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Chronik 1839 - Neues aus Dänemark, Habsburger Heiratsordnung – alles „OK“!

Aus Dänemark kamen nicht nur die Märchen von Hans-Christian Andersen (1805-1875), von denen er im 1830er Jahrzehnt schon einige veröffentlicht hatte, sondern 1839 auch die Meldung vom Thronwechsel. Und das war kein Märchen. Der dänische König Friedrich VI. (1768-1839) war am 3. Dezember ohne männlichen Nachkommen gestorben. Die Thronfolge ging an Christian Friedrich, der als Christian VIII. Friedrich im Jahr 1840 gekrönt wurde. Auf ihn setzten die liberalen Kräfte im Land große Hoffnungen. Die habsburgische Dynastie hatte gewiss auch ihre Erwartungen, als im Kaisertum Österreich am 3. Februar 1839 das „Kaiserlich österreichische Familienstatut“ in Kraft trat. Dieses Familienstatut war die Heiratsordnung der Habsburger, die die Tradition der uralten Heiratspolitik der Habsburger fortsetzte. Das Statut legte u. a. fest, dass eine standesgemäße Ehe vom jeweiligen Familienoberhaupt, dem Kaiser, genehmigt werden musste. Standesgemäß war eine Ehe auch nur dann, wenn sie mit einem Mitglied des Erzhauses oder mit Mitgliedern eines anderen regierenden Hauses geschlossen wurde. Der Adel blieb also unter sich. Von Liebe wurde kein Wort in dem Statut erwähnt. Die Ehe war in diesen Kreisen in jedem Fall eine politisch untermauerte Verbindung. In Indien hatte im Jahr 1839 eine Katastrophe großen Ausmaßes Ehen und Menschenleben vernichtet. Im November tobte ein ungeheuerlicher Zyklon über dem Land. Er brachte Flutwellen hervor, durch die die Hafenstadt Coringa dermaßen zerstört wurde, dass sie anschließend nie wieder aufgebaut worden war. Die Zahl der Opfer der Katastrophe wurde auf 300.000 geschätzt. Kein schöner Jahresausklang in Indien. Ob es schon damals ein Loch im Ozon gab? Jedenfalls hatte in jenem Jahr 1839 der deutsch-schweizerische Chemiker und Physiker Christian-Friedrich Schönbein (1799-1868) das aus drei Sauerstoffatomen bestehende Molekül Ozon entdeckt. In Leipzig, das durch das Gewandhaus bereits einen guten Ruf als Stadt der Musik hatte, fand eine Uraufführung statt, die der Komponist des Werkes leider nicht mehr miterleben konnte. Die „Große Sinfonie in C-Dur“ von Franz Schubert (1797-1828), die nach aktuellem Stand der Forschung heute in der Reihe seiner Sinfonie als die Nr. 8 bezeichnet wird, wurde im Gewandhaus zum ersten Mal dem Publikum zu Gehör gebracht. Diese posthume Uraufführung dirigierte kein Geringerer als Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Er war seit 1835 Kapellmeister des Gewandhauses, an dem er selbst 1835 sein erstes Konzert dirigierte und das bereits im Stil eines modernen Dirigenten. Mendelssohns Konzerte im Gewandhaus fanden beim Publikum begeisterte Aufnahme. Franz Schubert hätte sich gewiss gefreut, denn zu dessen Lebzeiten war seiner Musik kaum die nötige Anerkennung zuteil geworden. Das war nicht OK. Ein Stilbruch im Ausdruck? Keinesfalls. Denn gerade dieses „OK, dessen Gebrauch heute in der ganzen Welt gebräuchlich ist, wurde im Jahr 1839 zum ersten Mal benutzt und zwar von der Zeitung „Boston Morning Post“ als Abkürzung für „oll korrect“. Es ist so selbstverständlich geworden, dass es selbst Kinder schon in ihrem Vokabular haben. Dieses „OK“ ist also längst ein „alter Hut“, auch wenn es modern erscheinen mag.
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