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Chronik 1842 - Der Erste Opiumkrieg, das erste Pilsener Bier, der Gefangenenchor

Die East India Company, die zwischen 1830 und 1840 der weltweit größte Drogenhändler gewesen war, hatte jede Gelegenheit genutzt, ihren Einfluss in China, auf Java und den Philippinen auszuweiten. Die Kompanie behob ihren dramatischen Mangel an Barmitteln zum Erwerb von Tee, Seide und Porzellan aus China durch den tonnenweisen Export von Opium, das in Indien hergestellt wurde. Dessen ungeachtet brachten die ausländischen Händler die illegale Opiumeinfuhr nach China weiter voran, bis die Situation 1839 erstmals eskalierte, weil ein Edikt des chinesischen Kaisers den Opiumhandel mit Ausländern verbot. Zudem wurden 350 Ausländer festgenommen. Um die Durchsetzung des kaiserlichen Edikts kümmerte sich der als Sonderkommissar nach Kanton entsandte Lin Zexu (1785-1850), dem es gelang, die Herausgabe von mehr als 22.000 Kisten Opium (Das entsprach 1.400 Tonnen Opium.) zu erzwingen. Das Opium war verbrannt und ins Meer gespült worden. Die chinesische Bevölkerung sollte vor weiterer Drogen-Abhängigkeit bewahrt werden. Zig-tausende Kilogramm Opium waren bis Mitte 1838 von Lin Zexu beschlagnahmt und mehr als 1.600 Chinesen verhaftet worden. Die dramatische Handelssituation, die durch das Edikt und die Intervention britischer Opiumhändler entstanden war, brachte Großbritannien fast dazu, China den Krieg zu erklären, aber das britische Unterhaus verzichtete auf eine förmliche Kriegserklärung. Es hatte jedoch die Entsendung eines Flottenverbandes bewilligt, der vom chinesischen Kaiser Daoguang (1820-1850) Genugtuung und Wiedergutmachung fordern sollte. Notfalls sollte chinesisches Eigentum als Pfand genommen werden. Der militärische Konflikt zwischen Großbritannien und dem Kaiserreich der Qing-Dynastie ging als Erster Opiumkrieg in die Geschichte ein. Im August 1842 wurde zwischen den beiden Nationen der „Vertrag von Nanking“ unterzeichnet, der zum Ende des Jahres 1842 den Opiumkrieg beendete und zur Öffnung der chinesischen Märkte führte und zur Duldung des Opiumhandels. In Deutschland gingen andere Dinge vonstatten. Dort war gleich am 1. Januar 1842 die „Rheinische Zeitung“ gegründet worden als Blatt des bürgerlichen Liberalismus. Die Redaktionsleitung der Zeitung übernahm im Oktober desselben Jahres der Philosoph, Ökonom und Protagonist der Arbeiterbewegung, Karl Marx (1818-1883). Im Zeitalter der industriellen Revolution wurde im Jahr 1842 in den Vereinigten Staaten von Amerika das erste Patent auf eine Nähmaschine vergeben, die auch zur Lederverarbeitung genutzt werden konnte. Der Fortschritt ging weiter. Der britische Agrikulturchemiker John Bennet Lawes (1814-1900) meldete ein Verfahren zum Patent an, mit dem Superphosphat hergestellt werden konnte, ein Dünger für die Landwirtschaft. Und zum Herbst wurde noch eine innovative Erfindung bekannt – der bayerische Braumeister Joseph Groll (1813-1887) wurde in jenem Jahr im böhmischen Pilsen verpflichtet, weil er den untergärigen Brauprozess gut beherrschte und die Bierbrauer aus Bayern einen exzellenten Ruf hatten. Bis dato hatte man in Pilsen das „Oberhefenbier“ obergärig gebraut. Doch es mangelte an Qualität und Haltbarkeit. Nun sollte eine neue Brauerei errichtet werden, die untergäriges Bier produzierte. Am 5. Oktober 1842 braute Joseph Groll in Pilsen zum ersten Mal einen entsprechenden Sud, der sich aber in einigen Punkten von dem in Bayern unterschied, weil die Rohstoffe etwas anders waren. Das böhmische Wasser war salzarm und weich und der Saazer Hopfen unterschied sich auch ein wenig vom bayerischen. Anstelle des sonst üblichen dunklen Malzes braute Joseph Groll mit leicht geröstetem, sehr hellem Malz. Er nannte sein Bier „Urquell“. Im November wurde dann in den einigen Gasthöfen Pilsens Grolls Bier ausgeschenkt und – es schmeckte den Leuten. Das Bier nach Pilsener Brauart schmeckt heute noch. In der Mailänder Scala war in jenem Jahr 1842 ein Sensationserfolg uraufgeführt worden. Die Oper „Nabucco“ von Giuseppe Verdi (1813-1901), die seine dritte gewesen war, machte den Komponisten zu einem Helden im italienischen Opernleben. Der Gefangenenchor aus der Oper, „Va penisero“, gehört noch heute zu den berühmtesten Chören überhaupt.
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