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Chronik 1827 - Der Schlag mit dem Fliegenwedel, die ersten Londoner Stadtpläne

Schlechtes Benehmen kann böse Folgen haben. Ein Zwischenfall beim Empfang, den der algerische Herrscher Hussein III. (1773-1838) am 29. April gab und der als „Schlag mit dem Fliegenwedel“ bekannt wurde, war zum Anlass genommen worden für die französische Besetzung Algeriens im Jahr 1830. Eigentlich waren es drei Schläge mit einem Fliegenwedel gewesen, die der Dey (Herrscher) Hussein III. dem französischen Generalkonsul Pierre Deval (1758-1829) in Algerien verabreicht hatte und ihn dann des Hauses verwies. Deval hatte ihm zum Schuldenproblem eine für einen Diplomaten ungeschickte Antwort gegeben. Zwar wurde Deval mit dieser Flapsigkeit bekannt, aber er hatte damit halt auch den Vorwand geliefert für die französische Invasion Algeriens, die drei Jahre später begann. Schließlich sollte die Ehre Frankreichs wieder hergestellt werden. In England hingegen begann der Apotheker John Walker (1781-1859), der im Vorjahr das erste Streichholz entdeckte hatte, mit dem Verkauf der von ihm weiterentwickelten Zündhölzer in seiner Apotheke. Ebenfalls in England, konkret in London, konnten seit 1827 die ersten Stadtpläne der britischen Hauptstadt gekauft werden. Die Stadt war ganz offensichtlich auf dem Weg zur Metropole. Zwei Jahre, nachdem in England die erste Eisenbahn weltweit Schlagzeilen gemacht hatte, verabschiedete der US-Bundesstaat Maryland sein Gesetz zur Bildung der „Baltimore and Ohio Railroad“. Sie wurde in der Folgezeit die erste Eisenbahngesellschaft in den Vereinigten Staaten für den öffentlichen Güter- und Personenverkehr. Reisen wurde immer interessanter durch die sich entwickelnde Technik. Davon zeugte auch die Gründung des Verlages für Reisehandbücher durch Karl Baedecker (1801-1859), dessen Verlag heute noch existiert. In Berlin wurde zudem die „Berliner Schachgesellschaft“ gegründet, die heute als ältester Schachverein Deutschlands gilt. Allerdings hat sich der Name geändert. Sie heißt heute „Berliner Schachgesellschaft 1827 Eckbauer e. V.“. Im Jahr 1827 gab es zwei besondere Todesfälle zu beklagen. Wilhelm Hauff (1802-1827), der deutsche Schriftsteller der Romantik und Märchenerzähler starb am 18. November in seiner Geburtsstadt Stuttgart, im Königreich Württemberg. Wilhelm Hauff war ein Hauptvertreter der Schwäbischen Dichterschule. Zu seinen bekanntesten Kunst-Märchen gehören „Das kalte Herz“, „Zwerg Nase“ und „Der kleine Muck“. Hauff hatte ein sehr kurzes Leben, das wegen einer Typhuserkrankung schon im Alter von 25 Jahren endete. Mit seinem Werk hat er aber bis in die heutige Zeit überlebt. Ihm zu Ehren wurde der Wilhelm-Hauff-Preis zur Förderung von Kinder- und Jugendliteratur gestiftet. Hauff liegt auf dem Stuttgarter Hoppenlaufriedhof begraben. Und noch vor seinem 57. Geburtstag starb in Wien einer der bedeutendsten deutschen Komponisten, der die Wiener Klassik zu ihrer höchsten Blüte geführt hatte und damit der Romantik den Weg bereitete – Ludwig van Beethoven (1770-1826). Nicht nur seine 9. Sinfonie und seine einzige Oper „Fidelio“ gehören heute zum Standardwerk, sondern zahlreiche andere Werke. Sie alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Sein gesamtes Musikwerk, das er teilweise geschaffen hat, ohne es je selbst hören zu können, überlebte den Komponisten, dessen Tod am 26. März einen Tag später einen Trauerzug von etwa 20.000 Menschen mobilisierte.
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