Chronik 1838 - Aufs Knie! – Der Bayerische Kniebeugestreit

Erstaunlich, was es alles gab. In der Regierungszeit des Bayernkönigs Ludwig I. (1786-1868) war es 1838 zu einem Kniebeugestreit gekommen. Der hatte mit einer Verfügung begonnen, die der bayerische Minister Karl von Abel (1788-1859) ausgeben hatte und die auch die protestantischen Soldaten beim Militärgottesdienst zwang, vor dem katholischen Allerheiligsten in die Knie zu gehen. Am 14. August 1838 verfügte er den sogenannten Kniebeugeerlass, in dem geschrieben stand, was Seine Majestät der König allergnädigst zu beschließen geruht hatte und was mit dem Kommando „Aufs Knie!“ auszuführen war. Diese Verfügung zog einen mehrjährigen Streit in der Abgeordnetenkammer nach sich.
Der katholische Publizist und Hochschullehrer Joseph Görres (1776-1848) und einer der geistigen Väter der altkatholischen Kirche, der Theologe Ignaz von Döllinger (1799-1890), stritten in ihren Schriften für die Katholiken. Die protestantische Seite wurde von dem Theologen und Mitbegründer der „Erlanger Schule“, Adolf von Harleß (1806-1879) und dem „Vater der humanistischen Bildung“ in Bayern, Friedrich Thiersch (1784-1860), vertreten. Der Streit hatte lange keine Wirkung, die Order war bis 1848 gültig. Weit länger hielt sich der planmäßige Dampfschiffverkehrs über den Nordatlantik zwischen England und New York, dessen Beginn im April 1838 mit dem Eintreffen des ersten Dampfschiffes aus Europa, das im Hafen von New York ankam. Die Reisezeit hatte sich gegenüber einer Reise mit einem Segelschiff um die Hälfte reduziert. Amerika war näher an Europa gerückt. Da war die Verbreitung des inzwischen weltberühmten Romans „Oliver Twist“ von Charles Dickens (1812-1870) sicher nicht mehr zu stoppen, der im Jahr 1838 erstmals veröffentlicht wurde. Und dieser Roman war nur einer von einem grandiosen literarischen Werk des britischen Schriftstellers, wobei „Oliver Twist“ sein bekanntestes Buch wurde. Nachdem 1823 in Köln Deutschlands erster Rosenmontagszug, der „Zoch“, die Stadt in Begeisterung versetzte, zog seit dem 26. Februar 1838 auch Mainz nach und veranstaltete seinen ersten Rosenmontagszug. Immerhin eine Aktion, die sich bis in die heutige Zeit erhalten hat. Im Jahr 1838 verabschiedete sich einer der bekanntesten französischen Staatsmänner von der Lebensbühne – Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord (1754-1838). Nach einer kirchlichen Laufbahn verbrachte er sein Leben als Diplomat. Mit seinen berühmt gewordenen diplomatischen Fähigkeiten überstand er unterschiedliche Regierungen in Frankreich. Er war Diplomat während der Französischen Revolution von 1789, bei den Napoleonischen Kriegen und beim Wiener Kongress. Seine Verdienste für Frankreich brachten ihm mehrere Adelstitel ein. Berühmt war auch seine spitze Zunge und Kenner nehmen heute noch gern Talleyrands Zitate in den Mund.
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