Was war wann? 1900 >> Das Jahr 1651
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Chronik 1651 - Englische Philosophie und ein neuer König ohne Königreich

Für Karl II. (1630-1685), der zu Jahresbeginn zum König von Schottland gekrönt wurde, war es kein gutes Jahr. In Schottland fand er zwar die nötige Unterstützung, um gegen den Lordprotektor Oliver Cromwell (1599-1658) vorzugehen, der Karls Vater, König Karl I. (1600-1649), am 30. Januar 1649 wegen Hochverrats hatte köpfen lassen. So war der Englische Bürgerkrieg zunächst zu Ende gewesen, aber die Unruhen hatten nicht aufgehört. Nun versuchte Karl II. gegen Cromwell vorzugehen, was allerdings scheiterte. Die Schlacht bei Worcester, die dem jungen König von Schottland eine schwere Niederlage einbrachte, zwang ihn zur Flucht, zumal das englische Parlament ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt hatte. Alle, die ihm bei der Flucht halfen, wurden mit dem Tode bestraft. Sechs Wochen lang irrte Karl durch England, bis es ihm im Oktober endlich gelang, in Fécamp in der Normandie zu landen. Er begab sich weiter nach Den Haag. Er war zwar König von Schottland, musste aber im Exil leben und hatte kein eigenes Königreich, also auch keine Einnahmen, was chronischen Geldmangel zur Folge hatte. Obwohl er durch seine Mutter mit dem französischen Hof und durch seine Schwester mit dem holländischen Hof verwandt war, gelang es ihm nicht, genügend Geld aufzutreiben, um eine Armee gegen Cromwell zusammenzustellen, die schlagkräftig und wirkungsvoll genug gewesen wäre, um gegen ihn vorzugehen. Aus England kamen in jenem Jahr aber nicht nur schlechte Nachrichten. Im Gegenteil. Der englische Philosoph Thomas Hobbes (1588-1679), der auch Mathematiker war, veröffentlichte seine staatstheoretische Schrift „Leviathan“, die das Hauptwerk seines Schaffens war und die eines der bedeutendsten Werke der westlichen politischen Philosophie darstellte. Sie gehörte zu den theoretischen Grundlagen der neuzeitlichen Politikwissenschaft. Thomas Hobbes entwickelte in seinem Werk eine Theorie des Absolutismus, mit der er als Begründer des „aufgeklärten Absolutismus“ in die Geschichte einging. Selbst Karl II., der König von Schottland, den Hobbes in Paris in Mathematik unterrichtet hatte, verübelte dem Philosophen seine Argumentation einer de facto souveränen Regierung zu einer Zeit, in der in London der Puritaner Cromwell diktatorisch regierte, ihm selbst eine Niederlage und seinem Vater den Tod beigebracht hatte. Hobbes musste in Frankreich Verfolgung befürchten, so dass er in jenem Jahr 1651 nach England zurückkehrte, sich mit dem Cromwell-Regime arrangierte und seine Hauptschrift „Leviathan“ herausgeben konnte. Allerdings wurde er auch in England für sein Werk angefeindet, blieb jedoch von der Staatsmacht weitgehend unbehelligt. Wahrscheinlich lag es daran, dass er für die Kirchenverfassung eintrat, die von Cromwell und dessen Brüdern favorisiert wurde.
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