Chronik  1822 - Die Entzifferung der Hieroglyphen und der Veroneser Kongress

Als ein französischer Offizier der napoleonischen Armee namens Pierre François Xavier Bouchard (1772-1832) am 15. Juli 1799 während der ägyptischen Expedition Napoleons im Niltal einen Stein gefunden hatte, der als „Stein von Rosette“ in die Geschichte einging und der heute im British Museum in London zu besichtigen ist, ahnte noch niemand, was gerader dieser Stein für eine geschichtliche Bedeutung erlangen sollte. Der Stein, eine halbrunde Stele, war mit einem eingemeißelten Priesterdekret als Ehrung des ägyptischen Königs Ptolemaios V. (210 v. Ch. – 180 v. Ch.) in drei Sprachen – Altgriechisch, Demotisch und Hieroglyphen – versehen. Mit Hilfe dieses Steins war es gelungen, das Geheimnis der altägyptischen Schrift, der Hieroglyphen, zu lüften.
Und dass ihm genau das geglückt war, gab im Jahr 1822 der französische Gelehrte und Sprachwissenschaftler Jean-François Champillion (1790-1832) der Öffentlichkeit bekannt. Mit der Entzifferung der ersten Hieroglyphen auf dem „Stein der Rosette“ hatte Champillion den Grundstein für die wissenschaftliche Erforschung der ägyptischen Dynastien gelegt. So gesehen war seine Bekanntgabe eine echte Sensation für die Wissenschaft in jenem Jahr. Vielleicht war auch das Ereignis im mecklenburgischen Doberan eine Sensation, aber wenn, dann doch nur in kleinerem Maße. Dort wurde nämlich am 10. August das erste Galopprennen ausgetragen. Mutmaßungen zufolge war es wohl das allererste seiner Art in ganz Europa. Apropos Europa - in Verona, das heute zu Italien gehört, im Jahr 1822 aber noch von Österreich regiert wurde, fand der Veroneser Kongress statt, ein politisches Treffen der europäischen Großmächte. Diese Konferenz der Heiligen Allianz hatte im Oktober begonnen und endete am 14. Dezember 1822. Sie war der vierte Monarchenkongress und zugleich auch der letzte. Als Vertreter der Heiligen Allianz hatten die Monarchen Russlands, Englands, Österreichs, Preußens und Frankreichs teilgenommen. Auf diesem Kongress wurde die Anerkennung der griechischen Unabhängigkeitserklärung rundweg abgelehnt. Es wurde eine Intervention Spaniens beschlossen, mit deren Durchführung Frankreich betraut wurde. Die Monarchen wollten die spanischen Bourbonen wieder an die Macht bringen. England hatte Einspruch gegen die Intervention erhoben und sagte sich von der Heiligen Allianz los, als der Beschluss dennoch gefasst worden war. Der Veroneser Kongress wurde ein Zeichen für den allmählichen Zerfall der Heiligen Allianz. Das Jahr 1822 war für den deutschen Schriftsteller der Romantik – E. T. A. Hoffmann (1776-1822) – zu dessen letztem Lebensjahr geworden. Er war durch seine fortgeschrittene Syphilis, die zu immer stärker Lähmung geführt hatte, schon an einen Lehnstuhl gefesselt. Die Hände versagten ihm den Dienst, er konnte nur noch diktieren, nicht aber schreiben. Am 25. Juni 1822 starb er aufgrund einer Atemlähmung. Das literarische Werk von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, der nur unter E. T. A. Hoffmann bekannt wurde, war in einer Zeitspanne von dreizehn Jahren entstanden. Er hatte lange nicht den Mut gehabt, sich zur Schriftstellerei zu bekennen, weil er sich ursprünglich zur die Musik berufen fühlte.
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