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Chronik 1690 - Die Erfindung der Dampfmaschine und der Klarinette

In Übersee, in der britischen Kolonie Massachusetts, war im Februar 1690 das erste Papiergeld in Umlauf gekommen. Zum Jahresende begann man dort mit der Ausgabe von „bills of credit“ – Kreditbriefen. So entstand war die erste Währung auf dem amerikanischen Kontinent entstanden. Und sogar der Versuch, in den britischen Kolonien eine Zeitung herauszugeben, wurde unternommen. Doch das erstmalige Erscheinen der „Publick Occurrenes Both Foreign and Domestick“ war zugleich auch ihr letztes. Die britischen Behörden Neuenglands hatte die Zeitung sofort verboten und das kurze Aufblühen einer Presse unterbunden. In Europa war man nach wie vor mit dem Pfälzischen Erbfolgekrieg beschäftigt, in der Schlacht bei Fleyrus hatten die Franzosen die verbündeten Holländer und die Deutschen besiegt, die Franzosen besetzten erfolgreich nach der Schlacht bei Staffarda das Herzogtum Savoyen und die Nachfolge des Pfalzgraf-Kurfürsten Philipp Wilhelm (1615-1690), der am 12. September gestorben war, trat sein ältester Sohn, Johann Wilhelm (1658-1716) an. Auf den britischen Inseln bekämpften sich die protestantische Armee von Wilhelm von Oranien (1650-1702) und die katholische Armee von Jakob II. (1633-1701). In jenem Jahr 1690 gab es aber auch auf dem Gebiet der Technik eine bemerkenswerte Neuerung. Der französische Physiker und Mathematiker Denis Papin (1647-1712), erfand die erste Dampfmaschine, womit er einer bedeutenden technischen Entwicklung den Weg in die Zukunft ebnete. Und auch in Sachen Kultur und Kunst hatte das Jahr 1690 Neues hervorgebracht. In Rom gründete ein Dichterzirkel die Accademia dell’Arcadia und der aus Leipzig gebürtige Johann Christoph Denner (1655-1707), der als erster Instrumentenbauer die Holzblasinstrumente neueren Typs erfolgreich herstellte, die dadurch im deutschsprachigen Raum Verbreitung fanden, erfand in Nürnberg die Klarinette. Er hatte das Chalumeau, ein Holzblasinstrument mit einem einfachen Rohrblatt, so erweitert, dass es „überblasen“ werden konnte. Das war zuvor nicht möglich gewesen. Doch nun hatte das Chalumeau eine Tonumfang, der der zeitgenössischen Musik angemessen war. Die so entstehenden Töne erinnerten in ihrem Klang an den der Barocktrompete, erhielten deshalb die Bezeichnung „Clarinregister“, weil die Spielweise der Barocktrompete Clarin-Spiel genannt wurde wegen der Entwicklung der Tonleiter ausschließlich aus Naturtönen. So entstand der Ausdruck „Klarinette“ für das neue Instrument. Wenngleich sich die Klarinette erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts in der praktischen Musik durchzusetzen vermochte, hatte doch bereits seit dem Jahr 1690 ihren Platz als eines der wichtigsten Instrumente innerhalb eines Orchesters gefunden. Der Erfinder Johann Christoph Denner gründete bald eine Musikinstrumentenfabrik, die einen großen Aufschwung erlebte und die von seinen Söhnen weitergeführt wurde. Den bedeutenden Platz in der Geschichte der Musikinstrumente konnte ihm ohnehin niemand mehr streitig machen.
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