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Chronik 1847 - Preußisches Judengesetz, Bund der Kommunisten, Werner von Siemens

Während im Sommer in Portugal die „Konvention von Gramido“ den seit dem Vorjahr schwelenden Bürgerkrieg beendete und den konservativen Kräften dank ausländischer Truppenhilfe einen Sieg beschert hatte, war die deutsche Bevölkerung mehr als unzufrieden. Im April und Mai war es landesweit zu Hunger-Unruhen gekommen. Auf politischer Ebene gab es eine gute Nachricht. Am 23. Juli 1847 wurde durch das „Preußische Judengesetz“ eine Rechtsvereinheitlichung erzielt. Die Stellung der Juden in Preußen wurde völlig neu geregelt. Den Juden wurde Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit gewährt. Die Neuregelung ermöglichte jüdischen Mitbürgern die Übernahme von Staatsämtern, sofern diese nicht „richterliche, polizeiliche und exekutive Gewalt“ beinhalteten. Sie ermöglichte ihnen den Zugang zu ordentlichen Professuren für Medizin, Mathematik, Naturwissenschaften, Geographie und Sprachwissenschaft. Durch das „Preußische Judengesetz“ wurde eine dezentralisierte Verwaltung des jüdischen Gemeinwesens möglich und die Gemeinden erhielten die Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Juden waren nach dieser Neuregelung in das gesellschaftliche Leben Preußens weitgehend eingebunden. Nur die Provinz Posen, in der die jüdische Bevölkerungsdichte besonders hoch war, blieb von diesem Gesetz ausgenommen. Das „Preußische Judengesetz“ war im Landtag beraten worden. Doch schon vorher, im März 1847, hatte Preußens König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) ein „Toleranzedikt“ erlassen, in dem unter anderem der Kirchenaustritt erlaubt wurde. Und auch wirtschaftlich hatte Preußen etwas zu bieten. Am 12. Oktober 1847 gründete Ernst Werner von Siemens (1816-1892) gemeinsam mit dem Unternehmer Johann Georg Halske (1814-1890) die „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“ in Berlin. Aus dieser Firma entwickelte sich die heutige „Siemens AG“. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde aus einer kleinen Werkstatt das weltgrößte Elektrounternehmen. Vier der Siemens-Brüder waren ebenfalls als Unternehmer und Erfinder erfolgreich. Ernst Werner von Siemens gilt als der Begründer der Elektrotechnik. In London kam es auch zu einer Gründung, allerdings ganz anderer Art. Dort wurde der „Bund der Kommunisten“ gegründet. An dessen Konstituierung waren Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) maßgeblich beteiligt gewesen. Auch in Nordamerika wurde Neues gegründet. Die Mormonen errichteten im Juli 1847 die Stadt Salt Lake City und damit ihr eigenes Territorium am Großen Salzsee. Drei Frauen, zwei Kindern und 143 Männer waren an dieser Stadtgründung an der Ostküste des Sees beteiligt. Die Stadt gilt noch heute als Zentrum der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Zu Beginn des Jahres 1847 wurde die kalifornische Stadt Yerba Buena, die nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg in den Besitz der USA übergegangen war, umbenannt – in San Francisco. Von da an erlebte die Stadt einen großen Aufschwung durch den im Folgejahr beginnenden Goldrausch in Kalifornien.
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Ereignisse & Schlagzeilen 1847
26. Januar
Die Operette Ein ländliches Verlobungsfest in Schweden von Franz Berwald wird am Theater an der Wien zum ersten mal aufgeführt.

30. Januar

In Kalifornien wird die Stadt Yerba Buena in San Francisco umbenannt.

Im Februar

Die Stereokamera mit zwei Linsen wird von David Brewster erfunden.
23. Februar
Im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg gewinnt die US-Streitmacht unter General Zachary Taylor die Schlacht von Buena Vista gegen den größeren Truppen aus Mexiko.

25. Februar

Die University of Iowa wird als erste Hochschule im US-Bundesstaat Iowa gegründet.
Im März
Die Architectural Association School of Architecture wird gegründet.

9. März

Im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg dringen US-Truppen nahe Veracruz mit der größten Landeaktion von US-Streitkräften
in Mexiko ein.
30. März
Im von Preußens König Friedrich Wilhelm IV. erlassenen Toleranzedikt wird unter anderem der Kirchenaustritt erlaubt.
23. März
Einem Großbrand in Bukarest fallen 2.000 Häuser zum Opfer.
Im April
In Deutschland finden Hungerunruhen statt
4. April
In München brennt der Hauptbahnhofgebäude nieder.
25. April
Die letzten Überlebenden der Donner Party, eines Siedlertrecks mit dem Ziel Kalifornien, erreichen Sutter's Fort. Ihr Unheil begann im Oktober vorigen Jahres mit einem Schneesturm und in der Folge weiteren Widrigkeiten bis hin zum Aufbrauchen mitgeführter Vorräte, was sie zu Kannibalismus zwang.

12. Mai

In Paderborn entsteht durch den gleichnamigen Buchhändler der Verlag Ferdinand Schöningh.

14. Mai

Gründung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
14. Mai
Das britische Kriegsschiff HMS Driver kehrt nach Erledigung militärischer Aufträge als erstes Dampfschiff von einer Weltumrundung nach Spithead zurück.
27. Mai
Der Vorläufer der HAPAG-Lloyd AG die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt AG wird gegründet,

Im Juni

Der Turiner Arzt Ascanio Sobrero erfindet das Nitroglycerin.
29. Juni
Die sog. Konvention von Gramido beendet in Portugal einen seit 1846 schwelenden Bürgerkrieg zwischen liberalen „stembristischen“ und konservativen „cartistischen“ Kräften, bei dem die Konservativen nur dank ausländischer Truppen einen Sieg davontragen.
Im Juli
In Berlin wird der Hamburger Bahnhof  für die Strecke Berlin-Hamburg eröffnet
23. Juli
In Berlin referiert Hermann von Helmholtz über die Konstanz der Kraft und untermauert den Energieerhaltungssatz.
23. Juli
Das Preußische Judengesetz bringt eine Rechtsvereinheitlichung und gewährt dieser Bevölkerungsgruppe Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit.
24. Juli
Mormonen gründen die Stadt Salt Lake City am Großen Salzsee
26. Juli
Liberia wird unabhängig.
21. August
König Oskar I. von Schweden stiftete den Sankt-Olav-Orden, dieser ist heute noch der höchste Orden von Norwegen.

11. September

Der Ohrwurm „Oh! Susannah“ des Komponisten Stephen Collins Foster wird erstmals in einem Saloon in Pittsburgh vorgetragen.
12. September
In Offenburg werden im Rahmen der Offenburger Versammlung im Gasthaus Salmen die „Forderungen des Volkes von Baden“ proklamiert. Unter anderem werden auch Grund- und Menschenrechte wie die Pressefreiheit gefordert
21. September
Die beiden Briefmarken, die Rote und die Blaue Mauritius werden von der britischen Kolonie auf Mauritius ausgegeben.
10. Oktober
Auf der Heppenheimer Tagung entwerfen die gemäßigten Liberalen ihr politisches Programm zur Einigung Deutschlands

Im November

Zwischen den katholischen und den reformierten Kantonen der Schweiz finden der Sonderbundskrieg statt.
3. November
In der Schweiz bricht der religiös motivierte Bürgerkrieg, der Sonderbundskrieg aus.
29. November
Der Bundes der Kommunisten, an dem Karl Marx und Friedrich Engels beteiligt sind, wird in London gegründet.
22. Dezember
Der algerische Rebellenführer Abd el-Kader ergibt sich umstellt von der französischen Armee und wird bald darauf nach Frankreich gebracht. In Algerien beruhigt sich die Lage für die Kolonialmacht deutlich.
23. Dezember
Algerien wird von Frankreich zur Kolonie erklärt.
Im Dezember
Algerien wird französische Provinz
9. August
Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecke der Schweiz, der Spanisch-Brötli-Bahn zwischen Zürich und Baden AG
12. November
Der schottische Arzt James Young Simpson gibt in Edinburgh eine Schrift über die an sich selbst getestete Wirkung von Chloroform heraus. Er setzt in der Folge das Betäubungsmittel bei Gebärenden ein.
19. Juni
Der US-amerikanische Raddampfer Washington wird in Bremerhaven mit Salutschüssen empfangen. Die Ocean Steam Navigation Company hat mit ihm die erste regelmäßige Postdampfschiffslinie zwischen Nordamerika und Kontinentaleuropa eröffnet.
12. Oktober
Werner von Siemens gründet zusammen mit Johann Georg Halske die Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin.
13. Oktober
Uraufführung der Oper Konradin von Ferdinand Hiller in Dresden
15. November
Felix Mendelssohn Bartholdy stirbt 38-jährig in Leipzig. 
15. November

Uraufführung der komischen Oper Les Premiers Pas ou Les Deux Génies von Jacques Fromental Halévy an der Opéra-Comique in Paris

22. November

Auf dem Raddampfer Phoenix setzen überhitzte Dampfkessel die Holzverkleidung des Dampfers in Brand, der daraufhin in Flammen aufgeht und fünf km vor Sheboygan auf dem Michigansee ausbrennt. Etwa 250 Menschen sterben bei einem der schwersten Schiffsunglücke auf den Großen Seen.
25. November
Die komische Oper Martha oder Der Markt von Richmond von Friedrich von Flotow wird am Theater am Kärntnertor in Wien erstmals aufgeführt.
26. November
Die Oper "Grand opéra Jérusalem" von
Giuseppe Verdi wird an der Académie Royale de Musique in Paris zum ersten Mal aufgeführt.
20. Dezember
Die Oper The Maid of Honour von Michael William Balfe wird im Drury Lane Theatre in London uraufgeführt.


 

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