Oper Berlin
17. April
Der Vorsitzende des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, Nikolai W. Podgorny, stattete der Türkei seit dem 11. April einen Staatsbesuch ab. Während des Besuchs schlossen die beiden Länder eine „Deklaration über die Prinzipien der gutnachbarlichen Beziehungen“ ab. Beide Länder verpflichteten sich, ihr Territorium nicht für Akte der Aggression und subversive Tätigkeiten gegen andere Staaten zur Verfügung zu stellen.
17. April
Bernadette Devlin, Nordirische Abgeordnete des britischen Parlaments und Bürgerrechtskämpferin, wurde von einem nordirischen Gericht zu sechs Monaten Haft verurteilt, weil sie an einem verbotenen Protestmarsch im Februar 1972 teilgenommen hatte. Am 26. April hob William Whitelaw, der Minister Nordirlands, das Verbot für Demonstrationen und Prozessionen in Nordirland auf und erließ eine Amnestie für alle, die wegen des Verbotes verurteilt worden waren, darunter auch Bernadette Devlin.
18. April
Nachdem zwei Tschechoslowaken ein tschechoslowakisches Verkehrsflugzeug auf einem Inlandflug nach Nürnberg entführt hatten, wurden sie dort von der Polizei festgenommen. Der Kopilot war während eines Schusswechsels bei dem Flug verletzt worden. Die Entführer wollten um politisches Asyl in der Bundesrepublik Deutschland ersuchen.
19. April
Eine Konvention zur Gründung einer Europäischen Universität in Florenz wurde dort von Vertretern der sechs EG-Staaten unterzeichnet.
19. April
Erstmals in der Geschichte der USA wurde ein schwarzer Generalmajor zum Kommandanten einer Division der US-Armee ernannt. Der schwarze Generalmajor Frederic Ellis Davison wurde zum Kommandeur der 8. Infanterie-Division in Europa ernannt.
19. April
Ein Antrag konservativer Abgeordneter für ein Referendum über den Beitritt zur EG wurde im britischen Unterhaus in London abgelehnt. Die Antragssteller waren Beitrittsgegner.
20. April
Die Vereinigten Arabischen Emirate werden Mitglied in der UNESCO
21. April
Die nordvietnamesische Hafenstadt Thanh Hoa, die als Nachschubhafens Nordvietnams galt, wurde von US-amerikanischen B-52-Fernbombern bombardiert.
22. April
Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) hielt sich drei Tage lang zu einem offiziellen Besuch in Großbritannien auf. Mit seinem Amtskollegen Edward Heath sprach er über die britische EG-Mitgliedschaft und die Zukunft der EG.
22. April
Der langjährige Generalintendant der Metropolitan Opera in New York, Rudolf Bing, wurde mit einem Galakonzert verabschiedet.
22. April
Die Tschechoslowakei gewann im eigenen Land die Eishockey-Weltmeisterschaft vor Titelverteidiger UdSSR.
23. April
In Frankreich fand eine Volksabstimmung über den Beitritt von vier Staaten zur EG statt. Die Mehrheit von 68,31 Prozent stimmte dafür, 31,68 Prozent stimmten dagegen. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 60,24 Prozent.
23. April
Die Bundesregierung verlor faktisch die absolute Mehrheit im Bundestag, weil der FDP-Abgeordnete Wilhelm Helms aus der FDP austrat.
23. April
in Baden-Württemberg fanden Landtagswahlen statt. Die CDU erreichte mit 53 Prozent die absolute Mehrheit.
24. April
Die Truppen Nordvietnams waren im zentralen Hochland von Südvietnam siegreich und rückten nun gegen die Provinzhauptstadt Kontum vor. Von Saigon wird berichtet, dass sich Tausende Menschen auf der Flucht vor den nahenden Nordvietnamesen und Vietcong sind.
24. April
Unter Berufung auf Artikel 68 des Grundgesetzes beschloss die Bundestagsfraktion der CDU/CSU fast einstimmig, einen konstruktiven Misstrauensantrag gegen Bundeskanzler Willy Brandt einzubringen. Der CDU-Vorsitzende Rainer Barzel sollte zum neuen Bundeskanzler gewählt werden.
25. April
Der Auswärtige Ausschuss des Deutschen Bundestages billigte mit knapper Mehrheit die Ostverträge und empfahl ihre Ratifizierung. Die 17 Mitglieder der SPD/FDP Koalition überstimmten dabei die 16 Vertreter der CDU/CSU.
26. April
US-Präsident Richard M. Nixon kündigte trotz der schweren Kämpfe in Südvietnam in einer Rundfunk- und Fernsehansprache einen weiteren Abzug von US-Truppen aus Vietnam an. Die Truppen sollten bis zum 1. Mai auf 69 000 Mann reduziert werden.
26. April
In Ostberlin kam es zwischen dem Staatssekretär im Bundeskanzleramt Egon Bahr (SPD) und dem Staatssekretär beim Ministerrat der DDR Michael Kohl zu einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen über einen Verkehrsvertrag zwischen den beiden Ländern. Der Vertrag, der erhebliche Reiseerleichterungen im Verkehr zwischen beiden Staaten vorsah, sollte erst nach der Ratifizierung der Ostverträge unterzeichnet werden.
26. April
Die beiden Filme „Ludwig II. – Requiem für einen jungfräulichen König (1972)“ von Hans-Jürgen Syberberg und „Trotta – Die Kapuzinergruft (1871)“ von Johannes Schaaf erhielten den Bundesfilmpreis.
27. April
Ein Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Willy Brandt schlägt fehl
28. April
Der deutsche Bundestag lehnte den Etat des Bundeskanzlers und des Bundeskanzleramtes mit 247 zu 247 Stimmen ab. Damit kam es nach Beendigung der Regierungsmehrheit erstmals zu einer Pattsituation zwischen der SPD/FDP Koalition und der CDU/CSU-Opposition.
28. April
In der DDR wurden vom Ministerrat und von SED- und FDGB-Spitzengremien sozialpolitische Maßnahmen und Verbesserungen vor allem für berufstätige Mütter, kinderreiche Familien und Rentner beschlossen.
29. April
Erste deutsche Schwulendemo in Münster
30. April
Das Bundesinnenministerium gab bekannt, das seit 1950 insgesamt 719 999 Personen als Aussiedler bzw. Rückkehrer aus den ehemals deutschen Ostgebieten und osteuropäischen Staaten in die Bundesrepublik Deutschland gekommen waren.
30. April
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gewann erstmals ein Spiel auf englischem Boden. Sie gewann mit 3:1 in London gegen England.

April 1972 in den Nachrichten

 >>>  
Werbung 1972 Reklame
<< Das geschah 1971

Das geschah 1973 >>