Chronik 1835 - Zwei Attentate und das erste elektrische Licht

Ausgerechnet ein Mann, der keine echte politische Überzeugung hatte, wurde in Frankreich zum Attentäter. Joseph Fieschi (1790-1836), einst in Diensten Napoleons (1769-1821), hatte den Plan geschmiedet, den französischen König Louis-Philippe I. (1773-1850) mit einer Höllenmaschine zu ermorden. Diese Höllenmaschine, die aus 25 Flintenläufen bestand, brachte er am 28. Juli 1835, dem Jahrestag der Julirevolution von 1830, auf dem Boulevard du Temple in Paris zur Explosion. Der König wurde nur leicht verletzt. Doch zwölf Personen aus seinem Gefolge kamen bei diesem letztendlich unmotivierten Anschlag ums Leben. Auch in den Zuschauerreihen kamen Menschen zu Tode und es gab zahlreiche Verletzte. Fieschi war kein Einzeltäter, sondern der Anführer einer kleinen Gruppe von bereitwilligen Attentätern gewesen. Er wurde mit zwei seiner Mitattentätern im darauf folgenden Jahr 1836 für dieses Verbrechen geköpft.
Zwar hatte Fieschi kein konkretes politisches Ziel verfolgt, aber dennoch wurde die oppositionelle Presse mit Vorwürfen überhäuft, den Boden für dieses Attentat bereitet zu haben. Am 9. September 1835 wurde als Reaktion auf die Explosion mit den „Septembergesetzen“ die Zensur wieder eingeführt. Die Strafen für Pressevergehen waren nachdrücklich erhöht worden. Vor allem das Bekenntnis zur Republik wurde strikt verboten. Im Jahr 1835 wurde in Paris die „Agence France-Presse“ (AFP) gegründet, die älteste internationale Nachrichtenagentur. Weltweit ist heute die drittgrößte Nachrichtenagentur. Ihr Gründer war Charles-Louis Havas (1783-1858), ein französischer Publizist, der seine Aufgabe darin sah, Informationen, die aus dem Ausland kamen für die nationale Presse zu übersetzen. Es war ein wachsendes Interesse dafür vorhanden und Havas wurde bald zu einem der gefragtesten Publizisten Frankreichs. Ob die AFP schon aus Amerika berichtete, ist ungewiss. Dort nämlich hatte es ebenfalls ein spektakuläres Attentat gegeben, allerdings bereits zu Beginn des Jahres 1835. Der US-amerikanische Präsident, Andrew Jackson (1767-1845) hatte am 30. Januar das Kapitol verlassen, da richtete der englische Anstreicher Richard Lawrence zwei Pistolen auf ihn. Die beiden Pistolen ließen sich nicht abfeuern. Zudem hatte Jackson den Angreifer angeblich mit seinem Spazierstock verprügeln können. Bei diesem Versuch eines Attentats war dem Präsidenten nichts geschehen. Er war der erste in der Präsidenten-Geschichte der USA, auf den ein Attentat verübt wurde. Der Täter war nie wegen dieses Attentats angeklagt worden. Offenbar war er unzurechnungsfähig gewesen. Er wurde später in die Psychiatrie eingewiesen. Während sich in Deutschland und Belgien der Personentransport weiterentwickelte, die Bayerische Ludwigsbahn erstmals mit einer Lokomotive den Verkehr zwischen Nürnberg und Fürth aufgenommen hatte und in Belgien die erste rein dampfbetriebene Eisenbahnlinie auf dem europäischen Kontinent zwischen Brüssel und Mecheln ihren Betrieb aufnahm, führte der James Bowman Lindsay (1799-1862) in Dundee zum ersten Mal öffentlich elektrisches Licht vor mittels einer Glühlampe. Der Physiker und Erfinder hatte dank seines unermüdlichen Forschungsdrangs eine Glühlampe erfunden, die elektrisches Licht konstant erzeugen konnte. Er hatte ein derart umfangreiches Wissen angehäuft, dass er im selben Jahr 1835 einen Vorschlag zum elektrischen Lichtbogenschweißen vorzulegen in der Lage war. Lindsay rückte kaum in das öffentliche Bewusstsein. Er war viel zu bescheiden, um den Marktwert seiner Erfindungen zu erkennen und so fristete er ein sparsames Dasein als Dozent bis zu seinem Lebensende. In London wird das "Madame-Tussauds"-Wachsfigurenkabinett gegründet.
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