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Chronik 1880 - Die Nordostpassage, der Duden und der Kölner Dom

Für die Menschen in Stockholm war der 24. April 1880 ein ganz besonderer Tag. Der Seefahrer Adolf Erik Nordenskiöld (1832-1901), der von der ersten erfolgreichen Durchfahrung der Nordostpassage auf seinem Schiff „Vega“ zurückkehrte, wurde mit großem Jubel empfangen. Die Stadt bereitete ihm einen triumphalen Empfang. In allen Häusern am Hafen waren Lichter und Fackeln angezündet, so dass das Schiff in ein Lichtermeer zu gleiten schien. Nordenskiöd war im 1878 aufgebrochen und von Göteborg aus über Sibirien entlang der Nordküste gefahren. Die „Vega“ hatte Sibirien trotz vieler Gefahren umfahren, bis sie dann Ende September nordwestlich der Beringstraße einfror. Die Reise konnte erst am 18. Juli 1879 fortgesetzt werden. Der Seeweg im Nordpolarmeer, den Nordenskiöld bezwungen hatte, war rund 6.500 Kilometer lang. Doch bei diesem enthusiastischen Empfang waren die Strapazen sicher mit einem Schlag vergessen. Der Held des Tages war nicht nur ein Abenteurer. Nordenskiöld war auch Kartograph und hatte schon mehrere Schiffsreisen unternommen. Doch die Nordostpassage war die, für die ihn der schwedische König Oskar II. (1829-1907) in den Freiherrenstand für seine große Leistung erhob. Der Bericht über seine weltbewegende Reise wurde zeitgleich in mehreren Sprachen publiziert. Die Leistung, mit der sich der preußisch-deutsche Gymnasiallehrer, Philosoph und Lexikograf Konrad Duden (1928-1911) der Nachwelt ins Gedächtnis brannte, war ebenso epochal. Noch heute trägt sein Werk, das am 7. Juli 1880 erstmals veröffentlicht wurde, seinen Namen. Gemeint ist der „Duden“. Nach rund 30-jähriger Arbeit erschien in Leipzig das „Vollständige Orthographische Wörterbuch der deutschen Sprache“. Dieses Nachschlagewerk, das heute durch zahlreiche Neuausgaben immer wieder auf den neuesten Stand gebracht wird, ist ein unverzichtbares Nachschlagewerk geworden. In jenem Jahr 1880 wurde nach mehreren Jahrhunderten auch ein Bauwerk fertig gestellt, ohne das Köln nicht denkbar wäre – der Kölner Dom. Der Bau an diesem gotischen Wahrzeichen der Stadt hatte im Jahr 1248 begonnen. Die Kathedrale von Amiens in Frankreich war das Vorbild für den Kölner Dom. Im Unterschied zu der französischen Kathedrale ist der Dom jedoch fünfschiffig und nicht dreischiffig gebaut worden. Die Bauarbeiten gingen nicht kontinuierlich voran. Zwischenzeitlich gab es Baustopps, die untern anderem durch die immense Finanzierung bedingt waren. Im 18, Jahrhundert erfolgte eine zunehmend barocke Umgestaltung des Raumes. Zudem war der halbfertige Dom durch die französische Besatzung Kölns stark beschädigt worden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Arbeiten dann weiter vorangetrieben. Zu den treibenden Kräften hatte unter anderem der Hochschullehrer und katholische Publizist Joseph Görres (1776-1848) gehört, der sich sehr für die Vollendung des Mammut-Bauwerkes eingesetzt hatte. Seit 1823 wurde nicht nur weiter am Kölner Dom gebaut, sondern auch bereits mit ersten Restaurierungsarbeiten begonnen. Ab 1833 wurde der Architekt Ernst Friedrich Zwirner (1802-1861) zum Dombaumeister berufen. Für die Fertigstellung der Fassade der Südseite hatte Zwirner in Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) einen sehr fähigen Kollegen. Drei Tage lang feierte man in Köln die 600. Wiederkehr der Grundsteinlegung, im Jahr 1863 war das Innere des Doms fertig. Dann wurde an der Westfassade weitergebaut. Die Vollendung des Kölner Doms am 15. Oktober 1880 wurde mit einem großen Fest begangen. Für Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) war dieses Ereignis Grund für öffentliche Repräsentationen. Die Vollendung des Kölner Doms war für ihn ein Element zur Identifikation mit dem neun Jahre zuvor gegründeten Deutschen Reich. Allerdings war noch nicht alles im Land in schönster Ordnung. Der amtierende Erzbischof Paulus Melchers (1813-1895) befand sich noch in der Verbannung, das Domkapitel und zahlreiche Bürger der Stadt nahmen nicht am Empfang des Protestanten-Kaisers teil und außerdem war der Kulturkampf trotz eines neuen Papstes noch nicht vollständig ausgetragen, auch wenn das informell so verkündet worden war. Zudem war die Spitze des Doms noch eingerüstet. Der Abbau begann erst im Frühjahr des Folgejahres. An der Größe des grandiosen Bau-Ereignisses änderte das alles nichts. Köln hatte seinen Dom und eine beeindruckende Skyline.
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Ereignisse & Schlagzeilen 1880
Im. Januar
Der Erfurter Carl von Thieme, dessen Vater Direktor bei der Thuringia war, gründet mit Unterstützung durch Wilhelm von Finck (Teilhaber des Bankhauses Merck Finck & Co) die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft.
20. Januar
Nach einem Erdbeben taucht im See der Caldera Ilopango in San Salvador eine Insel auf.
27. Januar
Thomas Alva Edison erhält das US-Patent Nummer 223898 auf seine Erfindung einer besseren Glühlampe.
31. Januar
Uraufführung des phantastischen Dramas Elda von Alfredo Catalani am Teatro Regio in Turin
Im Februar
Zusammenschluss der Firmen Straub & Sohn und Ritter & Co zur WMF-Aktiengesellschaft.
14. März
Durch den Zusammenschluss mehrerer lokaler Hilfsvereine entsteht die Österreichische Gesellschaft vom Rothen Kreuze. Kaiser Franz Joseph I. unterschreibt die Gründungsurkunde und übernimmt gemeinsam mit seiner Gattin Sissi die Schirmherrschaft über die neue Organisation.
31. März
Wabash, Indiana, ist der erste komplett mit einer elektrischen Straßenbeleuchtung ausgestattete Ort.
7. Juni
Die Festung auf dem Berg El Morro in der peruanischen Hafenstadt Arica wird im Salpeterkrieg von den Chilenen erobert.
28. Juni
Der australische Outlaw und Volksheld Ned Kelly wird in Glenrowan, Victoria gefasst.
29. Juni
Frankreich zwingt König Pomaré V. von Tahiti zur Abdankung und gliedert die Insel in Französisch-Polynesien ein.
Im Juli
Weltausstellung in Melbourne
7. Juli
Konrad Duden gibt in Leipzig den 1. Duden, das „Vollständige Orthographische Wörterbuch der deutschen Sprache“  heraus.
3. Juli
Thomas Edison gründet das Magazin Science.
14. Juli
Kulturkampf: Das Brotkorbgesetz wird aufgehoben und die Bischöfe werden vom Eid auf preußische Gesetze befreit.
27. Juli
Britische Truppen werden von Afghanen in der Schlacht von Maiwand besiegt.
Im September
Bürgerkrieg in Argentinien
27. September
Bei Beobachtungen im Sternbild Walfisch findet Ernst Wilhelm Leberecht Tempel die Galaxien mit der späteren Bezeichnung NGC 114, NGC 118 und NGC 123.
30. September
Henry Draper gelingt die erste Fotografie des Orionnebels.
15. Oktober
Vollendung des Kölner Doms
16. Oktober
Der Raddampfer Alpena verschwindet auf dem Michigansee in einem schweren Sturm, der als „The Big Blow“ bekannt wird. Niemand der 80 Menschen an Bord überlebt; die genauen Umstände des Unglücks bleiben ungeklärt.
30. Oktober
Tegucigalpa wird endgültig Hauptstadt von Honduras.
Im November
Der Zweite Anglo-Afghanischer Krieg endet.
Die sozialistische Partei in Frankreich wird gegründet.
6. November
Der französische Militärarzt Charles Louis Alphonse Laveran entdeckt in einer Blutprobe den Malariaerreger Plasmodium falciparum.
11. November
Der verurteilte australische Straßenräuber Ned Kelly stirbt im Gefängnis Old Melbourne Gaol am Galgen.
30. November
Uraufführung der Oper Névtelen hősök (Anonyme Helden) von Ferenc Erkel in Budapest
Im Dezember
Der Bodensee ist komplett zugefroren.
Erhebung der Buren von Transvaal gegen die britische Herrschaft
Ein schweres Erdbeben erschüttert Kroatiens Hauptstadt Zagreb.
Böcklin malt die erste Version der Toteninsel
12. Dezember
Uraufführung der Oper Don Rodrigue von Georges Bizet in Paris
Gründung der National Gallery of Canada
16. Dezember
Die Burenrepublik Transvaal wird ausgerufen.
28. Dezember
Der HAPAG-Dampfer „Thuringia“ eröffnet eine direkte Linie zwischen Hamburg und Mexiko.
Ungewöhnlich hohes Hochwasser unterspült das Flussufer im Hafen von Bremen, dadurch stürzen 170 m Kaimauer ein, und Lagerschuppen werden beschädigt bzw. zerstört.