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Chronik 1815 -  Die Herrschaft der Hundert Tage und das Ende bei Waterloo

Napoleon Bonaparte (1769-1821), der im Vorjahr abgedankt hatte und nun auf der Insel Elba einen Staat mit 10.000 Einwohnern beherrschte, überraschte in jenem Jahr die Welt auf außerordentliche Weise. Er hatte auf Elba eine Armee von 1.000 Mann und war durch ein Netz von Agenten stets über die Neuigkeiten in Frankreich informiert. Die Reformtätigkeit auf seiner Insel füllte ihn keineswegs aus. Er war weit größere Maßstäbe gewöhnt. Als ihm zu Ohren kam, dass nach der Restauration unter Ludwig XVIII. (1755-1824) eine weit verbreitete Unzufriedenheit herrschte, sah er seine Stunde noch einmal gekommen. Er kehrte nach Frankreich zurück. Unterwegs sammelten sich seine Anhänger, liefen zu ihm über. Niemand hielt ihn auf. Er kam auf unblutige Weise bis nach Paris, wo er im März 1815 eintraf. Der König verließ fluchtartig die Tuilerien. Die Verfassung des Kaiserreichs wurde zum Teil liberalisiert, doch die Zustimmung zum neuen napoleonischen Regime blieb eingeschränkt. Die Ereignisse in Frankreich hatten die einstigen Verbündeten in Unruhe versetzt. Österreich, Russland, Großbritannien und Preußen erneuerten ihre Allianz und beschlossen auf dem Wiener Kongress ein militärisches Eingreifen. Schwierig, aber nicht unmöglich – es gelang Napoleon, eine Armee auszuheben, die sich aus etwa 125.000 erfahrenen Männern zusammensetzte. In Paris bliebe eine provisorische Regierung zurück und er zog aus, um gegen die Verbündeten anzutreten. Nach anfänglichen kleinen Erfolgen endete seine „Herrschaft der hundert Tage“ mit der Schlacht von Waterloo, wo er von der Allianz endgültig besiegt wurde. Nach Paris zurückgekehrt, trat Napoleon am 22. Juni 1815 zurück. Die Verbündeten hatten beschlossen, ihn nach St. Helena zu verbannen. Diese Insel im Südpazifik, weit weg von Frankreich, erreichte er am 18. Oktober. Dort blieb der Kaiser der Franzosen für den Rest seines Lebens. Die drei Herrscher Österreichs, Russlands und Preußens gründeten die „Heilige Allianz“, der drei Jahre später auch Frankreich beitrat. Mit dem „Zweiten Pariser Frieden“ bestätigten die Monarchen zugleich die Schlussakte des Wiener Kongresses. Frankreich erhielt die Grenzen von 1790, allerdings ohne Saarlouis, Landau und Savoyen und musste zudem Reparationszahlungen leisten in Höhe von 700 Millionen Francs. Zu Jahresbeginn war in dem Schweizerischen Dorf Kiesen eine genossenschaftliche Dorfkäserei gegründet worden. Von dort aus nahm die kommerzielle Käseverwertung der Schweiz ihren Anfang. In Indonesien war im April 1815 der Vulkan Tambora ausgebrochen. Dieser folgenschwere Ausbruch riss etwa 100.000 Menschen in den Tod und seine Asche brachte der Nordhalbkugel im Jahr darauf Hungersnöte und Kälte zu Zeiten, da eigentlich Sommer herrschen sollte.    Das Jahr 1815 >>
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Ereignisse & Schlagzeilen 1815

8. Januar

US-Milizionäre unter Andrew Jackson bezwingen in der Schlacht von New Orleans ein britisches Invasionsheer unter Sir Edward Michael Pakenham. Damit endet der so genannte „Krieg von 1812“.
3. Februar
In der Schweiz beginnt die kommerzielle Käseverwertung durch die neu gegründete genossenschaftliche Dorfkäserei in Kiesen.
1. März
Der Verbannung auf Elba entflohen landet Napoléon Bonaparte mit rund 1.000 Mann bei Cannes, um sich auf den Weg nach Paris zu machen.
2. März
Uraufführung der komischen Oper Die Prinzessin von Cacambo von Peter Joseph von Lindpaintner in München
1. April
Otto von Bismarck wird geboren
5. April
Preußen nimmt die besetzten Rheinlande per Erlass in Besitz.
Der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien beginnt mit einer ersten Eruption. Weitere, insbesondere am 10. April, führen zu insgesamt etwa 100.000 Todesopfern. Das Geschehen auf der Insel Sumbawa setzt große Mengen Asche frei und verursacht im Folgejahr auf der Nordhalbkugel einen vulkanischen Winter, der in Europa Hungersnöte heraufbeschwört.
10. April
Auf der Insel Sumbawa im heutigen Indonesien bricht weitere Male der Vulkan Tambora aus. Die gewaltige Eruption führt 1816 zum Jahr ohne Sommer.
30. April
Friedrich Wilhelm III. verfügt auf dem Wiener Kongress die Einteilung Preußens in zehn Provinzen.
3. Mai
Österreich, Preußen und Russland errichten vertraglich die Republik Krakau.
22. Mai
Der sächsische König Friedrich August I. verzichtet auf das Herzogtum Warschau und entbindet die polnischen Untertanen von ihrem Treueeid. Der König steht als Verbündeter Napoléon Bonapartes nach den Befreiungskriegen auf der Verliererseite.
8. Juni
Unterzeichnung der Deutschen Bundesakte Gründung des Deutschen Bundes.
9. Juni
In Norditalien wird durch die Wiener Kongressakte das Königreich Lombardo-Venetien geschaffen, dessen König in Personalunion der jeweilige Kaiser von Österreich wird. Es folgt auf das napoleonische Königreich Italien, dessen Gesetze fortgelten.
Der Wiener Kongress, auf dem Europa politisch neu geordnet worden war, endet mit der Unterzeichnung der Kongressakte. Der Papst als Oberhaupt des Kirchenstaates und Spanien lehnen darin getroffene inhaltliche Festlegungen ab. Brasilien wird unabhängiges, mit Portugal nur noch durch Personalunion verbundenes Königreich.
12. Juni
In Jena wird die Urburschenschaft, die erste deutsche Burschenschaft gegründet.
16. Juni
In Belgien gelingt Napoleon in der Schlacht bei Ligny sein letzter Sieg.
18. Juni
Schlacht bei Waterloo. Napoleon wird endgültig geschlagen.
19. Juni
Einen Tag nach der Schlacht bei Waterloo endet mit der Schlacht bei Wavre der letzte Kampf der Napoleonischen Kriege. Zwar tragen die Franzosen einen taktischen Sieg davon, doch haben die unterlegenen preußischen Einheiten strategisch ein mögliches Eingreifen der Franzosen in Waterloo verhindert.
7. August
In der Schweiz tritt der Bundesvertrag endgültig in Kraft.
Im September
Napoléon dankt endgültig ab und wird auf die Insel St. Helena verbannt.
26. September
Gründung der Heiligen Allianz.
13. Oktober
Der Bourbonenherrscher Ferdinand IV. lässt Joachim Murat, seinen Vorgänger als König von Neapel, Napoléon Bonapartes Schwager, standrechtlich erschießen.
Im November
Luxemburg wird zum Großherzogtum erhoben.
Beginn des zweiten serbischen Aufstandes mit Milos Obrenovic gegen die Türken.
6. November
In Österreichs Hauptstadt wird das k. k. polytechnische Institut, die heutige Technische Universität Wien, eröffnet.
20. November
Zweiter Pariser Frieden mit Preußen, Österreich, Russland und Großbritannien.
30. November
Uraufführung der Oper Der Herr und sein Diener von Conradin Kreutzer in Stuttgart
Im Dezember
Anerkennung der immer währenden Neutralität der Schweiz und Eintritt der Kantone Genf, Neuenburg und Wallis in die Schweizerische Eidgenossenschaft.
Der Statthalter von Algier erklärt den USA den Krieg.
Dänemark wird das Herzogtum Lauenburg zugesprochen.
Abschaffung der Leibeigenschaft in Estland
7. Dezember
Der wegen Hochverrats zum Tode verurteilte französische Marschall Michel Ney erteilt seinem Erschießungskommando den Feuerbefehl.
16. Dezember
Die bisherige Kolonie Brasilien wird zum Königreich erklärt und damit dem Mutterland Portugal gleichgestellt. Die brasilianische Unabhängigkeitsbewegung erreicht damit einen wichtigen Meilenstein.


 

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