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Chronik 1893 - Einheits-Uhrzeit in Deutschland, der Diesel-Motor, Winnetou


Die einheitliche Uhrzeit für ganz Deutschland wurde zwar am 1. April 1893 eingeführt, sie war aber durchaus kein Aprilscherz. Die Einführung der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) war notwendig geworden, um unter anderem den Fahrplan der Eisenbahn genau regulieren zu können. Im Deutschen Reich galt vordem die „Berliner Zeit“, also einfach die Ortszeit, die sich nach dem Stand der Sonne richtete. Auf Bahnhöfen und in Telegrafenämtern war ab sofort die neue Uhrzeit abzulesen. Auch die Kirchen wurden angewiesen, ihre Uhren auf die neue Zeit einzustellen. Schließlich sollten die Kinder rechtzeitig in der Schule sein, denn mancherorts machte die Umstellung zwanzig Minuten aus. Bisher war die wahre Ortszeit gleichzusetzen mit der wahren Sonnenzeit des jeweiligen Standortes. Nun galt für alle Orte von „Aachen bis Königsberg“ dieselbe Uhrzeit. In demselben Jahr 1893 erhielt der deutsche Ingenieur Rudolf Diesel (1858-1913) ein Patent auf „Arbeitsverfahren und Ausführungsart für Verbrennungskraftmaschinen“. Damit gab der Erfinder dem Dieselmotor seinen Namen. Eingereicht hatte Rudolf Diesel im Vorjahr ein Patent auf eine „Neue rationelle Wärmekraftmaschine“, auf die er dann den angeführten Schutz erhielt. Dieses erste Patent hatte aber nicht die Beschreibung des heutigen Diesel-Prinzips zum Inhalt. Für eine Modifikation davon bekam er im November 1893 dann ein zweites Patent. Es bedurfte keines Patentes, als in Neuseeland im September das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Das Land war damit der erste Staat der Neuzeit, der dieses Bürgerrecht uneingeschränkt den Frauen zugestand, wofür in anderen Ländern noch lange Zeit gekämpft werden musste, bis dieses Recht verwirklicht wurde. Aus dem Königreich Sachsen etablierte sich ein Mann auf dem literarischen Markt, der als einer der produktivsten Autoren von Abenteuerromanen seinen Ruf für die Nachwelt manifestieren konnte – Karl May (1842-1912). Heute noch ist er einer der am meisten gelesenen Schriftsteller, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Der UNESCO zufolge ist Karl May auch der am häufigsten übersetzte Schriftsteller deutscher Sprache. Die Auflagen seiner Werke werden in Millionen gezählt. Mit seinem Namen verbindet sich auch der Name „Winnetou“. In jenem Jahr 1893 erschienen die ersten drei Bände „Winnetou“. Die Titelgestalt aus dem Wilden Westen ist ein fiktiver Häuptling der Mescalero-Apachen. Winnetou ist der personifizierte Gut-Indianer, der für Frieden und Gerechtigkeit kämpft und der seinen weißen Blutsbruder Old Shatterhand an seiner Seite hat. Populär waren die Geschichten zur Zeit ihres Erscheinens, die Verfilmungen der Neuzeit taten zudem ein Übriges, um die edlen Protagonisten am Leben zu erhalten.
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