Januar 1972 - Deutsch-deutsche Verhandlungen und mehr

Kalender Januar 1972
In der DDR-Hauptstadt Ost-Berlin waren die Verhandlungen über einen allgemeinen deutsch-deutschen Verkehrsvertrag wieder aufgenommen worden. Für die Bundesrepublik hatte Staatssekretär Egon Bahr verhandelt. Der Vertreter der DDR war der Staatssekretär beim Ministerrat, Michael Kohl, gewesen. Derweil beschlossen die in Bonn tagenden Regierungschefs der Bundesländer unter dem Vorsitz des amtierenden Bundeskanzler Willy Brandt die „Grundsätze über die Mitgliedschaft von Beamten in extremen Organisationen“. Keine Verhandlungen, aber eine Tatsache war es geworden: Die Ford Werke AG (Köln) hatte die Erhöhung der Preise für einen Teil ihrer Modelle um durchschnittlich 3,3 Prozent mitgeteilt. Auch das Volkswagenwerk in Wolfsburg hatte die Preise um durchschnittlich 4,5 Prozent erhöht. Diese vierte Preiserhöhung für Automobile innerhalb von drei Jahren war mit steigenden Kosten beim Material- und Personalaufwand begründet worden.
<< Dezember 1971   |   Februar 1972 >>

Wichtige Ereignisse im Januar 1972

1. Januar
DDR/Polen 1972 – Zwischen der DDR und Polen war der pass- und visafreie Reiseverkehr eingeführt worden.
1. Januar
Ägypten/Libyen/Syrien 1972 – Mit feierlichen Flaggenhissungen in Kairo, Tripolis und Damaskus war die Föderation Arabischer Republiken (FAR) der Staaten Ägypten, Libyen und Syrien in Kraft getreten, zu deren Zielen u. a. die Befreiung der von Israel im Sechstagekrieg 1967 besetzten arabischen Gebiete gehörte.
1. Januar
Indonesien 1972 – Präsident Kemusu Suharto hatte die Freilassung aller politischen Gefangenen der Kategorei C (Sympathisanten der Kommunisten beim gescheiterten Putschversuch von 1965) bekanntgegeben. Indonesischen Angaben zufolge waren 36.000 politische Gefangene weiter in Haft geblieben.
1. Januar
Schweiz 1972 – Der Politiker der Freisinnig-Demokratischen Partei, Nello Celio, war Bundespräsident des Landes geworden.
1. Januar
Eisschnelllauf 1972 – Der 27-jährige Eisschnellläufer Erhard Keller (BRD) hatte in Inzell (Bayern) seinen eigenen 500-m-Weltrekord auf 38,30 sec verbessert.
1. Januar
UNO 1972 – Der österreichische Diplomat und parteilose Politiker Kurt Waldheim war Generalsekretär der Vereinten Nationen geworden.
2. Januar
BRD/West-Berlin 1972 – Aufgrund des deutsch-deutschen Transitabkommens von 1971 entfielen für Reisen zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin künftig individuelle Gebühren für Visa und Straßenbenutzung.
3. Januar
Großbritannien/Malta 1972 – Maltas Premierminister Dominic Mintoff hatte Großbritannien für den Abzug der auf der Mittelmeerinsel stationierten britischen Soldaten ein Ultimatum bis zum 15. Januar gestellt.
3. Januar
BRD 1972 – Der Vorsitzende der CDU, Rainer Barzel, hatte einen Stufenplan für menschliche Erleichterungen im geteilten Deutschland veröffentlicht. Anlass dafür war die bevorstehende Debatte über die Ratifizierung der Ostverträge gewesen. Nach Barzels Meinung waren die Ostverträge mit Polen und mit der Sowjetunion „unvollständig“. Sie regelten weder den „Kern der Probleme, die Lage der Deutschen in Deutschland“ noch lösten sie diese.
3. Januar
Peru 1972 – Nach dem Flugzeugunglück am 24. Dezember 1971 im Norden Perus war die 17-jährige Juliane Koepcke als einzige Überlebende gerettet worden.
4. Januar
Finnland 1972 – Die Reichstagswahlen hatten zu keinen nennenswerten Verschiebungen geführt. Die Sozialdemokraten konnten ihren Stimmenanteil um 2,4 Prozent verbessern und waren damit mit 25,8 Prozent stärkste Fraktion geblieben.
4. Januar
USA 1972 – Präsident Richard M. Nixon hatte in seinem Sommersitz in San Clemente (US-Bundesstaat Kalifornien) die Konstruktion eines wiederverwendbaren Raumtransporters (Space shuttle) für Raumflüge bekanntgegeben. Die Kosten der Weltraumfahrt könnten mit dem Space shuttle erheblich gesenkt werden. Es sollte ab 1978 für bemannte Flüge zur Verfügung stehen.


5. Januar
Sowjetunion 1972 – Von einem Moskauer Gericht war der Schriftsteller Wladimir Bukowski wegen „Untergrabung und Schwächung der sowjetischen Macht“ zu zwölf Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden.
6. Januar
China 1972 – Im Testgebiet von Lop Nor hatte die VR China den 13. Kernwaffentest durchgeführt. Nach einer Erklärung der Regierung sollte damit die „Brechung des Kernwaffenmonopols und der Kernwaffenerpressung durch die Supermächte“ erfolgen.
6. Januar
Skisport 1972 – Sieger der deutsch-österreichischen Vierschanzen-Tournee war der Norweger Ingolf Mork geworden.
7. Januar
Spanien 1972 – Beim Anflug auf den Flughafen der Mittelmeerinsel Ibiza war eine Düsenmaschine der spanischen Luftverkehrsgesellschaft Iberia gegen einen Berg gerast. Alle 104 Menschen an Bord waren bei beim Absturz ums Leben gekommen.
8. Januar
BRD 1972 – Das Kernkraftwerk Stadersand (Niedersachsen) hatte als erstes rein kommerziell betriebenes atomares Großkraftwerk in der BRD den Betrieb aufgenommen.
8. Januar
Eisschnelllauf 1972 – Der Finne Leo Linkovesi hatte beim Eisschnelllauf-Meeting in Davos (Schweiz) den erst eine Woche alten Weltrekord von Erhard Keller (BRD) über 500 m auf 38,0 sec verbessert. Die 16-jährige Ann Henning (USA) hatte über 500 m (42,5 sec) und 1000 m (1:27,3 min) Bestzeiten geschafft.
9. Januar
Großbritannien 1972 – Um erhebliche Lohnerhöhungen durchzusetzen, waren die britischen Bergarbeiter in den Ausstand getreten. Der bis zum 25. Februar andauernde Streik hatte das Land ins Wirtschaftschaos gestürzt.
9. Januar
DDR/BRD 1972 – Der Bundesgrenzschutz hatte die Familie eines geflüchteten DDR-Bürgers von Bord des in Kiel-Holtenau liegenden DDR-Motorschiffs „Eichsfeld“ geholt. Sie waren dort als blinde Passagiere mitgefahren. Zuvor floh der Familienvater von der „Eichsfeld“ und bat um politisches Asyl. Die Frau und das Kind des Geflüchteten waren gegen den Widerstand der Schiffsleitung und unter Einsatz von körperlicher Gewalt von der „Eichsfeld“ geholt worden.
9. Januar
Hongkong 1972 – Das Passagierschiff „Queen Elizabeth“ war im Hafen von Hongkong nach Ausbruch eines Großbrandes vollständig ausgebrannt.
10. Januar
Pakistan/Bangladesch 1972 – Nach seiner Rückkehr aus pakistanischer Haft hatte Bengalenführer Scheich Mujibur Rahman in der Hauptstadt von Bangladesh, Dacca, erklärt, dass alle Verbindungen des Landes mit Pakistan endgültig abgebrochen waren.
10. Januar
Zaire 1972 – Präsident Sésé Séko Mobutu hatte die Bevölkerung seines Landes aufgefordert, europäische Namen abzulegen und sich Namen in der eigenen Sprache zuzulegen.
10. Januar
Sowjetunion 1972 – Die Regierung hatte mitgeteilt, dass die Nachrichtenagentur TASS in den Rang eines Staatskomitees beim Ministerrat erhoben worden war. Der Chefredakteur Leonid M. Samjatin hatte dadurch Ministerrang erlangte.
10. Januar
BRD 1972 – Der Präsident des Deutschen Städtetages, der Bremer Bürgermeister Hans Koschnick, hatte Sofortmaßnahmen zur Linderung der Finanznot der Städte gefordert. Anderenfalls wären die Kommunen nicht in der Lage, ihre wachsenden Aufgaben zu bewerkstelligen. Koschnick hatte u. a. die Erhöhung des Einkommenssteueranteils von 14 Prozent auf zunächst 16 Prozent und langfristig auf 18 Prozent zu erhöhen.
10. Januar
BRD 1972 – Der Hamburger Oberstaatsanwalt Günther von Below, der in eine Justizaffäre verwickelt war, hatte in seiner Wohnung Selbstmord verübt.
11. Januar
Bangladesch/Pakistan 1972 – Scheich Mujib Rahman hatte in Dhaka die Loslösung des formell bereits unabhängigen Bangladeschs von West-Pakistan verkündet und hatte die Regierungsbildung übernommen.
11. Januar
BRD 1972 – Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher hatte der Öffentlichkeit den Jahresbericht 1969/70 des Bundesamtes für Verfassungsschutz vorgelegt. Der Rechts- und Linksradikalismus in der BRD würde noch keine akute Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung darstellen. So äußerte sich Genscher zum dem Bericht.
11. Januar
Frankreich 1972 – In Colmar (Elsass) war das Gemälde „Maria im Rosenhag“ von Martin Schongauer von unbekannten Tätern aus dem Martins-Münster gestohlen worden.
12. Januar
Bangladesch 1972 – Scheich Mujibur Rahman hatte unter einer neuen provisorischen Verfassung das Amt des ersten Ministerpräsidenten von Bangladesch übernommen.
12. Januar
BRD 1972 – Die Ford Werke AG (Köln) hatte die Erhöhung der Preise für einen Teil ihrer Modelle um durchschnittlich 3,3 Prozent mitgeteilt. Auch das Volkswagenwerk in Wolfsburg hatte die Preise um durchschnittlich 4,5 Prozent erhöht. Diese vierte Preiserhöhung für Automobile innerhalb von drei Jahren war mit steigenden Kosten beim Material- und Personalaufwand begründet worden.
13. Januar
USA/Vietnam 1972 – Präsident Richard M. Nixon hatte weitere Truppenabzüge aus Vietnam angekündigt. Insgesamt 70.000 US-Soldaten sollten innerhalb der kommenden drei Monate der Abzug aus Vietnam betreffen.
13. Januar
Ghana 1972 – Armee-Einheiten unter Oberst Ignatius Koti Akyeampong hatten gegen Präsident Edward Akufo-Addo geputscht und die bisherige Regierung unter Ministerpräsident Kofe Abrefa Busia. Ursache des unblutigen Putsches waren wirtschaftliche Schwierigkeiten der Regierung unter Busia. Dieser hatte sich z. Z. in London aufgehalten. Das Präsidentenamt hatte Akyeampong übernommen.
13. Januar
BRD 1972 – Eine fünfstündige bundesweite Großfahndung nach Angehörigen der Baader-Meinhof-Gruppe war ohne Erfolg beendet worden. Durch Tausende von Polizeibeamten waren an Autobahnen und in Großstädten Kontrollen durchgeführt worden.
14. Januar
BRD 1972 – Für die 230.000 Arbeiter und Angestellten der nordrhein-westfälischen Metallindustrie war ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen worden, der eine sechsprozentige Lohn- und Gehaltserhöhung vorsah. Damit war ein drohender Streik der Metallarbeiter abgewendet worden.
14. Januar
BRD/Niederlande 1972 – Nach mehr als 100-jährigem Bestehen hatte der Dortmunder Hoesch-Konzern aufgehört, ein deutsches Unternehmen zu sein. Der Konzern hatte mit dem niederländischen Stahl-Konzern Hoogovens in Ijmuiden fusioniert.
14. Januar
Eiskunstlauf 1972 – Knapp vor den Titelverteidigern, dem sowjetischen Ehepaar Ludmilla Pachomowa/Alexander Gorschkow hatten die Geschwister Angelika und Erich Buck (BRD) in Göteborg die Eistanz-Europameisterschaft gewonnen.


15. Januar
Dänemark 1972 – Ministerpräsident Jens Otto Krag hatte nach traditionellem Ritual Margarete in der Hauptstadt Kopenhagen zur Königin von Dänemark proklamiert.
15. Januar
BRD 1972 – Der Rechtsausschuss des Bundestages hatte einen Entschließungsantrag des Bundeslands Bayern, in dem die Verfassungsmäßigkeit der Ostverträge bezweifelt wurde, mit 7:4 Stimmen abgelehnt. Nach Auffassung Bayerns waren die Ostverträge verfassungswidrig. Sie verstießen gegen das Wiedervereinigungsgebot.
16. Januar
Ägypten 1972 – Präsident Muhammad Anwar As Sadat hatten den bisherigen Stellvertretenden Ministerpräsidenten Aziz Sidky zum neune Regierunschef ernannt. Dieses Amt hatte bisher Mahmud Fasi inne gehabt. Nach Ansicht von Beobachtern wollte Sadat mit dieser Regierungsumbildung neue diplomatische Bemühungen im Nahost-Konflikt vorbereiten, die zu echten Verhandlungen führen sollten.
16. Januar
Eiskunstlauf 1972 – In Göteborg, wo seit dem 13. Januar die Eiskunstlauf-Europameisterschaft ausgetragen wurde, hatten die sowjetischen Eiskunstläufer Irina Rodnina und Alexei Ulanow zum vierten Mal den Meistertitel errungen.
17. Januar
BRD 1972 – Regierungssprecher Conrad Ahlers hatte Kreditaufnahmen durch den Bund zum Ausgleich des Haushaltsdefizits angekündigt. Zugleich hatte Ahlers davor gewarnt, die Finanzlage des Bundes zu dramatisieren. Die Bundesregierung beabsichtigte keine Steuererhöhungen.
17. Januar
BRD 1972 – Bei einer Anhörung vor dem sozialpolitischen Ausschuss des Bundestages hatten sich alle Sachverständigen für die Einführung der flexiblen Altersgrenze ausgesprochen.
17. Januar
Österreich 1972 – Der Ministerrat hatten den Gesetzentwurf zur Einführung der Mehrwertsteuer gebilligt. Nach monatelangen Kontroversen war das Gesetz am 15. Juni vom Nationalrat angenommen worden.
17. Januar
Bangladesch 1972 – Das Land hatte seine endgültige Staatsflagge erhalten.
18. Januar
BRD 1972 – Beim traditionellen Neujahrsempfang für das Diplomatische Korps in der Bonner Beethovenhalle hatte Bundespräsident Gustav Heinemann betont, das dass Streben nach Versöhnung und Ausgleich mit allen Nachbarn der BRD kein Verzicht darauf sein könnte, „die Einheit der deutschen Nation zu wahren“. Heinemann hatte wie in den beiden letzten Jahren auch 20 nicht prominente Bürger begrüßt.
18. Januar
BRD 1972 – Vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) hatte unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen einen früheren Angehörigen der Baader-Meinhof-Gruppe begonnen.
18. Januar
UNESCO 1972 – Bahrain war Mitglied der UNESCO geworden.
19. Januar
Spanien 1972 – Im baskischen Ort Abadiano hatte die baskische Untergrundorganisation ETA den Fabrikdirektor Lorenzo Zabal entführt. Die ETA hatte die Wiedereinstellung von 183 Arbeitern der Fabrik Zabalas gefordert. Er war in der Nacht zum 23. Januar wieder auf freien Fuß gesetzt worden.
19. Januar
BRD 1972 – Ein neues Betriebsverfassungsgesetz, das nun in Kraft getreten war, hatte den bundesdeutschen Arbeitnehmern größere Mitbestimmungsrechte gegeben.
20. Januar
USA 1972 – Präsident Richard M. Nixon hatte vor beiden Häusern des Kongresses in Washington seine Botschaft über die Lage der Nation verlesen. Darin hatte er u. a. ein baldiges Ende des US-Engagements in Vietnam in Aussicht gestellt.
20. Januar
DDR/BRD 1972 – In der Hauptstadt Ost-Berlin waren die Verhandlungen über einen allgemeinen deutsch-deutschen Verkehrsvertrag wieder aufgenommen worden. Für die Bundesrepublik hatte Staatssekretär Egon Bahr verhandelt. Der Staatssekretär beim Ministerrat, Michael Kohl, war der Vertreter der DDR gewesen.
20. Januar
BRD 1972 – Der Ordinarius für Psychologie an der Technischen Universität Hannover, Peter Brückner, war vom Dienst suspendiert worden. Gegen Brückner, der Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe in seiner Wohnung beherbergt hatte, war wegen der Unterstützung einer kriminellen Vereinigung ermittelt worden.
20. Januar
International 1972 – Die internationalen Ölgesellschaften hatten den sechs der OPEC (Organisation of Petroleum Exporting Countries) angehörenden Staaten am Persischen Golf, nämlich Abu Dhabi, Iran, Irak, Kuwait, Katar und Saudi-Arabien, eine Preiserhöhung um 8,49 Prozent auf den Referenzpreis für Rohöl gewährt. Die Preiserhöhung diente dem Ausgleich der Verluste durch die Abwertung des US-Dollars.
21. Januar
Österreich 1972 – Der Nationalrat hatte eine Regierungsvorlage über die Errichtung eines Bundesministeriums für Gesundheit und Umweltschutz gebilligt.
22. Januar
Europa 1972 – In Brüssel (Belgien) hatten Großbritannien, Irland, Norwegen und Dänemark Verträge über den Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft (EG) unterzeichnet. Die Verträge traten nach der Ratifizierung durch die Beitrittsanwärter am 1. Januar 1973 in Kraft.
23. Januar
BRD 1972 – Vor allem in Süddeutschland hatten die ersten richtigen Schneefälle des Jahres erhebliche Verkehrsprobleme verursacht. Auf den bundesdeutschen Autobahnen hatten sich bei Schneematsch, Glatteis und Nebel zahlreiche Unfälle ereignet.
24. Januar
USA 1972 – Präsident Richard M. Nixon hatte dem Kongress in Washington ein neues Rekordbudget für das Haushaltsjahr 1973 unterbreitet, das Einnahmen in Höhe von 220,8 Milliarden US-Dollar (rd. 707 Milliarden DM) vorsah. Zugleich hatte Nixon das enorme Defizit des laufenden Haushaltsjahrs bekanntgegeben. Mit voraussichtlich 38,8 Milliarden US-Dollar (rd. 124 Milliarden DM) war es das größte Defizit seit dem Zweiten Weltkrieg gewesen.
24. Januar
BRD 1972 – Die Führungsgremien der CDU hatten die Ablehnung der Ostverträge (Warschauer und Moskauer Vertrag) im Bundestag einstimmig beschlossen.
24. Januar
BRD 1972 – Der Bundesvorstand der SPD hatte Holger Börner, SPD-Abgeordneter des Bundestages und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrs- und Postminister, einstimmig zum neuen Bundesgeschäftsführer der Partei gewählt. Börner trat die Nachfolge von Hans-Jürgen Wischnewski an, der seit 1968 SPD-Bundesgeschäftsführer gewesen war.
24. Januar
Großbritannien 1972 – Ein Tadelsantrag, der von Oppositionsführer Harold Wilson (Labour Party) im britischen Unterhaus gegen die konservative Regierung unter Edward Heath eingebracht worden war, war wegen der derzeitigen Arbeitslosigkeit in Großbritannien abgelehnt worden. Mit 1.023.582 arbeitslos gemeldeten Personen war ein Rekordstand erreicht worden.
24. Januar
Frankreich/Iran 1972 – Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Valéry Giscard d‘Estaing hatte bei seinem viertägigen offiziellen Besuch im Iran ein Abkommen über die Gründung einer gemischten Regierungskommission für Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet.
25. Januar
USA 1972 – In einer Fernsehansprache hatte Präsident Richard M. Nixon überraschend einen gemeinsamen US-amerikanisch-südvietnamesischen Plan (sogenannter Acht-Punkte-Plan) zur Beilegung des Vietnamkriegs bekanntgegeben. Zugleich hatte Nixon Geheimverhandlungen bestätigt, die sein Sicherheitsberater Henry A. Kissinger seit August 1969 in Paris mit Vertretern Nordvietnams führte.
25. Januar
Japan 1972 – Die Nachricht von der „Gefangenennahme“ des letzten Soldaten der kaiserlich-japanischen Armee auf der Pazifik-Insel Guam war mit Überraschung aufgenommen worden. Der 58-jährige Unteroffizier Shoichi Yokoi, der nach eigenen Angaben nie daran gedacht hatte, sich zu ergeben, führte seit dem Zweiten Weltkrieg ein entbehrungsreiches Robinson-Leben.
26. Januar
USA/Vietnam 1972 – Die Regierung von Nordvietnam hatte den am Vortag veröffentlichten gemeinsamen Friedensplan der USA und Südvietnams in Hanoi abgelehnt. Tags darauf hatte Nordvietnams Unterhändler in Paris, Xuan Thuy, erklärt, den bereits 1971 von der Nationalen Befreiungsfront Südvietnams vorgelegten Sieben-Punkte-Plan zur Grundlage weiterer Verhandlungen zu nutzen.
26. Januar
BRD 1972 – Die beiden Hauptangeklagten im sogenannten Schneemord-Prozess waren vor einem Gericht in Bonn zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Sie hatten einen Mann überfallen, ihn unbekleidet an einen Baum gefesselt. Obwohl sich der Mann befreien konnte und zur nächsten Straße gekommen war, erfror er am Straßenrand, weil keiner der Vorbeifahrenden angehalten hatte.
27. Januar
USA 1972 – Präsident Richard M. Nixon hatte Peter G. Peterson zum Nachfolger des zuvor zurückgetretenen Handelsminister Maurice H. Stans ernannt. Stans war nun Finanzmanager der Wahlkampagne Nixons für dessen Präsidentschaftskandidatur geworden.
27. Januar
UNESCO 1972 – Katar war neues Mitglied in der UNESCO geworden.
28. Januar
Sowjetunion/Japan 1972 – Der sowjetische Außenminister Andrei A. Gromyko hatte seinen offiziellen Besuch in Japan beendet. In einem gemeinsamen Kommuniqué hatten beide Seien Bedeutung des Abschlusses eines Friedensvertrags zwischen beiden Ländern betont. Darüber sollten noch im Jahr 1972 die Gespräche beginnen.
28. Januar
BRD 1972 – Die in Bonn unter Vorsitz von Bundeskanzler Willy Brandt tagenden Regierungschefs der Bundesländer hatten „Grundsätze über die Mitgliedschaft von Beamten in extremen Organisationen“ beschlossen.
28. Januar
Automobilrennsport 1972 – Der Italiener Sandro Munari hatte mit Beifahrer Mario Munucci auf einem Lancia die 41. Rallye Monte Carlo vor dem französischen Porsche-Fahrer Gerald Larrousse gewonnen. Von 264 Startern hatten nur 24 das Ziel erreicht.
29. Januar
Peru/Bolivien 1972 – Der aus Deutschland stammende Klaus Altmann, der mit dem früheren Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, identisch sein sollte, war an der Grenze zwischen Peru und Boliven festgenommen worden.
30. Januar
Großbritannien 1972 – Im nordirischen Londonderry hatten britische Soldaten das Feuer auf eine verbotene Demonstration katholischer Bürgerrechtler eröffnet. Dabei waren 13 Zivilisten ums Leben gekommen. Weitere 16 waren verletzt worden. (Nordirischer Blutsonntag)
30. Januar
Pakistan 1972 – Präsident Zulfikar Ali-Khan Bhutto hatte angesichts der bevorstehenden Anerkennung Bangladeschs durch Australien, Neuseeland und Großbritannien den sofortigen Austritt Pakistans aus dem Commonwealth bekanntgegeben.
31. Januar
Sport/International 1972 – Wegen Verstoßes gegen das Amateur-Statut hatte das Internationale Olympische Komitee den österreichischen Skirennläufer Karl Schranz von den Olympischen Winterspielen in Sapporo (Japan) ausgeschlossen.

Das war ja zu Jahresbeginn eine wirklich beruhigende Meldung, mit der Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher den Jahresbericht 1969/70 des Bundesamtes für Verfassungsschutz kommentierte, den er gerade erst der Öffentlichkeit vorgelegt hatte. Genscher sagte, dass der Rechts- und Linksradikalismus in der Bundesrepublik noch keine akute Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung darstellen würde. Hoffentlich würde Genscher recht behalten. Derweil ging in Dänemark eine königliche Zeremonie vonstatten. Ministerpräsident Jens Otto Krag hatte nach traditionellem Ritual Margrethe II. in der Hauptstadt Kopenhagen zur Königin von Dänemark proklamiert. Mehr als 500 Jahre hatten nur männliche Herrscher auf dem dänischen Thron gesessen. Frederik IX, der Vater von Margrethe, hatte 1953 das Thronfolgegesetz durch eine Volksabstimmung ändern lassen, wodurch es Margrethe möglich geworden war, den Thron zu besteigen und die Nachfolge ihres Vaters anzutreten.


Januar 1972 in den Nachrichten

 >>>  
Werbung 1972 Reklame
<< Das geschah 1971   |   Das geschah 1973 >>