1820 1821 1822 1823 1824 1825 1826 1827 1828 1829

Chronik 1820 - Ein britischer Rosenkrieg, die Blindenschrift und die Antarktis

Nun wurde in Großbritannien der Thronwechsel legitimiert, der durch die 1811 übernommene Regentschaft des Prinzen schon begonnen hatte. Georg III. (1738-1820) starb am 29. Januar und sein Sohn übernahm als Georg IV. (1762-1830) die Macht vollends. Es änderte sich im Machtgefüge des Vereinigten Königreiches nicht viel. Der König Georg IV. hatte keinen nennenswerten Einfluss auf die Tagespolitik. Er war zu jener Zeit, als er den Thron übernahm höchstwahrscheinlich schon süchtig nach Laudanum und zudem fettleibig. Es wurde angenommen, dass er wie sein Vater an Porphyrie, einer Stoffwechselkrankheit, litt. Georg IV. lehnte es ab, seine offizielle Ehefrau, Caroline von Braunschweig (1768-1821), als Königin anzuerkennen. Er befahl seinen Botschaftern, dafür zu sorgen, dass es die anderen europäischen Herrscher ihm gleichtaten. Durch einen königlichen Erlass wurde Carolines Name aus der Liturgie der Church of England gestrichen. In der britischen Öffentlichkeit stießen diese Maßnahmen auf Ablehnung. Der König, der nebenher etliche außereheliche Beziehungen eingegangen war, wollte eigentlich die Scheidung erzwingen. Davon wurde ihm erfolgreich abgeraten, da es seinem ohnehin schlechten Ansehen mehr schaden als nützen würde. Mit einer Abfindung hatte Georg IV. seine Gemahlin ohnehin schon dazu gebracht gehabt, England zu verlassen. Die Tochter hatte lange unter seiner alleinigen Erziehung gestanden. Sie war inzwischen ein Jahr nach ihrer eigenen Eheschließung gestorben. Im Sommer 1820 kam Georgs Ehefrau nach Großbritannien zurück. Um sie auf sauberem Wege „loszuwerden“, strebte der König eine Gesetzesvorlage an – der „Pains and Penalties Bill“ – um seiner Frau offiziell die Rechte einer Königin abzusprechen und auch die Ehe mit ihr zu lösen. Das Gesetz hatte nach der Anhörung im Oberhaus keinen Erfolg. Als der König im Folgejahr 1821 in der Westminster Abbey gekrönt wurde, durfte die Königin an der Zeremonie nicht teilnehmen. Wenig später starb sie. Ob sie womöglich wirklich vergiftet worden war, ist nicht geklärt. So oder so, von einer feinen englischen Art konnte nicht die Rede sein. Die Royalisten sorgten auch in Frankreich für Aufsehen. Der einzige noch Lebende aus dem Geschlecht der Bourbonen, Charles-Ferdinand de Bourbon, Herzog von Berry (1778-1820), wurde nach einem Opernbesuch in Paris am 13. Februar 1820 niedergestochen. Er erlag tags darauf seinen Verletzungen. Der Attentäter war Pierre Louis Louvel (1783-1820) gewesen, ein Sattler in königlichen Diensten und dennoch ein extremer Gegner der Bourbonen. Er wurde am 7. Juni jenes Jahres für seine Tat hingerichtet. Doch aus Frankreich ließ sich auch Gutes berichten. Louis Braille (1809-1852), der als Kind erblindete und sich nicht abfinden konnte, dass er seine Wissbegier nicht mit Lesen befriedigen konnte, ging auf die Blindenschule von Valentin Haüy (1745-1822), der sich schon länger damit befasst hatte, sehschwachen und blinden Kindern Zugang zu Büchern zu verschaffen. Braille dachte ebenfalls über eine Blindenschrift nach. So entstand das nach ihm benannte Punktschriftsystem für Blinde, das heute kurz Braille genannt wird. Mit guten Augen hingegen war der deutsch-baltische Kapitän in russischen Diensten, Fabian Gottlieb von Bellingshausen (1778-1852), ausgestattet. Er war 1819 mit der ersten russischen Expedition in die Südpolar-Region vom Zaren Alexander I. (1777-1825) beauftragt worden und umsegelte das antarktische Festland auf einem noch südlicheren Kurs als es James Cook (1728-1779) gelungen war. Somit ist Kapitän von Bellingshausen vermutlich der erste Mensch, der die Antarktis mit eigenen Augen gesehen hat.
<< Das Jahr 1819

Das Jahr 1821 >>

Ereignisse & Schlagzeilen 1820
1. Januar
Staatsstreich in Spanien: Spanien wird konstitutionelle Monarchie
27. Januar
Uraufführung der Oper Die Schäferin als Edeldame von Daniel-François-Esprit Auber an der Opéra-Comique in Paris
28. Januar
Der russische Kapitän Fabian Gottlieb von Bellingshausen sichtet vermutlich als erster Mensch die Antarktis.
29. Januar
Thronwechsel in Großbritannien. Auf Georg III.  folgt sein Sohn Georg IV.  der bereits seit 1811 für seinen erkrankten Vater als Regent regiert.
13. Februar
Charles-Ferdinand de Bourbon, duc de Berry wird nach einem Besuch der Pariser Oper von Pierre Louis Louvel niedergestochen. Der Täter will vorsätzlich den einzigen Lebenden des Geschlechts der Bourbonen umbringen. Am nächsten Tag stirbt das Attentatsopfer.
15. März
Maine wird 23. Bundesstaat der USA
20. März
Der Missouri-Kompromiss von Henry Clay regelt für die nächsten 30 Jahre die Frage der territorialen Ausweitung der Sklaverei in den USA.
23. März
In der preußischen Provinz Sachsen wird das Turnen an Schulen und Universitäten aus politischen Gründen verboten
8. April
Der Bauer Yorgos Kentrotas findet auf der Ägäis-Insel Milos bei der Suche nach Baumaterial die Venus von Milo.
15. Mai
In Wien enden die Beratungen zu den Grundlagen des Deutschen Bundes, die in der Wiener Schlussakte zusammengefasst sind.
8. Juni
Die Wiener Schlussakte als gleichwertiges zweites Bundesgrundgesetz neben der Bundesakte tritt in Kraft.
14. Juni
Uraufführung der Oper Die Zwillingsbrüder von Franz Schubert am Theater am Kärntnertor in Wien
Im Juli
Hans Christian Ørsted erkennt in seinen Versuchen die Ablenkung einer Magnetnadel durch elektrischen Strom.
27. August
Josef Naus und seine zwei Begleiter sind die ersten Menschen auf der Zugspitze. Sie führen auf dem Berg Vermessungsaufgaben durch.
19. August
Uraufführung der Oper Die Zauberharfe von Franz Schubert am Theater an der Wien in Wien
24. August
In Porto bricht ein Aufstand von Offizieren aus. Die Liberale Revolution in Portugal zielt auf die Rückkehr des in Brasilien residierenden Königs Johann VI., die Schaffung einer konstitutionellen Monarchie und das Entfernen im Lande weilender britischer Militärs ab.
Im Oktober
Joseph Louis Gay-Lussac entdeckt die Unabhängigkeit der spezifischen Wärme vom Volumen der Gase.
20. Oktober
Der Troppauer Fürstenkongress beginnt, auf dem die europäischen Großmächte eine Verhaltensregel beim Aufkeimen republikanischer Ideen in Monarchien finden wollen. Revoulutionäre Entwicklungen im Königreich beider Sizilien lassen diese Frage akut werden.
Im November
Louis Braille erfindet die Brailleschrift für Blinde.
20. November
Das Walfangschiff Essex wird durch einen Pottwal versenkt; ein reales Vorbild für den Roman Moby Dick von Herman Melville
Im Dezember
Khartum die Hauptstadt der Republik Sudan wird gegründet
Blutige Niederschlagung eines Indianeraufstandes in Guatemala
19. Dezember
Beim Troppauer Fürstenkongress einigen sich Zar Alexander I., Kaiser Franz I. von Österreich und Preußens Kronprinz Friedrich Wilhelm aufkommende republikanische Rebellionen in europäischen Staaten durch Interventionen zu bekämpfen. Das am Kongress teilnehmende Großbritannien protestiert dagegen und unterschreibt dies nicht.
.


 

Search

Navigation

Social