Chronik 1829 - Ein neuer Papst, das Akkordeon und Al Capones Gefängnis

Im Februar war Papst Leo XII. (1760-1829) gestorben, der seit September 1823 das Pontifikat inne gehabt hatte. Zu seinem Nachfolger wurde am 31. März 1829 Francesco Saverio Castiglioni im Konklave gewählt, der am 5. April als Pius VIII. (1761-1830) gekrönt wurde. Ebenfalls im März trat in den Vereinigten Staaten ein neuer Präsident sein Amt an. Andrew Jackson (1767-1845) löste als siebenter Präsident John Quincy Adams (1767-1848) ab. Jackson, das neue US-amerikanische Staatsoberhaupt trug den Spitznamen „Old Hickory“ und ging in die Geschichte des Landes ein. Er war der erste Präsident, der nicht zur Elite des US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieges gehörte.
Wegen seiner umfangreichen Änderungen an der Organisation des Staates und der Gründung der Demokratischen Partei in den USA war er prägend für Amerika gewesen. Allerdings machte er sich auch einen Namen als Hauptverantwortlicher für die gewaltsame Vertreibung der „fünf zivilisierten Indianernationen“, bei der unzählige Menschen den Tod gefunden hatten. Im selben Monat legten in der britischen Hauptstadt London die drei Großmächte Frankreich, Großbritannien und Russland im ersten von drei „Londoner Protokollen“ den genauen Grenzverlauf fest für den künftigen Staat Griechenland. Die Regionen Zentralgriechenland, der Peloponnes und die Kykladen wurden zum selbstständigen Staat Griechenland erklärt. Seine Grenze sollte vom Golf von Arta im Westen bis zum Golf von Volos im Osten verlaufen. An den türkischen Sultan war für den neuen Staat eine jährliche Tributzahlung von 1,5 Millionen türkischen Piastern geplant. Griechenland sollte unter dessen Suzeränität (Oberhoheit) bleiben. Ein christlicher Fürst sollte den neuen Staat vom Sultan als Lehen erhalten und die erste Wahl des Herrschers sollte von den drei Großmächten und der Hohen Pforte (osmanische Regierung) gemeinsam geschehen. Ganz unpolitisch wurde im Jahresverlauf 1829 in Wien die Erste Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft“ Österreichs gegründet. Und ebenfalls in Wien erhielt der Orgel- und Klavierbauer Cyrill Demian (1772 od. 1774-1847) zusammen mit seinen Söhnen Carl und Guido ein Privilegium (Patent) für die Erfindung des Akkordeons zugesprochen. Cyrill Demian hatte zu jener Zeit einen hervorragenden Ruf als Hersteller von Tafelklavieren. Sein guter Ruf hat die Zeiten überdauert. Noch heute ist er als Erfinder des Akkordeons ein Begriff. Den Straftätern in Philadelphia war die neue, fertig gestellte Strafanstalt „Eastern State Penitentiary“ auch schnell ein Begriff geworden, die am 23. Oktober 1829 ihre ersten Häftlinge aufgenommen hatte. Eine abschreckende Wirkung hatte sie schon optisch durch den Baustil einer mittelalterlichen Burg. Dem Konstruktionsprinzip lag die Richtlinie zugrunde, die Gefangenen einerseits von der Außenwelt und andererseits voneinander isoliert zu halten. Den Häftlingen in der damaligen Zeit war das Arbeiten ebenso verboten wie Besuch zu empfangen. Nur der Anstaltsseelsorger durfte die Häftlinge aufsuchen. Heute ist das Bauwerk als Museum eine viel besuchte Sehenswürdigkeit in Philadelphia. Die Zelle von Al Capone (1899-1947), der dort später auch eine Haftstrafe abgesessen hatte, wurde rekonstruiert und kann angeschaut werden. Der bedrohliche Eindruck ist noch nachzuempfinden.
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