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Chronik 1856 - Das Victoria-Kreuz, Ende des Krimkrieges, die Anhebung Chicagos

Seit 1853 hatte der Krimkrieg die europäischen Mächte beschäftigt. Nun wurde durch den „Dritten Pariser Frieden“ dem gewalttätigen Konflikt am 30. März 1856 ein Ende gesetzt. Da auch Großbritannien in den Krieg verwickelt gewesen war, stiftete die britische Königin Victoria (1819-1901) ihren Soldaten das Victoria-Kreuz. Damit wollte sie Soldaten auszeichnen, die sich im Krimkrieg durch besondere Leistungen und große Tapferkeit hervorgehoben hatten. Der Monarchin war Krieg als politisches Mittel zuwider. Stets zeigte sie persönliche Anteilnahme an dem Schicksal ihrer Soldaten. Um sie zu unterstützen und wenigsten ein äußeres Zeichen zu setzen, nahm die Königin im März 1856 erstmals an einem Manöver teil. Und anlässlich einer Truppenparade, die im Hyde-Park stattfand, verlieh sie am 26. Juni jenes Jahres ihren Krim-Veteranen die ersten Victoria-Kreuze. Königin Victoria war der Ansicht, dass man eine Tapferkeits-Medaille brauche, die ohne Ansehen von Rang verliehen werden konnte. Der siegreiche Friedensschluss veranlasste Henry John Temple, Lord Palmerston (1784-1865) dazu, der Königin dafür zu danken, dass die Aufgabe, die er und seine Kollegen zu erfüllen hatten – Palmerston war seit 1855 Premierminister – durch die erleuchteten Ideen der Majestät in allen großen Angelegenheiten leicht gemacht wurde. Hatte die Königin zu Beginn ihrer Amtszeit die Arbeit Palmerstons noch in weiten Teilen missbilligt, so hatte sich die Beziehung zwischen ihm und dem Hof inzwischen merklich entspannt. Die Herrscherin und ihr Premierminister begannen sich wertzuschätzen und näherten sich politisch einander an. Nur politisch. Im fernen Russland fand im selben Jahr 1856 die Krönung und Salbung des „Befreier“-Zaren Alexander II. (1818-1881) statt. In der französischen Hauptstadt wurde im April die „Deklaration von Paris“ veröffentlicht, in der Piraterie international als illegal geächtet wurde. In dieser Deklaration über das Seerecht war offiziell die Abschaffung des Kaperns bzw. entern fremder Schiffe beschlossen worden. Außerdem sah die „Deklaration von Paris“ vor, dass die neutrale Flagge eines Schiffes auch dessen feindliche Ladung schützte und dass neutrale Ladung an Bord feindlicher Schiffe nicht eingezogen werden dürfe. Die Erklärung gilt als der erste multilaterale Vertrag zum Prisenrecht. (frz. prise „Wegnahme“). Spektakulär war, was in einer US-amerikanischen Stadt geschah. Dort begann die Anhebung von Chicago. Die Stadt lag durchschnittlich nur ungefähr 5 Fuß (1,5 m) über dem Michigansee. Südlich und nördlich des Ausläufers des Chicago Rivers war die Oberfläche zwischen knapp unter und über 3-4 Fuß (ca. 1 m) über dem Spiegel des Sees. Im Westen von Chicago waren es 10-12 Fuß (3 bis 3,6 m). Dort war im 19. Jahrhundert jahrelang nur wenig oder kein natürlicher Abfluss von der Oberfläche möglich gewesen. Das sumpfige Fundament, auf dem Chicago stand, hatte zur Folge, dass das stehende Wasser gärte und Epidemien verursachte. Sechs Jahre hintereinander war Chicago von Typhus, Dysenterie und Cholera heimgesucht worden. Dem letzten Cholera-Ausbruch von 1854 waren mehr als 1.400 Menschen zum Opfer gefallen. Nachdem 1855 ein Gesetz zur Einsetzung einer Abwasserkommission verabschiedet worden war, wurde in jenem Jahr 1856 vom Stadtrat beschlossen, im Zuge eines stadtweiten Abwassersystems die Stadt schrittweise anzuheben. Abläufe wurden gelegt, Straßen und Gehwege wurden mit Erde und neu aufgebaut. Nach und nach, in einem Zeitraum von insgesamt zwanzig Jahren, entstand so eine Stadt auf zwei Ebenen. Im Jahr 1858 kam es dann sogar zur Anhebung von Backsteingebäuden. Letztlich war die Anhebung von Chicago eine gewaltige technische Leistung, mit der zwar nicht alle einverstanden gewesen waren, aber rechtliche Schritte dagegen blieben erfolglos.
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Ereignisse & Schlagzeilen 1856

Januar 1856

1. Januar
Jakob Stämpfli wird Bundespräsident der Schweiz.
5. Januar
In einem Ferman des türkischen Sultans werden die Konzession für Bau und Betrieb des Sueskanals und die Genehmigung zur Gründung einer Aktiengesellschaft hierfür erteilt.
8. Januar
Der Chemiker John Allen Veatch entdeckt das erste Borax-Vorkommen in den Vereinigten Staaten.

Februar 1856

Im Februar
Shogun Tokugawa Iesada wird auf Betreiben des Daimyo von Satsuma, Shimazu Nariakira, mit Atsuhime (der späteren Tenshōin) verheiratet.
1. Februar
Der Kammermusiker Tröstler gründet in Dresden ein privates Konservatorium, aus dem die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber hervorgeht.

März 1856

Im März
Claude Bernard entdeckt Glycogen in der Leber eines Säugetiers.
21. März
Die Steinmetze im australischen Bundesstaat Victoria setzen den ersten Achtstundentag für männliche Industriearbeiter durch.
21. März
Irische und belgische Kapitalgeber ermöglichen die Gründung der Steinkohlenzeche Shamrock in Herne.
30. März
Der Dritter Pariser Frieden wird unterzeichnet, der Krimkrieg ist damit beendet.

April 1856

Im April
William Henry Perkin synthetisiert den Farbstoff Mauvein durch Oxidation von Anilin mit Kaliumdichromat.

16. April
Piraterie wird in der Deklaration von Paris international als illegal verurteilt.

Mai 1856

Im Mai
Erste Erdölbohrungen führt Ludwig Meyn in Deutschland durch.
12. Mai
Gründung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI)

Juni 1856

6. Juni
In Portugal findet ein Regierungswechsel statt. König Peter V. entlässt den Herzog von Saldanha als Ministerpräsidenten und ernennt den Herzog von Loulé zu seinem Nachfolger.
12. Juni
Diee Operette La Rose de Saint-Flour von Jacques Offenbach wirs am Théâtre des Bouffes-Parisiens in Paris zum ersten Mal aufgeführt.

Juli 1856

29. Juli
Der Komponist
Robert Schumann stirbt. 

August 1856

7. August
Das Gefecht von Tres Forcas zwischen preußischen Marineeinheiten und dem Berberstamm der Rifkabylen findet statt
8. August
Die Operette Deux Vieilles Gardes von Léo Delibes wird am Théâtre des Bouffes-Parisiens in Paris uraufgeführt.
10. August
Ein Hurrikan richtet in Louisiana schwere Schäden an. Allein bei der Überspülung von Last Island kommen über 200 Menschen ums Leben.
16. August
Der Kongress der Vereinigten Staaten beschließt den Guano Islands Act.
2. September
Der Schweizer Kanton Neuenburg erlebt einen Putschversuch von Royalisten. Sie wollen den preußischen König wieder als Landesherrn haben.
13. Dezember
Preußen bricht die diplomatischen Beziehungen zur Schweiz wegen des Streits um das Fürstentum Neuenburg ab und ordnet die Mobilmachung von Truppen an. Erst im Vertrag von Paris wird der Neuenburgerhandel beigelegt.
28. Dezember
Britische und französische Schiffe beginnen im Zweiten Opiumkrieg vom Perlfluss aus Kanton zu beschießen.
1. Oktober
Gustav Langenscheidt gründet in Berlin den gleichnamigen Verlag, der heute unter Langenscheidt KG firmiert.
28. Oktober
Lissabon erlebt die Eröffnung der ersten portugiesischen Eisenbahnlinie nach Carregado.
4. November
In Galatz beginnt die erste Donaukonferenz der europäischen Mächte, welche über Fragen des Schiffsverkehrs auf der Donau berät und die Kommission der Donau-Uferstaaten ins Leben ruft.
6. Dezember
Der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen wird gegründet.
25. August
In Montevideo eröffnet das im Stil des historischen Eklektizismus erbaute Teatro Solís.
12. November
Uraufführung der Operette Six Demoiselles à marier von Léo Delibes am Théâtre des Bouffes-Parisiens in Paris
Im September
Harriet Beecher Stowes zweiter Roman Dred; a tale of the great Dismal Swamp erscheint.
Im Oktober
Erstes datiertes Schattenspiel mit Scherenschnitten von Adolf Tannert
In der Pariser Zeitschrift "La Revue de Paris" erscheint Gustave Flauberts Roman Madame Bovary

6. Dezember
Gründung des Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen
24. September
Der amerikanische Raddampfer Niagara sinkt auf dem Michigansee wenige Meilen vor Port Washington nach einem Brand. 60 bis 70 Passagiere sterben bei dem Unglück.
2. November
Der französische Passagierdampfer Lyonnais kollidiert bei Nantucket mit einer Bark und sinkt am darauf folgenden Tag. 130 der 146 Menschen an Bord sterben.