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Das Sportjahr 1921 – Frauen veranstalteten ihre eigene Olympiade

Die erste Frauen-Olympiade
Die Frauen hatten es satt, dass sie im sportlichen Bereich so wenig Anerkennung bekamen. Allen voran war es auch das Internationale Olympische Komitee (IOC), von dem die Frauen im Sport wirklich nur am Rande wahrgenommen wurden.
Es hatte sich im Vorjahr geweigert, weibliche Leichtathletinnen zu den VII. Olympischen Spielen 1920 zuzulassen. Diese Diskriminierung wollten sich die Sportlerinnen nicht länger gefallen lassen und veranstalteten aus Protest ihre eigene Olympiade. Als „Erste Olympische Frauenspiele“ fand diese Veranstaltung vom 24. bis zum 31. März 1921 in Monte Carlo statt. Der International Sporting Club de Monaco hatte diese Frauenolympiade organisiert. Aus England, Frankreich, der Schweiz und aus Italien beteiligten sich etwa 100 Frauen an den Wettkämpfen. In den Leichtathletik-Disziplinen Hürden- und Staffelsprints, Hoch- und Weitsprung, Speerwerfen und Kugelstoßen zeigten die Frauen, dass sie ihren männlichen Konkurrenten ebenbürtig waren. Es gab auch ein Basketball-Turnier und zahlreiche Vorführung im Bereich der Sportgymnastik. Allerdings fielen die Hockey- und Fußballspiele aus. Doch Frauen-Fußball war längst kein Novum mehr. Der „Fémina Sport Paris“ zum Beispiel war ein überaus erfolgreicher Verein im Frauen-Fußball. Zu Olympiaden durften Frauen nur in ausgewählten Sportarten antreten wie Tennis, Bogenschießen, Golf, Eislauf und Schwimmen.
Die Frauen-Olympiade, die insgesamt vier Mal ausgetragen wurde, wurden 1926 in Frauen-Weltspiele umbenannt, weil das IOC und der Weltleichtathletik-Verband IAAF gegen den Begriff Frauen-Olympiade protestiert hatten. Das änderte nichts an der zunehmenden Beteiligung. Im Jahr 1921 wurden die meisten Wettbewerbe von den Damen aus Großbritannien und den französischen Sportlerinnen gewonnen. Einer der Stars der Olympiade war die britische Sportlerin Mary Lines, die unter anderem eine Goldmedaille im Speerwerfen errang.
Die Bedeutung der Frauen-Olympiade war in erster Linie die Vorreiterrolle, die sie einnahm, bis Frauen und Männer gemeinsam an olympischen Wettkämpfen teilnehmen konnten. Heute eine Selbstverständlichkeit. Zum Beginn des Jahrhunderts mussten sich die Damen sehr anstrengen und ihre Anerkennung – nicht nur im sportlichen Bereich – mühsam erkämpfen.
Dazu kam bei der Frauen-Olympia auch der modische Aspekt. War die Olympiade selbst schon eine Sensation, so war die Tatsache, dass Frauen sich öffentlich in Sportkleidung zeigten, einmal mehr eine Sensation. Eine Ungeheuerlichkeit sozusagen, denn es war bisher tabu gewesen, dass sich die Sportlerinnen so präsentierten. Besonderes Aufsehen erregten hierbei die kurzen Hosen der Leichtathletinnen.

Radsport
Sechstagerennen in Paris
Die Fahrer des Sechstagerennens von Paris, das vom 20. bis zum 26. Februar 1921 veranstaltet wurde, hatten sich vergeblich bemüht, gegen die harten Wettkampf-Bedingungen zu protestieren. Am letzten Tag kam es zu einem Eklat. Die Direktion des Rennens hatte den Fahrern eine Pause verweigert, die die völlig übermüdeten Sportler verlangt hatten. Um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen, stiegen die Fahrer von ihren Rädern und schoben sie ein paar Runden lang zu Fuß um die Bahn. Allerdings wurde diese Protestaktion von den Zuschauern kaum wahrgenommen. Die amüsierten sich ungestört weiter, tranken Champagner und plünderten das kalte Buffet. Der „Streik“ verpuffte und die Fahrer drehten schließlich ihre letzten Runden wieder im Sattel. Sieger wurde der Franzose Georges Sérès (1887-1928) mit dem Schweizer Oscar Egg (1890-1961).
Giro d’Italia
Vom 25. Mai bis zum 12. Juni 1921 wurde der 9. Giro d’Italia ausgetragen. Zehn Etappen über eine Gesamtlänge von 3.107 Kilometern waren zu bewältigen. Die Italiener konnten einen dreifachen Triumph feiern. Als erster erreichte Giovanni Brunero (1895-1934) in Mailand das Ziel. Ihm folgte Gaetano Belloni (1892-1980) und Dritter wurde Bartolomeo Aymo (1889-1970). Insgesamt hatten 69 Fahrer an der Rundfahrt teilgenommen, von denen jedoch nur 27 das Ziel erreichten. Die meisten Teilnehmer mussten das Rennen auf den Abruzzen- und Alpen-Strecken aufgegeben.
Tour de France 1921
Zum 15. Mal fand die Tour de France statt und zwar vom 26. Juni bis zum 24. Juli 1921. Die Tour gilt als ein Rennen, dessen Strapazen kaum noch zu überbieten waren, zumal die Strecke seit 1910 durch die Pyrenäen führte. Bis zum Ziel in Paris schafften von 123 Fahrern nur 38 Fahrer die Tour über 15 Etappen. Den Gesamtsieg schaffte der belgische Radrennfahrer Léon Scieur (1888-1969), der schon auf der zweiten Etappe die Gesamtführung übernommen hatte und sie dann bis Paris erfolgreich verteidigen konnte. Zwei Etappensiege konnte er außerdem noch für sich verbuchen.

Motorsport
Zum ersten Mal nach dem Ersten Weltkrieg wurde wieder der Große Preis von Frankreich ausgetragen, dieses Mal in Le Mans. Zwischen 1915 und 1920 hatte es keine Austragungen gegeben. Der US-Amerikaner Jimmy Murphy (1894-1924) konnte den Sieg einholen. Ihm folgte sein Landsmann Ralph De Palma (1884-1956) und als Dritter fuhr der Franzose Jules Goux (1885-1965) ins Ziel.
In Berlin wurde am 19. September 1921 die Avus (Automobil-, Verkehrs- und Übungsstraße) eröffnet, auf der am 24. und 25. September das 1. Autorennen veranstaltet wurde, genannt Grundwald-Rennen. Nach dem Rennen gab man die Strecke für den privaten Verkehr frei. Kein billiges Vergnügen, denn für das einmalige Durchfahren mussten stattliche zehn Mark hingeblättert werden. Eine Vierteljahreskarte kostete 1.000 Mark. Das erste Autorennen auf der Avus war nicht durch Absperrungen gesichert. Es hatte ohnehin den Charakter eines Volksfestes. Zudem war das Interesse an diesem Eröffnungsrennen enorm und der Zuschauerandrang entsprechend groß. Das Hauptrennen gewann der Berliner Lokalmatador, der Ingenieur Christian Riecken mit der Startnummer 5 in einem NAG-Rennwagen. Die erste Rekordmarke setzte aber dennoch der „Raketen-Fritz“, wie Fritz von Opel (1899-1971) auch genannt wurde. Mit 128,8 km/h hatte er tags zuvor Furore gemacht.
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