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Filmjahr 1917 – Der erste Sitten- und Aufklärungsfilm

In den Vereinigten Staaten wurde 1917 als Zusammenschluss von 26 regionalen Film-Verleihfirmen die Produktionsfirma „First National“ gegründet. Initiator war der Produzent Thomas L. Tally (1861-1945) gewesen. Das ursprüngliche Ziel war, Filme zu finanzieren und danach deren Verleih zu übernehmen. Bald kam eine eigene Produktion dazu. „First National“ reagierte auf die marktbeherrschende Stellung von Paramount, von der versucht wurde, das Filmgeschäft immer mehr zu monopolisieren.
Anfangs ging der Plan auf. „First National“ hatte für jeweils eine Million US-Dollar Mary Pickford () und Charlie Chaplin () angeworben. Damit hatte die Firma die bekanntesten und wichtigsten Stars ins Boot geholt. Zudem kontrollierte sie zwei Jahre später etwa 3.400 Kinos. Das entsprach 15 bis 20 Prozent des US-amerikanischen Marktes.
Unter der Regie von Richard Oswald (1880-1955), einem österreichischen Filmregisseur und Drehbuchautor, entstand 1917 der erste von vier Teilen „Es werde Licht!“. Damit kam der erste Sitten- und Aufklärungsfilm in die Kinos, in dem auch Käte Oswald (1890-1985) mitspielte, mit der der Regisseur seit 1912 verheiratet war. Im Begleittext zum ersten Teil des Films stand, dass er mit Unterstützung der „Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten“ entstanden war. Oswald hatte mit diesem Film ein ureigenes Genre initiiert, das seitdem mit seinem Namen in Verbindung gebracht wurde. Reaktionäre Kreise attackierten ihn deshalb scharf, weil Oswald mit seinen skandalumwitterten Werken alle bisher tabuisierten Bereiche der Sexualität behandelte. Seine „Es werde Licht!“-Inszenierungen gelten als die ersten und zentralen Filmproduktionen dieses Genres, die vor allem in der zensurfreien Zeit (1918/1919) populär waren. Der 1916 entstandene erste Teil wurde am 25. Januar 1917 zum ersten Mal im Rahmen einer Pressevorführung gezeigt. Für das Publikum lief der Film am 1. März 1917 im Tauentzienpalast in Berlin-Schöneberg an.
In den USA wurde bei dem Film „The Gulf Between“ zum ersten Mal das additive 2-Farben-Verfahren mit einem Spezialprojektor „Technicolor Process No. 1“ eingesetzt. Er war der erste Film in Technicolor, der in den USA produziert wurde. Gleichzeitig war er der vierte abendfüllende Farbfilm überhaupt. Fragmente des Films werden heute in der Margaret Herrick-Bibliothek, im George Eastman House und im Smithsonian Natioanl Museum of American History aufbewahrt.
In München wurde am 12. September 1917 die Firma ARRI (Arnold & Richter Cine Technik GmbH & Co. Betriebe KG) gegründet, eine Unternehmensgruppe, die heute noch existiert und unter anderem mechanische und digitale Geräte zur Filmherstellung produziert und vertreibt. Anfänglich bestand das Geschäft aus „Flmaufnahmen“ und dem „Betrieb eines foto- und film-chemischen Laboratoriums“. Vor allem durch Kameraarbeit, Filmvorführung und Mechanikarbeiten wurde Geld verdient. Dann wurde eine erste Kopiermaschine angeschafft, um selbst kopieren zu können.
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