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Schlager der 20er Jahre

Aus dem 19. Jahrhundert tönten noch die Opern und Operetten ins 20. Jahrhundert herüber, das sich allmählich mit den Ereignissen musikalisch veränderte. Ein Krieg war überstanden, die Zeiten hatten sich wieder etwas gelockert. Gehobene Gesellschaften suchten nach leichtlebiger Ablenkung, nach Ohrwürmern mit einfachen Texten.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Musik einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Rundfunkübertragungen wurden immer häufiger und beliebter, Texte waren simpel und reimten sich, damit sie leicht zu merken waren. Der Schlager war geboren.
 In Österreich und Deutschland hatte insbesondere der Tonfilm einen großen Einfluss auf die Musik. Doch immer noch blieb auch das Bühnenstück Grundtendenz für den Schlager, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreute.
Operetten von beispielsweise Eduard Künneke oder Paul Lincke sorgten in den 20er Jahren für einige der Lieder, die schnell zu klassischen Schlagern gerieten, darunter solche wie „Ich bin nur ein armer Wandersgesell“, „Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft“ oder „Frau Luna“. Der
Inhalt der Lieder war auch gleichzeitig Verweis darauf, das Leben nicht allzu schwer zu nehmen, die eigene Zeit zu genießen, gar das Grübeln abzustellen. Nur hinter dem Lied „Frau Luna“ steckte eine tragisch schöne Liebesgeschichte.
Der Komponist Lincke hatte sich kurz zuvor in die Schauspielerin Ellen Sousa verliebt und besuchte all ihre Vorstellungen. Seine Aufmerksamkeiten beeindruckten die junge Frau, so dass sie bald zu ihm in die Wohnung zog und ihm in Leidenschaft und Liebe zugetan war. Für sie schrieb er das Lied, das sie im Apollo-Theater vortrug.
Bald aber trübte die Beziehung ein Ereignis, das sowohl der Karriere als auch der Liebe Sousas ein Ende setzte. Sie wurde schwanger und musste ihr Bühnenleben abbrechen. Als der gemeinsame Sohn geboren wurde, verlangte Lincke, dass sie ganz im Theater aufhören und sich ihren Mutterpflichten widmen sollte. Sousa weigerte sich, trotz angebotener Eheschließung. Als Lincke von einer Tournee zurückkehrte, hatte sie ihn samt Kind verlassen.
All das ist im leichten Schlager „Frau Luna“ natürlich nicht zu hören. Allerdings verarbeitete Lincke diese Erfahrung dennoch künstlerisch, im Walzer „Verschmähte Liebe“.
Die 20er Jahre waren das „Goldene Zeitalter“. Während der Jazz weltweit Ablenkung von Ersten Weltkrieg bot, der Alkohol floss und die Nächte durchgefeiert und –getanzt wurden, sogar frivole Lieder die Menschen unterhielten, mit Zweideutigkeiten im Text wie „Veronika, der Spargel wächst“, wurde in Deutschland die Lebensfreude und aufkommende Emanzipation mit Liedern von Marlene Dietrich, Fritzi Massary, Otto Reutter, Max Pallenberg, Lilian Harvey oder den „Comedian Harmonists“ ausgelebt. Dazu tanzte man freizügig den Charleston oder Foxtrott. Auch der Skandaltanz „Shimmy“ war angesagt, was sich erst in den 30er Jahren mit dem Regime der Nazis verändert sollte.
Noch war die Welt wieder in Ordnung, und die nächtlichen Stimmungstänze voller Rausch und Ablenkung boten eine Atmosphäre, die auch in die Literatur ihren ganz eigenen Ausdruck gefunden hatte, z. B. in den Romanen von Heinrich Mann.
Populär waren in den 20ern Schlager wie „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ oder „In den Fünfzigern ist alles vorbei“.
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