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Chronik 1828 - Bösendorfers Klavierfabrik und der Tod Franz Schuberts

Es war wieder Portugal, dessen Königshaus für Schlagzeilen sorgte. Vor zwei Jahren erst war der Vater des in Brasilien regierenden Peter I. (1798-1834) gestorben. Der war nicht als Peter IV. nach Portugal gekommen, sondern hatte seine Tochter als Maria II. (1819-1834) auf den portugiesischen Thron gesetzt und hatte selbst ihr zugunsten abgedankt. Nun sollte diese ihren Onkel Michael (1802-1866) heiraten, sobald sie im heiratsfähigen Alter war. Michael, der nach dem Aufstand gegen den Vater im Jahr 1826 aus dem Exil zurückgekehrt war, sollte der Verfassungscharta die Treue schwören und dann als Regent für seine minderjährige Nichte und Braut Portugal regieren. So hatten die Pläne von Peter I. ausgesehen. Vorab wurde in Wien, wo sich Michael noch aufgehalten hatte, eine Stellvertreterhochzeit gefeiert. Nun, im Jahr 1828, nachdem Michael I. schon zwei Jahre die Regentschaft innehatte, kam es in Portugal am 11. Juli zu einem Umsturz. Michael entthronte seine Nichte Maria II. und führte den Absolutismus wieder ein. Im selben Monat des Jahres 1828, am 25. Juli 1828, gab der Wiener Magistrat eine Erlaubnis mit weit reichenden Folgen. Er gestattete Ignaz Bösendorfer (1796-1859) das Klaviermachergewerbe auszuüben. Gleichzeitig wurden ihm damit Bürger- und Meisterrechte verliehen. Eine kluge Entscheidung, denn Ignaz Bösendorfer führte sein Unternehmen, das anfangs in der Wiener Josefstadt beheimatet war, als Klavierfabrik Bösendorfer zu Weltruhm bis in die heutige Zeit. Sie werden noch immer von den Pianisten hoch geschätzt. Eine Gründung mit ebenso nachhaltigem Charakter fand in Leipzig statt. Dort gründete der Buchhändler und Verleger Anton Philipp Reclam (1807-1896) den Reclam-Verlag. Dieser Verlag, der heute noch existiert, wurde besonders durch die Herausgabe der „Reclams Universal-Bibliothek“ bekannt. In den USA war im Vorjahr im US-Bundesstaat Maryland das Gesetz zur Bildung der „Baltimore and Ohio Railroad“ verabschiedet worden und am 4. Juli 1828 wurde der Grundstein für eben diese erste Eisenbahn in den Vereinigten Staaten gelegt. Der technische Fortschritt forderte allerdings auch gnadenlos seine Opfer. In England, wo die erste Eisenbahn schon 1825 ihre 40-Kilometer-Strecke zuzulegen begonnen hatte, wurde der Maschinist John Cree das erste Todesopfer der Eisenbahngeschichte. Die von ihm geführte Lokomotive Nr. 1 explodierte auf der Verbindung zwischen Stockton und Darlington. Die industrielle Revolution wurde dadurch nicht gestoppt worden und nach den Ursachen des Unglücks suchte man natürlich. Wenn es auch nur für wenige Menschen von großer Bedeutung gewesen sein mag, so soll das folgende Ereignis im Jahr 1828 dennoch erwähnt werden. Am 26. März hatte der österreichische Komponist Franz Schubert (1797-1828) im Lokal der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien sein erstes und einziges öffentliches Konzert gegeben. Schubert erlangte zeitlebens keinen großen Ruhm. Ihm wurde aber posthum durch die Bearbeitungen und Aufführungen von Franz Liszt (1811-1886) zu großer Anerkennung verholfen, weil Liszt in jedem seiner Konzerte ein oder zwei Schubert-Stücke erfolgreich präsentierte. Heute gehört Franz Schubert in fast jedes Konzertprogramm. Das Jahr 1828 allerdings war für den 31-jährigen verarmten Musiker das letzte. Er starb am 19. November 1828 in Wien.
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Am 5. März 1827 verstarb der Physiker und Mitbegründer der Elektrizitätslehre
Allesandro Volta im lombardischen Como.
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