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Chronik 1816 - Mit einer Generalamnestie begann das Jahr ohne Sommer

Gleich im Januar 1816 hatte Frankreich unter Ludwig XVIII. (1755-1824) eine Generalamnestie für alle, die an der Französischen Revolution von 1789 teilgenommen hatten und sich auch in den Folgejahren gegen die Royalisten stellten. Nachdem Napoleon (1769-1821) weit außer Landes auf St. Helena sein Dasein fristete und keine Gefahr mehr von ihm ausging, gingen die Politiker daran, die Ergebnisse des Wiener Kongresses umzusetzen. Der Kongress hatte Europa neu aufgeteilt, neue Staaten waren entstanden und auf übernationaler Ebene waren Beschlüsse gefasst worden, die zukunftsweisend waren. Auf britischen Druck war beispielsweise die Ächtung der Sklaverei durchgesetzt worden. Außerdem hatte man eine Übereinkunft über die Freiheit der internationalen Flussschifffahrt getroffen und eine verbindliche Regelung des Gesandtschaftsrechts war ebenfalls ein Ergebnis des Wiener Kongresses. Aber vor allem hatte der Kongress sein Hauptziel erreicht – die Rückgängigmachung der Eroberungen des revolutionären und napoleonischen Frankreichs. Zwischen den Staaten war ein passables Gleichgewicht entstanden, das auf das System der Pentarchie, der fünf Staaten, ausgerichtet war. Der technische Fortschritt nahm seinen Lauf, das erste Dampfschiff überquerte den Ärmelkanal. Es hieß „Élise“ und fuhr vom britischen Newhaven nach Le Havre in Frankreich. Dort übernahm sie den Dienst im Passagierverkehr in Frankreich. In Deutschland befuhr ebenfalls das erste Dampfschiff den Rhein. Der britische Schaufelraddampfer „The Defiance“ kam von London und bewegte sich flussaufwärts bis nach Köln. Die Freude an diesen Neuerungen hielt sich jedoch europaweit in Grenzen. Im Nordosten Amerikas sowie im Westen und Süden Europas herrschte erbarmungslose Kälte. Das Jahr 1816 ging als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. Die Folge waren Hungersnöte. Das Elendsjahr wurde in Deutschland auch als „Achtzehnhundertunderfroren“ bezeichnet. Schuld an diesem kalten Jahr war der Ausbruch des indonesischen Vulkans „Tambora“, der im April 1815 ausgebrochen war, zahlreiche weitere Ausbrüche hatte und riesige Mengen Asche freigesetzt hatte. Die hatten sich im Laufe der Zeit über die Nordhalbkugel ausgebreitet und machten es der Sonne unmöglich, zur Erde durchzudringen. Frost, Schnee und Eisstürme vernichteten Ernten und wurden zu einem vulkanischen Winter, der etwa von April bis September 1816 andauerte. Schlechte Sommer hatte es auch in den Jahren zuvor gegeben, aber jenes Jahr war ein echter Problemfall. Doch es gab auch Gewinner des Jahres. Es entstand beispielsweise der Roman von Mary Shelley (1797-1851) „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“. Die Schöpferin hatte sich am Genfer mit dem Dichter Lord Byron (1788-1824) vor dem kalten Wetter ins Haus zurückgezogen. Dort erzählten sie sich Geschichten. Die düstere Stimmung draußen verlangte geradezu nach Horrorgeschichten. In diesem Fall wurde sie zu Weltliteratur.
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Ereignisse & Schlagzeilen 1816

12. Januar

Die politische Neuordnung in Europa wird aufgrund der Niederlage Napoleons in Frankreich über die Ergebnisse des Wiener Kongresses umgesetzt  Die Teilnehmer der Französischen Revolution erhalten Generalamnestie.
20. Februar
Uraufführung der Oper Der Barbier von Sevilla in Rom
Der Prinzregent Johann VI wird nach dem Tod seiner Mutter in Rio de Janeiro zum König von Brasilien und Portugal gekrönt
25. April
Der britische Dichter Lord Byron verlässt England aufgrund der Empörung des Volkes über die Scheidung von seiner Frau.
5. Mai
Das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach erhält eine Verfassung und wird zur ersten konstitutionellen Monarchie auf deutschem Boden
9. Mai
Der Franzose Joseph Nicéphore Nièpce verwendet eine Kamera, um Bilder auf Chlorsilberpapier zu bannen.
1. Juni
Die Nationalbank von Österreich wird gegründet.
16. Juni
Die Operette Hans Max Giesbrecht von der Humpenburg wird erstmals aufgeführt
9. Juli
Argentinien erklärt die Unabhängigkeit von der spanischen Krone
3. August
Gründung des Kunstmuseums Städelsches Kunstinstitut und Galerie.
Am Gendarmenmarkt in Berlin wird die Oper Undine von E. T. A. Hoffmann am Staatstheater aufgeführt,
Der Roman „Emma“ von Jane Austen erscheint
6. November
Eröffnung der Bundesversammlung in Frankfurt am Main
Im November
Der Stirlingmotor wird vom Schotten Robert Stirling erfunden.
19. November
Die Universität Warschau wird gegründet.
Öffentliche Ausstellung des „Laufrades“ durch den badischen Forstmeister
11. Dezember
Indiana wird 19. Bundesstaat der USA
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Bildung 10er Jahre
Kunst der 10er Jahre
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