Chronik 1837 - Eine Königin in Großbritannien, Tiffany und Lortzings Uraufführungen

Die britischen Royals sorgten mit einem Thronwechsel 1837 wieder für Schlagzeilen. König Wilhelm IV. (1765-1837) von Großbritannien und Irland und König von Hannover war am 20. Juni in Windsor gestorben. Seine Nichte stieg als Queen Victoria (1819-1901) auf den Thron. Da das salische Gesetz, das im Königreich Hannover galt, Frauen von der Thronfolge ausschloss, endete mit Queen Victoria gleichzeitig die Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover, die 123 Jahre lang angedauert hatte. Im Königreich Hannover regierte fortan Ernst August I. (1771-1851). In Großbritannien wurde mit Queen Victorias Einzug der Buckingham Palace zur künftigen Hauptresidenz der zukünftigen Monarchen. In St. Petersburg war es um die kaiserliche Residenz nicht so glücklich bestellt.
Am 29. Dezember brannte der Zarenpalast, das Winterpalais, vollständig aus. Die Feuerkatastrophe dauerte 30 Stunden und richtete einen verheerenden Schaden an. Zar Nikolaus I. (1796-1855) ordnete an, die Residenz so wiederherzustellen, dass ihr Zustand dem vor dem Brand glich. Die Erneuerungsarbeiten waren Ostern 1839 fertig gestellt. Innen- und Außenarbeiten waren abgeschlossen und der Winterpalast hatte annähernd seine alte Pracht zurückerhalten. Im Wesentlichen kann er heute noch so besichtigt werden. Er ist als Prunkstück des russischen Barock eine der attraktivsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Zuletzt wurde im Jahr 2005 saniert. Mehr als 60.000 Exponate sind in der Eremitage ausgestellt, wovon das Winterpalais nur einer von 350 Sälen ist und Besucher aus aller Welt in die Stadt lockt. Ein Museum etwas anderer Art entstand in Rom. Papst Gregor XVI. (1765-1846) gründete als Teil der Vatikanischen Museen das Gregorianisch-Etruskische Museum am 2. Februar 1837, in dem archäologische Fundstücke aus Südetrurien ausgestellt sind. Das Kirchenoberhaupt war nicht nur kulturell interessiert. Im Mai ging der Papst in der Enzyklia „Summo iugiter studio“ auf Mischehen ein und bestand darauf, dass Kinder aus diesen Ehen in jedem Fall im katholischen Glauben erzogen werden sollten. Während der Amerikaner Thomas Davenport (1802-1851) weltweit das erste Patent auf einen Elektromotor erhielt und die New Yorker Banken mit ihrer Weigerung, Papiergeld in Gold- und Silbermünzen umzutauschen, die spekulativ beeinflusste Wirtschaftskrise von 1837 in den USA verursachten, machte ebenfalls in New York eine Firmengründung auf sich aufmerksam. John B. Young und der Juwelier Charles Tiffany (1812-1902) gründeten 1837 ein Schmuckunternehmen, aus dem die Firma Tiffany & Co hervorging, die heute noch existiert. Zum Jahresende wurde am Stadttheater Leipzig die komische Oper „Zar und Zimmermann“ von Albert Lortzing (1801-1851) uraufgeführt. Das war in jenem Jahr schon seine zweite Uraufführung, denn im Februar 1837 hatte im selben Leipziger Theater schon Lortzings Spieloper „Die beiden Schützen“ seine Uraufführung erlebt. Der Komponist war im Leipziger Ensemble sehr beliebt, doch mit seiner Neigung zur Improvisation und dem Abweichen vom genehmigten Rollentext war er für die Theaterpolizei immer wieder ein Problem. In der Uraufführung seines „Zar und Zimmermann“ hatte Lortzing selbst den Part des Peter Iwanow gesungen. Noch war gerade diese Oper, die seine bekannteste werden sollte, lediglich freundlich aufgenommen worden. Erst die Berliner Aufführung im Jahr 1839 wurde ein Riesenerfolg beim Publikum und brachte Albert Lortzing schließlich den Durchbruch in seinem Schaffen. Er gilt heute als der Hauptrepräsentant der deutschen Spieloper, einer deutschsprachigen Variante der Opéra comique.
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