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Die Literatur in den dreißiger Jahren

Die Literatur der 30er Jahre war immer noch zum großen Teil wie die der 20er Jahre von den gesellschaftlichen und psychologischen Verwerfungen geprägt, die vom Ersten Weltkrieg und dessen direkten Folgen ausgelöst worden waren. Zu dieser, mit dem Begriff „Lost Generation“ schlagwortartig bezeichneten, gleichermaßen von Pessimismus und Lebenshunger geprägten Nachkriegsproduktion von Epik und Lyrik drängte sich in den 30er Jahren zunehmend Literatur, die sich vor dem Hintergrund der damals aktuellen Zeitereignisse wie Wirtschaftskrise, Bedrohung der demokratischen Systeme in Europa, Bürgerkrieg in Spanien sowie Faschismus mit dem Menschen in der Gesellschaft beschäftigten.

Literatur in der Endphase der Weimarer Republik:
Typisch für die noch wesentlich von der Neuen Sachlichkeit der 20er Jahre bestimmten deutschen Literatur zwischen 1930 und 1933 war der Mitte der 20er Jahre einsetzende Trend zum Zeitroman.

Herausragende Beispiele für diese Literaturform waren das von Heinrich Mann als Entwicklungsroman im Landarbeitermilieu angelegte Werk „Ein ernstes Leben“ (1932), Irmgard Keuns „Das kunstseidene Mädchen“ (1932), eine Geschichte um den Überlebenskampf einer jungen Büroangestellten im zeitgenössischen krisengeschüttelten Berlin, oder Lion Feuchtwangers „Erfolg“ (1930), dem Schlüsselroman der damaligen Münchener Gesellschaft. Auch Hans Fallada („Kleiner Mann -was nun?", 1932), der Österreicher Robert Musil („Mann ohne Eigenschaften“, 1930), Oskar Maria Graf („Bolwieser, 1931), Erich Kästner („Fabian“, 1931) und der Dramatiker Bertolt Brecht („ Die Mutter“, 1931) zählen zur Gruppe prominenter gesellschaftskritischer Autoren.
Daneben gab es auch eine Reihe von Autoren wie Gottfried Benn ( „Können Dichter die Welt verändern?“, 1930), die sich ausdrücklich als apolitisch verstanden, und sich folglich weitgehend ins Private zurückzogen.
Ein großes Lesepublikum fanden aber auch völkisch-nationale Bücher wie Will Vespers „Das harte Geschlecht“ (1931) oder volkstümelnde Heimatliteratur.

Literatur 1933 bis 1939:
Die Machtübernahme Hitlers 1933 führte zu einer grundlegenden Änderung der deutschen Literaturszene. Zahlreiche Autoren wie Anna Seghers wurden inhaftiert, wie Erich Mühsam ermordet oder wie Arnold Zweig ins Exil gezwungen. Andere Autoren bekamen Schreibverbot wie Erich Kästner oder verfassten nur noch unpolitisch erscheinende Arbeiten wie Fallada. Insgesamt deckte die literarische Arbeit zwischen 1933 und 1939 in Deutschland alle Bereiche von pro-nationalsozialistisch über nichtfaschistisch-neutral bis hin zur verdeckten Opposition der „Inneren Emigration“ wie bei Erwin Jünger oder Werner Bergengruen und anti-nazistischer Untergrundliteratur wie bei den „Tagebüchern“ von Victor Klemperer ab.
Im Exil entwickelte sich eine ähnlich weit von rechtskonservativ bis kommunistisch-anarchistisch positionierte Exilliteratur. Dazu zählen Werke von Thomas Mann („Bruder Hitler“,1938), Alfred Döblin („Babylonische Wanderung“,1934) oder der von Willi Bredel geschriebene erste KZ-Roman „Die Prüfung“ (1934).
Profiteure des NS-Regimes waren ideologiekonforme Autoren wie die „Blut und Boden“-Schriftsteller Erwin Guido Kolbenheyer oder Gustav Frenssen, aber auch Bestseller-Autoren, die sich aus Opportunitätsgründen mit dem NS-System arrangierten, wie Gerhart Hauptmann oder Hans Carossa. 1938 veröffentlichte Jean Paul Sartre den Roman „Der Ekel“.

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