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Chronik 1898 - Ermordung der Kaiserin Sisi, Pierre und Marie Curie, Edeka


Als die Volksoper Wien zum 50-jährigen Thronjubiläums des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. (1830-1916) das Stadttheater unter dem Namen Kaiser-Jubiläums-Stadttheater im Dezember 1898 eröffnete, blieb der Kaiser selbst dieser Zeremonie fern. Die Ermordung seiner Gemahlin, der Kaiserin Elisabeth (1837-1898), die auch als Sisi bekannt wurde, lag erst drei Monate zurück. Die Kaiserin war am 10. September mit ihrer Hofdame auf dem Weg zum Dampfer am Genfersee gewesen, als der italienische Anarchist Luigi Lucheni (1873-1910) auf sie zustürzte und ihr mit einer Feile einen Stich ins Herz versetzte. Die Wunde war 85 cm tief, blieb zunächst unbemerkt, aber schließlich erlitt die Kaiserin mehrere Ohnmachtsanfälle und erlag am selben Nachmittag ihrer Verletzung. Lucheni hatte seiner eigenen Armut wegen und der der unteren Schichten einen solchen Hass auf die Obrigkeit entwickelt, dass er in allen Monarchen und Fürsten nur noch lästige Parasiten sah. Er hatte es sich zum Ziel gesetzt, einen von ihnen zu ermorden und damit die Öffentlichkeit zu schockieren. Das war ihm gelungen. Kurz nach dem Übergriff, wurde Lucheni von Passanten der Polizei übergeben. Er ließ sich voller Stolz abführen. Zwei Monate später wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Lucheni selbst hatte die Todesstrafe für sich gefordert, weil er einen letzten öffentlichen Auftritt wollte, um dann als Märtyrer in die Geschichte der Anarchistenbewegung einzugehen. Die Todesstrafe war im Kanton Genf abgeschafft worden und eine Auslieferung nach Italien wurde ihm verweigert. Im Gefängnis erhängte er sich schließlich einige Jahre später. Sein Attentat zog noch im Jahr 1898 die „Internationale Konferenz von Rom für die soziale Verteidigung gegen Anarchisten“ nach sich. In Paris hatten unterdessen die beiden Physiker, das Ehepaar Pierre (1859-1906) und Marie Curie (1867-1934) epochale Forschungsergebnisse erreicht. Sie berichteten im Juli 1898 über die Entdeckung des Poloniums und dessen Aktivität, die etwa 100 Mal größer ist als die des Urans. Das Ehepaar Curie entdeckte im selben Jahr gemeinsam mit dem französischen Chemiker Gustave Bémont (1857-1937) das Radium. Dessen Aktivität ist zehn Millionen Mal so groß wie die des Urans. Ihre Entdeckung gaben Pierre und Marie Curie am 26. Dezember bekannt. Für die Strahlung von Uranverbindungen prägte Marie Curie den Begriff „radioaktiv“. Mit ihren Forschungen ging das Ehepaar Curie in die Geschichte ein. Marie Curie wurde die erste Frau an der Pariser Sorbonne, die einen Lehrstuhl hatte. Etwas ganz anderes entwickelte sich auf wirtschaftlicher Ebene. Im Berlin Stadtteil Hallesches Tor, formierte sich durch den Zusammenschluss von 21 Einkaufsvereinen aus dem gesamten Deutschen Reich eine Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler – die Edeka-Gruppe.
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