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Chronik 1852 - „Frauen und Kinder zuerst!“, Meßmers Tee, 1. Luftschiff, die Schachpartie

Nachdem im März 1852 der Präsident Charles-Louis-Napoleon Bonaparte (1808-1873) in Frankreich die Strafarbeit in Bagnos augehoben hatte und verurteilte Strafgefangene nun stattdessen zur Arbeit in Strafkolonien deportiert wurden, führte wenige Monate später ein Plebiszit zur Einführung des Kaiserreiches in Frankreich. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung beantwortete das Plebiszit mit „ja“. Nun waren es nur noch wenige Tage, bis am 2. Dezember 1852 der französische Präsident Charles-Louis-Napoleon Bonaparte zum Kaiser Napoleon III. gekrönt wurde. In einigen deutschen Städten war inzwischen die Einwohnerzahl derart gestiegen, dass sie die 100.000-Grenze überschritt. Immerhin durften sich danach Städte wie Dresden, Köln und München bereits im Jahr 1852 als Großstädte bezeichnen. Wenn Baden-Baden auch keine Großstadt war, so machte sich diese Stadt dennoch einen großen Namen. Die Gründung eines Ladens mit Kolonialwaren hat vielleicht dazu beigetragen. Den gründete nämlich 1852 der deutsche Unternehmer Eduard Meßmer (1824-1910). Er eröffnete am 21. September ein Delikatessen- und Kolonialwarengeschäft. In diesem Geschäft bot er unter anderem verschiedene Teesorten an. Wenige Jahre später wurde Eduard Meßmer Hoflieferant des Preußenkönigs Wilhelm I. (1797-1888) und dessen Gemahlin Augusta (1811-1890). Aus Meßmers kleinem Laden entwickelte sich das Teehandelsunternehmen Meßmer, dessen geschützte Marke „Meßmer Tee“ noch heute ein Begriff ist. Ebenfalls heute noch ist der Satz „Frauen und Kinder zuerst!“, der bei Katastrophen wie Schiffsunglücken verwendete wird. Seinen Ursprung hat der Satz im Jahr 1852, als im Februar der der Truppentransporter der Royal Navy, „Birkenhead“, vor der Küste Südafrikas sank. Dort wurde er nämlich erstmals benutzt. Der bis dahin gebräuchliche Ruf „Jeder für sich!“ war mit dem neuen Satz abgelöst worden und wird seither benutzt. Bei der Schiffskatastrophe der „Birkenhead“ überlebten nur 193 von 643 Menschen den Untergang. Unfallfrei dagegen gelang die erste Fahrt des Luftschiffes, das Henri Giffard (125-1882) gebaut hatte. Der französische Ingenieur und Luftfahrtpionier stützte sich dabei besonders auf die Dampfkraft. Bereits im Vorjahr hatte er ein Patent auf die „Anwendung des Dampfes in der Luftschifffahrt“ angemeldet. Das Luftschiff, das er zusammen mit zwei Jungingenieuren mit einer Länge von 44 Metern und einer Breite von 12 Metern gebaut hatte, hob im September 1852 zum ersten Mal ab. Es hatte 2.500 Kubikmeter Gas gefasst und Giffard flog von Paris nach Trappes, einer kleinen Gemeinde im Umland von Paris, die etwa 27,5 Kilometer entfernt liegt. Die Geschwindigkeit hatte 8 km/h betragen. Dieser Flug gilt als der erste bemannte motorisierte Flug in der Geschichte. So hoch hinaus gelangten andere nicht, konnten sich aber dennoch einen berühmten Platz in der Geschichte sichern. Zum Beispiel Adolf Anderssen (1818-1879). Er war ein deutscher Schachmeister und einer der stärksten Schachspieler des 19. Jahrhunderts. Anderssen spielte nur während der Ferien. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Professor für Mathematik und deutsche Sprache am Breslauer Friedrichs-Gymnasium. Sein Spiel gegen den deutschen Schachmeister Jean Dufresne (1829-1893) aus Berlin ging in die Annalen der Schachgeschichte als „Immergrüne Partie“ ein. Dort wurde diese Partie auch gespielt. Sie wurde wegen ihrer glänzenden Schlusskombination vielfach publiziert. Wenn auch Anderssen als Sieger aus der Partie hervorgegangen war, so war doch Dufresne immerhin in der Lage gewesen, es mit dem berühmten Anderssen aufzunehmen.
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