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Das Musikjahr 1942 - Bing Crosby dominierte die Charts

Städte wie Lübeck und Rostock fielen 1942 Flächenbombardements durch England und Amerika zum Opfer und wurden dabei fast vollständig zerstört. Die Schlachten um Stalingrad und Sewastopol fanden statt, in denen unzählige Menschen ihr Leben ließen. Bei der Berliner „Wannseekonferenz“ wurde die „Endlösung der Judenfrage“ besprochen und die Organisation der Lager in Angriff genommen. Außerhalb Deutschlands kursierte eine „Interallierte Erklärung“, die viele Staaten unterzeichneten und die sich deutlich gegen das Vorhaben der jüdischen Vernichtung aussprach.
Währenddessen wurde in München die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ gegründet. Mitglieder waren die Geschwister Scholl, an denen später das erste Exempel statuiert wurde. Weil Sophie und Hans an der Universität in München Flugblätter verteilt hatten, die sich deutlich gegen die
Diktatur Adolf Hitlers und den Krieg aussprachen, wurden sie denunziert, verhaftet und zum Tode durch die Guillotine verurteilt.
In den Vereinigten Staaten war der traurige Blues deutscher Verbrechen kaum zu spüren. Stattdessen hörte man weiter Jazz. Glenn Miller mit „Chattanooga Choo Choo“, „Moonlight Cocktail“ und „I’ve Got a Gal in Kalamazoo“ begeisterte die Menschen. Für den ersten Song erhielt Miller seine erste „Goldene Schallplatte“, war damit auch der Erste, der sich dieser neu ins Leben gerufenen Auszeichnung erfreuen konnte. „Kalamazoo“ wiederum war für den Film „Orchestra Wives“ geschrieben, in dem Glen Miller auch eine Rolle übernahm und sein Orchester zu sehen war. Die Handlung des Songs drehte sich um einen Mann, der sich nach einer Frau sehnte, die er aus Tagen seiner Schulzeit kannte und für die er beschloß, nach Kalamazoo zu fliegen. Die Grundstimmung der Soldaten an der Front wurde mit diesem Song hervorragend eingefangen, die sich im Dreck der Umstände nach dem trauten Heim und ihrer Familie sehnten.
Auch für Harry James lief es 1942 hervorragend, der als Entdecker von Frank Sinatra galt. Er landete mit „Sleepy Lagoon“ in den Charts. James war im Zirkus aufgewachsen und spielte bereits mit neun Jahren Trompete. Als er nach New York kam, wurde er von Benny Goodman für dessen Orchester engagiert. Gemeinsam mit Count Basie feierten sie einige Erfolge, bis James dann 1938 seine eigene Big Band gründete. Seine Musik bildete die Grenze zwischen Tanzmusik und Jazz und unterhielt das Publikum. In dieser Big Band begann auch Sinatra seine Karriere.
Das Wunderkind Woody Herman erschien ebenfalls in den Charts. Er galt als einer der großes Jazz-Klarinettisten seiner Zeit, beherrschte das Instrument wie kein anderer. Auch er zeigte sich bereits mit neun Jahren auf einer Bühne und entwickelte sich zu einem wahren Virtuosen, der auch dem Altsaxophon geübte Töne entlockte.
Inspiriert wurde er durch den Stil von Frank Trumbauer, der die Ballade und romantische Spielweise in den Jazz eingeführt hatte und das schwierige C-Melodie-Saxophon spielte. In den
Hitparaden war Herman mit „Blues in the Night“ präsent und nach ihm auch Jimmy Dorsey mit dem Song „Tangerine“.
Gerade die Jazz-Szene bildete sich in diesen Jahren stark heraus, wurde spezieller, individueller, und etliche Musiker, die später für diesen Musikstil standen, spielten in Clubs und galten als Insider. Neben Glenn Miller, Bing Crosby, Count Basie, Benny Goodman und vielen anderen zeigten sich solche wie Bunk Johnson, der den New-Orleans-Jazz bekannt machte, oder der Gitarrist Les Paul. Nachdem letzterer seine ganz spezielle E-Gitarre entworfen hatte, fanden sich bald Nachahmer. Neue Rhythmen, Melodien und Klänge wurden improvisiert, bildeten die Vorstufe zum späteren Rock 'n' Roll.
In den Dreißigern kam es im Orchester um Bunk Johnson zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf nicht nur die Instrumente gestohlen wurden, sondern auch ein Bandmitglied das Leben verlor wie Bunk Johnson fast all seine Zähne. Das machte es ihm unmöglich, sein Instrument zu spielen, so musste der begabte Musiker sich als Plantagenarbeiter und Lastwagenfahrer durchschlagen und geriet fast in Vergessenheit.
Erst mit dem Erscheinen eines neuen Jazz-Buches, geschrieben von den Autoren William Russell, Frederick Ramsey und „Jazzmen“, wurde beschlossen, Johnson aus der Versenkung zu holen und ihm ein neues Gebiss zu verschaffen. Mit diesem erhielt der abgebrannte Schwarze auch eine neue Trompete. 1942 feierte er ein spektakuläres Comeback und war bald wieder in aller Munde. Nur sieben Jahre später starb er, wahrscheinlich an einem Schlaganfall.
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