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Das Autojahr 1916 - Gründung der Bayerische Motoren Werke

Im Jahr 1916 war der Erste Weltkrieg bereits so weit fortgeschritten, dass in Europa kaum noch ein Automobilkonzern Autos herstellte. Fast alle Fabriken konzentrierten sich auf den Bau von Lkws, die das Militär dringend benötigte. Auch Flugzeuge und Flugzeugmotoren sowie Zugmaschinen wurden in den Automobilfabriken gefertigt.
Wo es möglich war, wurden die Produktionsstätten der Automobilkonzerne umgestellt, um auch Teile von Waffen und Munition erzeugen zu können. Aber auch viele andere Unternehmen in Deutschland und der Schweiz, unter anderem Krupp, die Maschinenfabrik MAN, ehemals Augsburg-Nürnberg oder die Vogtländische Maschinenfabrik in Plauen wurden vom Heer umorganisiert und stiegen auf die Produktion von LkW um. Auch die Firma Magrius, die bis dahin qualitativ hochwertige Feldküchen hergestellt hatte, begann ab dem Jahr 1916, Militär-LkW zu produzieren, um von der steigenden Nachfrage zu profitieren.
Mitten in den Wirren des Ersten Weltkriegs wurde jedoch ein deutscher Automobilkonzern gegründet, der bis heute zu den mit Abstand erfolgreichsten der deutschen Autogeschichte zählt. Unter dem Namen BMW, kurz für Bayerische Motoren Werke AG, ging 1916 ein Konzern aus den Rapp-Motorenwerken hervor. Der auf dem Design des britischen Austin 7 basierende Dixi, das erste Auto, das BMW produzierte und auf den Markt brachte, ließ jedoch bis zum Jahr 1928 auf sich warten. BMW stellte in seiner Anfangszeit erst Flugzeuge her und begann in den frühen Zwanzigerjahren die Produktion von Motorrädern, ehe der Konzern in den Dreißigerjahren abermals Flugzeuge, diesmal für die Deutsche Luftwaffe erzeugte. Erst in den späten fünfziger Jahren etablierte sich BMW als führender deutscher Automobilkonzern.
Im US-amerikanischen Bundesstaat Ohio gründete der ehemalige Werbefachmann Edward S. „Ned“ Jordan im Jahr 1916 den Konzern Jordan Motor Car Company, der bis zum Jahr 1931 Autos aus zugekauften Einzelteilen zusammenbaute. Edward Jordan hatte die Absicht, wie er es selbst sagte „schicke Autos für schicke Leute“ zu produzieren. Bereits im Gründungsjahr 1916 verließen etwa 1000 Stück die Fabrik. Jordans Autos erregten vor allem durch die extravaganten Lackierungen in bis dahin noch nie da gewesenen Farben sowie durch äußerst fortschrittliche technische Details Aufsehen. Darüber hinaus ging die Jordan Motor Car Company auch als erster Automobilkonzern, dessen Fahrzeuge mit frechen Werbeslogans beworben und mit ausgefallenen Namen wie „Tomboy“,„Playboy“, „Friendly Three“ oder „Little Custom“ benannt wurden, in die Geschichte ein.
Mit dem Ersten Weltkrieg hatte auch die Frage der Konkurrenz zwischen der Autoindustrie Europas und derjenigen der Vereinigten Staaten an Bedeutung verloren. Automobile wurden in jenen Jahren ausschließlich aus den USA nach Europa exportiert, und nur wenige Menschen konnten Autos überhaupt noch kaufen. Aus diesem Grund sind in Bezug auf die Jahre während des Ersten Weltkriegs nur Neuerscheinungen aus den USA nennenswert. Zu den Glanzstücken gehören der 1916 Studebaker Speedster, der Oakland Speedster, der Scripps Booth Town Car, der Liberty LaFrance V12 Touring, der kleine Anderson Six Touring and Coupe sowie der elegante Biddle der Biddle Motor Car Company aus Philadelphia.
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