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Das Musikjahr 1956 - Die Presley-Mania

Während in der Sowjetunion 1956 die Entstalisierung unter U begann, die erschreckenden Zustände der Verhaftungen und Erschießungen unschuldiger Menschen allmählich ans Licht kamen und Romane wie der von Solschenizyn, „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“, erstmals außerhalb des Samisdat erscheinen konnten, um Aufschluss über die Lage in den Gulags zu geben, wurde in Deutschland die Bundeswehr gegründet, in Ungarn ein aufsehenserregender Volksaufstand blutig niedergeschlagen, der als „Ungarische Tragödie“ in die Geschichtsbücher eingehen sollte, und in England das erste Atomkraftwerk eingeweiht, dem dann bald etliche weitere folgen sollten.
Auch in Hollywood wurde Geschichte geschrieben. Arthur Miller heiratete Marilyn Monroe und der Fürst von Monaco in pompöser Zeremonie die Schauspielerin
Grace Kelly.
Musikalisch war das Jahr 1956 stark bewegt. Die Elvis-Presley-Ära war in vollem Gange, er war zum ersten Mal im Fernsehen zu sehen, drehte seinen ersten Film, trat in Talkshows auf wie der bekannten „Ed Sullivan Show“ und wurde bald der beliebteste und berühmteste Musiker seiner Zeit. In diesem Jahr brachte er Songs wie „Heartbreak Hotel“, „Love Me Tender“ oder „Hound Dog“ heraus, die wie musikalische Granaten einschlugen. Bei „Paramount Pictures“ unterschrieb er einen Vertrag über drei Filme, die der weiblichen Bewunderung trotz ihrer häufigen Seichtheit keinen Abbruch taten, eher das Gegenteil. Alles, was der King of Rock 'n' Roll anfasste, verwandelte sich in Gold.
Auch Buddy Holly nahm 1956 seine erste Platte auf und demonstrierte anschaulich, wie er den Rock 'n' Roll verstand. Noch war er relativ unbekannt, was sich mit der Platte von dem erfolgreichen Label „Decca Records“ schnell änderte. Zudem repräsentierte er als Erscheinung eine ganz eigene Rolle der damaligen Verhältnisse, eine Mischung aus Konservatismus und ersten Anzeichen der Rebellion.
In den Charts wiederum zeigten sich solche wie Carl Perkins, Dean Martin,
Doris Day, „The Platters“ oder Kay Starr, letztere mit Songs wie „Rock And Roll Waltz“. Alle noch äußerst konservativ, teilweise sogar recht schnulzig. Kay Starr wiederum hatte indianische Wurzeln, der Vater war ein Irokese. Sie bestimmte die Swing- und Jazz-Kategorie mit. Daneben erschien auch das bekannte Album einer anderen Jazz-Lady, das erste Album von Shirley Bassey, „Bewitching Miss Bassey“.
In Deutschland wiederum war noch der Song „Rock Around the Clock“ in den Hitparaden vertreten, der ein Jahr zuvor samt erstem Film, der sich ganz und gar am Rock 'n' Roll orientierte und schnell zum Kult wurde, Aufsehen erregt hatte, Musik, die von „Bill Haley & His Comets“ stammte. Aber auch Freddy Quinn jammerte herzzerreißend sein „Heimweh“, Peter Alexander kam mit „Auf der Piazza von Milano“ in die Charts und „Die Sieben Raben“ sangen „Smoky“.
Roy Orbison wiederum, der später die oberste Priorität in Sachen Liebesballaden darstellte, unterschrieb 1956 in Amerika einen wichtigen Plattenvertrag, um seine Karriere ins Rollen zu
bringen, aber noch viel wichtiger war der smarte Sänger Pat Boone, der mit seiner sanften Stimme bald zum beliebtesten Schlagersänger der Fünfziger und Sechziger werden sollte. In diesem Jahr zeigte er sich mit dem schmachtenden Song „I Almost Lost My Mind“.
Boone war zuvor eigentlich ein Fan von „Rhythm and Blues“ und coverte etliche Titel afroamerikanischer Musiker. Sowohl er als auch Elvis hatten mit der Interpretation solcher Richtungen oftmals mehr Erfolg als die eigentlichen Originalversionen.
Einer der bald berühmtesten Popsänger des Zwanzigsten Jahrhunderts tauchte 1956 mit dem Album „Juke Box Baby“auf, samt dem in den Charts aufsteigenden Titel „Hot Diggity“. Die Rede ist von Perry Como, geboren in Pennsylvania, der schon eine ganze Weile im Showbusiness herumtingelte und sich gerade in diesem Jahr großer Beliebtheit erfreute.
In den Charts wurde Elvis bald einige Wochen durch Jim Lowe und seinen Song „The Green Door“ verdrängt, der erst wieder durch „Love Me Tender“ von seinem Thron gestoßen wurde. Jim Lowe war eigentlich ein amerikanischer Discjockey und der Song, mit dem er in den Charts erschien, blieb sein einziger Nummer-Eins-Hit. Er selbst gestand in einem Interview auch zu, dass er eigentlich gar nicht richtig singen konnte. Ein weiterer, einigermaßen erfolgreicher Hit war „Talkin’ to the Blues“.
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