Was war wann? 1600 >> Das Jahr 1654
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Chronik 1654 - Der Delfter Donnerschlag und die Magdeburger Halbkugeln

Kaum war er auf dem Thron, da starb im Heiligen Römischen Reich Ferdinand IV. (1633-1654) an den Pocken. Sein jüngerer Bruder, Leopold I. (1640-1705) wurde dessen alleiniger Erbe der Habsburger Erblande und trat im Jahr 1954 die Nachfolge auf dem Thron an. In Frankreich, wo seit 1651 der junge Ludwig XIV. (1638-1715) für volljährig erklärt worden war, erfolgte nun die in der Kathedrale von Reims dessen Krönung und Salbung. Mit dieser Zeremonie war es für jeden ersichtlich, dass die Ordnung im Königreich wieder hergestellt war. Die Krönung mit ihrem gesamten Prunk und Glanz sollte den Menschen bewusst machen, dass nun wieder ein Symbol in der Person des Königs für Kontinuität stand, worüber natürlich der Schutz Gottes waltete. So geschehen am 7. Juni 1654. Mit diesem Zeichen ging auch die Niederschlagung der Fronde, der Aufständische gegen die Royalisten, zu Ende. In deutschen Landen machte ein Politiker, Jurist, Erfinder und Physiker von sich reden – Otto von Guericke (1620-1686). Bekannt wurde er vor allem durch seine wissenschaftliche Hauptleistung, die Begründung der Vakuumtechnik. Er hatte bereits 1649 die Kolbenvakuumluftpumpe erfunden, konnte nachweisen, dass wohl Licht den luftleeren Raum zu durchdringen vermag, nicht aber der Schall. In jenem Jahr 1654 demonstrierte Guericke auf dem Reichstag in Regensburg mit den „Magdeburger Halbkugeln“ die Existenz der Erdatmosphäre und zeigte die Wirkungen von Luftdruck und Vakuum. Das Experiment hat Guericke zwei Jahre später in Magdeburg wiederholt. Dieses Experiment, das er spektakulär mit zwei Pferden vorführte, hat bis in die Gegenwart Eindruck hinterlassen, so dass es sich auch heute noch die Otto-von-Guericke-Gesellschaft nicht nehmen lässt, es zu zeigen. Mit diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen geriet Guericke nicht mit den Kirchenoberen in Konflikt. Die Wissenschaft nahm ohnehin immer mehr Raum ein und die Forschungen waren auf keinem Gebiet aufzuhalten. Auch nicht in Florenz, wo man 1654 mit der regelmäßigen Messung und Aufzeichnung der Lufttemperatur begonnen hatte, womit wiederum eine Grundlage für weitere Forschungen gelegt worden war. Nur den berühmten Delfter Donnerschlag konnte die Wissenschaft noch nicht sofort erklären. Während die Menschen in Delft in ihrer tiefen Frömmigkeit glaubten, dass sich die Tore der Hölle geöffnet hätten und sie sich mit dem Zorn Gottes konfrontiert sahen, war auf ganz natürliche Weise ein Munitionslager explodiert. Allerdings hatte die Explosion eines Pulverturms einen verheerenden Schaden angerichtet und die Detonation war bis zu der 150 Kilometer entfernten Insel Texel zu hören gewesen. Mehr als tausend Menschen kamen ums Leben, ein Viertel des Ortes wurde zerstört und es gab zahlreiche Verletzte. Eine Katastrophe riesigen Ausmaßes, die die bis dahin schwerste ihrer Art in den Niederlanden gewesen war.
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