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Das Autojahr 1944 - Das Verkehrschaos auf Straßen und Schienen


Der Krieg war immer mehr ins Deutsche Reich zurückgekommen. Bombenangriffe der Alliierten Streitkräfte zerstörten vorrangig Fabriken, in denen Rüstungsgüter für die Wehrmacht hergestellt wurden. Die Werkshallen der deutschen Autoindustrie waren davon besonders stark betroffen. Gegen Ende des 1943er Jahres war die Wehrmachts-Produktion fast nicht mehr möglich. Allein bei VW mehr als zwei Drittel der Produktionshallen zerstört worden.
Ohnehin stand die Automobilherstellung in jenem Jahr auf einem weltweiten Tiefpunkt, zumindest was die Herstellung ziviler Fahrzeuge anging. Lediglich aus dem Norden kamen von dem schwedische Automobilbauer Volvo Neuvorstellungen. Als Buckel-Volvo wurde beispielsweise der PV 444 bekannt, der allerdings erst 1947 in Serie produziert wurde, ebenso der PV 60.
In Deutschland wurden 1944 im Volkswagenwerk ausschließlich die Sonderkraftfahrzeuge für die deutsche Wehrmacht hergestellt wie beispielsweise der VW-Schwimmwagen Typ 82, der eine zusätzliche Schienenausrüstung hatte. Seine Einsatzmöglichkeiten konnten wechselweise für die Straße oder für die Schiene gewählt werden. Der Umbau am Fahrzeug für einen Wechsel zur Schiene und umgekehrt dauerte ungefähr 15 Minuten.
Für den zivilen Bereich waren aus Japan überhaupt keine Neuheiten in Sachen Auto zu erwarten, weil die Japaner sich ausschließlich darauf beschränkten, ausländische Modelle nachzubauen. Sie warteten einfach ab, was für neue KFZ-Typen auf dem Weltmarkt auftauchten. In Großbritannien arbeitete die Automobilfirma Morris daran, den Kleinwagen Morris Minor zu verbessern. Im Vorjahr war die erste Version des Modells fertiggestellt worden. Das Modell ähnelte dem deutschen VW Käfer.
Die Situation im Deutschen Reich spitzte sich in allen Bereichen zu, aber vor allem hatte sich die Lage wegen Kriegsereignisse wegen drastisch zugespitzt. Die Bombenangriffe der Alliierten hatten viele Verkehrsanlagen beschädigt oder ganz zerstört. Andererseits waren immer höhere Kapazitäten zur Beförderung ziviler und militärischer Güter erforderlich. Auch der Personenverkehr war nahezu zum Erliegen gekommen. In der ersten Jahreshälfte 1944 waren es noch vor allem Ziele im Verkehrsbereich in Belgien und Frankreich gewesen, die bombardiert worden waren. Ab dem Herbst 1944 konzentrierten sich die Bombardements auf
Verkehrssysteme im Deutschen Reich. Bombardiert wurde systematisch, um Militärtransporte und Nachschublieferungen an die Front zu verhindern. Deshalb traf er zuerst Eisenbahnknotenpunkte, Straßen und Brücken, Wasserwege und Flugplätze. Die Zerstörungen waren so groß, dass die die Kriegswirtschaft insgesamt im wahrsten Sinne des Wortes am Boden zerstört war. Die NS-Führung wurde immer mehr in die Enge getrieben und wusste nicht mehr, wie sie ihre Truppen an die entsprechenden Einsatzorte verlegen sollte. Durch das entstandene Verkehrschaos wurden auch die Lebensmittelversorgung und die Versorgung mit zivilen Gebrauchsgütern stark beeinträchtigt. Bombardierte Treibstofflager machten die ohnehin schon chaotische Situation zusätzlich schwerer. Das Transportsystem brach immer mehr zusammen, wurde aber gleichzeitig dringender als vorher gebraucht. Nicht zuletzt litt die Bevölkerung in den großen Städten Deutschlands darunter, denn es war nur mit viel Mühe möglich, die Städte zu verlassen und aufs Land zu gehen. Um ein Mindestmaß an Entlastung zu schaffen, erging die Weisung der NS-Führung, dass vom 17. Juli an Reisen, die über eine Distanz von 100 Kilometern hinausgingen, für private Personen nur noch mit einer Sondergenehmigung angetreten werden durften. Nicht nur wegen der verheerenden Verkehrslage war die Sehnsucht nach Frieden groß. An den Sieg glaubten nur noch die Hartgesottenen.
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