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Chronik 1805 - Ein Webstuhl löste die Industrielle Revolution aus

Mit dem Einmarsch der österreichischen Truppen in Bayern, der zwei Wochen später die Kriegserklärung Frankreichs an Österreich auslöste, nahm der Dritte Koalitionskrieg Formen an. Im September 1805 überquerte Napoleon Bonaparte (1769-1821) mit seiner Armee den Rhein. Im November nahmen die französischen Truppen Wien kampflos Wien ein. Obwohl es Napoleon nicht gelang, eine Vereinigung russischer und österreichischer Truppen zu verhindern, gewann er kurz darauf die „Dreikaiserschlacht bei Austerlitz“ gegen die Österreicher unter Kaiser Franz II. (1768-1835) und gegen die Russen unter Zar Alexander I. (1777-1825). Darauf folgte im Dezember der „Vertrag von Schönbrunn“, in dem die Gebietsveränderungen zwischen Preußen und Frankreich geregelt wurden. Eine Einigkeit zwischen Österreich und Frankreich wurde im „Frieden von Pressburg“ festgemacht. Napoleon konnte sich im Jahr 1805 noch über etwas ganz anderes freuen, denn in Paris stellte Joseph-Marie Jacquard (1752-1834) eine durch Lochkarten gesteuerte Webmaschine vor. Diese gilt – aus heutiger Sicht – als ein entscheidender Auslöser der Industriellen Revolution. Napoleon war derart begeistert über diese Neuerung, dass er Jacquard eine lebenslange Rente zur Belohnung zusprach. Für Jacquard allerdings war die Automatisierung der Textilindustrie letztendlich zunächst schwierig, da er durch den Widerstand der Zünfte angegriffen wurde. Erst als England die Jacquard-Webstühle einzusetzen begann, begann man auch in Frankreich mit deren Verwendung. Nachhaltig war auch die Komposition, die Ludwig van Beethoven () am 7. April 1805 im Theater an der Wien zur Uraufführung brachte – die 3. Sinfonie, der er den Namen „Eroica“ gab. Als junger Mann war Beethoven – wie viele andere auch – ein begeisterter Anhänger der Französischen Revolution und später auch Napoleons gewesen. Die Freiheitsideen und die Gesetzgebung, den „Code Civil“, der als „Code Napoleon“ in die Geschichte einging und noch immer Gültigkeit hat, hatten sich in Europa schnell verbreitet. Damals war Napoleon noch mit dem griechischen Titanen Prometheus verglichen worden. Beethoven hatte seine 3. Sinfonie ursprünglich diesem Manne gewidmet. Als dieser sich aber selbst zum Kaiser macht, war Beethoven so enttäuscht, dass er die Widmung zurücknahm. Ein Jahr später betitelte er sie als „Sinfonie, komponiert um das Andenken eines großen Mannes zu feiern“. Sie war nun eine „Heroische Sinfonie“, die „Eroica“. Während Beethoven mit der fortschreitenden Gehörlosigkeit zu kämpfen hatte, hatte in Weimar Friedrich Schiller (1759-1805) am 9. Mai seine literarische Feder für immer aus der Hand gelegt. Mit Johann Wolfgang von Goethe (1747-1832), Johann Gottfried Herder (1744-1803) und Christoph Martin Wieland (1733-1813) bildete Schiller das Viergestirn der Weimarer Klassik. Seine Theaterstücke gehören zum Standardprogramm deutschsprachiger Theater und seine Balladen zählen noch immer zu den bekanntesten deutschen Gedichten.
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Ereignisse & Schlagzeilen 1805
9.Mai
Friedrich Schiller stirbt im Alter von 45 Jahren, in Weimar.
17. März

Frankreichs Herrscher Napoléon Bonaparte wird in Personalunion König im Königreich Italien. Die aufgelöste Cisalpinische Republik wird hier territorial eingegliedert.
5. April
Napoléon Bonaparte macht in den Niederlanden Rutger Jan Schimmelpenninck zum neuen Oberhaupt der Batavischen Republik.
11. April
Bündnis Russland-Großbritannien gegen Frankreich
26. Mai
Napoléon Bonaparte setzt sich in Mailand die Eiserne Krone der Langobarden (Lombardei) auf.
4. Juni
Die Ligurische Republik mit ihrer Hauptstadt Genua wird ebenso wie das angrenzende norditalienische Herzogtum Parma in das französische Kaiserreich eingegliedert.
4. Juli
Aus einem Teil des beim Louisiana Purchase von Frankreich gekauften Gebietes bilden die Vereinigten Staaten das Louisiana-Territorium.
22. Juli
In der Schlacht bei Kap Finisterre unterbinden im Dritten Koalitionskrieg Schiffe der Royal Navy unter Admiral Robert Calders Befehl das Eindringen einer von Pierre de Villeneuve geführten französisch-spanischen Flotte in den Ärmelkanal.
9. August
Die dritte Koalition gegen Frankreich entsteht. Ihr gehören Österreich, Großbritannien, Russland, Schweden und das stark dezimierte Königreich Piemont-Sardinien an.
25. August
Im geheimen Bogenhausener Vertrag kehrt das Kurfürstentum Bayern seinen Bündnispartnern Österreich und Russland im dritten Koalitionskrieg den Rücken und wechselt an die Seite Frankreichs. Der Vertrag ebnet den Weg zum Königreich Bayern.
8. September
Österreichische Truppen dringen in Bayern ein. Das löst 15 Tage später die Kriegserklärung Frankreichs an Österreich aus. Der dritte Koalitionskrieg zieht mit dem Einmarsch herauf.
25. September
Napoléon Bonaparte überquert mit seiner Armee den Rhein.
25. September
Im Bogenhausener Vertrag gestattet das Kurfürstentum Bayern den Einmarsch französischer Truppen und gibt damit sein Bündnis mit dem Kaisertum Österreich und Russland auf. Bayern unterstützt vertragsgemäß Napoleon Bonaparte mit Truppen.
14. Oktober
In der Schlacht von Elchingen siegen die Franzosen unter Michel Ney über das österreichische Heer unter Karl Mack von Leiberich.
15. Oktober
Einen Tag nach der Schlacht von Elchingen in einem Koalitionskrieg trifft Napoléon Bonaparte in Elchingen ein und führt Kapitulationsverhandlungen mit dem österreichischen Feldmarschall Karl Mack von Leiberich, dessen Heer um Ulm von den französischen Truppen unter Michel Ney eingekreist ist.
16.-19. Oktober
Die Schlacht von Ulm findet statt
17. Oktober
Karl Mack von Leiberich kapituliert in Ulm mit den Resten der geschlagenen österreichischen Armee im dritten Koalitionskrieg gegenüber französischen Truppen unter Napoléon Bonaparte.
21. Oktober
Schlacht von Trafalgar, Sieg Admiral Nelsons über die französisch-spanische Flotte
25. Oktober
Zar Alexander I. in Berlin
2. November
Mehmed Ali wird Statthalter von Ägypten.
3. November
Preußisch-russisches Bündnis (Vertrag von Potsdam)
5. November
Französische Truppen besetzen Wien.
11. November
Schlacht von Dürnstein. Die Russen und Österreicher kämpfen gegen die Franzosen.
13. November
Koalitionskrieg
Die Armee von Napoléon Bonaparte nimmt Wien ein. Die Truppen rücken kampflos in die Stadt ein.
16. November
In der Schlacht bei Hollabrunn und Schöngrabern misslingt der Versuch der französischen Armee unter Marschall Joachim Murat, eine Vereinigung russischer und österreichischer Truppen im Dritten Koalitionskrieg zu unterbinden. In der danach folgenden Schlacht bei Austerlitz kämpfen die Verbündeten vereint.
2. Dezember
In der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz siegt Napoléon über die Österreicher unter Kaiser Franz II. und die Russen unter Zar Alexander I.
15. Dezember
Im Vertrag von Schönbrunn zwischen Preußen und Frankreichs Herrscher Napoléon Bonaparte werden Gebietsveränderungen geregelt. Preußen überläßt Frankreich das Fürstentum Ansbach, Kleve und des Fürstentum Neuenburg und erhält dafür das Kurfürstentum Hannover, das allerdings zum englischen Königshaus gehört.
26. Dezember
Friede von Pressburg zwischen Österreich und Frankreich
31. Dezember
Französischer Revolutionskalender
Sein letzter Gültigkeitstag bricht an.
Im September
Erster Serbischer Aufstand
Schlacht von Ivankovac
Im August
Frankreich erobert die Insel Dominica zum zweiten Mal.
Im April
Muhammad Ali Pascha, osmanischer General, gründet eigene Dynastie in Ägypten.
Im Mai
Die Fürstabtei St. Gallen wird aufgehoben.
26. November
Das Pontcysyllte-Aquädukt in Wales wird eröffnet. Es ist das längste und höchste Aquädukt in Großbritannien.
Im März
Joseph-Marie Jacquard stellt in Paris seine Lochkartengesteuerte Webmaschine vor, was sich als entscheidender Auslöser der Industriellen Revolution erweist.
Im April
Henri-Louis Pernod gründet eine Destillerie, das heutige Unternehmen Pernod.
7. April
Uraufführung der 3. Sinfonie (Eroica) von Ludwig van Beethoven
9. Mai
Uraufführung der Oper Délia et Verdikan von Henri Montan Berton an der Opéra-Comique in Paris
15. Mai
In der Auslage des Fleischerladens von Johann Georg Lahner in Wien hängen die neu kreierten Wiener Würstchen.
20. November
Uraufführung der Oper Fidelio von Ludwig van Beethoven in Wien
Im Dezember
Gründung der Pennsylvania Academy of the Fine Arts
5. Februar
Der britische Ostindienfahrer Earl of Abergavenny sinkt vor Weymouth (England), nachdem er zuvor durch die Strandung auf einer Sandbank beschädigt wurde. 261 der 405 Menschen an Bord sterben, darunter der Kapitän John Wordsworth, ein Bruder des Dichters William Wordsworth.
26. Juli
Ein Mittelitalien von Neapel bis Campobasso heimsuchendes Erdbeben fordert nach Schätzungen über 26.000 Tote.
14. Dezember
Bei einem Brand im Stift Melk in Niederösterreich sterben etwa zwei- bis dreihundert russische Kriegsgefangene, die seit der Schlacht von Austerlitz in der Nordbastei des Stiftes interniert waren