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Geschichte der EU

Der Zweite Weltkrieg war vor allem durch den Nationalismus begonnen worden. Um dieses Manko der Nationalstaaten zu umgehen, gründeten verschiedene europäische Nationen nach dem Krieg eine Gemeinschaft, um einen Krieg, wie er kurz zuvor in Europa gewütet hatte, auf ewig zu unterbinden. Viele Staatschefs waren sich bewusst, dass der Versailler Vertrag Deutschland 1919 eine zu hohe Bürde aufgetragen hatte. Deswegen wurde die Bundesrepublik Deutschland nicht als besiegte Macht, sondern
als gleichberechtigter Partner von Anfang an in diesen Prozess mit eingebunden. Die Idee einer Gemeinschaft ging auf den französischen Politiker Robert Schuman (1886-1963) zurück, der 1950 die Staaten Europas zu einem Bund einlud, der vor allem wirtschaftliche Bedeutung haben sollte. Seinem Plan lag folgende Idee zu Grunde: Wenn die deutsche und französische Wirtschaft miteinander verzahnt wäre, so könnte keines dieser beiden Länder gegeneinander Krieg führen. Dies wurde auf alle Staaten übertragen.
Am 18. April 1951 trafen sich die Regierungsvertreter Frankreichs, Deutschlands, Luxemburgs, Belgiens, Italiens und der Niederlande, um die Gemeinschaft für Kohle und Stahl zu begründen. Diese Gemeinschaft markiert die Geburtsstunde der Europäischen Union von heute, auch wenn es ein reiner wirtschaftlicher Vertrag war. Dies charakterisiert den Beginn der ersten Zusammenschlüsse, denn die Europäische Union fußt auf den wirtschaftlichen Gemeinschaften der 1950er Jahre. 1957 wurden in Rom die Römischen Verträge unterzeichnet, die die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft ins Leben riefen. Ziel war es, neben der Verzahnung auch einen europäischen Binnenmarkt zu schaffen. So friedlich war der Gedanke in den 1950er und 1960er Jahren allerdings auch nicht, denn der Kalte Krieg war auf dem Höhepunkt. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit sollte eine Schwächung einzelner Staaten verhindern. Vor allem das geteilte Deutschland stellte eine Gefahr dar. Man wollte verhindern, dass Westdeutschland kommunistisch wurde. Bis in die 1980er Jahre stellten sich die Europäischen Gemeinschaften, die
Verträge rein wirtschaftlich dar. 1967 wurden im Fusionenvertrag alle vorhergehenden Einzelverträge zusammengefasst.
Mitte und Ende der 1980er Jahre wurden die wirtschaftlichen Verträge um Verträge zur Zusammenarbeit auf anderen Gebieten erweitert. Das Ende der Sowjetunion hatte Europa die Gefahr des Kalten Krieges genommen. Europa zielte nun auf eine friedliche Koexistenz, die alle Bereiche umfassen konnten. Dabei gingen die Initiativen von Mitteleuropa aus, das wirtschaftlich fortgeschrittener war als der Süden und die Peripherie. 1992 wurde im Vertrag von Maastricht dieser neuen Politik Rechnung getragen. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft wurde zugunsten einer Europäischen Gemeinschaft erweitert. Fortan wurde das supranationale Gebilde auch EG genannt, besaß aber völkerrechtlich noch keinen Rechtscharakter. Es bestimmte den Fahrplan einer wirtschaftlichen Einigung, deren Ziel eine Montanunion war, die dann ab 2002 in einer gemeinsamen Währung gipfeln sollte. 1995 wuchs die EG auf 15 Mitglieder an. Der Zuwachs wurde in weiteren Verträgen von Amsterdam 1997 und Nizza 2001 auch auf die neuen Mitglieder abgestimmt. 1998 wurden die nationalen Währungen auf den Ecu, die europäische Währung, abgestimmt. 2002 schließlich wurde der Euro als Währung in 15 Ländern eingeführt. 2004 und 2007 wurde die EG um 12 Länder im Osten Europas erweitert. Sie umfasste nun 27 Staaten.
Eine dritte Phase lässt sich ab Mitte der 2000er feststellen. Nach der wirtschaftlichen und der organisatorischen Zusammenarbeit, kamen die Vertreter der 27 Staaten zusammen, um nun auch der EG einen verbindlicheren Rechtscharakter zu geben. Die EG sollte in einen Staatenbund überführt werden. Das Europäische Parlament sollte mehr Befugnisse erhalten, es sollte einen Präsidenten geben usw. Im Vertrag von Lissabon wurde 2007 demgemäß die Abschaffung der EG und die Einführung der EU
beschlossen. 2009 wurde der EG-Vertrag beendet. Seitdem nennt sich die supranationale Organisation Europäische Union. Die Beschlüsse von Lissabon, die Ausarbeitung einer europäischen Verfassung wurden zwar erreicht, aber von den Mitgliedsstaaten nicht ratifiziert. Hier zeigten sich 2009 die Grenzen der EU, als viele Mitgliedsstaaten in Referenda die Verfassung nicht annahmen. Eine politische Union, wie in den USA, ist so erstmals auf Dauer gescheitert. 2009 kehrte die EU zu ihren Grundlagen zurück und befasste sich wieder vermehrt mit wirtschaftlichen Belangen.
2010 kam es zu einem Rückschritt in der Entwicklung. Es wurde bekannt, dass der gesamt-europäische Lebensstandard in vielen Staaten nur durch Kreditaufnahme finanziert werden konnte. In Griechenland wurde offenbar, dass 1998 bei der Synchronisation der Währungen massive Vertragsverletzungen getätigt wurden. Das Land befand sich nun vor dem Staatsbankrott. Laut des Vertrages von Lissabon hätten die Mitgliedstaaten keinerlei Hilfe leisten müssen, aber die Gefahr des Ausweitens auf andere Staaten war zu groß. Man beschloss dementsprechend, dem Land zu helfen. Es wurden Rettungsschirme installiert, die notleidenden Staaten zu Hilfe kommen sollten. Der ESM trat 2012 in Kraft. Die Eurokrise hat das Misstrauen in eine politische Union sehr vertieft, aber gleichzeitig auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa wieder in Zweifel gezogen.
2012 stellt dementsprechend einen Scheidepunkt in der Geschichte der EU dar, der zeigen wird, wie stark der Zusammenhalt der einzelnen Staaten wirklich ist.