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Das Modejahr 1917 Mode – Rebellionen ohne Mode

Im russischen Zarenreich war die Mode derzeit auch kein vordergründiges Thema. Schließlich war das riesige Land ebenso wie andere Länder in die Schlachten des Ersten Weltkriegs involviert. Dennoch vollzog sich dort noch ein ganz anderes Ereignis, das die Welt verändern sollte. Die Bevölkerung hatte die harte, erbarmungslose Herrschaft des Zarenhauses satt und rebellierte. Es kam zur Februarrevolution, in deren Folge der Zar Nikolaus II. am 15. März abdankte. Das Ende einer mächtigen Dynastie würde Einfluss auf das Ende der Dynastien in Europa haben. Auf die Mode sicher weniger.
Im Deutschen Reich prägte der enorme Mangel an allem inzwischen den Alltag der zivilen Bevölkerung.
Die Bekleidungsindustrie konnte den Bedarf nicht mehr decken. Das hatte zur Folge, dass die Reichsbekleidungsstelle mit Sitz in Berlin den Umgang mit Web- und Strickwaren aller Art nachdrücklich einschränkte. Eine entsprechende Kleiderordnung gab Auskunft über die Einzelheiten. Auch Schuhe waren Mangelware geworden. Die neue Kleiderordnung schrieb den Frauen vor, was sie haben durften und was zuviel des Guten war. So musste sich Frau damit abfinden, im Alltag nur noch zwei Bekleidungsstücke und dazu eines für den Sonntag besitzen zu dürfen. Ein Kleiderrock, ein oder zwei Blusen und je nach Jahreszeit ein Mantel; mehr war nicht erlaubt. Die Frauen mussten mit drei Schürzen auskommen, einem Paar Winterhandschuhen und – hier wurde die Kleiderordnung besonders perfide – sechs Taschentüchern. Da Männern und Frauen auch nur noch zwei Paar Schuhe und ein Paar Winterstiefel zustanden, mutete es geradezu großzügig an, dass wenigstens die Kopfbedeckungen keiner Einschränkung unterlagen. Hüte für heitere Anlässe wurden ohnehin nicht benötigt. Die Frauen kümmerten sich um die Trauerkleidung und um die entsprechenden schwarzen Hüte. Es waren schwarze Zeiten. Makaber war es allerdings, dass ausgerechnet für die Trauerhüte in den Zeitungen Reklame gemacht wurde.
Regeln haben Ausnahmen, die sie bestätigen. Im Falle der Kleiderordnungs-Regeln wurden im Krankheitsfall derartige Ausnahmen gewährt. Trotz oder gerade wegen der schlimmen Zeiten versuchten die Frauen sich dennoch so gut wie möglich zu kleiden. Es darf wohl nicht übersehen werden, dass nicht alle Damen von der kriegsbedingten Mangelwirtschaft betroffen waren. Für alle anderen war es üblich, alte Garderobe aufarbeiten zu lassen. Wer das nicht selbst konnte, wandte sich an die annoncierenden
Änderungsschneidereien. Selbst die Kriegskrinoline, die wegen ihrer Weite eine Menge Stoff benötigte, war spätestens in diesem Jahr „eingeschrumpft“. Der Tonnenrock und das Kittelkleid entstanden. In den gängigen Zeitschriften wurden Schnittmuster abgedruckt, die das Selbstnähen erleichterten. Längst war es zur Normalität geworden, dass in den Zeitungen „solide Frühjahrs-Anzüge“ angepriesen wurden, die
aus Resten und Altkleidung hergestellt worden waren. Die Not machte erfinderisch. Das galt für die meisten Menschen im kriegsgeschüttelten Deutschen Reich, das fast nur noch aus Frauen zu bestehen schien. Doch das Leid und die Not waren offenbar noch nicht so groß, dass die Menschen offenkundig rebellierten. Ganz anders im russischen Reich. Dort hielten es die Menschen nicht mehr aus. In der Nacht des 7. November kam es zur alles entscheidenden Revolution, die wegen des in Russland gültigen julianischen Kalenders als Oktoberrevolution in die Geschichte einging. Wladimir Iljitsch Lenin und seine Anhänger hatten die Grundlage für ein Land geschaffen, in dem der Kommunismus mächtig werden sollte. Das zog noch längst keine Modetrends nach sich, wohl aber Friedensgespräche mit dem Deutschen Reich. Die üppigen Pelzroben, die in Russland bei den begüterten Menschen eine Selbstverständlichkeit waren, hatten den Besitzer gewechselt, blieben aber weiterhin den Russen vorbehalten. Sibirische Kälte russischen Ausmaßes gab es in deutschen Landen nicht.
Das Jahr 1917 war ein Jahr epochaler Ereignisse. Die Mode spielte dabei eine untergeordnete Rolle. Das war allerdings nicht der Grund für das Ableben des deutschen Luftschiffkonstrukteurs Ferdinand Graf von Zeppelin. Der umtriebige Technik-Pionier war knapp 80 Jahre alt geworden. Dass in diesem Jahr der Friedensnobelpreis an das Internationale Komitee des Roten Kreuzes ging, sprach eine deutliche Sprache. Mit der durchweg weißen Arbeitsbekleidung hatte das aber nichts zu tun.
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