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Chronik 1896 - Der kürzeste Krieg der Geschichte, Olympische Spiele, Eiskunstlauf-WM


Auch ein kurzer Krieg kann verheerend sein. Der Britisch-Sansibarische Krieg ging als der kürzeste Krieg in die Weltgeschichte ein. Er begann am 27. August 1896 um 9:00 Uhr. Während der nächsten 38 Minuten waren auf sansibarischer Seite 300 Tote und 200 Verletzte zu beklagen. Um 9:38 Uhr war der Krieg beendet. Dieser kurze Krieg forderte auf britischer Seite weder Todesopfer noch Verletzte. Thronstreitigkeiten waren der Auslöser gewesen. Die Briten wollten einen willfährigen Nachfolger für den verstorbenen Sultan Ali ibn Said al-Busaidi (1845-1893). Also „räumten“ sie den Cousin des Verstorbenen, Chakid bin Barghasch al-Busaidi (1874-1927) mit militärischen Mitteln aus dem Weg. Der gab auch schnell auf und bat im deutschen Konsulat um Asyl. Lediglich der Ruhm, als einziger Feudalherrscher versucht zu haben, die britische Kolonialmacht zu stürzen, blieb ihm erhalten. Weil der Krieg so kurz war, wurde er in der britischen Geschichtsschreibung als lächerlich dargestellt. Aus afrikanischer Sicht hatte dieser Kolonialkrieg durchaus eine tragische Bedeutung. Das Jahr 1896 ging aus sportlicher Sicht als ein sehr bedeutendes Jahr in die Geschichte ein. Im April 1896 wurden die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit in Athen ausgetragen. Nachdem der französische Sportfunktionär Pierre de Coubertin (1863-1937) zwei Jahre zuvor, im Jahr 1894, die Gründung eines Olympischen Komitees initiiert hatte, war die Wiederbelebung der antiken Sportspiele beschlossene Sache. Seither finden sie alle vier Jahre statt und seit 1924 kamen die Olympischen Winterspiele dazu. Diese ersten Spiele der Neuzeit waren ein großer Erfolg. Zwar hatten nur rund 250 Athleten teilgenommen, aber dennoch waren sie seit der Antike das größte sportliche Ereignis gewesen. Von Seiten der Griechen kam der Vorschlag, die Sportspiele künftig immer in Griechenland stattfinden zu lassen. Das Internationale Olympische Komitee hielt jedoch am Wechsel zwischen den Ländern fest. Griechenland hatte bei den Spielen 1896 einen neuen Nationalhelden hervorgebracht. Der Langstreckenläufer Spyridon Louis (1873-1940) gewann die Goldmedaille im Marathonlauf, der eigens für die Spiele kreiert worden war. Louis, der Sohn eines Wasserträgers, bekam von seinem Heimatdorf ein kleines Stück Land und eine kleine Rente. Es blieb seine einzige sportliche Veranstaltung. Einen Nachruhm hat er dennoch erlangt, denn zahlreiche Sportstätten in aller Welt tragen seinen Namen. Noch vor der Olympiade hatte in Sankt Petersburg die erste Weltmeisterschaft im Eiskunstlaufen stattgefunden. Sie war zunächst nur für Herren konzipiert. Als Sieger wurde der deutsche Eiskunstläufer Gilbert Fuchs (1871-1952) gefeiert. Diesen Erfolg konnte er 1906 noch einmal wiederholen. Da es keine Regel gab, die die Teilnahme von Frauen verbot, nahm die Britin Madge Syers (1881-1917) im Jahr 1902 an der Herrenkonkurrenz teil und gewann die Silbermedaille. Die Internationale Eislaufunion (ISU) reagierte prompt und seit 1906 gibt es eine eigene Damenkonkurrenz.
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